Freunde anwerben: Kann das funktionieren?

Die Personalplanung für Unternehmen sieht sich regelmäßig einer schwierigen Aufgabe gegenüber: Es sollen möglichst die besten Mitarbeiter eingestellt werden, die zusätzlich auch noch ins bereits bestehende Team passen, deren Fähigkeiten ergänzen und frischen Wind mitbringen. Gleichzeitig soll genau dieses Unterfangen aber bitte so günstig wie möglich durchgeführt werden, um Kosten zu senken und die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu fördern. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, kommen einige Arbeitgeber auf eine scheinbar pfiffige Idee: Sie bieten ihren eigenen Mitarbeitern Belohnungen an, wenn diese passende Mitarbeiter im eigenen Freundeskreis anwerben. Klingt nach einer klassischen Win-Win-Situation, aber kann das wirklich funktionieren?

Freunde anwerben: Kann das funktionieren?

Freunde anwerben kann für Unternehmen eine interessante Alternative sein

Wohl jeder Arbeitnehmer wünscht sich nette Kollegen am Arbeitsplatz, mit denen man sich gut versteht, gut zusammenarbeitet und die man gerne auch nach Feierabend noch auf ein gemeinsames Bier einlädt. Da macht die Arbeit gleich doppelt so viel Spaß und im besten Fall zeigt sich das natürlich auch in der positiven Entwicklung der Leistungen und Ergebnisse der zufriedenen Mitarbeiter.

Nur kann man sich in der Regel leider nicht aussuchen, mit wem man zusammenarbeitet. Man kommt in ein bereits bestehendes Team, Kollegen kommen und gehen und mit ihnen verändert sich auch das berufliche Umfeld. Anders kann es sein, wenn Mitarbeiter ihre Freunde anwerben. Plötzlich entsteht die Möglichkeit, ganz gezielt Einfluss darauf zu nehmen, wen man im Nachbarbüro sitzen haben möchte. Anstatt freie Stellen mühsam und kostspielig auszuschreiben, lässt man sich vom bereits vorhandenen Personal einfach neue Angestellte empfehlen: Diese Praxis löst gleich eine ganze Reihe an Problemen auf einen Schlag.

  • Es werden Kosten eingespart. Aufwendige Bewerbungsverfahren, Assessment Center, Vorstellungsgespräche und die endgültige Auswahl eines Bewerbers kosten Arbeitgeber nicht nur Zeit, sondern vor allem auch eine Menge Geld. Die Mitarbeiterakquise aus dem Freundeskreis der Beschäftigten ist dabei eine kostengünstige Alternative, da viele Ausgaben schlicht wegfallen, da sie nicht benötigt werden.
  • Die Mitarbeiter fügen sich gut ins Team ein. Mit einem neuen Arbeitsplatz kommen immer auch neue Kollegen, die man erst kennenlernen muss, um sich wirklich ins Team einzufügen. Dieser Prozess kann deutlich schneller und erfolgreicher gelingen, wenn bereits ein Freund im Büro wartet, den man gut kennt und der dem „Neuen“ sowohl die Personen als auch die Abläufe näherbringt.
  • Top-Talente können überzeugt werden. Der Arbeitsmarkt ist hart umkämpft, nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Arbeitgeber, die versuchen, gut ausgebildete und qualifizierte Mitarbeiter in die eigenen Reihen zu holen. Die Empfehlung und der Rat eines Freundes kann in dieser Situation den entscheidenden Unterschied ausmachen und ein großes Talent ins Unternehmen bringen.

Freunde anwerben: Es gibt auch einige Risiken

Trotz der vielen möglichen Vorteile müssen Unternehmen jedoch vorsichtig sein, denn auch wenn der Gedanke, neue Arbeitnehmer von bereits vorhandenen Mitarbeitern anwerben zu lassen, grundsätzlich vielversprechend ist, birgt er auch einige Risiken, insbesondere dann, wenn den werbenden Mitarbeitern eine Belohnung – meist in finanzieller Form – winkt.

Dieser Anreiz kann dazu verleiten, möglichst viele potenzielle Bewerber aus dem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis ins Gespräch zu bringen, da so auch die Chance auf eine höhere Belohnung gesteigert wird. Ob die vorgeschlagenen Freunde dann wirklich ins gesuchte Profil passen, wird schnell zur Nebensache.

Zusätzlich setzen sich Unternehmen durch diese Praxis der Gefahr aus, einen schlechten Ruf auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten. Kommt einmal die Information an die Öffentlichkeit, dass ein Arbeitgeber nur gegen Empfehlung eines Mitarbeiters einstellt, können die externen Bewerbungszahlen zurückgehen, da Kandidaten sich ohnehin keine Chancen auf eine Stelle ausrechnen und sich gar nicht erst die Mühe machen wollen.

Um die Risiken klein zu halten und dennoch von den Vorteilen profitieren zu können, sollten Unternehmen deshalb auf einige Dinge achten, wenn sie Freunde von Mitarbeitern anwerben wollen.

  1. Vorsicht mit Belohnungen!

    Um die eigenen Mitarbeiter zu motivieren, sich wirklich unter den eigenen Freunden nach Kandidaten umzusehen, ist ein Belohnungssystem durchaus sinnvoll. Bei der Gestaltung des selbigen ist jedoch Vorsicht geboten. Gerade finanzielle Anreize können zu einer Flut von Angeboten aus den eigenen Reihen führen, die aber nicht unbedingt zielführend sind. Auch andere Alternativen können als Belohnung für das Anwerben eines Freundes in Frage kommen – beispielsweise ein zusätzlicher freier Tag oder die Teilnahme an einem großen Event.

  2. Personalauswahl nicht vernachlässigen!

    Die Empfehlung eines Mitarbeiters kann der erste Schritt sein, doch sollten Unternehmen trotzdem großen Wert auf die Personalauswahl legen. Nur so kann sichergestellt werden, dass tatsächlich geeignete Kandidaten eingestellt werden. Auch wenn Mitarbeiter die Kandidaten vorschlagen, kommen Arbeitgeber daher nicht um die Sichtung der Unterlagen und Vorstellungsgespräche herum, um die Eignung eines Bewerbers zu beurteilen.

  3. Normale Bewerbungen nicht vergessen!

    Das Anwerben von Freunden durch Mitarbeiter ist zwar eine Alternative, kann jedoch das normale Bewerbungsverfahren nur ergänzen – nicht ersetzen. Das Augenmerk sollte daher auch weiterhin auf den klassischen Bewerbungen liegen, schon aus dem Grund, um nicht viele mögliche Arbeitnehmer von vornherein auszuschließen.

[Bildnachweis: mavo by Shutterstock.com]
28. Oktober 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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