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Musik spielte schon immer eine bedeutende Rolle: Singen und Musizieren gehört zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. Mit Musik verbinden wir Emotionen; Musik hebt oder senkt die Stimmung; sie hat die Kraft, uns zu entspannen; sie wird in der Therapie eingesetzt – und natürlich verbindet sie zahllose Menschen, die dieselbe Musik mögen. Doch sie kann noch mehr: Im Job und als Hintergrundmusik kann sie dabei helfen, mehr zu leisten und produktiver zu arbeiten...

3 Theorien über die Entstehung der Musik

Musik gibt es in jeder Kultur dieser Welt. Doch wie ist sie entstanden und warum? Wissenschaftler haben drei Theorien dazu entwickelt:

  1. Musik ist in der Beziehung zwischen Mutter und Kind entstanden. Kinder sind von Geburt an sehr empfänglich für Musik. Sandra Trehub von der Universität von Toronto zeigte in einem Experiment, dass sich der Stresspegel, gemessen durch den Cortisolspiegel im Speichel, senkte, wenn die Mutter das Kind durch Gesang beruhigte. Was für diese Theorie spricht ist, dass es in jeder Kultur Schlaflieder gibt.
  2. Musik ist ein Balzritual. Charles Darwin war der Meinung, dass sich die Musik entwickelt hat, um das andere Geschlecht zu beeindrucken. Wie bei den Vögel sei es eine Art Balzritual. Auch der Evolutionspsychologe Geoffrey Miller von der Universität New Mexico teilt Darwins Ansicht. Er sieht in Musik und Tanz eine Imitation der Jagd. Könne ein Mann singen, lange und ausdauernd tanzen, bewies er damit Intelligenz und körperliche Fitness.
  3. Musik stärkt die Gemeinschaft. Musik zu machen ist ein Gruppenerlebnis. Gemeinsame Tänze und Lieder verhinderten Rivalität und stärkten das Gruppengefühl. Diesen Effekt kann man heute immernoch auf Konzerten beobachten, wenn aus dem Publikum ein wogender, tanzender Körper wird.

Die Leistungsdroge: Musik lässt uns härter arbeiten

Kennen Sie das: Im Radio läuft ein wirklich guter Song. Schlagartig verbessert sich Ihre Laune, Sie drehen die Musik auf und irgendwie geht Ihnen alles leichter von der Hand... Geahnt haben wir es schon immer, nun bestätigt es auch die Forschung: Musik kann sich positiv auf unsere Leistung und Produktivität auswirken.

Wissenschaftler um Thomas Hans Fritz vom Max Planck Institut in Leipzig konnten nachweisen: Besonders unsere Lieblingsmusik lässt uns härter arbeiten.

Die Forscher ließen bei den Experimenten dazu ihre Probanden kräftig schuften. Gleichzeitig durfte ein Teil davon seine Lieblingslieder hören. Zudem untersuchten die Wissenschaftler die Blutwerte der Teilnehmer.

Und tatsächlich: Wer seine Lieblingsmusik hörte, klotzte nicht nur mehr ran, die Zuhörer atmeten auch intensiver Sauerstoff und verbrauchten am Ende weniger Energie – nicht zuletzt, weil sie ihren Rhythmus dem der Musik anpassten.

Bereits 1999 konnten Forscher zeigen, das Musik die Produktivität im Job steigert: Wissenschaftler um David Hargreaves beschallten die 72 Mitarbeiter einer britischen Bank drei Wochen lang mit unterschiedlicher Musik. Dabei war das Tempo der Musik entscheidend. Jene Mitarbeiter, die schnellen Rhythmen lauschten, bedienten rund zwölf Prozent mehr Warteschlangen als ihre Kollegen, die ohne Musik arbeiteten.

Dazu passen auch folgende Erkenntnisse aus dem Jahr 1985: Vor allem, wenn Menschen monotonen Arbeiten nachgehen oder in der Nachtschicht arbeiten, wirkt sich Musik positiv auf das Leistungsvermögen aus.

3 Musikrichtungen, die Ihre Produktivität steigern

Nicht nur die eigene Lieblingsmusik, sondern auch ganz bestimmte Musikrichtungen können dazu führen, dass die Produktivität gesteigert wird. Wenn Sie also ein wenig Abwechslung suchen oder gemeinsam mit anderen Kollegen gemeinsam Musik hören und sich die Lieblingsmusik voneinander unterscheidet, können die folgenden Musikrichtungen helfen, trotzdem die Vorteile der Hintergrundmusik zu nutzen:

  1. Naturmusik

    Regentropfen, die auf eine Scheibe prasseln, Wind, der durch die Blätter weht oder auch ein Fluss, der vor sich hin plätschert. Naturmusik wirkt auf die meisten zunächst einmal sehr beruhigend. Der Produktivität ist sie trotzdem zuträglich, da nicht nur konzentrierter und entspannter gearbeitet wird, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten gesteigert werden.

