Bedeutung: Was ist ein Feigling?
Ein Feigling ist jemand, der aus Angst vor Gefahr, Konflikten oder persönlichen Nachteilen zurückweicht und deshalb nicht handelt, obwohl Mut oder entschlossenes Handeln erwartet wird. Das Wort wird abwertend gebraucht und bezeichnet eine Person, die als ängstlich, mutlos oder furchtsam wahrgenommen wird. Feige ist nicht, wer sich fürchtet – sondern wer sich von seiner Furcht beherrschen lässt.
Die Bezeichnung ist immer ein Werturteil. Ob jemand tatsächlich kneift oder lediglich besonnen handelt, hängt von der jeweiligen Situation ab. Einen aussichtslosen Kampf nicht aufzunehmen, ist klug. Einen eigenen Fehler zu vertuschen und einem Kollegen anzuhängen, um selbst Ärger zu vermeiden, ist dagegen ein typisches Beispiel für feiges Verhalten.
Woher kommt das Wort Feigling?
„Feigling“ ist eine Bildung aus dem Adjektiv „feige“ und der Endung „-ling“. Spannend ist der Bedeutungswandel von „feige“: Das Wort hatte ursprünglich Bedeutungen wie „dem Tod verfallen“ oder „zum Tode bestimmt“. Auch „Feigheit“ bezeichnete im Mittelhochdeutschen zunächst Unheil oder Unseligkeit. Erst später entwickelte sich die heutige Bedeutung des ängstlichen Zurückweichens vor Gefahren und Risiken.
Feigling: Synonyme und Gegenteil
Synonyme für Feigling sind Angsthase, Angstmeier, Hasenfuß, Hasenherz, Memme oder Drückeberger. Deutlich derber und abwertender sind Bezeichnungen wie „Schisser“ oder „Hosenscheißer“. Als Gegenteil gelten ein Mut oder Tapferkeit sowie umgangssprachlich der „Held“ oder „Draufgänger“. Letzterer ist allerdings nicht zwingend couragiert: Wer Risiken leichtfertig ignoriert, handelt eher waghalsig als mutig.
Was ist der Unterschied zwischen Feigheit, Angst und Vorsicht?
Nicht jeder ängstliche Mensch ist gleich ein Feigling. Angst ist zunächst eine natürliche Reaktion auf tatsächliche oder vermeintliche Gefahren. Sie warnt uns und kann vor unüberlegten Handlungen schützen. Vorsicht geht sogar einen Schritt weiter: Sie bewertet ein Risiko und passt das Verhalten bewusst daran an. Feigheit hingegen beginnt dort, wo die Furcht zum bestimmenden Motiv wird und wir deshalb notwendiger Verantwortung oder einer gebotenen Handlung ausweichen.
Begriff |
Typischer Gedanke |
| Angst | „Ich fürchte mich vor den möglichen Folgen.“ |
| Vorsicht | „Ich prüfe zuerst, ob das Risiko vertretbar ist.“ |
| Feigheit | „Ich drücke mich davor, weil ich Nachteile für mich vermeiden will.“ |
Der Unterschied zeigt sich besonders im Umgang mit anderen: Wer sich selbst schützt, indem er Verantwortung abschiebt, andere im Stich lässt oder gegen die eigenen Überzeugungen handelt, verhält sich feige. Wer ein unnötiges Risiko vermeidet, beweist dagegen Urteilsvermögen.
Warum verhalten sich Menschen feige?
Hinter feigem Verhalten steckt häufig Vermeidung. Menschen wollen Kritik, Konflikte, Ablehnung, Misserfolge oder andere unangenehme Konsequenzen umgehen. Schweigen und Rückzug erscheinen kurzfristig als sicherster Weg.
