Controlling-Controller-Berufsprofil

Ein Gastbeitrag von Jörg Roos

Trocken wie Mehlstaub, eintönig, wie Taschentücher im Schnee - dies könnten Ihre ersten Gedanken sein, wenn Sie den Begriff "Controlling" hören. Das sind genau die Schubladen, in die Controller heute gerne gesteckt werden. Ich nehme es keinem übel, dass er oder sie so über uns Controller denkt. Schließlich haben viele Kollegen lange daran gearbeitet, in diese Schubladen kriechen zu dürfen. Und wo wir gerade dabei sind: Einige Controller arbeiten auch jetzt noch - bewusst oder unbewusst - an diesen Stereotypen. Sie sind aber falsch...

Modernes Controlling kann mehr als Erbsen zählen

Dem Controlling im Allgemeinen und uns Controllern im Besonderen wird so einiges nachgesagt. Ganz typisch sind diese Urteile:

  • Erbsenzähler

    Kosten sind Controllers Liebling. Dabei ist jedes Detail wichtig und jede Abweichung treibt den Controller in den Wahnsinn. Controller erwecken oft den Anschein, als sei eine möglichst geringe Abweichung zu den Planzahlen wichtiger als die Fokussierung auf die Wünsche der Kunden. Ein Controller tut immer so, als ob er sich für das Business interessiert, aber eigentlich versteht er vom Business nichts. Gar nichts. Dem Controller fehlt einfach der Blick für das Ganze.

  • Zahlenjongleur

    Wenn es um Zahlen geht, dann sind Controller in ihrem Element. Controller versuchen alles zu messen. Selbst wenn Themen nicht direkt messbar sind. Alles, was nicht in einer Excel Formel verarbeitet werden kann, ist auch nicht relevant. Wenn die Not besonders groß ist, dann können Controller sogar fast kreativ sein und erfinden neue Kennzahlen, um wieder eine neue Zahl messen zu können.

  • Langeweiler

    Controller sind introvertiert. Sie gehen zum Lachen in den Keller und planen, was das Zeug hält. Dabei gehen Sie stets rational an Themen heran und vermeiden gerne die offene Konfrontation. Der Controller ist wie ein toter Fisch in der Hand, aalglatt, ohne Ecken und Kanten, aber auch ohne jede Emotion.

Aber soll ich Ihnen was sagen? Diese Zeit des langweiligen Erbsenzählens und Zahlenjonglierens ist schon lange vorbei.

Wer heute ein erfolgreiches Controlling praktiziert, darf sich austoben. Der moderne Controller darf die Kollegen, die er selbstverständlich als Kunden betrachtet, begeistern. Controlling ist so viel mehr als Zahlen schubsen und Papiertiger züchten. Richtig gute und wirksame Controller, ich nenne diese auch gerne "5-Sterne Controller", haben ein echtes Privileg. Ein Privileg, dass sich langsam beginnt herum zu sprechen.

Wovon ich rede?

Wer mit seinem Controlling wirklich begeistern möchte, der darf in sieben verschiedene Rollen schlüpfen. Wenn Sie so wollen: Sie dürfen zwischen sieben neuen Schubladen hin und her springen.

Abwechslung, Spannung und Herausforderungen geben sich dann die Klinke in die Hand, wenn Sie es als Controller zulassen.

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Die 7 Berufsprofile des Controllings

Haben Sie Lust mehr über diese Rollen, wir können Sie gerne auch Berufsbilder nennen, zu erfahren? Okay, der 5-Sterne Controller ist...

  • Ein Zauberer

    Für viele ist es beinahe Magie. Man gibt einen Wert in eine Zelle ein und schon ändern sich Diagramme, Farben und Überschriften. Da liegen kilometerlange Zahlenkolonnen in einem Tabellenblatt, und der Controller ist in der Lage, innerhalb von wenigen Sekunden, die Kernaussagen des vorliegenden Datenmaterials in einer strukturierten Art und Weise darzustellen. Excel ist zwar ein Werkzeug. Für uns Controller ist es aber mehr: Es ist ein Schlüssel, mit dem wir unseren Kollegen und Chefs, einen echten Mehrwert anbieten können. Wenn Sie mit Excel vertraut sind und dieses Werkzeug mit Sinn und Verstand nutzen, dann kann Ihr Unternehmen häufig auf die Investition in Spezial-Software-Lösungen verzichten. Plötzlich können Sie dann auch Ihren Bahnsteig 9 3/4 (Sie kennen Harry Potter?) finden und stehen wie von Zauberhand auf der großen Bühne.

  • Ein Verkäufer

    Was zeichnet einen tollen Verkäufer aus? Jeder Starverkäufer und Handelsvertreter versteht es, sich in den Kunden hineinzuversetzen und die eigene Ansprache so zu gestalten, dass er den Kunden erreicht. Wenn dies gelingt, kauft der Kunde die Geschichte und das Produkt. Geht ein Verkaufsgespräch aber mal schief, dann wendet sich der Kunde gelangweilt oder gar genervt ab. Egal, ob wir eine Folienschlacht im Rahmen einer Powerpoint-Präsentation eröffnen oder unsere Reports bei einem Meeting in die Diskussion einbringen. Es handelt sich dabei immer um eine Präsentation, die auch als Verkaufsgespräch bewertet werden kann. Wenn wir Controller es schaffen, unsere Ansprache auf die Gesprächsteilnehmer auszurichten, werden diese gerne mit unseren Ergebnissen arbeiten wollen, dann kaufen sie unsere Produkte - die Reports.

