Selbstständig: Die 10 Gebote für Freelancer
Selbstständig sein: Für manche die Erfüllung eines Traums, für andere ein Akt der Verzweiflung. Freiberufler trifft man mittlerweile quer durch alle Branchen. Die Kreativbranche aber ist ein extra-großes Sammelbecken für Freelancer, die am heimischen Schreibtisch zeichnen, schreiben, übersetzen und dabei mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen haben. Unsere zehn Gebote sollten sich Freelancer daher zu Herzen nehmen.

Freelancer: Kleine Kreativschmieden

Webdesigner, Grafiker, Journalisten, Übersetzer, Lektoren, Werbetexter - vor allem in der Kreativ- und Medienbranche geht ohne Freiberufler nichts. Für ihre Auftraggeber sind sie oft ein Segen, für ihre Mitbewohner eine Plage. Damit sie sich letztlich an paradiesischen Zuständen erfreuen können, sollten Freelancer unsere ganz speziellen zehn Gebote befolgen.

Die 10 Gebote für Freelancer

  1. Du sollst deinen Arbeitstag nicht im Bett verbringen

    Rock and Wasp

















    Zumindest nicht den ganzen. Für einen frischgebackenen Freelancer ist die Aussicht zunächst verlockend, die Euro zwar nicht im Schlaf, aber doch im Liegen zu verdienen - sofern Laptop und Handy die einzigen Arbeitsgeräte sind. Wer aber sein Gewerbe in die Horizontale verlegt, wird irgendwann gelangweilt sein. Und sich kaum noch dazu aufraffen können, konzentriert zu Werke zu gehen. Nutzen Sie das Bett NIE zum Arbeiten, außer wenn Sie krank darniederliegen, aber unbedingt noch etwas erledigen müssen/wollen.

  2. Du sollst an deinen Zurückweisungen nicht verzweifeln

    LoloStock
















    Nicht jeder wird das Genie, das in Ihnen steckt, erkennen und lobpreisen. Das ist die vielleicht wichtigste Lehre für einen Freelancer. Lernen Sie mit Zurückweisungen und Ablehnung umzugehen. Seien Sie nicht beleidigt, wenn Ihnen mal wieder jemand Ihren grandiosen Geistesblitz mies macht. Legen Sie nicht jede Mail auf die Goldwaage. Dafür, wie Ihre Auftraggeber ticken, werden Sie mit der Zeit ein gutes Gespür entwickeln. Während der eine sein Lob umständlich verklausuliert, ist beim nächsten Stillschweigen die höchste Form der Anerkennung.

  3. Du sollst deiner Finanzen Herr werden

    baranq
















    Wer bislang im Drehstuhl seine Stunden heruntergezählt und dann am Monatsende Betrag XY auf dem Lohnzettel angestarrt hat, muss umdenken. Ab jetzt kümmert sich niemand mehr um Ihre Steuern, um Ihre Abgaben, um die Daueraufträge, die schnurstracks auf Ihr Konto führen. Wenn Sie keine Rechnungen schreiben, herrscht auch noch am 1. des Monats Ebbe in der Bank. Machen Sie daher einmal pro Woche einen Finanz-Check: laufende Einnahmen und Ausgaben vergleichen, kommende kalkulieren, Rechnungen schreiben, Belege verwalten. Finanz-Apps können Ihnen dabei helfen. Und bemühen Sie einen Steuerberater, der Ihnen lästige Arbeit abnimmt und wertvolles Kleingeld vor dem Zugriff Wolfgang Schäubles bewahrt.

  4. Du sollst den Kühlschrank nicht bis zum Anschlag füllen

    Monkey Businesss Images
















    Wenn Sie Hänsel (oder Gretel) wären, dann würden die Brotkrumen wahrscheinlich aus Ihrer Küche zum Radio zum Flachbild-TV ins Bad und von dort wieder zurück führen. Anders formuliert: Lassen Sie sich vom Kühlschrank nicht dazu verführen, Ihre Arbeitsroutine für ausgiebige Rundgänge durch die Wohnung zu unterbrechen. Und passen Sie auf, dass Sie tagsüber nicht zu viel essen. Das ist keinesfalls zum Lachen: Diese Gefahr ist real.

