Schreibtisch Typen: Erkennen Sie sich wieder?
Ordnung ist das halbe Leben. Woher dieser Mythos kommt, ist schwer zu sagen. Zumal sich damit sofort die Frage nach der anderen, womöglich besseren Hälfte aufdrängt. Aber geschenkt. Fest steht zumindest: Chefs lieben aufgeräumte Büros und Schreibtische. Vier von fünf Managern bevorzugen Mitarbeiter mit ordentlichen Schreibtischen, ergab einmal eine Umfrage des britischen Psychologen Cary Cooper. Denn die Schreibfläche ist immer auch Projektionsfläche: Ein unaufgeräumtes Pult assoziieren viele mit einer desolaten Persönlichkeit. Mehrheitlich ist das Quatsch, das haben Klischees so an sich. Genauso wie die Eigenart, sich hartnäckig zu halten und die Karriere zu beeinflussen...

Ich habe einen Raum: Was der Schreibtisch verrät

sukiyaki/shutterstock.comVon den rund 17 Millionen Menschen, die in Deutschland in einem Büro arbeiten, bewohnen gut 33 Prozent ein Einzelbüro, 27 Prozent teilen sich die Arbeitswabe mit noch einem Kollegen, die Mehrheit von rund 40 Prozent aber sitzt in einem Mehrpersonen- oder Großraumbüro.

Nun sollte man meinen, dass es dabei relativ uniform zugeht: Einheitsgrößen, Einheitsmöbel, Einheitsgedanken. Denkste. Nahezu 90 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer personalisieren ihre Büros, haben Forscher der Eastern Kentucky Universität einmal herausgefunden. Für Deutschland liegen zwar keine vergleichbaren Studien vor, aber das Ergebnis dürfte ähnlich ausfallen.

Dahinter steckt ein einfacher psychologischer Effekt: Büros, ebenso wie Schreibtische, sind kleine private Reservate, Territorien, die wir durch gerahmte Bilder von der Familie, Urlaubssouvenirs, Auszeichnungen, Kunstobjekte, Bücher oder Pflanzen markieren.

Das Interessante daran: Sie markieren nicht nur besetzten Raum – Sie verraten auch eine Menge über den Bewohner, über dessen Vorlieben, Status, Arbeitsweise. Oder was glauben Sie, wird der Chef über jemanden denken, der in seinem Zimmer eine mit Nadeln gespickte Voodoo-Puppe findet, die dem Boss verdächtig ähnlich sieht? Eben.

Das verortete Aufmerksamkeitszentrum eines jeden Büros ist natürlich der Schreibtisch. Die britische Verhaltenspsychologin Donna Dawson hat im Laufe ihrer Karriere hunderte Büros und Schreibtische inspiziert und dabei diagnostiziert, dass sich das Gros auf sechs typische Arbeitsplatten- und Persönlichkeitstypen kondensieren lässt.

Die spannende Aufgabe für Sie besteht nun darin herauszufinden:

Welcher Schreibtisch-Typ sind Sie?

  1. Die Funktionsfläche

    Dieser Arbeitsplatz ist pikobello aufgeräumt, durchorganisiert und hochfunktional aufgebaut. Mousepad, Stift und Kalender sind akkurat angeordnet und ergonomisch sinnvoll ausgerichtet. Hier greift ein Rädchen in das andere. Hier haust ein Kontrollfreak, würde man denken. Falsch. Für Dawson sind das vielmehr Signale für einen Bewohner mit starken Stimmungsschwankungen. Jemand, der gebraucht und beachtet werden will – und sich als Organisationstalent empfiehlt. Somit haust hier auch jemand, der gerne hilft, wenn man ihn fragt. Ein solcher Typ arbeitet natürlich trotzdem strukturiert und effizient, erscheint immer pünktlich, pflegt seine Hobbys und hat ein ausgefülltes Privatleben.

  2. Das Oberflächenchaos

    Dieser Schreibtischtäter wäre gerne aufgeräumter, organisierter – schafft es aber nicht. Das Chaos führt hier eine Art Eigenleben mit unbedingtem Überlebenswillen. Das Ergebnis ist ein oberflächliches Tohuwabohu, jedoch mit System. Verloren geht hier nichts. Hunderte von Zeitungsschnipseln und Merkzetteln, die drei Kaffeetassen, die längst eine Spülung vertragen könnten und die Wanderdünen aus Aktendeckeln deuten auf einen liebenswerten Workoholic hin, der immer ein bisschen gestresst wirkt – nicht zuletzt, weil er ein Schwätzchen mit den Kollegen der längst überfälligen Aufräumaktion vorzieht. Dieser Typ ist flexibel einsetzbar und ein brillanter Kopf bei Brainstormings.

