Manterrupting: Bedeutung, Beispiele + richtig kontern

Sie redet – er unterbricht. Manterrupting bezeichnet das Verhalten von Männern, Frauen im Gespräch unnötig ins Wort zu fallen. Besonders im Job und in Meetings kann das dazu führen, dass Frauen weniger Redezeit bekommen oder ihre Argumente nicht zu Ende bringen können. Was Manterrupting genau bedeutet, woran Sie es erkennen und wie Sie sich souverän dagegen wehren…

Manterrupting Definition Beispiele Ursachen Reaktion Tipps

Definition: Was ist Manterrupting?

Manterrupting bedeutet, dass ein Mann eine Frau beim Sprechen unnötig unterbricht und ihr damit das Wort oder die Aufmerksamkeit entzieht. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „man“ (= Mann) und „interrupting“ (= unterbrechen) zusammen. Typisches Manterrupting passiert häufig in Meetings: Eine Frau erläutert einen Vorschlag, ein männlicher Kollege fällt ihr mitten im Satz ins Wort und übernimmt das Gespräch. Dadurch kann nicht nur ihr Redebeitrag verloren gehen – wiederholte Unterbrechungen können auch Dominanz demonstrieren und die Wahrnehmung ihrer Kompetenz beeinträchtigen.

Wichtig: Nicht jedes Unterbrechen einer Frau durch einen Mann ist automatisch Manterrupting! Gesprächspartner fallen sich ebenso aus Begeisterung, Zeitdruck oder zur Klärung gegenseitig ins Wort. Das bleibt zwar unhöflich, ist aber nicht gleich geschlechtsspezifisch oder sexistisch. Entscheidend für Manterrupting ist ein wiederkehrendes oder unnötiges Unterbrechen, durch das gezielt Frauen nicht ausreden können oder die Gesprächsführung verlieren.

Herkunft: Woher kommt der Begriff Manterrupting?

Bekannt wurde der Begriff erstmals durch die US-Journalistin Jessica Bennett. Im Januar 2015 veröffentlichte sie im TIME-Magazin den Artikel „How Not to Be ‚Manterrupted‘ in Meetings“. Darin bezeichnete sie das unnötige Unterbrechen einer Frau durch einen Mann als „Manterrupting“. Als prominentes Beispiel nannte Bennett den Auftritt von Kanye West bei den MTV Video Music Awards 2009: Während Taylor Swift ihre Dankesrede hielt, nahm West ihr das Mikrofon ab und unterbrach sie, um Beyoncé zu loben. Bennett prägte in demselben Beitrag noch einen weiteren Begriff: „Bropropriating“ – wenn ein Mann die Idee einer Frau übernimmt und dafür selbst Anerkennung erhält.

Manterrupting gehört damit zu einer Reihe neuerer Begriffe, die geschlechtsspezifische Kommunikationsmuster beschreiben. Dazu zählt auch Mansplaining. Der Unterschied: Beim Mansplaining steht das herablassende Erklären im Vordergrund, beim Manterrupting das Unterbrechen und Übernehmen des Gesprächs.

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Woran erkenne ich Manterrupting?

Nicht jede Unterbrechung im Gespräch ist gleich Manterrupting. Entscheidend ist, ob ein Mann einer Frau wiederholt oder unnötig ins Wort fällt und ihr dadurch Redezeit oder Aufmerksamkeit entzieht. Typische Anzeichen sind:

  • Der Mann fällt der Frau wiederholt ins Wort.
  • Er lässt sie ihre Gedanken nie zu Ende führen.
  • Er übernimmt nach der Unterbrechung selbst das Gespräch.
  • Er ignoriert Versuche der Frau, weiterzusprechen.
  • Er unterbricht Frauen häufiger als männliche Kollegen.
  • Er greift ihre Argumente auf und führt sie selbst weiter.
  • Er verschafft sich dadurch mehr Redezeit und Aufmerksamkeit.

Besonders auffällig wird Manterrupting, wenn sich ein Muster erkennen lässt: Während männliche Kollegen ausreden können, werden Frauen regelmäßig unterbrochen oder müssen um ihr Rederecht kämpfen.

Manterrupting Beispiele im Job

Manterrupting fällt besonders in Meetings, Diskussionen und anderen Gesprächssituationen auf, in denen mehrere Personen um Redezeit konkurrieren. Typische Beispiele sind:

Beispiel im Meeting

Eine Mitarbeiterin präsentiert einen Vorschlag. Noch bevor sie ihre Argumentation beendet hat, fällt ihr ein Kollege ins Wort: „Ja, aber das eigentliche Problem ist doch …“ Anschließend spricht er mehrere Minuten weiter.

Beispiel bei einer Präsentation

Eine Expertin beantwortet eine Frage aus dem Publikum. Ein männlicher Kollege unterbricht ihre Antwort mehrfach, ergänzt eigene Erklärungen und übernimmt schließlich das Gespräch.