  • Ein Detektiv

    Haben Sie mal überlegt, warum Sherlock Holmes so berühmt ist? Nun, der Meisterdetektiv verstand es auf eine brillante Art und Weise Details zu beobachten, interessiert nachzufragen und nüchterne Rückschlüsse zu ziehen. Als Controller stehen Sie sicher eher nicht vor der Aufgabe einen Mordfall aufzuklären. Aber es ist regelmäßig eine Herausforderung, komplexe Prozesse zu durchleuchten oder auch Erklärungen für Fehlentwicklungen zu finden. Das gelingt häufig nur dann, wenn Sie gute Gespräche führen, interessiert nachfragen und auch mal querdenken.

  • Ein Analyst

    Einen guter Analysten zeichnet es aus, dass er einerseits auf eine hohe Fachkompetenz aufbaut. Zusätzlich ist es aber wichtig, gut vernetzt zu sein, um so früh wie möglich relevante Informationen zu erhalten. Was das jetzt mit Controlling zu tun hat? Vielleicht ahnen Sie es aber auch schon: Natürlich ist es unabdingbar eine gute theoretische Ausbildung (Universität oder vergleichbar) im Gepäck zu haben. Selbstverständlich ist es äußerst empfehlenswert sich ständig weiterzubilden und sein Fachwissen auszubauen. Aber das ist eben nur ein Teil des Kuchens. Nur wer sich gut im Unternehmen und der Branche vernetzt und diese Beziehungen auch wirklich pflegt, der wird genau die Informationen rechtzeitig erhalten, von denen viele sonst immer sagen: "Hätte ich das nur früher gewusst!"

  • Ein Mentor

    Im Rahmen eines Mentoring bietet der Mentor seinem Kunden (dem Mentee) sein gesamtes Praxiswissen und seine Tools an, um das vorliegende Problem zu lösen. Es wird ein oder mehrere Gespräche geben. Der Mentor wird dabei unterschiedliche Perspektiven einnehmen und gegebenenfalls auch seine persönliche Meinung einbringen. Das ist vergleichbar mit vielen Gesprächen, die Controller mit dem Management oder Kollegen anderer Fachbereiche führen. Auf Augenhöhe werden alle Optionen beleuchtet. Stets ist man in solchen Gesprächen auf der Suche nach der Alternative. Nicht selten sind Controller auf diese Weise daran beteiligt, richtungsweisende Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen.

  • Ein Bauarbeiter

    Nein, auch im Controlling ist nicht alles Gold was glänzt, schlimmer noch: Es glänzt nicht mal alles. Es kommt vor, dass wir Controller uns durch zig Tausend Datensätze wühlen oder auch sehr viele Seiten an Dokumentationen und Gesetzestexten lesen. Das ist dann in etwa so, wie ein Bauarbeiter, der ein großes Loch in die Straßendecke reißt, um erst mal lange zu buddeln. Schlussendlich wird vielleicht ein Fundament gegossen und es entsteht ein tolles neues Gebäude. So ist es dann im Controlling auch häufig. Erst graben wir tief im Zahlen- und Datendreck, um dann auf dieser Arbeit etwas aufzubauen. Etwas, dass einen echten Mehrwert für unsere Kunden und somit das gesamte Unternehmen bietet.

  • Ein Projektmanager

    Wer im Projektmanagement erfolgreich sein möchte, der muss sich perfekt auf ein Ziel fokussieren können. Es ist wichtig, diesem Ziel alles unterzuordnen und das gesamte Projektteam von diesem Ziel wirklich zu überzeugen. Mit einem hohen Maß an Organisationstalent und Koordinationsvermögen kann der erfolgreiche Projektmanager Deadlines einhalten und Projektziele auch dann erreichen, wenn Rückschläge den Weg eigentlich verbauen. Gerade wenn Controller eine hohe soziale und methodische Kompetenz vorweisen, werden sie heute und in Zukunft immer öfter die Möglichkeit haben, bereichsübergreifende Projekte zu leiten. Das ist dann erneut eine tolle Möglichkeit, dem Unternehmen den eigenen Stempel aufzudrücken.

Vielleicht sitzen Sie jetzt vor Ihrem Bildschirm und denken: Ja, alles schön und gut, aber soll der "Controller der Zukunft" so eine Art "Super-Duper-Mitarbeiter" sein? Die hier formulierten Ansprüche kann doch keiner erfüllen.

Stimmt. Aber, das ist weder mein Ziel, noch ist es meine Aussage. Ganz bestimmt wird kaum ein erfolgreicher Controller gleichzeitig ein brillanter Verkäufer oder gar Detektiv sein. Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, dass gutes Controlling mehr bedeutet, als die üblichen Schubladen vermuten lassen.

Das Berufsbild des Controlling hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und es wird sich auch in Zukunft noch weiter verändern.

Es gibt bereits Experten, die den Controller künftig als (strategischen) Business Partner betiteln wollen. Ich finde, wir können es bei der Berufsbezeichnung "Controller" belassen. Es ist aber dringend geboten, das Berufsprofil "Controller" mit angepassten Anforderungen und Aufgaben zu untermauern. Wird dieses Berufsprofil mit Leben gefüllt, ist der Controller auch in der Lage aus endlosen Zahlenkolonnen spannende Geschichten (mit-) zu schreiben. Geschichten, bei denen das Umfeld nicht nur gerne zuhört, sondern unbedingt mitspielen möchte: Die Erfolgsgeschichte des eigenen Unternehmens...

Über den Autor

Joerg-RoosJörg Roos hat mehr als 15 Jahre Berufserfahrung im Controlling und berät heute KMU dabei, ein maßgeschneidertes Reporting zu entwickeln. Er ist überzeugt davon, dass Controlling nicht nur Spaß machen darf, sondern einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bieten kann. Mit seinem Blog wirbt er für ein erfolgreiches Controlling mit Kompetenz und Leidenschaft.

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