baranq/shutterstock.comGenau 150 Millisekunden reichen aus, um sich von seinem Gegenüber ein erstes Bild zu machen. Entsprechend angemessen sollte die Garderobe – der Dresscode – für das Bewerbungsgespräch gewählt werden. Denn Kleidung macht eben nicht nur Leute, sie ist Kommunikation pur. Oder frei nach Watzlawick: Sie können mit Kleidung nicht nicht zu kommunizieren. Aber Sie können dafür sorgen, dass sie die richtige Botschaft senden – etwa die, dass Sie perfekt zu diesem Team passen oder gar zu höherem berufen sind. Umgekehrt: ungepflegte Schuhe, zu kurze Röcke, knittrige Hemden, Motiv-Krawatten oder gar zu viele und zu aufdringliche Accessoires – all das spricht Bände über den Träger, allerdings keine vorteilhaften. Daher lauten die beiden wichtigsten Dresscode-Tipps für das Vorstellungsgespräch: Kleiden Sie sich für die Position, die Sie wollen – nicht für den Job, den Sie schon haben. Und: Bleiben Sie dabei authentisch. Weil das aber noch allgemein ist, folgen nun die Details…

Berufskleidung: Was zieh ich bloß an?

baranq/ShutterstockWer in Kleidern steckt, die nicht zu seiner Persönlichkeit passen, wirkt verkleidet, verkrampft, künstlich. Außenstehende nehmen eine solche Maskerade sofort als solche wahr.

Das bedeutet natürlich nicht, dass man in seinem Lieblings-T-Shirt und der ausgewetzten Jeans, die schon Woodstock gesehen hat, zum Bewerbungsgespräch erscheinen sollte. Schließlich ist der Job keine Gartenparty.

Aber auch wenn man im Zweifel besser overdressed als underdressed erscheint – es gibt auch ein zu viel des Guten: Dann etwa, wenn der Bewerber exklusiver gekleidet ist, als der Geschäftsführer. Das wirkt dann nur noch übertrieben und aufgebrezelt – und ebenso künstlich.

Der Grat zwischen Authentizität und notwendiger Dresscode-Anpassung ist leider schmal. Balancieren müssen Sie dennoch darauf. Denn passt Ihre Kleiderwahl zum Unternehmen, gewinnen Sie damit bereits erste Sympathiepunkte und dokumentieren nonverbal: Ich passe zu euch ins Team – und zwar ohne sich dazu verkleiden zu müssen.

Was dabei ankommt und was nicht, variiert von Branche zu Branche und Unternehmen zu Unternehmen.

  • Bei Banken und Versicherung sind Anzug beziehungsweise Hosenanzug und Kostüm Pflicht.
  • In den Medien und Werbeagenturen geht’s in der Regel lockerer zu.

Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Daher: Versuchen Sie auf den Karriereseiten der Unternehmen, auf Xing oder Facebook ein paar Bilder zu recherchieren, um den jeweiligen Dresscode zu analysieren. Noch besser: Sie schaffen es, Mitarbeiter zu kontaktieren und fragen nach…

Gewiss, Fachwissen, Sozialkompetenz und Persönlichkeit sind auch weiterhin ausschlaggebender als ein tadelloses Outfit. Doch kann Kleidung eben jene Professionalität unterstreichen, den Auftritt abrunden und so ein rundum stimmiges Bild erzeugen.

Brüche wecken diesbezüglich immer Zweifel – und können bei zwei ansonsten gleichstarken Kandidaten den Ausschlag geben.

Dresscode für das Vorstellungsgespräch: Perfekt angezogen

Die wichtigsten Regeln finden Sie in diesen zwei Grafiken zusammengefasst. Wenn Sie mit der Maus über die Bilder fahren, erscheinen die Informationen:

Tipps für den Mann Tipps für die Frau

Dresscode: Details machen den Unterschied

Wer mit seiner Kleiderwahl überzeugen will, braucht auch einen Blick fürs Detail. Es reicht leider nicht, einen perfekt sitzenden Anzug oder eine schöne Bluse anzuziehen, auch Kleinigkeiten, wie die Form des Ausschnitts oder die Socken können den Gesamteindruck subtil beeinflussen – oder gar beschädigen.

Worauf Mann Wert legen sollte

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Socken:

Manch einer mag spontan denken: Das interessiert doch keine Socke! Stimmt. Die vielleicht nicht, aber ihren nächsten Arbeitgeber vielleicht umso mehr.

