Vorstellungsgespräch Mythen: Nicht alles glauben!
Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen oder hören! – Schon gar nicht, wenn Sie die Quelle nicht kennen oder nicht wirklich wissen, wie kompetent der Absender ist. Seit Jahren beobachten wir eine deutliche Zunahme an Karrierecoaches und Bewerbungsratgeber im Internet. Einerseits ist das gut, weil damit das Beratungsangebot wächst und für jede(n) etwas dabei ist. Gleichzeitig sind diese Berufsbezeichnungen nicht geschützt – jeder kann sich so nennen. Auch ganz ohne professionellen Hintergrund, Erfahrungen oder Ausbildung.
Entsprechend nehmen im Netz – auf Tiktok, Youtube oder Linkedin – die Bewerbungsmythen und Halbwahrheiten zu, die heute massenhaft von einer KI wie ChatGPT produziert werden können. Die aber ist weder intelligent, noch kompetent, sondern wiederholt nur den Durchschnitt. Und weil es im Internet mehr zwielichtige Berater und Blödsinn gibt, überwiegen leider auch die unsinnigen Tipps und Ratgeber.
Was sagt der gesunde Menschenverstand?
Nicht alles, was man hier und da findet oder liest, entspricht der Wahrheit. Oft verbergen sich dahinter lediglich, die immer wieder gleichen und kopierten Mythen zum Vorstellungsgespräch. Oder einfach nur ausgemachter Quatsch. Natürlich: Auch wir könnten jetzt einfach behaupten, dass wir es besser wissen als andere. Tun wir aber nicht – und stellen Sie unsere Aussagen dazu bitte gerne auf den Prüfstand:
- Karrierebibel ist seit rund 20 Jahren am Markt und heute mit rund 50 Millionen Lesern im Jahr das vielleicht größte Job- und Karriereportal im DACH-Raum. Wer den Markt ein bisschen länger beobachtet, weiß, dass sich längst zahlreiche Karriereseiten an uns und unseren Inhalten orientieren. Teils sogar wortwörtlich inklusive unserer blauen Logo-Farbe.
- Das Feedback unserer Leser und Fans ist eindeutig: Viele 1000 Besucher oder Coachees haben dank unserer Artikel und Online-Coachings bereits ihren Traumjob bekommen, ihr Gehalt gesteigert oder Karriere gemacht. Auf diese Menschen sind wir unglaublich stolz. Denn das ist unsere Motivation und Mission.
- Und nicht zuletzt: Was sagt Ihnen der gesunde Menschenverstand? Manche Botschaften sind vielleicht bequem, wie zum Beispiel: „Das Anschreiben braucht kein Mensch mehr!“ Sie sind aber falsch und reduzieren sogar Bewerbungschancen. Siehe unseren Artikel dazu.
Deshalb widmen wir uns heute und in diesem Artikel vor allem den besonders häufigen und gefährlichen Vorstellungsgespräch Mythen, die wir leider immer wieder lesen und die uns als Fragen von Lesern gestellt werden…
Vorstellungsgespräch Mythen: Was ist dran?
Das sind die häufigsten Mythen rund um das Bewerbungsgespräch:
Bewerber müssen die richtige Antwort geben
Wahr ist: Im Vorstellungsgespräch werden viele Fragen gestellt: Fragen zur Motivation, Stressfragen, teils sogar unzulässige Fragen. Auch Bewerber können und sollten eigene Rückfragen stellen. Es ist aber völliger Quatsch, dass es dabei immer um „richtig“ oder „falsch“ geht, bei sogenannten Fermi-Fragen ist sie sogar unmöglich. Die perfekte Antwort gibt es nicht – und schon gar nicht lässt sie sich auswendig lernen.
Bewerber sollten sich vorbereiten und typische Fragen beantworten können, ja. Ziel des Bewerbungsgesprächs ist aber, sich gegenseitig kennenzulernen. Die Persönlichkeit, Motivation und Arbeitsweise stehen dabei im Vordergrund. Würden die Qualifikationen im Lebenslauf nicht passen, hätte man Sie gar nicht erst eingeladen. Daher ist es auch nicht sinnvoll im Interview zu schauspielern oder etwas abzuspulen. Es ist keine Prüfung! Wenn es menschlich nicht passt, werden Sie später im Job weder glücklich noch erfolgreich. Kurz: Es geht um Sympathie und die richtige Attitüde – nicht um einen richtigen Satz.
