ollyy/shutterstock.comMusik spielte schon immer eine bedeutende Rolle für den Menschen. Singen und Musizieren gehört zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. Mit Musik verbinden wir bestimmte Emotionen, Musik hebt oder senkt die Stimmung, sie hat die Kraft, uns zu entspannen, sie wird in der Therapie eingesetzt – und natürlich verbindet sie zahllose Menschen, die dieselbe Musik mögen. Doch sie kann noch vieles mehr. Sieben Dinge, die Sie über Musik noch nicht wussten…

Über die Entstehung von Musik

Musik gibt es in jeder Kultur dieser Welt. Doch wie ist sie entstanden und warum? Wissenschaftler haben drei Theorien dazu entwickelt:

  1. Musik ist in der Beziehung zwischen Mutter und Kind entstanden. Kinder sind von Geburt an sehr empfänglich für Musik. Sandra Trehub von der Universität von Toronto zeigte in einem Experiment, dass sich der Stresspegel, gemessen durch den Cortisolspiegel im Speichel, senkte, wenn die Mutter das durch Gesang beruhigte. Was für diese Theorie spricht ist, dass es in jeder Kultur Schlaflieder gibt.
  2. Musik ist ein Balzritual. Charles Darwin war der Meinung, dass sich die Musik entwickelt hat, um das andere Geschlecht zu beeindrucken. Wie bei den Vögel sei es eine Art Balzritual. Auch der Evolutionspsychologe Geoffrey Miller von der Universität New Mexico teilt Darwins Ansicht. Er sieht in Musik und Tanz eine Imitation der Jagd. Könne ein Mann singen, lange und ausdauernd tanzen, bewies er damit Intelligenz und körperliche Fitness.
  3. Musik stärkt die Gemeinschaft. Musik zu machen ist ein Gruppenerlebnis. Gemeinsame Tänze und Lieder verhinderten Rivalität und stärkten das Gruppengefühl. Diesen Effekt kann man heute immernoch auf Konzerten beobachten, wenn aus dem Publikum ein wogender, tanzender Körper wird.

Was Sie über Musik noch nicht wussten

ollyy/shutterstock.com“Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist”, sagte der französische Autor Victor-Marie Hugo. Was Musik noch alles kann:

  1. Musik macht intelligenter. Ganz speziell die Musik von Mozart. Die Rede ist vom Mozart Effekt. 1993 sorgte die Neurologin Frances Rauscher von der Universität von Kalifornien für Aufsehen. In einer Studie fand Sie heraus, dass zehn Minuten lang Mozarts Sonate für zwei Klaviere in D-Dur ein besseres Abschneiden in IQ-Tests zur Folge habe und damit die Intelligenz steigere. Seitdem haben zahlreiche Studien diesen Effekt wieder relativiert. Unter anderem Samuel Mehr von der Harvard Graduate School of Education. Er hält den Effekt nicht für statistisch relevant. Einen positiven Effekt fand Neurobiologe John Hughes vom Medical Centre der Universität Illinois. Er analysierte Werke verschiedener Musiker daraufhin, wie oft die Lautstärke anstieg und abfiel. Dabei fand er heraus, dass Mozarts Musik häufig ein Laut-Leise-Zyklus von 30 Sekunden aufweist und damit dem Muster unserer Gehirnwellen am nächsten kommt.
  2. Musik wirkt schmerzlindernd. Als synthetisches Mittel wird beispielsweise Morphium gegen Schmerzen eingesetzt. Doch auch der Körper erzeugt schmerzlindernde Botenstoffe wie beispielsweise Endorphin. Musik kann die Produktion dieser Stoffe anregen. Hinzu kommt, dass Musik auch von den Schmerzen ablenken kann. Dabei funktioniert instrumentale Musik besser als Gesang, wiederkehrende Muster sind wichtig.
  3. Musik reduziert Stress. In einer Studie konnte Claudius Conrad vom Massachusetts General Hospital zeigen, dass Musik Stress reduziert. Musik führt dazu, dass die Hirnanhangdrüse das Wachstumshormon HGH ausschüttet. Das führt dazu, dass weniger von den Stresshormonen Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet wird. Damit sinken der Blutdruck und die Herzfrequenz, Angst lässt nach und der Körper entspannt sich.
  4. Musik steigert die Ausdauer. Bestimmt haben Sie das auch schon erlebt: Mit dem Lieblingslied im Ohr läuft es sich einfach besser. Das konnte der Sportwissenschaftler Costas Karageorghis von der Londoner Brunel-Universität zeigen. Für sein Experiment ließ er 30 Probanden zu unterschiedlicher Musik trainieren. Er fand heraus, dass die optimale Laufgeschwindigkeit bei 120 bis 140 Pulsschlägen pro Minute liegt. Liefen die Probanden zu Musik mit einem solchen Rhythmus, stieg ihre Leistung um 15 Prozent und Sie spürten die Anstrengung weniger.
  5. Musik wirkt heilend. Ein finnisches Forscherteam um Teppo Sarkamo von der Universität von Helsinki fand heraus, dass Musik sogar Herzinfarktpatienten helfen kann. 60 Probanden wurden in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe wurde angewiesen, zwei Monate lang eine Stunde täglich ihre Lieblingsmusik zu hören, eine weitere hörte Hörbücher und die dritte Gruppe hörte weder noch. Die größten Fortschritte machte die Gruppe, die Musik hörte.
  6. Musik berührt emotional. “Musik ist ein Vehikel für Traurigkeit – aber auch für Freude. Und wenn es gelingt, beide Extreme zusammenzubringen, entsteht Magie”, hat Paul McCartney mal gesagt. Der Genfer Psychologe Marcel Zentner hat in Studien mit mehr als 1000 Probanden herausgefunden, dass Musik unsere Stimmung beeinflusst. Hört man eine fröhliche Melodie, beginnt man automatisch zu lächeln. Die Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauss löste beispielsweise Freude bei den Probanden aus. Chopins Klavierkonzert Nummer 1 löste Gefühle der Zärtlichkeit und Sehnsucht aus.
  7. Jeder Mensch ist musikalisch. Der Neurowissenschaftler und Musiker Daniel Levitin von der McGill Universität hat nachgewiesen, dass auch Laien ein musikalisches Verständnis haben. In einem Experiment bat er Nichtmusiker ihr Lieblingslied zu singen. Alle 40 Probanden behaupteten von sich selbst, nicht musikalisch zu sein und keinen Ton halten zu können. Doch die Auswertung ergab, dass die Stücke überraschend nah am Original waren. Oft stimmten Tempo und Tonhöhe, ohne dass es den Probanden bewusst war.
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