Ausbildung verkürzen: So geht’s
Wie lange eine Ausbildung dauert, ist für den jeweiligen Beruf in der zugehörigen Ausbildungsordnung festgelegt und wird im Ausbildungsvertrag des Azubis vermerkt. Manch einem kommt diese Zeit aber viel zu lang vor. Die Lösung: Ausbildung verkürzen! Mit dieser Möglichkeit müssen Azubis sich frühzeitig beschäftigen, denn um die Vorzüge einer verkürzten Ausbildung genießen zu können, muss der Antrag rechtzeitig bei der zuständigen Stelle eingehen. Wir zeigen, wer seine Ausbildung verkürzen kann, was Sie dabei beachten müssen und welche Zeit Sie einsparen können...

Ausbildung verkürzen: Nehmen Sie es selbst in die Hand

Sie stehen kurz vor Beginn Ihrer Ausbildung oder haben diese bereits begonnen und spielen mit dem Gedanken, eine verkürzte Ausbildungszeit anzustreben? Grundsätzlich eine gute Idee, denn es verhilft Ihnen nicht nur zu der Chance, früher in den Arbeitsmarkt einzusteigen, sondern unterstreicht auch Ihre Qualifikation.

Diese Möglichkeit fällt keinem Auszubildenden in den Schoß. Jeder muss sich selbst um die nötigen Anträge und Fristen kümmern. Das bedeutet vor allem: Sie müssen sich informieren, welche Optionen Ihnen zur Verfügung stehen. Zwar gibt es gleich eine ganze Reihe an Möglichkeiten, um die Ausbildung zu verkürzen, aber Sie müssen selbst entscheiden, welche davon für Sie geeignet ist.

Um Ihnen einen Überblick zu verschaffen, stellen wir Ihnen Möglichkeiten vor, mit denen Sie Ihre Ausbildung verkürzen können und erklären, was Sie dabei jeweils beachten müssen.

Ausbildung verkürzen: So klappt es für Sie

Pressmaster/shutterstock.comSie haben Ihren Ausbildungsvertrag in der Tasche? Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch! Die größte Hürde haben Sie also schon gemeistert. Haben Sie sich auch schon Gedanken darüber gemacht, ob Sie die volle Ausbildungszeit von drei oder sogar dreieinhalb Jahren absolvieren wollen?

Natürlich ist es noch früh, doch sollten Sie diese Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben. Im Zweifelsfall müssen Sie mit Ihrem Ausbilder sprechen und rechtzeitig einen Antrag einreichen. Aus welchen Gründen Sie Ihre Ausbildung verkürzen können, ist in den Paragraphen 7 und 8 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) geregelt.

Unsere Übersicht zeigt Ihnen, welche Optionen Ihnen offen stehen, um Ihre Ausbildung zu verkürzen:

  1. Anrechnung beruflicher Vorbildung (§ 7 BBiG)

    Sie haben bereits eine Berufsausbildung an einer anderen Einrichtung, beispielsweise an einer berufsbildenden Schule, absolviert? Dann können Sie sich diese ganz oder zumindest teilweise anrechnen lassen. Die Regelungen unterscheiden sich jedoch von Bundesland zu Bundesland. Ein entsprechender Antrag von Auszubildendem und Ausbilder muss zu Beginn der Ausbildung bei der zuständigen Stelle eingereicht werden.

    Sollte die Anrechnung bei Ihnen möglich sein, wird die Zeit als bereits erbrachte Ausbildungszeit angesehen. Die Verkürzung wird im Ausbildungsvertrag vermerkt und der Azubi hat entsprechende Ansprüche, beispielsweise auf höhere Vergütung.

  2. Verkürzung der Ausbildung wegen Schulabschluss (§ 8 BBiG)

    Auch ein höherer Schulabschluss kann zu einer kürzeren Ausbildung führen. So ist beispielsweise bei Abitur oder Fachhochschulreife eine Verkürzung der Ausbildungszeit von einem Jahr möglich. Voraussetzung ist, dass auch der ausbildende Betrieb mit der Kürzung einverstanden ist und der Antrag gemeinsam gestellt wird. Der Antrag kann bereits zu Beginn der Ausbildung gestellt werden, es besteht aber die Möglichkeit, diesen bis zu 12 Monate vor Ende der Ausbildung einzureichen.