  • Länge. Auch wenn viele Männer sie hassen: an Kniestrümpfen kommen Anzugträger nicht vorbei. Auch wenn beim Sport oder in der Freizeit Socken absolut okay sind – im Business sind unterm Beinkleid hervorlugende Stoppelbeine absolut tabu.
  • Farbe. Schwarz geht immer. Mehr Stil indes beweist, wer die Farbe der Strümpfe auf die Kleidung (insbesondere auf die Hose) abstimmt, wobei die Socken immer einfarbig und ein paar Farbtöne dunkler gewählt werden sollten als die Hose. Also: zum Anthrazit farbenen Anzug schwarze Strümpfe; zum marineblauen Anzug dunkelblaue Socken.
  • Extravaganzen. Sind in Maßen erlaubt. Heißt: Es können auch schon mal bunte Socken zu einem gedeckten Anzug getragen werden. Dann aber muss die Farbe in irgendeinem anderen Kleidungsstück wieder auftauchen – der Krawatte, dem Hemd, den Nadelstreifen. Allzu grell sollten die farbigen Akzente aber nicht ausfallen, sonst gilt Mann schnell als Geck. Durchweg tabu: weiße und Sport-Socken.
  • Stärke. Hier und da werden dünne, angebliche Business-Socken aus Kunstfasern angeboten. Lassen Sie die Finger davon! Erstens sollte ein Strumpf immer blickdicht sein, Knöchel oder Bein dürfen nicht durchscheinen. Zweitens verursachen Kunstfasern unangenehmen Fußgeruch. Hochwertige Baumwolle ist die bessere und atmungsaktivere Wahl.
  • Löcher. Gehen gar nicht. Insbesondere wer sich auf internationalem Parkett bewegt, sollte seinen Sockenbestand stets auffrischen und löchrige Fußschlüpfer sofort entsorgen. Man weiß nie, ob man mit seinem Geschäftspartner nicht zufällig in einem Sushi-Restaurant oder vergleichbarem landet. Und dort gilt meist: Schuhe aus! Wäre doch peinlich, wenn dann ein paar Zehen zum Vorschein kämen.

Sakkos – richtig geknöpft

Fauxpas’ passieren manchmal an Stellen, an denen Mann sie nicht vermutet: beim Jackett und dessen Knöpfen zum Beispiel. Oft werden diese falsch geschlossen. So ist es richtig:

  • Zweireiher: Werden immer geschlossen, egal wie heiß es ist.
  • Sakkos mit zwei Knöpfen: Ein Knopf geschlossen, wahlweise der untere oder der obere.
  • Drei-Knopf-Sakko: Zwei Alternativen: die beiden oberen Knöpfe geschlossen oder nur der mittlere.
  • Vier-Knopf-Sakko: Die beiden mittleren oder die drei oberen Knöpfe werden geschlossen.
  • Fünf-Knopf-Sakko: Alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben geschlossen.
  • Frack: Wird immer offen getragen.
  • Weste: Alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben immer (!) geschlossen.

Beim Hinsetzen – können alle Knöpfe geöffnet werden. Ausnahme: Zweireiher – der bleibt immer zu.

Beim Aufstehen, wenn Sie jemanden begrüßen wollen, werden die Knöpfe vorher aber wieder geschlossen. Das gilt auch für Blazer bei den Damen.

Und unter Sakkos werden niemals (!) kurzärmlige Hemden getragen. Die Hemdmanschette muss unter dem Ärmel herausschauen. Die perfekte Länge ist erreicht, wenn die Ärmel des Sakkos knapp über dem Handrücken an der Daumenwurzel enden und die Hemdmanschette circa einen Zentimeter herausschaut.

Der Hemdkragen liegt eng am Hals an und ragt ebenfalls einen Zentimeter aus dem Anzugkragen heraus.