Beispiel in einer Diskussion

Eine Mitarbeiterin versucht wiederholt, ihren Standpunkt zu erläutern. Ihr Kollege spricht jedoch jedes Mal dazwischen. Bei den männlichen Teilnehmern wartet er dagegen, bis diese ihre Argumente beendet haben.

Beispiel mit Ideenklau

Eine Kollegin beginnt, eine neue Idee vorzustellen. Ein Kollege unterbricht sie, führt ihren Gedanken weiter und erhält anschließend Zustimmung für den Vorschlag. Geht es dabei zusätzlich darum, sich mit ihrer Idee selbst zu profilieren, spricht man auch von „Bropropriating“ bzw. Ideenklau.

Die Beispiele zeigen den entscheidenden Unterschied zum normalen Unterbrechen: Beim Manterrupting wird der Redefluss nicht nur kurz gestört. Die Frau verliert wiederholt die Möglichkeit, ihren eigenen Beitrag zu Ende zu bringen.

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Warum entsteht Manterrupting?

Manterrupting muss keine bewusste Herabsetzung sein. Häufig spielen Gesprächsgewohnheiten, Statusdenken und unbewusste Rollenbilder zusammen. Wer sich selbst als kompetent oder durchsetzungsstärker wahrnimmt, beansprucht leicht mehr Redezeit und fällt anderen eher ins Wort. Im beruflichen Umfeld können zusätzlich Hierarchien und Konkurrenz das Verhalten fördern. Unterbrechen ist dann ein rhetorisches Mittel, um mehr Einfluss zu gewinnen, Einwände durchzusetzen oder die Kontrolle über ein Gespräch zu übernehmen. Problematisch wird dies vor allem, wenn Frauen hierbei systematisch diskriminiert werden.

Persönliche Gründe können überdies sein: mangelhafte Manieren, Alphamännchen-Gehabe und Machtspiele oder aber eine veritable männliche Profilneurose. Manche Wissenschaftler vermuten, dass Männer häufiger die Sprecherrolle übernehmen, weil sie glauben, ihrer Rolle als „starkes Geschlecht“ gerecht werden zu müssen.

Unterbrechen Männer Frauen wirklich häufiger?

Die Forschung liefert hierauf einige Hinweise. Eine Studie von Hancock und Rubin zeigte beispielsweise, dass Gesprächsteilnehmer eine Gesprächspartnerin häufiger unterbrachen als eine männliche. Allerdings galt dieser Effekt für Männer und Frauen: Es waren also nicht ausschließlich Männer, die Frauen unterbrachen. Auch Untersuchungen politischer Debatten zeigen, dass Geschlecht eine Rolle spielen kann, aber nicht allein entscheidend ist: Eine Studie zum Deutschen Bundestag fand Manterrupting beispielsweise nicht so häufig und systematisch, dass von einer generellen männlichen Strategie gegen weibliche Abgeordnete gesprochen werden konnte. Eine umfangreichere Untersuchung von mehr als 200.000 Zwischenrufen im Bundestag zeigt wiederum, dass seit Ende der 1980er-Jahre ein geschlechtsspezifisches Muster erkennbar ist. Aber: Männer unterbrechen nicht grundsätzlich jede Frau häufiger.

Was ist der Unterschied zwischen Manterrupting und Unterbrechen?

Menschen unterbrechen sich häufig im Job. Nicht jede Unterbrechung ist deshalb grob unhöflich. Zwischenfragen können Missverständnisse unmittelbar klären, Zustimmung ausdrücken oder ein lebhaftes Gespräch fördern. Ebenso kann es der Job einer Moderation sein, jemanden in seinem Redefluss zu stoppen, falls der oder die unnötig abschweift. Der entscheidende Unterschied liegt daher nicht allein im Unterbrechen, sondern im Kontext, in der Häufigkeit und Wirkung. Ein einmaliges Dazwischenreden ist noch kein Manterrupting. Wiederholtes Abwürgen oder Übernehmen von Redebeiträgen gegenüber Frauen dagegen schon.

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Welche Folgen hat Manterrupting im Beruf?

Manterrupting ist mehr als grob unhöflich. Werden Mitarbeiterinnen regelmäßig und gezielt unterbrochen, ist das eine besonders perfide Form von Sexismus im Job und eine fiese Masche, um ihre Expertise zu schwächen oder zu demontieren. Für die Zusammenarbeit kann Manterrupting mehrere Nachteile haben:

  • Frauen bekommen weniger Raum für ihre Argumente.
  • Gute Ideen und wichtige Informationen gehen verloren.
  • Kompetenz und Autorität werden weniger wahrgenommen.
  • Frust und Konflikte im Team nehmen zu.
  • Meetings werden unproduktiver und weniger inklusiv.
  • Das Arbeitsklima und die Zusammenarbeit leiden.

Problematisch wird es vor allem, wenn sich solche Unterbrechungen als Muster etablieren. Dann geht es nicht mehr nur um schlechte Gesprächsführung, sondern darum, wer im Team gehört wird und Einfluss auf Entscheidungen nehmen kann. Untersuchungen zu Meetings zeigen, dass solche alltäglichen Interaktionsmuster die wahrgenommene Unternehmenskultur deutlich mitprägen.