Verstärkt wird diese Reaktion durch geringes Selbstvertrauen. Wer wenig Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten hat, bewertet Herausforderungen schneller als Bedrohung und traut sich deren Bewältigung weniger zu. Auch schlechte Erfahrungen können dazu führen, dass wir bei ähnlichen Situationen später zögerlicher reagieren. Feigheit ist deshalb keine feste Persönlichkeitseigenschaft: Derselbe Mensch kann im Beruf entschlossen auftreten und privat jedem Streit ausweichen. Entscheidend sind Situation, Erfahrungen und die persönlich wahrgenommenen Risiken.
Test: Bin ich ein Feigling?
Ob Sie gelegentlich zu schnell den Rückzug antreten, erkennen Sie an typischen Verhaltensmustern. Wie viele der folgenden Aussagen treffen auf Sie zu? Haken Sie diese gleich online an:
- Ich schweige häufig, obwohl ich eigentlich widersprechen möchte.
- Ich vermeide Auseinandersetzungen aus Angst vor der Reaktion anderer.
- Ich schiebe schwierige Entscheidungen möglichst lange auf.
- Ich lasse lieber andere unangenehme Dinge ansprechen.
- Ich gebe eigene Fehler nur ungern offen zu.
- Ich passe meine Meinung an, damit ich nicht anecke.
- Ich ärgere mich hinterher oft darüber, dass ich nicht mehr Rückgrat gezeigt habe.
Je häufiger Sie zustimmen, desto öfter bestimmt Vermeidung Ihre Entscheidungen. Der Selbsttest ist natürlich keine psychologische Diagnose und auch kein Urteil über Ihren Charakter. Er macht lediglich sichtbar, in welchen Situationen Sie häufiger über Ihren Schatten springen könnten.
Was sind typische Beispiele für Feigheit?
Ob ein Verhalten feige ist, lässt sich am besten an konkreten Situationen erkennen. Typische Beispiele sind:
- Sie beobachten, wie ein Kollege unfair behandelt wird, schweigen aber aus Angst vor Nachteilen.
- Sie machen einen Fehler und schieben die Verantwortung auf jemand anderen.
- Sie stimmen Ihrem Chef zu, obwohl Sie dessen Entscheidung für falsch halten.
- Sie lästern über eine Person, sprechen Ihre Kritik aber nie direkt an.
- Sie versprechen Unterstützung und ziehen sich zurück, sobald es unangenehm wird.
Gemeinsam ist diesen Verhaltensweisen die Flucht vor den Konsequenzen. Statt Verantwortung zu übernehmen, wird der eigene kurzfristige Schutz wichtiger als Fairness, Überzeugungen oder Solidarität.
Ist „Feigling“ eine Beleidigung?
„Feigling“ ist eine abwertende Bezeichnung und kann beleidigend wirken. Ob die Äußerung zugleich eine strafbare Beleidigung nach § 185 StGB darstellt, lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind der konkrete Kontext, die Form der Äußerung und die jeweiligen Umstände. Wer einen Kollegen gezielt als „Feigling“ beschimpft oder herabwürdigt, sollte sich aber bewusst sein, dass der Ausdruck dessen Ehre verletzen kann.
Einmal Feigling, immer Feigling?
Menschen sind nicht entweder mutig oder feige. Wir alle kennen Situationen, in denen wir entschlossen handeln – und andere, in denen uns der nötige Schneid fehlt. Deshalb ist es wenig hilfreich, sich selbst dauerhaft als Angsthasen abzustempeln. Hilfreicher ist eine konkrete Frage: „Wovor bin ich gerade zurückgewichen?“ Damit wird aus einem vermeintlichen Charakterfehler ein Verhalten, das Sie beim nächsten Mal ändern können. Das ist zugleich der Ansatzpunkt für mehr Courage: Wer Herausforderungen schrittweise bewältigt, sammelt Erfolgserlebnisse und gewinnt Zutrauen in die eigene Handlungsfähigkeit. Mut wächst durch Erfahrung!
Sie wollen noch mehr typische Charaktere aus dem Berufsalltag kennenlernen? Dann entdecken Sie in unserer Übersicht weitere Kollegentypen und erfahren Sie, wie Sie mit ihnen richtig umgehen:
Feigheit überwinden: Wie werde ich mutiger?