  3. Der Schautisch

    Auch hier türmen sich Papierberge, Bücherstapel und Merkzettel. Jedoch bewusst, um Vielseitigkeit und ein breites, kreatives Interesse zu signalisieren. Moderne Technik findet sich hier nur, wenn die Geräte gerade angesagt sind und als trendy gelten. Dieser Schreibtischtyp sieht sich als kreativer Kopf, denkt er lateral und in großen Visionen. Details dagegen schätzt er gar nicht. So jemand vernachlässigt gerne seine Sorgfaltspflichten.

  4. Der Trophäen-Tisch

    Der Tisch ist übersät mit persönlichen Gegenständen und Erinnerungen: Familienfotos, Urlaubsbilder, Kinderzeichnungen, Kundengeschenke. Das Arrangement setzt sich oft noch an den Wänden fort und nicht wenige – insbesondere Frauen – neigen gar dazu, Kosmetika auf ihrem Schreibtisch zu drapieren, wie Handcremes oder Vitaminpillen. Nahezu obligat: die Flasche stilles Wasser und andere Erfrischer wie Raumdüfte. Wer ein solches Arbeitsumfeld pflegt, braucht viel Aufmerksamkeit und konstante Unterhaltung im Job, sonst droht Langeweile – und die schätzen diese Typen gar nicht. Immerhin: Sie sind kontaktfreudig, aber selten diskret.

  5. Die Gedenktafel

    Diese Arbeitsfläche hat etwas klinisches und repräsentiert vor allem das Unternehmen, für das dieser Büromensch arbeitet. Keine persönliche Note, kein Einrichtungs-Schnickschnack, nur pure Funktionalität. Wer hier arbeitet, trägt vermutlich eine professionelle Maske. Kaum jemand kennt den Menschen dahinter – und der hat auch nicht vor, das zu ändern. Solche Typen sind meist nett, pflegen die Grundkontakte zu ihrem Team, gehen mit ihnen gemeinsam Mittagessen. Aber wer sie wirklich sind, was sie denken und wollen, bleibt ihr Geheimnis.

  6. Die Repräsentantenplatte

    Auf den ersten Blick wirkt dieses Büro überfrachtet bis verkramt. Tatsächlich aber erfüllt hier jeder Gegenstand seinen Zweck: Er soll den Bewohner in ein positives Licht rücken. Es wimmelt geradezu von Dokumenten vergangener Erfolge, exklusiver Reisen und sportlicher Höhenflüge. Es ist der Tisch eines Anführers. Solche Typen streben nach vorn, wollen etwas erreichen, das dann aber auch zeigen und gewürdigt wissen.

Trotz aller Idealtypologien – es gibt natürlich auch zahlreiche Mischformen und schwächere Ausprägungen einzelner Schreibtisch-Typen. Dennoch lohnt sich der Blick auf die eigene Arbeitsplatte oder die des Kollegen – vielleicht entdecken Sie so ja eine völlig neue Seite an ihm...

6 schlechte Angewohnheiten am Schreibtisch

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Auch am Schreibtisch legt er seine liebgewonnenen Sitten nur sehr schwer wieder ab. Obwohl sie manchmal gar nicht gut für ihn sind.

Manche der sieben schlechtesten Angewohnheiten am Schreibtisch können wir allerdings gar nicht ablegen, selbst wenn wir wollten. Aber abmildern. Wir zeigen Ihnen, wie Sie das anstellen...

  1. Mittagessen

    bikeriderlondon


    Wer am Schreibtisch sein Fertigmahl auspackt und zelebriert, begeht gleich mehrere Fehler auf einmal. Die Erfahrung lehrt: Wer zwischen Tastatur und Tacker seine Tupperdose auspackt, nimmt sich nicht wirklich eine Auszeit. Sobald das Telefon bimmelt, geht man doch dran. Und die E-Mail, die gerade im Posteingang erscheint, wird natürlich auch gleich gelesen. Abschalten sieht aber anders aus. Und sollte der Chef zufällig ins Büro stürmen, sieht das Klappbrot im Mundwinkel auch nicht gerade souverän aus. Wenn Sie an jemanden denken, der vor seinem Schreibtisch in eine Leberwurststulle beißt und dabei in eine bunte Plastikbox schaut, sehen Sie dann vor sich den dynamischen Aufsteiger, der nächstes Jahr die Verantwortung für 300 Mitarbeiter bekommt oder eher den phlegmatischen Pullunderträger? Eben. Solche Bilder brennen sich unweigerlich auf die Netzhaut und prägen irgendwann Ihr Image.

    Pizza, eine Fünf-Minuten-Terrine oder Currywurst mit Pommes Schranke verbieten sich aber noch aus einem anderen Grund: sie miefen. Und die Kollegen finden es sicher gar nicht dufte, derlei Dünste auch noch nach der Mittagspause zu inhalieren. Wenn Sie sich also schon Essen ins Büro bestellen, dann vielleicht eher so etwas wie Sushi. Das verströmt zumindest die Aura von Weltoffenheit und Wasabi.