Worauf Frau Wert legen sollte

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Feinstrumpfhose

  • Schnitt. Die erste Wahl, die getroffen werden muss: Strümpfe oder Strumpfhose? Dies ist vor allem eine Frage des Geschmacks. Während manche die figurformende Wirkung einer Strumpfhose schätzen, bevorzugen andere – vor allem im Sommer – den Strumpf, der weniger einengend ist. Besonders zum figurbetonten Rock sollte frau eher Strümpfe wählen, da sich sonst die Naht im Bund abzeichnet.
  • Dichte. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des richtigen Modells ist die Einheit “Den”. Sie wird als Maß für die Durchsichtigkeit verwendet. Eigentlich gibt sie aber das Gewicht des Fadens in Gramm bei einer Länge von 9000 Metern an. Strumpfhosen unter 10 Den eignen sich aufgrund ihrer Leichtigkeit gut für warme Sommertage; 50 Den sind wiederum für Beine mit auffälligen Makeln oder Außeneinsätze im Winter geeigneter. Auf Zahlen darüber sollte verzichtet werden, sonst droht der Oma- oder Eiskunstkauf-Look. Es sei denn natürlich, das ist so modisch gewollt. Wenn keine dichte Strumpfhose zur Hand ist, auf keinen Fall zwei Paar übereinander tragen. Das führt erstens zu schmerzhaften Druckstellen und erzeugt zweitens in aller Regel ganz seltsame Muster.
  • Farbe. Bei der Farbe im Zweifel lieber die hellste Variante wählen, denn die wenigsten verursachen bleiche Beine. Es hat keinen Zweck, zur Seriosität eine Feinstrumpfhose tragen zu wollen, um dann wie eine Latein-Tänzerin auszusehen. Obwohl die Versuchung groß ist, da sie die Beine optisch schlank aussehen lässt, ist die blickdichte schwarze Strumpfhose eher ein Modell für Abendveranstaltungen. Die durchsichtigere Variante bitte auch nur zu schwarzem Kostüm und Schuhen tragen. Das Modell Glanz-Strumpfhose war bisher eher für Tanzmariechen reserviert, die royale Trendsetterin Kate Middleton hat Strumpfhosen mit leichtem Schimmer aber zu einem modischen Aufschwung verholfen und sie wieder bürofähig gemacht.
  • Größe. Hier lieber ein oder zwei Größen größer als normal wählen, denn der elastische Stoff passt sich der Figur an. Dann ist sichergestellt, dass sie nicht zu schnell ausleiert oder einreißt, weil sie zu kurz ist und mit Gewalt hochgezogen wird.

Der Ausschnitt

Hätten Sie gewusst, dass es mindestens 16 verschiedene Ausschnitt-Formen (für Blusen oder Blazer) gibt? Dabei lohnt es sich, diesem kleinen Detail mehr Aufmerksamkeit zu schenken: Mit dem passenden Ausschnitt können Sie die Halspartie und das Dekolletee kaschieren, betonen oder strecken. Einen ausführlichen Leitfaden dazu finden Sie in diesem Artikel der Modeflüsterin.

Farbcode: Die richtigen Farben wählen

Kostiantyn Ablazov/shutterstock.comDass der psychologische Effekt verschiedener Farbtöne alles andere als esoterischer Schnickschnack ist, haben verschiedene Experimente immer wieder bewiesen. Nicht nur an den Wänden nehmen Farben Einfluss auf unsere Aufmerksamkeit oder Kreativität, auch direkt am Körper ist ihre suggestive Kraft nicht zu vernachlässigen.

Die richtige Farbe kann den ersten Eindruck Ihrer Ernsthaftigkeit oder Professionalität ebenso unterstreichen wie zunichte machen. Ein paar Gedanken darüber zu verlieren, kann also nicht schaden:

  • Grundsätzlich gilt: Die gewählten Farben sollten zusammenpassen und harmonieren. Sie wollen schließlich nicht aussehen, wie ein bunter Paradiesvogel.
  • Dasselbe gilt für Muster und Dessins. Eine gestreifte Krawatte auf einem karierten Hemd geht ebensowenig wie eine wilde Musterstrumpfhose zu einem Hahnentritt-Kostüm (das per se schon für Bewerbungsgespräche eher ungeeignet ist).

Letztlich geht es darum, den Personaler von Ihren Qualifikationen zu überzeugen, von Ihrer Persönlichkeit und nicht von Ihrem ausgefallenen Modegeschmack. Der lenkt nur ab.

Im Job können Sie sich später immer noch ausleben. Jetzt wollen Sie sich aber erst einmal bewerben und überzeugen…

Mit diesen Farben machen Sie nichts verkehrt

  • Schwarz
  • Grau
  • Dunkelblau
  • Braun

Kombiniert mit einem weißen Hemd oder einer weißen Bluse sind Sie so praktisch immer passend und der Situation angemessen angezogen.

Natürlich lassen sich diese Farben für Anzug, Kostüm oder Hosenanzug auch mit anderen Tönen kombinieren – dann aber meist mit hellen Pastelltönen, sonst sieht es schnell nach Abendgarderobe aus.

Dresscode: Welche Farbe sagt was aus?

  • Blau: Die weltweite Lieblingsfarbe, steht für Vertrauen, Seriosität, Gelassenheit. Dunkle Blautöne strahlen zudem Autorität aus. Ideal für den ersten Eindruck.
  • Braun: solide, neutral, strahlt Ruhe und Bodenhaftung aus.
  • Grau: schlicht, elegant, kultiviert, steht für viel Erfahrung.
  • Rot: leidenschaftlich, energiegeladen, extrovertiert. Weil sehr emotional allenfalls für Akzente geeignet.
  • Schwarz: autoritär und enorm kraftvoll, weckt ähnlich starke Gefühle wie Rot und kann fürs Bewerbungsgespräch einen Hauch zu erdrückend sein. Dann lieber Anthrazit.
  • Weiß: einfach, strahlend, rein, wahrhaftig. Die ideale Farbe für Hemden und Shirts. Mehr aber nicht.