Wer weniger zaghaft handeln will, muss nicht plötzlich zum Draufgänger werden. Es geht darum, trotz Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Wir empfehlen hierfür fünf Schritte:
-
Angst konkret benennen
Fragen Sie sich: Wovor habe ich tatsächlich Angst? Vor Ablehnung, Kritik, einem Fehler oder einem Konflikt? Je genauer Sie die Befürchtung benennen, desto besser können Sie damit umgehen.
-
Risiko realistisch bewerten
Spielen Sie die möglichen Konsequenzen durch: Was kann schlimmstenfalls passieren? Wie wahrscheinlich ist dieser Ausgang? Und was würden Sie dann tun? Das nimmt diffusen Befürchtungen einen Teil ihrer Macht.
-
Kleine Herausforderungen suchen
Trainieren Sie Courage im Alltag. Vertreten Sie eine abweichende Meinung, sagen Sie freundlich „Nein“ oder sprechen Sie ein Problem offen an. Kleine Erfolgserlebnisse senken die Hemmschwelle für größere Schritte.
-
Konflikte aushalten
Meinungsverschiedenheiten sind nicht automatisch eine Bedrohung. Gute Konfliktfähigkeit bedeutet, den eigenen Standpunkt sachlich zu vertreten und gleichzeitig andere Positionen auszuhalten.
-
Den ersten Schritt machen
Warten Sie nicht auf totale Sicherheit. Legen Sie fest, welche konkrete Handlung Sie jetzt weiterbringt – und setzen Sie diese um. Wer regelmäßig handelt, obwohl Überwindung nötig ist, trainiert seine Courage.
Mut ist nicht das Gegenteil von Angst, sondern die Antwort darauf. Wer niemals Furcht empfindet, muss auch keine Courage beweisen. Weichen Sie nicht vor Herausforderungen zurück, sondern lernen Sie, im richtigen Moment trotzdem zu handeln:
FAQ – Häufige Fragen zum Feigling
Warum wirken Menschen in Gruppen manchmal feiger?
In Gruppen passen Menschen ihr Verhalten häufig stärker an andere an. Gruppendruck, Angst vor Ablehnung oder die Sorge, sich mit einer abweichenden Meinung zu isolieren, können dazu führen, dass sie schweigen. Hinzu kommt die sogenannte Verantwortungsdiffusion: Sind viele Personen anwesend, fühlt sich der Einzelne mitunter weniger zuständig.
Was bedeutet Feigheit im Beruf?
Im Job zeigt sich feiges Verhalten oft indirekt: Mitarbeiter verschweigen Fehler, vermeiden notwendige Konflikte oder äußern Kritik nur hinter dem Rücken anderer. Auch Führungskräfte können kneifen, etwa indem sie unangenehme Entscheidungen ständig vertagen oder Verantwortung nach unten abschieben. Besonders problematisch wird das Verhalten, wenn Kollegen dadurch Nachteile entstehen.
Ist fehlende Zivilcourage automatisch feige?
Nein. Wer in einer kritischen Situation nicht eingreift, handelt nicht automatisch aus Feigheit. Menschen können eine Lage falsch einschätzen oder aus berechtigter Sorge um die eigene Sicherheit auf eine direkte Intervention verzichten. Zivilcourage bedeutet nicht, sich selbst unnötig in Gefahr zu bringen. Je nach Situation kann es sinnvoller sein, Hilfe zu holen oder andere zum Handeln aufzufordern.
Kann Feigheit auch sinnvoll sein?
Was andere als feige bewerten, kann vernünftige Impulskontrolle sein. Nicht jede Provokation verlangt eine Reaktion und nicht jedes Risiko muss eingegangen werden. Wer eine gefährliche Auseinandersetzung vermeidet oder sich einem sinnlosen Kräftemessen verweigert, beweist möglicherweise mehr Urteilsvermögen als Kleinmut.
Was andere dazu gelesen haben
