von Jochen Mai am 25. November 2008
→ Test in Büro
Vertrauenskrise – Wie Sie Vertrauen verspielen
Authentisch sein, vertrauensvoll, glaubwürdig – das sind Eigenschaften, die Manager sich heute gerne zuschreiben, in Krisenzeiten vielleicht noch etwas mehr. Davon zu reden, erhöht aber nicht das Vertrauen der Mitarbeiter, es steigert auch nicht die Glaubwürdigkeit. Im Gegenteil: Worte sind billig, wer sie zu oft verwendet ohne Taten folgen zu lassen, schürt nur den Verdacht eine Nebelkerzenwerfer zu sein, jemand, der das eine sagt, um zu verschleiern, dass er das andere tut.
Im Leadership-Blog von George Ambler habe ich eine schöne Liste gefunden mit Verhaltensweisen, wie Sie das Vertrauen anderer erschüttern, wenn nicht gar zerstören können. Verstehen Sie diese Aufzählung ruhig als Checkliste. Wer mehr als fünf Punkte ankreuzen könnte, ist auf dem besten Weg Vertrauen zu verspielen:
- Sie halten sich nicht an Abmachungen, Arrangements, Versprechen.
- Sie kümmern sich zuerst um den eigenen Vorteil.
- Sie vermeiden Kompromisse und maximieren nur den eigenen Profit.
- Sie wollen alles und immer kontrollieren statt zu delegieren.
- Ihre Worte und Taten widersprechen sich offensichtlich.
- Sie verschweigen wichtige Informationen gegenüber Kollegen.
- Sie belügen Ihr Umfeld.
- Sie suchen die Schuld vornehmlich bei anderen – und bezichtigen sie öffentlich.
- Sie kritisieren öfter als Sie loben. Konstruktives Feedback ist bei Ihnen rar.
- Sie setzen sich über Vertraulichkeiten hinweg und beteiligen sich am Flurfunk.
- Sie treffen einsame Entscheidungen und erlauben niemand Ihnen dabei zu helfen.
- Sie spielen die Stärken und Talente andere herunter (um selber besser dazustehen).
- Sie versäumen es andere zu fördern oder bei ihrer Entwicklung zu unterstützen.
- Sie fragen nie um Rat oder Hilfe.
- Sie sind eine Maschine, Privates im Job klammern Sie völlig aus (auch Humor).
- Sie empfinden jede Form von Kritik als persönlichen Angriff (und schlagen entsprechend zurück).
- Sie versuchen aufkommende Diskussionen, die Ihr Wirken schmälern könnten, im Keim zu ersticken.
- Sie versuchen Konflikte aller Art zu vermeiden oder herunterzuspielen.
- Sie nutzen Meetings vor allem als Bühne zur Selbstdarstellung.
- Sie schmieden hinterrücks Allianzen und Intrigen mit anderen Teams und Kollegen.
- Der Rechtsstaatgrundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ ist Ihnen fremd.
- Sie entschuldigen sich nie für Fehler, Missverständnisse oder schlechtes Benehmen.
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1. Kommentar
sevenjobs
25.11.08 um 13:24 Uhr
Welcher Mensch würde denn diese Fragen ehrlich beantworten? Besonders das Verschweigen von infos, das Horten von Wissen wird ja häufig nicht bewußt vorgenommen. Als Managementberwertungsliste macht diese Aufstellung sicherlich noch mehr Sinn, wenn Mitarbeiter ihre Vorgesetzten bewerten sollen.
2. Kommentar
Jochen Mai
25.11.08 um 14:13 Uhr
Wieso sollte man zu sich selbst unehrlich sein?!
3. Kommentar
Norbert Glaab
25.11.08 um 14:37 Uhr
Ehrlich zu sich selbst sein, kann Leid verursachen.
Einen Haupgrund dafür sehe ich in unserem sozialen Umfeld. Schuld und Scham sind tief verwurzelt, und erzeugen Unlust, den unser limbisches System zu vermeiden versucht. Hat man diesen Zusammenhang erkannt, wirkt es wie ein Befreiungsschlag. (Eigen- und Fremdefahrung haben es mir bestädigt)
Die Selbstlüge ist noch eine große Zivilisationskrankheit.
Danke für die Frage! :-)
4. Kommentar
sevenjobs
25.11.08 um 14:49 Uhr
Weil man in der Ehrlichkeit Dinge über sich entdeckt, die man nicht wahrhaben möchte, weil sich viele Menschen gerne etwas vormachen, um vor Anforderungen zu fliehen, um ihr Unvermögen zu entschuldigen, weil man sich hinter der Lüge versteckt. Sich selber kritisch zu sehen und daraus Konsequenzen zu ziehen bedarf einer großen inneren Stärke. Wo ist diese Stärke heute noch gefragt, wo doch Selbstkritik und Ehrlichkeit keine Erfolgsfaktoren mehr sind?
5. Kommentar
Tinkerbell
26.11.08 um 09:32 Uhr
Aber irgendwie schon schade, wenn man nicht mal zu sich selbst ehrlich sein soll.
Ist übrigens auch spannend die Liste beim eigenen Chef anzuwenden. Bei mir erklärt das in einigen Fällen, warum ich langsam das Vertrauen in und den Respekt vor meinem Chef verliere.
6. Kommentar
heiko schwardtmann
26.11.08 um 15:29 Uhr
Wow! Es ist interessant zu lesen WIE einfach es zu sein scheint Gründe dafür zu finden unehrlich zu sich selbst zu sein. Besser noch: Es zu rechtfertigen. Meiner Meinung ist jede Selbstlüge wie eine Schaufel Erde beim Ausheben des eigenen Grabes…
Aber um dem entgegen zu wirken, habe ich hier ein paar Gründe dafür ehrlich zu sich selbst zu sein:
- sich persönlich weiterentwickeln
- aus Fehlern lernen, damit sie sich NICHT wiederholen
- erfolgreicher zu werden (das klappt nur doch ehrliches Feedback)
- Ehrlichkeit erlaubt ein schlechtes Gedächtnis ;-)
- neues über sich kennen zu lernen, von dem man gar nicht wusste, dass man es kann/hat/ist.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Ehrlichkeit und die Fähigkeit zur Selbstreflektion (ob das nun immre gleich Selbstkritik ist, sei mal dahingestellt) absolut Erfolgsfaktoren sind.
Danke für den Artikel und die interessante Diskussion.
7. Kommentar
Norbert Glaab
26.11.08 um 17:34 Uhr
@ Heiko Schwardtmann
Ja, das gehört leider nicht die so kilometerlange Managementliteratur.
Erhrlichkeit als Erfolgsfaktor!!!! Bei dem Buchtitel schreibe ich gerne mit. :-)
8. Kommentar
Jochen Mai
26.11.08 um 22:54 Uhr
Nur mal so: Ehrlichkeit – so sehr ich sie schätze – kann auch negativ sein. Dann etwa, wenn sie verletzend wird: “Du hast Mundgeruch! Ziemlich üblen sogar…” Oder: “Das ist das Schlechteste, was du jemals produziert hast…” Und in manchen Fällen wirkt Ehrlichkeit gar wie ein Karrierekiller: “Boss, Ihre Idee ist großer Mist!” Letztlich darf man solche Wert nicht absolut sehen, sie gehören in einen Zusammenhang und auch in die richtige Zeit (vulgo: timing).
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