Muss ich eine Arbeitslosigkeit im Lebenslauf angeben?
Ob Sie eine Arbeitslosigkeit im Lebenslauf angeben, hängt wesentlich von der Dauer Ihrer Arbeitslosigkeit ab. Dauert die Jobsuche länger als 2-3 Monate entsteht eine sogenannte Lücke im Lebenslauf. Den Zeitraum müssen Sie in der Bewerbung erwähnen und zumindest kurz erklären – jedoch ohne sich zu rechtfertigen.
Für Lücken im Lebenslauf gilt allgemein: Verschweigen Sie diese nicht, aber machen Sie auf jeden Fall auch Angaben dazu, wie Sie diese Phase sinnvoll nutzen, etwa mit Weiterbildungen, Mikro-Zertifikaten und Online-Kursen oder eigenen Projekten. Denken Sie aber daran, dass es hierzu später Rückfragen geben kann. Die Aktivitäten sollten deshalb unbedingt einen Bezug zur neuen Position haben und im Zweifel durch Nachweise und Zertifikate belegt werden können.
Beispiele und Formulierungen für den Lebenslauf:
- „Fortbildung zum Social Media Manager, TH Köln“
- „Geförderte Umschulung zum Energieberater, IHK“
- „Freiberufliche Tätigkeit als Community Manager der Beispiel AG“
- „Engagement als Trainer beim TSG Musterstadt“
- „Tutorenarbeit beim Nachhilfe e.V.“
- „Ehrenamt bei den Tafeln, Musterstadt“
Wie formuliere ich die Arbeitslosigkeit im Lebenslauf?
Der wichtigste Tipp für die Erwähnung einer Arbeitslosigkeit im Lebenslauf ist zugleich der einfachste: Schreiben Sie nie, dass Sie „arbeitslos“ sind (zu passiv!), sondern verwenden Sie ausschließlich die Formulierung „arbeitssuchend“. Personaler wollen lesen, dass in dieser Zeit aktiv bleiben, um an dieser Situation etwas zu ändern. „Arbeitssuchend“ klingt im Subtext immer nach einem Macher und nicht nach einem Opfer der Umstände.
Im Kern geht es immer darum, dass Sie deutlich machen:
- „Ich übernehme Eigenverantwortung und bilde mich weiter.“
- „Ich halte mein Fachwissen auf dem aktuellen Stand.“
- „Ich will arbeiten und investiere dafür in mich.“
- „Ich suche anhaltend und aktiv nach einem neuen Job.“
Formulierungen bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit
Nicht immer können Arbeitnehmer etwas für eine längere Arbeitslosigkeit. Insbesondere wenn die Kündigung und der Jobverlust nicht Ihre Schuld waren, sollten Sie das offensiv im Lebenslauf angeben und erwähnen. Dabei haben Sie gleich mehrere Optionen. Die möglichen Varianten sind in unserem Beispiel mit einem „➠“ gekennzeichnet:
Beruflicher Werdegang
| MM/JJJJ – MM/JJJJ | Senior Account Manager Flop AG, Musterstadt • Entwicklung neuer Vertriebsstrategien • Neukundengewinnung: +8 % • Betreuung von 12 Premium-Kunden ➠ (Kündigung wegen Insolvenz) ➠ (Personalabbau wegen Betriebsaufgabe) ➠ (Schließung der Filiale wegen Umstrukturierung) ➠ (Stellenabbau aufgrund anhaltender Umsatzrückgänge) ➠ (Aktive Bewerbungsphase nach Wohnortwechsel) |
Diese Variante eignet sich vor allem, um eine länger Lücke im Lebenslauf zwischen zwei Jobs zu erklären. Wenn Sie aktuell arbeitssuchend und schon länger ohne Job sind, wählen Sie das nächste Beispiel.
Formulierungen bei anhaltender Arbeitslosigkeit
Suchen Sie beispielsweise schon länger als 6 Monate nach einem neuen Job, lässt sich das kaum noch mit einer „beruflichen Neuorientierung“ kaschieren. Der Zeitraum ist dafür zu lange. Auch raten wir davon ab, den tabellarischen Lebenslauf in eine chronologische Reihenfolge umzustellen, sodass die aktuelle Arbeitslosigkeit erst weiter hinten im Abschnitt „Beruflicher Werdegang“ auftaucht.
Der „antichronologische“ Lebenslaufaufbau ist heute Standard und wird von Personalverantwortlichen erwartet. Davon abzuweichen, weckt erst recht Aufmerksamkeit, sodass viele zuerst den letzten Eintrag lesen und damit den vermeintlichen „Trick“ sofort erkennen. Wir empfehlen stattdessen selbstbewusst die akute Arbeitslosigkeit zu nennen und diese durch entsprechende Aktivitäten aufzuwerten. Zum Beispiel so:
Berufspraxis
| MM/JJJJ – heute | Aktive Arbeitssuche • Fortbildung im Bereich Community Management • Eigenes Projekt: Linkedin-Newsletter für Vertriebler |
| MM/JJJJ – MM/JJJJ | Senior Account Manager Flop AG, Musterstadt • Entwicklung neuer Vertriebsstrategien • Neukundengewinnung: +8 % • Kündigung wegen Umstrukturierung |
Schon durch diese selbstbewusste Darstellung Ihrer jetzigen Situation und der „Aktiven Jobsuche“ haben Sie die Chance, die Arbeitslosigkeit positiv zu formulieren und an dieser Stelle Zusatzqualifikationen anzugeben, die Ihre Bewerbungschancen verbessern.
