Abschiedsmail verfassen
Der Moment kommt bei jedem von uns - mal vorzeitig und unfreiwillig, mal geplant: Der Abschied vom Job. Meist ist es üblich - per Abschiedsmail - ein paar letzte Worte an Chef und Kollegen zu richten. Doch damit sollten Sie sich Zeit lassen: Alles, was Sie schreiben, kann später gegen Sie verwendet werden. Die Versuchung ist groß, in einem Abschiedsbrief den Kollegen eine kühle Generalabrechnung zu servieren oder dem Chef zu sagen, was man wirklich denkt. Fatal! So sehr man sich auch ärgert und sich nach Genugtuung sehnt: Die Wut vergeht - die Abschiedsmail bleibt. Eine Anleitung wie es richtig geht...

Legendäre Abschiedsmails und Abschiedsbriefe

Als der sächsische König Friedrich August III. im November 1918 von seinem Thron abdanken musste, hinterließ er eine Botschaft, die Geschichte schrieb: "Machd doch eiern Drägg alleene!", lauteten seine kurzen Abschiedsworte. Nicht wirklich nobel oder royal, aber dafür ungemein authentisch und ehrlich.

Die Abschiedsmail von Google-Mitarbeiter Jason Shugars ist wiederum so etwas wie ein moderner Mythos: "So long, Suckers!", schrieb der per Rundmail vor einigen Jahren an seine vormaligen Kollegen. Frei übersetzt hieß das: "Macht’s gut, Ihr Lutscher!" Bei seinen alten Kollegen sorgte das der Überlieferung nach für Amüsement. Bei den meisten Vorgesetzten dürften derart letzte Worte aber weniger gut ankommen.

Auch solche Reaktionen gibt es, auch wenn die arbeitsrechtlich sicher nicht unproblematisch sind:

Abschiedsmail Programmierer

Die Palette solcher Abschiedmails reicht von Fanalen à la "Und tschüss, ihr Arschlöcher!" über Betriebsklimabomben vom Typ "Ich bedanke mich für die gute Zusammenarbeit, auch wenn ich mich immer darüber amüsiert habe, dass Simone für die gleiche Arbeit 1000 Euro wenige bekommt als Klaus..." bis hin zu Pietätsprosa wie "Ich werde euch und meine Arbeit hier nie vergessen. Ihr behaltet immer einen Platz in meinem Herzen."

Genau das aber ist das Problem solcher Abschiedsworte: Man schreibt Abschiedsmails nicht für sich, sondern für seinen künftigen Ruf.

Abschiedsmail: Die Balance zwischen Pathos und Profession

Eine gute Abschiedsmail zu schreiben, ist gar nicht so leicht. Eigentlich ist es sogar eine Kunstform. Es gilt, die perfekte Mitte zu finden zwischen professionell, aber nicht zu sachlich und emotional, aber nicht allzu pathetisch.

Die Versuchung ist groß, mit der letzten Regung noch ein paar Schwinger an ungeliebte Vorgesetzte und Kollegen zu verteilen. Typische Botschaften sind dann: "Endlich geschafft - ich bin hier raus!" Brandreden, üble Nachrede und garstige Abrechnung sind aber nie eine gute Idee. So etwas läuft einem immer nach.

Vielmehr sollten Sie mit Ihrer Abschiedsmail vor allen Dingen...

  • Größe und Dankbarkeit beweisen
  • Arbeitgeber und Kollegen Respekt zollen
  • Einen guten letzten Eindruck hinterlassen

Man kann es auch ganz opportunistisch sehen: Wer mit einer Brandmail alle Brücken hinter sich abfackelt, kann nie wieder darüber gehen. Und da man sich bekanntlich mindestens zweimal im Leben trifft, legt sich so jemand nur selbst Steine in den Weg. Vielleicht wollen Sie ja eines Tages doch wieder hier anheuern, wenn zum Beispiel das Management ausgetauscht wurde. Oder Sie würden sich wünschen, dass Sie ein Ex-Kollege demnächst mal weiterempfiehlt? Dumm, wenn man sich dann alle Optionen verbaut hat - noch dazu ohne Zwang.

Die neutralste, aber auch sachlich-kühlste Formulierung, die immer geht, lautet daher sinngemäß:

...Ich möchte mich herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken und wünsche Ihnen/Euch alles Gute für die persönliche aber auch weitere Zukunft des Unternehmens.

Kann man so machen, wenn einem nichts Besseres einfällt. Optimal ist das aber nicht.