Dresscode-Regel: Vorsicht mit Rot

Wer diese Farbe trägt, müsse sich bewusst sein, dass er oder sie damit automatisch im Mittelpunkt steht und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht – womöglich auch dann, wenn man es gar nicht will. Deshalb sollte eine Frau ein rotes Kleid oder Kostüm ausschließlich dann wählen, wenn sie qua Funktion (Sie präsentiert etwas) oder ganz bewusst herausstechen will.

Dass die Farbe zugleich unterschwellig eine sexuelle Botschaft transportiert, sollte sie sich aber ebenfalls bewusst machen und bei der Auswahl des Schnitts berücksichtigen.

Bei den Herren sollte diese Farbe ohnehin nur in der Krawatte auftauchen und auch nur, wenn die Signalwirkung ausdrücklich erwünscht ist.

Dresscode-Sünden: Diese Fehler bitte vermeiden

Mit Kleidung lässt sich auch Einiges verkehrt machen. Die gängigsten Fehler haben wir in dieser Tabelle zusammengefasst:

Stilsünden der Männer Stilsünden der Frauen
Weiße Socken Egal, ob Sie einen Anzug tragen, eine Kombi oder Jeans – weiße Socken gehen nie. Nur beim Sport. Merke: Die Sockenfarbe passt entweder zu den Schuhen oder zur Krawatte. Minirock Mag sein, dass Sie sexy Traumbeine haben, im Job aber sollten diese weitgehend unsichtbar bleiben. Faustregel: Der Rock endet nicht vorher als eine Handbreit über dem Knie.
Krawattenlänge Die Krawatte endet genau über dem Gürtel. Nicht darüber oder Zentimeter davor. Letzteres sieht obendrein aus, als hätten Sie diese schon zur Konfirmation getragen. Dekolletee Was für die Rocklänge gilt, trifft auch auf das Dekolletee zu: Die Ware sollte hinter dem Vorhang bleiben – und schon gar nicht drohen, herauszupurzeln.
Hochwasser Achten Sie auf die Beinlänge Ihrer Hosen. Der Saum sollte ein Zentimeter oberhalb des oberen Schuhabsatzrandes enden. Gemessen natürlich im Stehen! High-Heels Pumps, hohe Absätze – alles völlig okay. Nur eine Länge von maximal acht Zentimetern (besser sechs) sollten die Schuhabsätze nicht übersteigen. Zu sexy – und obendrein ungesund.
Farbmix Man(n) sollte niemals die Farben von Schuhen und Gürtel mixen. Entweder beide sind braun oder schwarz. Alles andere ist ein Stil-Fauxpas. Nackte Beine Egal, wie heiß es draußen ist: Im Büro gilt die Regel “immer mit Strümpfen”. Das muss ja nicht gleich eine dicke Strumpfhose sein.
Logos Unter weißen Hemden trägt man kein Unterhemd. Wer das dennoch will – etwa weil es ihm zu kalt ist – sollte aber nur reinweiße Shirts tragen. Logos oder Text, die durchscheinen, sind peinlich. Laufmasche Apropos Strümpfe: Wer Nylons trägt, sollte immer ein Ersatzpaar dabei haben. Laufmaschen sehen latent ungepflegt aus. Ebenso Löcher oder Knötchen.
Hemdausschnitt Wer den Hemdkragen offen trägt, sollte darauf achten, ein Shirt mit V-Ausschnitt drunter zu tragen, der im Gegensatz zum Rundkragen unsichtbar bleibt. Zu enge Kleidung Auch wenn Sie eine perfekte Figur haben, sollten Sie nie so enge Kleider tragen, dass sich darunter Unterwäsche oder gar Strapse abzeichnen. Auch zu sexy!
Fleckige Schuhe Die Schuhe sind krönende der Abschluss Ihrer gesamten Erscheinung – und der Lackmustest. Abgewetzte Absätze, Flecken oder gar Löcher degradieren den ansonsten perfekten Rest zur bloßen Maskerade. Parfümwolke Ein dezenter Duft darf im Büro ruhig sein. Nur sollte der ab 50 Zentimeter Entfernung nicht mehr wahrgenommen werden können – und schon gar nicht mehr, sobald Sie den Raum verlassen.
[Bildnachweis: baranq, baranq, Goodluz, Zoom Team, Kostiantyn Ablazov by Shutterstock.com]