Schlafforschung-Schlafdauer
Reisende kennen das Phänomen: Die erste Nacht im Hotel kann lang und schlaflos werden. Warum aber ist ausgerechnet die erste Nacht immer so unruhig? Forscher aus den USA sind dem Erste-Nacht-Effekt auf den Grund gegangen. Mit erstaunlichen Ergebnissen: Tatsächlich schaltet unser Gehirn in der neuen Umgebung in einen Gefahrenabwehrmodus. Darum schlafen wir die erste Nacht schlecht - und das können wir dagegen tun ...

Hotel Schlafprobleme: Warum?

In Japan gibt es das Sprichwort: „Erwarte das Glück schlafend.“ Ein anderes Sprichwort aber besagt: "Wenn du das Kopfkissen wechselst, schläfst du nicht."

Denn dieses Phänomen ist bekannt, bei Geschäfts- und Urlaubsreisenden: In der ersten Nacht im Hotelzimmer schläft man häufig sehr viel unruhiger als in den darauffolgenden.

Dass es sich dabei keineswegs um eine Legende handelt, haben Masako Tamaki und Yuka Sasaki, Professoren für Kognitive Linguistik und Psychologie an der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island, nun wissenschaftlich untermauert. In einer Studie, die im Fachmagazin Current Biology erschienen ist, gingen sie dem "Erste-Nacht-Phänomen" auf den Grund.

Hotel Schlafprobleme: Das Experiment

Sie beobachteten im Verlauf von drei Wochen mit Hilfe von Hirnstrommessungen und bildgebenden Verfahren die Hirnaktivität von 35 Probanden während ihres Schlafes - jeweils zwei Nächte hintereinander im Abstand von einer Woche. Dabei fanden sie heraus, dass die linke Gehirnhälfte in der neuen Umgebung wacher bleibt als die rechte und in eine Art Alarmstufe schaltet, eine „Pass auf!“-Stellung bezieht.

Wenn die Forscher die linke Hirnhälfte der Probanden in der Tiefschlafphase mit einem unregelmäßigen Piepton stimulierten (indem sie ihn ins rechte Ohr spielten), war die Wahrscheinlichkeit sehr viel höher, dass die Person aufwachte und hochschnellte, als wenn sie den Piepton dem linken Ohr vorspielten, um die rechte Gehirnhälfte zu triggern. Der Unterschied liegt den Forschern zufolge im sogenannten Default-Mode-Netzwerk. Im wachen Zustand wird dieses vermutlich beim Nichtstun aktiviert, erzeugt Tagträumereien und Gedankenketten.

Dieser Effekt ließ sich nun während der ersten Nacht in der erholsamen, langwelligen Tiefschlafphase beobachten, nicht aber in anderen Schlafphasen. Und: In der zweiten Nacht in neuer Umgebung trat der Effekt gar nicht mehr auf. Schlussfolgerung der Forscher: Den Erste-Nacht-Effekt gibt tatsächlich nur in der ersten Nacht, nur in der linken Hirnhälfte und nur während der Tiefschlafphase.

Nachtwache im Tiefschlaf

"Wir wissen, dass Meerestiere und manche Vögel einen solchen Ein-Hemisphären-Schlaf haben, bei dem eine Hirnhälfte wach bleibt und die andere schläft", sagt Yuka Sasaki. Menschliche Gehirne würden zwar nicht genauso asymmetrisch arbeiten wie die von Meerestieren. Möglicherweise aber "haben unsere Gehirne ein Miniatur-System dessen, was Wale und Delphine haben", glaubt Sasaki.

Wichtig auch: Bei den Probanden handelte es sich um kerngesunde Menschen. Sie litten nicht unter Angstzuständen, wurden gar auf geistige Gesundheit geprüft, um sicherzustellen, dass ihr Schlaf nicht von der Norm abweicht. "Nach unserem Wissen wurde diese asymmetrische Tiefschlaf-Aktivität während der ersten Nacht noch nie beim Menschen nachgewiesen", schreiben die Autoren.

Die Studie zeige zweifelsfrei, dass Menschen in der ersten Nacht in einer neuen Umgebung wachsamer und empfindlicher sind. Dies sei, so die Autoren, mit einer Nachtwache vergleichbar, die den Zwecke habe, uns selbst vor möglichen Gefahren zu schützen.

Was bedeutet das für mich?

Zunächst, dass Schlafstörungen auf Reisen kein Ausdruck übermäßiger Unruhe oder gar von Angstzuständen sind, sondern evolutionär bedingt, völlig normal. Der Nachteil allerdings: Wir können diese Programmierung nicht ohne Weiteres wieder aufheben. Ein geruhsamer Schlaf in der ersten Hotelnacht lässt sich nicht - oder nur sehr schwer - durch besondere Maßnahmen und erprobte Einschlafhilfen bezwingen, wie beispielsweise...

Hotel Schlafprobleme: Was tun?

Die Forscher wiederum empfehlen Reisenden...

  • stets Ihr eigenes Kopfkissen mitzunehmen
  • immer das gleiche oder ähnliche Hotels zu buchen

Das könne die Effekte möglicherweise aufheben oder zumindest lindern. Auch sei es denkbar, dass Vielreisende weniger unter den Schlafstörungen leiden würden. Denn menschliche Gehirne seien sehr flexibel, könnten sich anpassen.

Aber es gibt auch noch einen anderen praktischen Tipp: Wenn Sie einen wichtigen Termin in einer fremden Stadt vor der Brust haben - sei es eine Vertragsverhandlung, eine Rede bei einer Konferenz auch ein professionelles Sport-Match - dann reisen Sie nach Möglichkeit schon einen Tag früher an. Der Erste-Nacht-Effekt lässt sich so aussitzen, die zweite Nacht - unmittelbar vor dem Termin - wird geruhsamer.

[Bildnachweis: ruigsantos by Shutterstock.com]

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