Hinzu kommt: Wer aktuell arbeitslos ist, muss keine Kündigungsfristen beachten. Sie sind daher für Unternehmen und Arbeitgeber mit hohem Personalbedarf sofort einsetzbar, während Mitbewerber erst noch einen frühestmöglichen Eintrittstermin abwarten müssen.
100 kostenlose Bewerbungsvorlagen in Word
Profitieren Sie von unseren modernen Bewerbungsdesigns und kostenlosen Bewerbungsmustern in Word. Mehr als 100 komplette Muster im Set, inklusive Anschreiben, Deckblatt und Lebenslauf. Hier gratis herunterladen:
Sollte ich die Arbeitslosigkeit im Anschreiben erklären?
Im Bewerbungsschreiben sollte die Arbeitslosigkeit nicht weiter thematisiert werden. Erklärungsversuche wirken immer wie ein schlechtes Gewissen und schmälern Ihre Verhandlungsposition. Indem Sie Ihre aktuelle Arbeitslosigkeit zum Thema machen, lenken Sie überdies von Ihren Qualifikationen und Erfahrungen ab. Die aber sind es, die am Ende über eine Zu- oder Absage entscheiden!
Wesentlich wichtiger ist bei einer Bewerbung aus der Arbeitslosigkeit, dass Sie im Anschreiben aktive Verben und bisherige Erfolge erwähnen und so nochmal unterstreichen: „Ich bin für die Stelle bestens geeignet.“ Fokussieren Sie sich vor allem auf Ihre Motivation und einen klaren Unternehmensbezug.
Beispiel und Formulierungen im Anschreiben:
- „In meiner letzten Stelle habe ich … umgesetzt. Diese einschlägige Erfahrung will ich nun gewinnbringend bei Ihnen im Bereich … einsetzen!“
- „Ich bin zurzeit nicht vertraglich gebunden und kann daher zeitnah bei Ihnen anfangen, um Ihr Team schnellstmöglich zu unterstützen.“
- „Nach längerer Auszeit bin ich hochmotiviert, meine Fähigkeiten bei Ihnen unter Beweis zu stellen und zum weiteren Erfolg Ihres Unternehmens beizutragen.“
- „Für meinen beruflichen Neustart ist Ihre Stelle besonders reizvoll. Ich bin überzeugt, vor allem im Sektor … einen enormen Mehrwert leisten zu können.“
Eine akute Arbeitslosigkeit muss nicht gleichbedeutend mit Tatenlosigkeit sein! Sie können in dieser Zeit ebenso mit dem Jobcenter kooperieren und sich fördern lassen. Die Bundesagentur für Arbeit bezahlt nicht nur eine Umschulungen, sondern mit dem AVGS z.B. auch ein Bewerbungscoaching.
5-teiliges Bewerbungs-Training: 100% kostenlos!
Knacken Sie den Bewerbungs-Code mit unserem kostenlosen Video-Training: 5 Videos in 5 Tagen mit praxiserprobtem Insider-Wissen zeigen Ihnen, wie Ihre Bewerbung Personaler überzeugt:
Welche Fehler sollte ich bei der Bewerbung vermeiden?
Der Schritt zurück in den Arbeitsmarkt fällt vielen zunehmend schwerer, je länger die Arbeitslosigkeit andauert. Irgendwann kommen sich viele chancenlos, abgelehnt und nutzlos vor. Wir verstehen das. Dennoch ist es unbedingt wichtig, dass Sie Ihr Selbstvertrauen und eine positive Einstellung bewahren und sich nicht entmutigen lassen. Alles Negative wird sich immer auch auf Ihre Bewerbung oder die Bewerbungsgespräche übertragen und Ihnen schaden.
Gleichzeitig gibt es ein paar Fehler, die Sie im Lebenslauf und generell in der Bewerbung tunlichst vermeiden sollten:
-
Negative Aussagen
Egal, aus welchen Gründen Sie Ihren bisherigen Job verloren haben: Sprechen und schreiben Sie niemals schlecht über ehemalige Arbeitgeber. Das wird immer zum Bumerang und wirft ein schlechtes Licht auf Sie.
-
Passive Formulierungen
Vermeiden Sie passive Begriffe wie „arbeitslos“ oder „ohne Beschäftigung“. Schon kleine sprachliche Anpassungen wirken wesentlich rühriger, etwa: „Aktive Jobsuche“, „Berufliche Umorientierung“ oder „Engagierte Arbeitssuche“.