Wie kann ich als Mann Manterrupting vermeiden?

Achten Sie bewusst darauf, andere ausreden zu lassen und nicht jeden Gedanken sofort einzubringen. Beobachten Sie auch, ob Sie Frauen häufiger ins Wort fallen als männlichen Kollegen. Haben Sie jemanden versehentlich unterbrochen, geben Sie das Wort einfach zurück: „Entschuldigung, Sie waren noch nicht fertig.“

Flussdiagramm Gespraechsregeln Mansplaining Manterupting

Was tun gegen Manterrupting? – 7 Tipps

Wer ständig unterbrochen wird, muss das Gespräch nicht kampflos abgeben. Oft helfen bereits kurze und bestimmte Reaktionen, um die eigene Redezeit zurückzugewinnen:

  1. Sprechen Sie einfach weiter

    Brechen Sie Ihren Satz nicht automatisch ab, sobald jemand dazwischenredet. Führen Sie Ihren Gedanken ruhig und bestimmt zu Ende.

  2. Stoppen Sie die Unterbrechung

    Sagen Sie direkt: „Entschuldigung, ich möchte bitte ausreden!“ Das setzt eine klare Grenze, ohne unnötig zu eskalieren.

  3. Holen Sie sich das Wort zurück

    Hat der Kollege die Gesprächsführung bereits übernommen, knüpfen Sie anschließend wieder an: „Stopp! Ich möchte bitte meinen Gedanken abschließen.“

  4. Sprechen Sie das Muster an

    Bei wiederholtem Manterrupting können Sie das Verhalten konkret benennen: „Mir fällt auf, dass Sie mich heute mehrfach unterbrochen haben.“ Beschreiben Sie aber nur das Verhalten, ohne die Person anzugreifen.

  5. Suchen Sie Verbündete

    Andere Kollegen können unterbrochene Redebeiträge wieder aufgreifen: „Hallo! Frau Müller war noch nicht fertig. Ich würde gerne ihren Gedanken bis zu Ende hören.“ Dadurch wird die Verantwortung nicht allein der betroffenen Person überlassen.

  6. Vereinbaren Sie Gesprächsregeln

    Teams können Gesprächsregeln festlegen, sodass jeder Redner und jede Rednerin aussprechen kann oder die Moderation Wortmeldungen verteilt. Gerade bei größeren Meetings verhindert eine klare Gesprächsführung, dass einzelne Teilnehmer eine Diskussion dominieren.

  7. Schalten Sie die Führungskraft ein

    Bleibt das Verhalten trotz mehrfacher Hinweise bestehen und beeinträchtigt es Ihre Arbeit, können Sie das Problem mit der Führungskraft besprechen. Nennen Sie konkrete Situationen und deren Auswirkungen auf die Zusammenarbeit.

Auch Moderatoren und Führungskräfte sind gefragt: Sie können Unterbrechungen stoppen, das Wort zurückgeben und darauf achten, dass die Redezeit nicht dauerhaft von einzelnen Personen dominiert wird. Strukturierte Möglichkeiten, das Wort zu erhalten, können die Beteiligung in Meetings nachweislich verbessern.

FAQ: Häufige Fragen zu Manterrupting

Ist jede Unterbrechung durch einen Mann Manterrupting?

Nein. Unterbrechungen gehören zu normalen Gesprächen und können beispielsweise durch Nachfragen, Zustimmung oder Zeitdruck entstehen. Von Manterrupting spricht man erst bei unnötigen oder wiederholten Unterbrechungen, durch die gezielt Frauen in ihrer Rede rüde abgewürgt werden. Die Forschung zeigt aber, dass der Gesprächskontext bei Unterbrechungen eine wichtige Rolle spielt.

Was ist der Unterschied zwischen Manterrupting und Mansplaining?

Beim Manterrupting steht das Unterbrechen im Mittelpunkt: Ein Mann fällt einer Frau ins Wort und übernimmt das Gespräch. Beim Mansplaining erklärt ein Mann einer Frau etwas auf herablassende Weise und wertet dabei ihre Kompetenz ab. Beide Verhaltensweisen können jedoch gleichzeitig auftreten.

Was kann ich tun, wenn eine Kollegin ständig unterbrochen wird?

Unterstützen Sie sie dabei, das Wort zurückzubekommen. Sagen Sie beispielsweise: „Frau Müller wollte ihren Gedanken noch zu Ende führen.“ Damit verhindern Sie, dass ihr Beitrag verloren geht, ohne selbst für sie zu sprechen.

Ist Manterrupting Sexismus?

Nicht jede Unterbrechung eines Mannes gegenüber einer Frau ist automatisch sexistisch. Werden Frauen jedoch aufgrund geschlechtsspezifischer Rollenbilder systematisch häufiger unterbrochen oder weniger ernst genommen, kann Manterrupting Ausdruck von geschlechtsspezifischer Benachteiligung sein. Entscheidend sind deshalb Kontext, Häufigkeit und Muster.


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