    Die zweite Subbotschaft von Selbstgemachtem (oder Selbstbestelltem) ist jedoch noch schädlicher: Wer sich sein Essen ins Büro bringt, isoliert sich freiwillig. Indirekt sagt er: "Ihr braucht mich erst gar nicht fragen, ob ich mitkomme. Ich hab schon alles, was ich brauche." Und selbst wenn sich die Kollegen allesamt ihre Speisen mitbringen, bleibt doch jeder für sich, weil jeder sein eigenes Essen isst. Es gibt daran einfach nichts Verbindendes, nicht einmal den Koch. Deshalb ist alleine zu essen wie Masturbation: Man ist zwar hinterher entspannt, so recht befriedigt aber nicht. Es fehlt der soziale Kontakt. Zudem verpassen Sie so zahllose Gelegenheiten, neue Kontakte zu knüpfen oder alte zu vertiefen.

  2. Zu lange sitzen

    LoloStock


    Sitzen ist schädlich - nicht nur für den Fettstoffwechsel oder den Blutzuckerstoffwechsel, sondern für den gesamten Bewegungsapparat. Es kann sogar zu Krebs führen. Zahlreiche Studien vergleichen zu langes Sitzen bereits mit dem Rauchen. Auf die Risiken wies erst kürzlich der Gesundheitsreport der Deutschen Krankenversicherung (DKV) hin. Vermeiden Sie also nicht jeden Gang in die Kaffeeküche, wenn Sie den ganzen Tag im Bürostuhl verbringen. Stehen Sie häufiger mal auf und drehen ein paar Runden, oder arbeiten Sie zeitweise komplett am Stehpult, wenn sich das einrichten lässt.

  3. Auf den Monitor starren

    Stokkete


    Unsere Augen verrichten vor dem Monitor IMMER Schwerstarbeit - egal, ob Sie konzentriert das Excel-Sheet durchgehen oder wieder mal zu Facebook rübersurfen. Augenbrennen, trockene und gerötete Augen kennt daher wohl jede Bürokraft, auch kann sich die Kurzsichtigkeit durch stundenlange Fokussierung auf den nahen Gegenstand verschlimmern. Gönnen Sie sich und Ihren Augen daher mal eine Pause fernab des Monitors. Und gewöhnen Sie sich an, während der Arbeit regelmäßig die Blicke schweifen zu lassen, durch Büro oder aus dem Fenster. Und: Zwischendurch mal bewusst mit den Augen klimpern, um die Tränenproduktion anzukurbeln.

  4. Schlechte Haltung annehmen

    Marcin Balcerzak


    Beugen Sie sich gerade auch so ein bisschen nach vorne, um die Buchstaben auf dem Bildschirm zu entziffern? Schlecht. Für Ihren Rücken. Der berühmte Sitzball hat zwar mittlerweile ausgedient. Er sieht einfach lachhaft aus und ist als Bürostuhl letztlich ungeeignet. Drängen Sie firmenintern dafür auf einen richtigen, modernen, rückenfreundlichen Bürostuhl, den Sie individuell einstellen können. Bis sie ihn haben, sollten Sie sich für Ihre ungesunde Sitzhaltung aber auch nicht übermäßig geißeln: Es ist wirklich extrem schwer, sich eine rückenschonende Position anzugewöhnen.

  5. Zu wenig trinken

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    Der Kaffeepott ist der natürliche Komplize des Schreibtischtäters. Als Starthilfe, Ablenkung, Energie- und winterlicher Wärmeschub. Das ist gar nicht schlecht, Kaffeetrinker holen viele Vorteile aus der braunen Brühe heraus. Vier bis fünf Tassen Kaffee pro Tag sind auf jeden Fall vertretbar. Aber: Viele vergessen vor lauter Bohnentrunk, vor dem Bildschirm auch mal was anderes zu trinken. Insbesondere Wasser. Tipp: Zu jeder Tasse Kaffee ein Glas Wasser nachgießen.

  6. Atem anhalten

    Jeanette Dietl


    Sind Sie auch immer so aufgeregt, wenn eine neue E-Mail aufblinkt? Was wohl drin steht? Was Gutes, was Schlimmes? Amerikanische Mediziner und Psychologen haben kürzlich darauf hingewiesen, dass unsere Atmung beim Eintreffen einer Mail kurzzeitig aussetzt. Vor Aufregung, Ungewissheit und Neugier. Und dass dieses Phänomen auch gesundheitliche Auswirkungen haben könnte. Daran mögen wir zwar (noch) nicht so recht glauben. Trotzdem ist es bestimmt nicht verkehrt, den Adrenalinkick zwischenzeitlich mal auszuschalten. Indem Sie sich von Schreibtisch und Monitor wegbewegen.

[Bildnachweis: Ammentorp Photography, sukiyaki, bikeriderlondon, LoloStock, Stokkete, Marcin Balcerzak, Robert Kneschke, wong yu liang, Jeanette Dietl by Shutterstock.com]