-
Handfeste Lügen
Eine Lücke im Lebenslauf mit Lügen vertuschen? Lassen Sie das! Wenn falsche Angaben in der Bewerbung auffliegen, sind Sie nicht nur blamiert und weiterhin arbeitslos – auch nach Jahren im Job kann das zum Kündigungsgrund werden, weil es das Vertrauensverhältnis zerstört.
Eine Arbeitslosigkeit im Lebenslauf ist kein Ausschlusskriterium. Vielmehr sollten Sie die Phase zur Selbstreflexion nutzen, um sich ehrlich und authentisch gegenüber dem neuen Arbeitgeber zu positionieren. Verkaufen Sie die Etappe als persönliche Entwicklung und Bestandteil Ihrer Karriere, die Sie hin zu diesem Unternehmen geführt hat.
Tipp: Referenzen und Arbeitsproben ergänzen
Ergänzen Sie Ihren Lebenslauf und die Bewerbungsunterlagen mit 2-3 Referenzen und Arbeitsproben. Eine Referenzliste im Lebenslauf zeigt, dass Sie Fürsprecher haben, die Ihre Eignung bestätigen; Arbeitsproben wiederum belegen Ihre noch immer aktuellen Kompetenzen.
Wie erkläre ich die Arbeitslosigkeit im Vorstellungsgespräch?
Egal, wie sie die Arbeitslosigkeit im Lebenslauf formulieren und erklären – die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie im Vorstellungsgespräch darauf angesprochen werden und es Fragen zu den Gründen geben wird. Rechnen Sie also damit!
Machen Sie sich aber gleichzeitig bewusst: Allein die Tatsache, dass Sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten haben, beweist, dass Ihre längere Arbeitsuche kein Handicap ist. Sie sind in der engeren Wahl – jetzt müssen Sie nur noch ehrlich erklären, wie es dazu kam und was Sie seitdem dagegen unternehmen.
Zweifel zerstreuen – das Gespräch „führen“
Unser Tipp: Antworten Sie auf die Frage ohne auf solche Fragen zu antworten. Klingt paradox? Gemeint ist: Gehen Sie nur kurz darauf ein, nennen Sie einen knappen Grund, der nicht in Ihrer Person oder Ihrem Verhalten lag, und betonen Sie danach sofort wieder Ihre Qualifikationen und Hin-zu-Motivation für die Stelle.
Kurz: Übernehmen Sie die Gesprächsführung und lenken Sie das Thema auf die Zukunft und weg von der Vergangenheit. Beispiel:
- „Danke für Ihre Nachfrage. Die Kündigung hat mich damals kalt erwischt und ich gebe zu, ich habe die Anzeichen für den drohenden Stellenabbau viel zu spät ernst genommen. Umso mehr bin ich motiviert, meine beruflichen Erfahrungen und Stärken bei Ihnen ab sofort einzubringen. Vor allem im Bereich XYZ würde ich Sie gerne tatkräftig unterstützen.“
Je mehr Sie sich verteidigen, desto schuldiger wirken Sie. Das gilt erst recht, wenn Sie versuchen, eine Kündigung im Lebenslauf zu verschleiern. Andersrum beweisen Sie Selbstbewusstsein und Souveränität: Kurz erwähnen, Krone richten, nach vorn blicken… Ohne viel Aufhebens wirkt das enorm glaubwürdig und authentisch.
Häufig gestellte Fragen zur Arbeitslosigkeit im Lebenslauf
Eine Arbeitslosigkeit wird von Personalverantwortlichen zwar genau betrachtet, ist jedoch kein Ausschlusskriterium. Häufig entsteht sie unverschuldet – etwa durch betriebsbedingte Kündigungen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, den Grund transparent im Lebenslauf zu nennen. Längere Auszeiten sind akzeptiert, wenn Sie diese plausibel erklären und sinnvoll nutzen – etwa für Weiterbildungen, eigene Projekte oder eine echte Neuorientierung.
Verschweigen können Sie eine Arbeitslosigkeit nur, wenn die Phase weniger als 2-3 Monate gedauert hat. Spätestens ab einer Dauer von 3 Monaten sollten Sie Arbeitslosigkeit offen kommunizieren. Verschweigen schadet Ihrer Glaubwürdigkeit – und wird spätestens im Vorstellungsgespräch thematisiert.
Ein überzeugendes Anschreiben sowie aussagekräftige Referenzen und Zertifikate von relevanten Fortbildungen, ebenso ehrenamtliches Engagement stärken Ihr Profil und zeigen Ihre aktive Haltung und „Aktive Jobsuche“.
Was andere dazu gelesen haben
- Professioneller Lebenslauf: Vorlagen, Anleitung + Tipps
- Lebenslauf optimieren: 21 geniale Tricks für KI und ATS
- Lebenslauf Checkliste: Darauf müssen Sie achten!