Abschiedsmail: Die Grundregeln beim Formulieren

Wenn Sie ein paar letzte Worte auf schriftlichem Wege an den Chef und die Kollegen hinterlassen wollen, sollten Sie sich an diesen drei Grundregeln orientieren:

  1. Positiv bleiben. Wer sich nach einer Kündigung bei seinen bisherigen Kunden und Kollegen verabschieden will, sollte nur positive Worte finden. Alles andere hinterlässt einen negativen Beigeschmack - und Rufschädigung ist strafbar.
  2. Privates verlinken. Es ist nicht professionell in einer solchen Mail (falls vorhanden) auf den neuen Arbeitgeber zu verweisen. Verlinken Sie lieber Ihre private Seite (Blog, Xing-Profil, etc.) und erklären Sie dort, wie es mit Ihnen weitergeht.
  3. Geist beweisen. Lassen Sie an keiner Stelle Bitterkeit durchklingen, sondern Humor oder noch besser: Geist. Finden Sie ein gutes Zitat, das auch andere aufbaut. Wer weiß, vielleicht sind die Empfänger gerade in einer ähnlichen Situation. So bleiben Sie als Souverän in Erinnerung - und setzen Ihrem Abschied buchstäblich die Krone auf.

Und als Extra-Tipp: Verfassen Sie Ihren Abschiedsbrief, schlafen Sie dann eine Nacht drüber und lassen Sie die Abschiedsmail auch noch mal einen Freund gegenlesen. Wenn der uns Sie danach immer noch ein gutes Gefühl dabei haben, können Sie immer noch auf "Senden" klicken...

Abschiedsmail verfassen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Abschiedsmail-AbschiedsbriefWeil in der Abschiedsmail unzählige Fallen lauern, die manchmal gar nicht so offensichtlich sind, haben wir hier noch mal eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung für Sie aufgestellt:

Schreiben Sie die Abschiedsmail am Ende der Arbeitsetappe auf jeden Fall. Sogar dann, wenn Sie nach der zweiten Woche Probezeit vor die Tür gesetzt wurden. Oder wenn Sie sich nach einem zweiwöchigen Praktikum gar nicht "berechtigt" fühlen, sich überhaupt per Mail an die Kollegen zu wenden. Nutzen Sie trotzdem die Chance, mit einer positiven Marke aus der Drehtür zu verschwinden. Es ist letztlich ein Akt des Personal Branding.

Für den Versand Ihrer Abschiedsmail gibt es wiederum zwei Optionen:

  • Sie verschicken diese am letzten Arbeitstag, wenn Sie langen Abschiedsszenen aus dem Weg gehen wollen.
  • Oder aber Sie senden diese rund eine Woche vor dem letzten Arbeitstag - etwa dann, wenn Sie die Kollegen noch zum Ausstand einladen wollen.

Wohlgemerkt: Es geht hier einzig um die Abschiedsmail. Dass Sie die lieben Kollegen schon vorher persönlich von Ihrem bevorstehenden Abgang informieren, ist eine ganz andere Sache. Perfektes Timing ist, was Ihre letzte Mail betrifft, jedenfalls nicht entscheidend. Kündigen Sie Ihren Abschied nur nicht schon Wochen im Voraus per Mail an oder zwei Tage vorher - das ergibt keinen Sinn.

Jetzt aber zum Leitfaden für Ihre Abschiedsmail:

  1. Betreffzeile

    Sie ist wichtiger, als Sie vielleicht denken. Die Augen Ihrer Kollegen werden als Erstes über die Betreffzeile schweifen. Und falls ihnen dort ein unmotiviertes „Tschö mit ö“ entgegengeschmettert wird, könnte sich manch einer veräppelt fühlen. Bleiben Sie am besten sachlich: Bewährt haben sich Betreff-Formeln wie "Mein Abschied", "Viel Erfolg", "Alles Gute" oder, wenn Ihnen das persönlich zusagt, auch "Time to say goodbye".

  2. Empfänger

    Hier kommt es vor allem auf die Größe des Unternehmens an. In einem 1.000-Mitarbeiter-Konzern allen Kollegen per Rundmail Lebewohl zu sagen, würden jeden Rahmen sprengen. Beschränken Sie sich auf die eigene Abteilung, auf Ihre direkten Vorgesetzten, Kollegen und ausgewählte Mitarbeiter anderer Abteilungen, mit denen Sie in engem Kontakt standen oder näher zusammengearbeitet haben (auch die, die Sie nicht ausstehen konnten). Was natürlich nicht ausschließt, dass Sie sich von jenen auch persönlich noch verabschieden. In einer 10-Mann-Bude, einer mittelgroßen Agentur oder Firma sollte Ihre Abschiedsmail aber zwingend an alle Mitarbeiter rausgehen. Schließen Sie hier niemanden aus, sonst sorgt Ihr letzter Gruß noch für böses Blut und die Gekränktheit Einzelner, die Ihr Gesicht in nachhaltig schlechter Erinnerung behalten.

  3. Adressliste

    Ebenfalls ein unterschätzter Faktor. Die Adressliste, die alle Empfänger Ihrer Abschiedsmail umfasst, ist keinesfalls reine Formalität, sondern wird meist sehr bewusst wahrgenommen. Mancher Kollege oder Chef, der hier ganz am Ende der Liste auftaucht, fühlt sich entehrt und in seinem Status gekränkt. Lassen Sie sich auf solche Ränkespiele gar nicht erst ein. Ordnen Sie die Adressliste am besten alphabetisch - und nicht nach Hierarchie, Sympathie, räumlicher Nähe oder sonstigen Kriterien. Mit einer alphabetisch sortierten Empfängerliste treten Sie niemandem auf den Schlips - und können im Übrigen effektiver prüfen, ob Sie womöglich noch jemanden vergessen haben.

