Flipchart-Regeln-TippsMit dem Siegeszug von Powerpoint und Keynote sind Flipcharts ein wenig außer Mode geraten, obwohl sie – wie ich finde – in kleineren Gruppen oft die bessere Präsentations-Alternative darstellen. Hierbei gibt es mehr Interaktion mit dem Publikum beziehungsweise den Workshopteilnehmern, die zudem den Entstehungsprozess von Thesen und Grafiken (etwa bei Brainstormings oder Umfragen) live mitverfolgen können. Überdies erlauben Flipcharts mehr Spontaneität, da Sie in Ihrem Vortrag damit auch schnell mal etwas einbauen können, was nicht schon vorbereitet war. Das wiederum erhöht die Aufmerksamkeit und nicht selten auch den Erinnerungswert des dort Gehörten und Gesehenen…

Flipchart Regeln: Auf die Reihenfolge kommt es an

Flipchart-PräsentationEinfach ist einfach besser. Das gilt für Präsentationen generell, aber natürlich auch für die Illustration von Inhalten. Selbst noch so schön ausgearbeitete und animierte Präsentationen können am Zuschauer vorbei gehen. Perfekt ist dann zu glatt, der Redner wirkt von seinem Publikum seltsam entrückt.

Mit Stift und Papier noch selber zu malen, sieht nicht nur nach ehrlichem Handwerk aus, es ist auch authentisch. Und gerade in kleinen Gruppen, Seminaren und Workshops mit bis zu 20 Teilnehmern ist das Präsentieren mit dem Flipchart viel spannender als mit Beamer und Laptop.

Wie bei allen Werkzeugen gilt aber auch beim Flipchart: Ohne Übung und etwas Know-how über den richtigen Einsatz, bleibt das Instrument ineffektiv bis unwirksam.

So ist etwa eine wichtige Flipchart-Regel, die gerne ignoriert wird: Erst sagen, dann schreiben! Niemals sollten Sie fertige Flipchartblätter einfach nur ablesen beziehungsweise kommentieren. Erstens beleidigt das die Intelligenz der Zuhörer (die können selber lesen); zweitens hört sowieso keiner zu. Besser ist, die Punkte (oder Grafiken) zuerst verbal zu erarbeiten, dann aufzumalen.

Flipchart Tipps: So nutzen das Werkzeug zur Präsentation

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Tipps und Regeln, wie sich Flipcharts optimal einsetzen lassen. Die wichtigsten davon stammen aus eigener jahrelanger Erfahrung und stecken in dieser Liste:

  • Position.

    Stellen Sie das Flipchart nie in die Mitte der Bühne oder des Raumes. Das ist IHRE Position, Sie sind der Mittelpunkt und das Aufmerksamkeitszentrum der Präsentation. Das Flipchart steht immer daneben. Achten Sie beim Schreiben oder Zeichnen auch darauf, dass Sie Ihre Zeichnungen oder Bulletpoints nicht verdecken.

  • Papier.

    Wählen Sie die optimale Oberfläche zum Beschreiben: Linien oder Karos eignen sich nur, wenn Sie diese Hilfslinien benötigen und einbauen, ansonsten irritieren sie nur das Auge. Die Mehrheit der Flipchart-Profis arbeitet mit blanken Blättern.

  • Stifte.

    Je komplexer Ihre Zeichnungen werden, desto mehr sollten Sie mit Farben arbeiten. Kräftigen Farben vor allem. Also: Blau, Grün, Rot, Schwarz. Gelb, Orange oder Pastelltöne hingegen sind von Weitem zu schwer zu erkennen. Treiben Sie es dabei aber nicht zu bunt: Darunter leidet die Übersichtlichkeit. Es versteht sich von selbst, dass Sie vor dem Vortrag prüfen, dass alle Stift schreiben beziehungsweise genug Tinte haben.

  • Schreiben.

    Was für Powerpointfolien gilt, trifft auch auf Flipchart-Blätter zu: Schreiben Sie groß und deutlich, idealerweise in DRUCKSCHRIFT (wie hier) und möglichst nur in Stichworten oder verwenden Sie lediglich Schlüsselbegriffe (Reizworte). Sätze merkt sich keiner – sie brauchen auch zu lange, um sie aufzuschreiben. Merken Sie sich dazu die Zehn-Finger-Faustregel: Buchstaben nie kleiner als der kleine Finger; nicht mehr als zehn Worte pro Blatt.