  5. Du sollst dich nicht unter Wert verkaufen

    Pablo Hidalgo - Fotos593
















    So eine Gehaltsverhandlung mit Chairman Dr. Sparsam ist ein echtes Highlight im Kalenderjahr. Für Freelancer ist sie an der Tagesordnung. Natürlich ist es schwierig, bei Honorarverhandlungen die richtige Balance zu finden. Wer zu unverschämte Forderungen stellt, schickt potenzielle Auftraggeber auf direktem Weg zur Konkurrenz. Wer zu wenig rausschlägt, verschenkt Geld und demonstriert darüber hinaus, dass er seine eigene Arbeit nicht sonderlich wertschätzt. Bedenken Sie: Sie machen das hier nicht (nur) zum Spaß, sondern um sich und Ihren Anhang durchzubringen.

  6. Du sollst den Second, Third und Fourth Screen nicht überhitzen

    wavebreakmedia
















    Sie arbeiten ja nicht in einem gottverdammten Kellerloch, sondern in Ihrem ganz persönlichen Ein-Mann-(oder-Frau)-Newsroom. Auf dem Schoß leuchtet Ihr Laptop, auf dem Tisch das Smartphone, der Flatscreen an der Wand und das Tablet irgendwo dazwischen. Ihre Gadgets helfen Ihnen dabei, Aufträge reinzuholen, zu designen, schreiben und übersetzen, das Weltgeschehen im Blick zu behalten und ganz nebenbei noch die letzte Folge von Big Bang Theory zu verfolgen. Klingt effektiv, ist es aber nicht. Kapseln Sie sich ab und arbeiten Sie wenigstens zeitweise an einem Ort ohne Second, Third und Fourth Screen. Das kann auch das Café um die Ecke oder der Coworking-Space in der Stadt sein.

  7. Du sollst deinen Jogginganzug nicht länger als eine Woche zwei Tage tragen

    Christopher Halloran
















    Wenn Sie dieses Gebot noch mit Gebot Nr. 1 und Nr. 4 vermengen, wird es so richtig heikel. Aber es geht hier nicht nur um Ästhetik und Aroma: Wer im Jogger durch den Arbeitstag schlafwandelt, vermittelt den Eindruck mangelhafter Professionalität, zuallererst sich selbst. Deshalb müssen Sie sich keinen Smoking, sollten aber eine vernünftige Hose-Oberteil-Kombination überstreifen. Arbeiten Sie nur ganz am Anfang Ihrer Freelancer-Karriere einmal komplett im Schlafanzug durch. Spaßeshalber.

  8. Du sollst nicht in Panik geraten, wenn du mit fremden Menschen von Angesicht zu Angesicht kommunizieren musst

    PathDoc

















    Spätestens an der Supermarkt-Kasse müssen Sie Farbe bekennen und sich den bohrenden Blicken (und vielleicht sogar Fragen) fremder, sonderbarer Wesen stellen. Keine Panik, das geht vorbei! Kann aber ungewohnt sein, wenn Sie Ihr Skript tagelang nur vor dem Spiegel aufgesagt und allerhöchstens Ihren Sohnemann um Rat gefragt haben. Gehen Sie mindestens einmal täglich vor die Tür, um den Kontakt zur Außenwelt nicht zu verlieren - und nicht zuletzt, um frische Eindrücke und Ideen zu sammeln.

  9. Du sollst spontan sein

    Eugenio Marongiu
















    Warum sind Sie doch gleich Freelancer geworden? Ach ja, um den süßen Duft der Freiheit einzuatmen. Wer den Tag allerdings zu fein taktet, landet schnell in seinem ganz persönlichen Gefängnis. Nutzen Sie Ihre Privilegien lieber, um die Dinge zu tun, die Sie schon immer tun wollten - beruflich wie privat. Und bewahren Sie sich Freiräume: Platz für spontane Besuche auf der großen Messe, die gerade in der Stadt ist, der öffentlichen Lesung dieses einen Fernsehmoderators, der Autogrammstunde des lokalen Sportidols oder für Abstecher in den Zoo oder ins Museum. Mit neuen Inspirationen im Gepäck können Sie sich dann wieder in die Arbeit stürzen.

  10. Du sollst deinen freien Tag heiligen

    Subbotina Anna
















    Als Selbstständiger arbeitet man selbst, aber hoffentlich nicht ständig. Teilen Sie sich die Woche so ein, dass Sie (mindestens) einen freien Tag genießen - und mit Ihrer Familie, Freunden oder dem Hund verbringen können. Dieser Tag muss nicht Samstag oder Sonntag heißen. Als Freelancer sind Sie ja, zumindest in der Theorie, flexibel.

[Bildnachweis: albund, Rock and Wasp, LoloStock, baranq, Monkey Business Images, Pablo Hidalgo - Fotos593, wavebreakmedia, Christopher Halloran, PathDoc, Eugenio Marongiu, Subbotina Anna by Shutterstock.com]