  4. Rechtschreibung

    Böse Rechtschreibfehler, die sich in Ihre Abschiedsmail eingeschlichen haben, hinterlassen einen denkbar ungünstigen letzten Eindruck. Ganz wichtig: Checken Sie Ihre Abschiedsmail gründlich auf Rechtschreibung und Grammatik - Kommata und Buchstabendreher inklusive. Im Zweifel bitten Sie einfach Ehepartner, Nachbarn, Bruder oder Schwester am Vorabend noch einmal darum, Korrektur zu lesen. Fehlerbehaftete Mails werfen einfach ein schlechtes Licht auf Ihre Kompetenz - auch wenn Sie weder Deutsch-Lehrer noch Zeitungsredakteur sind. Niemand will böswillige Ex-Kollegen oder Chefs durch Flüchtigkeitsfehler zu dummen Sprüchen über "unseren dämlichen Ex-Kollegen" animieren.

  5. Länge

    Bitte verfassen Sie einerseits keine Romane. Andererseits wäre ein lustlos dahingestoppelter Zweizeiler kein Zeichen von Wertschätzung für Ihre Kollegen. Bleiben Sie bei einer prägnanten Mail, die aus fünf, sechs Sätzen besteht. Folgendes sollte auf jeden Fall drin sein: Anrede ("Liebe Kollegen"), kurze Einführung ("Heute ist mein letzter Arbeitstag bei xy"), eine Danksagung ("Für die gute Zusammenarbeit möchte ich mich bei euch ganz herzlich bedanken"), beste Wünsche ("Für eure Zukunft wünsche ich euch alles erdenklich Gute") und ein Abschiedsgruß. Vergessen Sie außerdem nicht, Ihre Kontaktdaten (E-Mail, Handy, Xing- oder Facebook-Profil) mit in Ihre Abschiedsmail einzubauen, damit Sie weiterhin erreichbar sind - und sich vernetzen können.

  6. Hintergrund

    Dass Sie gehen, um eine neue Stelle anzutreten, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Den Grund für Ihren Weggang können und sollten Sie also zumindest kurz erwähnen. Es soll ja schließlich jeder wissen, dass Sie von sich aus gekündigt haben und nicht etwa wegen Unfähigkeit entlassen wurden. Zudem spricht nichts dagegen, zumindest die Branche und den Standort des neuen Arbeitgebers zu nennen, etwa so: "Wie Ihr vielleicht schon mitbekommen habt, suche ich bei einem großen Handelskonzern in Berlin eine neue Herausforderung." Möglicherweise wollen Sie aber einfach nicht, dass Ihre Kollegen wissen, wohin die berufliche Reise geht. Oder Sie möchten/sollen vorerst Diskretion über Ihre zukünftige Wirkungsstätte wahren. Dann lassen Sie diese Angaben einfach komplett weg. Und: Eine konkrete Namensnennung des Neu-Arbeitgebers kann Ihnen als Prahlerei ausgelegt werden ("Ich arbeite ab sofort bei BMW!!!"). Deshalb lieber darauf verzichten.

  7. Diplomatie

    Auch wenn so mancher die eigene Abschiedsmail nur zu gerne mit bissigen Kommentaren versehen würde: Von negativen Bemerkungen oder gar Schimpftiraden in der Abschiedsmail ist dringend abzuraten. Mögliche Berechtigung und Hintergründe hin oder her. Geben Sie sich diese Blöße nicht - unter keinen Umständen. Dabei sollten weder Vorgesetzte noch Kollegen, Praktikanten, Zulieferer oder Kunden Opfer einer hinterhältigen Anspielung werden - unabhängig davon, ob diese die Mail überhaupt zu Gesicht bekommen oder nicht. Hier gilt oberstes Neutralitätsgebot: Diplomatisch bleiben, sonst entlarvt man sie umgehend als charakterschwach.

  8. Authentizität

    Übertreiben Sie es im Gegenzug nicht mit Lobhudelei und machen Sie nicht einzelnen Personen Komplimente - verfassen Sie beispielsweise keine Lobarien auf Ihren Chef, weil der Sie zweimal befördert hat. Das kommt beim Rest der Belegschaft wahrscheinlich nicht gut an. Auch würde ein überschwänglicher letzter Gruß schnell zur Farce, wenn Sie nicht unbedingt im Besten auseinandergehen. Die Worte in Ihrer Abschiedsmail sollten also nicht völlig aus der Luft gegriffen sein. Sie sollten sich selbst mit Ihrer Mail identifizieren können - und dabei einen höflichen, respektvollen Ton bewahren. Und sparen Sie sich auch die Krokodilstränen ("Ich bin so unendlich traurig, euch heute verlassen zu müssen") für Ihren Ausstand respektive Ihr persönliches Au-revoir. Das kann in einer Mail schnell peinlich wirken.

[Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]

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