    Anders als bei der Anrechnung einer beruflichen Vorbildung, gilt die schulische Bildung nicht als bereits erbrachte Ausbildungszeit. Im Ausbildungsvertrag wird lediglich die verkürzte Ausbildungszeit festgehalten. Somit besteht auch kein Anspruch auf höhere Vergütung.

  3. Verkürzung wegen beruflicher Vorbildung (§ 8 BBiG)

    Sie haben bereits Berufserfahrung in einem zu Ihrer Ausbildung verwandten Bereich gesammelt? Dann können Sie die Zeit Ihrer Ausbildung verkürzen. Auch eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung verringert Ihre Ausbildungszeit. Den entsprechenden Antrag müssen Azubi und Ausbilder gemeinsam bei der zuständigen Stelle einreichen. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Industrie- und Handelskammer (IHK).

    Auch hier gilt: Der Antrag muss spätestens ein Jahr vor dem Ende der Ausbildung eingereicht werden und die Verkürzung der Ausbildungszeit wird im Ausbildungsvertrag festgehalten. Höhere Ansprüche entstehen daraus für den Azubi nicht.

  4. Verkürzung wegen Wechsel des Ausbildungsplatzes (§ 8 BBiG)

    Wer seinen Ausbildungsplatz wechselt, brauch sich in der Regel keine Sorgen um die bisher investierte Zeit zu machen. Diese wird voll auf den neuen Ausbildungsplatz angerechnet und als bereits erbrachte Ausbildungszeit angesehen. Wer beispielsweise im zweiten Ausbildungsjahr an einen neuen Ausbildungsplatz wechselt, wird dort quasi ins zweite Lehrjahr eingestuft und hat entsprechend Anspruch auf die höhere Vergütung.

    Das kann übrigens auch gelten, wenn Sie den Ausbildungsberuf wechseln. Einzige Voraussetzung hierfür ist, dass es sich um einen ähnlichen Beruf handelt - die bisherigen Ausbildungsinhalte müssen weitestgehend vergleichbar sein.

  5. Verkürzung wegen guter Leistungen (§ 45 BBiG)

    Nicht nur vor Ihrer Ausbildung können Sie auf eine verkürzte Ausbildungszeit hinarbeiten. Auch Ihre Leistungen während der Ausbildung selbst können Ihnen dabei helfen. Wer sowohl durch seine schulischen, als auch durch seine Leistungen im Betrieb überzeugt, kann vorzeitig zur Abschlussprüfung zugelassen werden.

    Um die Prüfung bereits vorzeitig ablegen zu können, ist in der Regel eine Durchschnittsnote von mindestens 2 erforderlich. Hierfür wird sowohl die Berufsschule als auch der ausbildende Betrieb befragt. So soll sichergestellt werden, dass der Azubi über alle Fähigkeiten verfügt, die in der Ausbildung vermittelt werden sollen.

Ausbildung unterbrechen: Auch frühere Zeiten werden angerechnet

Es kann verschiedene Gründe haben, warum Sie Ihre Ausbildung unterbrechen müssen: Eigene gesundheitliche Probleme, pflegebedürftige Angehörige oder der Wechsel zu einem anderen Ausbildungsplatz klappt erst mit Verzögerung.

Auch in diesen Fällen geht Ihre bisherige Ausbildung nicht verloren. Sie können Ihre Ausbildung nach der Unterbrechung fortsetzen, ohne wieder bei Null anfangen zu müssen. Das gilt auch für Ihr Ausbildungsgehalt. Wer seine Ausbildung im zweiten Jahr unterbricht, hat auch bei seiner Rückkehr Anspruch auf die entsprechende Vergütung.

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