  • Zeichnen.

    Grafiken, Diagramme oder Torten sollten Sie so einfach wie möglich halten. X-Achse, Y-Achse und eine aussagekräftige Kurve reichen schon, um Ihre Kernbotschaft zu illustrieren. Fangen Sie bloß nicht an, perfekte Skalierungen oder dreidimensionale Objekte korrekt zu skizzieren. In der Zeit schaltet jeder ab, und sowas gehört auch eher in das Handout zur Präsentation hinterher.

  • Spickzettel.

    Zeichnen Sie die Diagramme vor – entweder daheim zum Üben oder mit Bleistift klein in eine Ecke des Flipchart-Blattes. Das sieht kein Mensch, aber für Sie ist es ein prima Merk- und Spickzettel zum Abmalen. Sind die Zeichnungen aufwendiger, können Sie diese natürlich auch schon vorbereiten und während der Präsentation nur noch die Linien oder Werte darin vervollständigen.

  • Index.

    Wenn Sie jeder Seite eine eigene Überschrift geben, bekommen der Vortrag, aber auch die Blätter automatisch Struktur. Die Überschriften können Sie ebenfalls schon vorher auf die Flipchart-Seiten schreiben – so entsteht mit jedem Umblättern etwas Spannung.

  • Patchwork.

    Das analoge Pendant zu Überblend-Effekten oder Folienanimationen bei Powerpoint oder Keynote sind bunte Karten, die Sie mit (wiederabziehbaren) Klebestreifen an eine Flipchartsseite heften können. So nutzen Sie das Flipchart wie eine Pinnwand. Dabei lassen sich dann etwa Organigramme oder Flussdiagramme erarbeiten und laufend korrigieren. Indem Sie den Karten verschiedene Formen geben, bringen Sie noch mehr Abwechslung in den Vortrag.

  • Service.

    Bieten Sie Ihren Teilnehmern oder Zuhörern an, die Ergebnisse der Flipcharts später zuzuschicken. Entweder Sie tippen diese dazu hinterher ab und mailen Sie Ihrem Publikum als PDF zu – oder aber Sie machen Fotos davon und stellen diese auf Ihre eigene Website zum Herunterladen. Solange darauf keine konkreten Namen von Personen oder Unternehmen stehen, können damit nur Eingeweihte etwas anfangen.

Paper – Eine Flipchart-Alternative für Seminare und Workshops

Die iPad-Applikation Paper versteht sich selbst zwar als Skizzenbuch für Kreative, doch für Trainer und Coaches kann Sie ein wunderbarer Flipchart-Ersatz und ein günstiges Visualisierungstool sein. Wie das funktioniert, zeigt dieses Video-Tutorial:

Flipchart Präsentation: Nutzen Sie Strichmännchen!

Flipchart-StrichmännchenEine ebenso kreative wie auch effektive Methode, Informationen auf dem Flipchart zu illustrieren und zu emotionalisieren, sind Strichmännchen. Die sind ein bisschen aus der Mode gekommen – aber zu unrecht. Die kleinen, simplen Figuren lassen sich in wenigen Sekunden zeichnen und sind irgendwie immer emotional.

Wikipedia schreibt dazu:

Ein Strichmännchen ist ein stilisiertes Bild eines fiktiven oder real existierenden Lebewesens, dessen Gliedmaßen jeweils nur durch einen einzigen Strich dargestellt werden. Strichmännchen reduzieren ein Lebewesen auf das Wesentliche. Trotzdem können Strichmännchen sehr gut Gefühle und Emotionen ausdrücken.

Wie gut das geht beweist allein schon Betsy Streeter in ihrer wirklich gelungenen Präsentation. Bitte klicken Sie sich durch die Folien, auch wenn es etwas Zeit braucht. Es lohnt sich!

Falls Sie immer noch nicht überzeugt sind, hier noch vier einfache Beispiele, wie sich Präsentationen, Vorträge oder Seminare mit simplen Strichmännchen und einer Prise Humor auflockern lassen:

Bei allen Flipchart-Regeln und Präsentations-Tipps sei aber noch einmal gesagt: Es ist nur ein Werkzeug. Die Hauptrolle spielen bei allem Sie selbst. Schlechte Vorbereitung und unausgereifte Inhalte kann auch ein Flipchart-Vortrag nicht retten.

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