Schwächen reduzieren die Chancen
Die Frage nach den Schwächen im Vorstellungsgespräch gehört zu den unbeliebtesten. Immer wieder lesen und hören wir, sie sei überholt, nicht mehr zeitgemäß und viel zu persönlich. Andere wiederum empfehlen dazu Antworten wie „Perfektionismus“ oder „Schokolade“, um die tatsächlichen Schwächen zu kaschieren. Schließlich ginge es darum, Personaler mit den eigenen Stärken zu überzeugen. Schwächen seien dabei nur hinderlich. Bullshit!
Schwächen enthalten gleich mehrere wichtige Informationen: Sie machen Bewerber menschlich und authentisch. Seine eigenen Schwächen zu kennen und damit konstruktiv umgehen zu können, zeigt, dass Sie sich Ihrer Potenziale, aber auch der Grenzen bewusst sind. Entscheidend sind nicht die Schwächen, sondern der Umgang damit! Tatsächlich lernen wir aus unseren Fehlern am meisten. Kandidaten, die die emotionale Reife und mentale Stärke besitzen, zu Ihren Schwächen zu stehen, sind jene, die auch später im Job Verantwortung für sich und andere übernehmen und nichts vertuschen. Mehr noch: Sie lernen aus jedem Rückschlag mehr – und erreichen so auch mehr als andere.
Die Frage nach den Schwächen soll Bewerber nicht runtermachen, wie es viele fälschlich empfinden, im Gegenteil: Sie entlarvt die Leistungsträger und Führungskräfte von morgen. Kein Mensch ist fehlerfrei. Alle haben Schwächen. Persönliches Wachstum passiert aber vor allem in dieser Schattenzone.
Der Personaler führt das Gespräch
An diesem Vorstellungsgespräch Mythos ist etwas dran. Oft verlaufen die Gespräche tatsächlich so: einseitig – mehr Verhör als Dialog auf Augenhöhe. So muss es aber nicht bleiben. Auch wenn der Begriff „Jobinterview“ die Rollen scheinbar schon festlegt, geht es hierbei eigentlich um ein „Gespräch“ – keinen Monolog!
Als Bewerber sind Sie kein Bittsteller. Sie bewerben sich, weil Sie glauben, die Aufgaben und Herausforderungen des Jobs meistern und einen Mehrwert bieten zu können. Sie begegnen dem Arbeitgeber also auf Augenhöhe – und der hat Sie deshalb auch eingeladen. Verharren Sie also nie in Passivität und antworten nur, wenn Sie gefragt werden. Nehmen Sie selbst aktiv am Gespräch teil: Stellen Sie eigene Fragen, zeigen Sie sich interessiert und scheuen Sie sich nicht, kritische Gedanken zu äußern, wenn etwas unklar bleibt. Unsere Erfahrung zeigt: Wer das Vorstellungsgespräch auch selbst führt, erntet mindestens Respekt – oft sogar den Job.
Nur die perfekten Qualifikationen bringen den Job
Auch das ein Irrglaube: Wenn die Qualifikationen stimmen und man der Beste ist, können die Unternehmen gar nicht anders, als einen einzustellen. Denkste! Qualifikationen, Kompetenzen und Fähigkeiten sind zwar grundsätzliche Voraussetzungen. Sie reichen aber nicht, um den Job zu bekommen.
Alle Kandidaten, die eingeladen werden, haben in der Regel fachlich überzeugt und entsprechen dem gesuchten Anforderungsprofil. Die generelle Eignung steht also gar nicht mehr zur Debatte. Worum es jetzt geht, ist die Frage, ob Sie ins Team und zur Unternehmenskultur passen. Wer strahlt die größte Motivation aus? Wem traut man die bessere Entwicklung zu? Auch hierbei spielt es keine Rolle, möglichst clever zu wirken und den Überflieger raushängen zu lassen (das schreckt eher ab), sondern Offenheit, Anpassungsfähigkeit und echte intrinsische Motivation für die Arbeit und Produkte zu zeigen. Potenzial und Persönlichkeit sind wesentlich ausschlaggebender als Noten und Know-how.
Perfekt aufs Vorstellungsgespräch vorbereiten!
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