  2. Klassische Musik

    Klassische Musik erfreut sich großer Beliebtheit und auch im Job gibt es gute Gründe, öfter mal die klassischen Komponisten aufzulegen. Eine Studie konnte zeigen, dass klassische Musik die Konzentration der Probanden steigert und gleichzeitig zu besserer Laune führt.

  3. Epische Musik

    Den meisten ist epische Musik vor allem aus großen Filmen bekannt, die gerne mit eben dieser unterlegt werden, um die Dramatik und auch Wichtigkeit der Ereignisse zu betonen. Genau das funktioniert auch bei der Arbeit. Hören Sie epische Musik, fühlt sich jede Aufgabe wichtiger an, was dafür sorgt, dass die Motivation steigt.

Hintergrundmusik: Welche ist die beste im Job?

Nick Perham von der Cardiff Metropolitan Universität und Teresa Lesiuk von der Universität von Miami zufolge gibt es allerdings nicht die eine richtige Hintergrundmusik, sondern vielmehr jene, die zur jeweiligen Aufgabe passt. Diese sieht dann beispielsweise so aus:

Die perfekte Musik für...

  • Kreative Aufgaben.

    Falls Sie gerade ein Brainstorming mit sich vorbereiten oder an der Lösung eines komplizierten Problems laborieren, können Sie Musik gerne als kleines Warm-Up einsetzen. Während der kreativen Phase aber gilt: Musik aus! Für diese Aufgaben ist Stille die beste Geräuschkulisse.

  • Schreiben und Lesen.

    Wenn einem die Wörter auf der Zunge verdorren und die berühmte Schreibblockade droht, kann man zwar im Hintergrund auf Popmusik-Texte hören, sollte man aber nicht. Auch beim Lesen behindern Lyrics eher und lenken ab - erst recht, wenn sie in derselben Sprache gesungen werden wie der Text, den Sie gerade lesen. Laut der Studie eignen sich für diese Jobs Lounge, Instrumental und Klassische Musik am besten.

  • Stupide Arbeiten.

    Die gibt es nun mal auch. In jedem Job. E-Mails müssen abgearbeitet und beantwortet oder gelöscht, Daten erfasst und Akten sortiert werden. Dazu reicht im Zweifel auch der IQ von Toast, mehr Spaß macht es trotzdem nicht. Also sollten diese Aufgaben schnell erledigt werden - und dafür eignen sich schnelle Beats und knackige Raps am besten. Also: Popmusik aller Couleur, die aktuellen Charts, Sommerhits, nur nix mit Schmalz und Herzschmerz.

Wie Ohrwürmer entstehen

Morgens das Radio aufgedreht und "Waterloo" von Abba gehört. Im Radio ist der Song längst vorüber, doch in unserem Kopf hat es sich breit gemacht und will nicht weg. Den ganzen Tag über summen wir die Melodie vor uns her - ein klassischer Ohrwurm.

Wie kommt es zu dem Ohrwurm?

Ganz sicher sind sich die Forscher nicht, das Phänomen ist kaum erforscht. Ein paar Charakteristika gibt es doch: Einfacher Text, eingängige Melodie und eine angenehme Singhöhe. Auch gibt es unterschiedliche Erklärungen dazu, wie Sie entstehen.

Eine lautet: Unser Gehirn ist automatisch darauf programmiert lückenhafte Wahrnehmungen zu ergänzen. So wie wir beim Lesen nur die richtigen Anfangs- und Endbuchstaben brauchen, um ein Wort zu erkennen. Bei Musik ist es genauso: Sie hören beispielsweise den Anfang von "Alle meine Entchen" und Ihr Gehirn führt das Lied automatisch weiter und gerät dabei in eine Endlosschleife.

Eine andere Erklärung lautet, dass es immer dann zu Ohrwürmern kommt, wenn unser Gehirn unterfordert ist. Danach würden Ohrwürmer immer dann entstehen, wenn das Gehirn auf weiteren Input wartet, beispielsweise beim Putzen oder während man im Stau steht.

Hintergrundmusik als Störfaktor

ollyy/shutterstock.comAuch wenn zahlreiche Studien den positiven Einfluss von Musik auf die Arbeitsleistung belegen, kann diese auch leicht zum Störfaktor werden. Dann nämlich, wenn es sich um die falsche Hintergrundmusik handelt. Rachel Beattie von der Universität von Südkalifornien fand in einer Studie heraus, dass Musik die Leistung massiv beeinträchtigen kann. Im Extrem kann sie dieselben Symptome hervorrufen wie bei einem Menschen, der an Dyslexie leidet, also der Unfähigkeit Wörter richtig lesen, verstehen und wiedergeben zu können.

An der Versuchsreihe nahmen 37 Studenten in zwei Gruppen teil. Zunächst sollten beide Texte lesen und verstehen ohne Störgeräusche – beide schnitten gleich gut dabei ab. Dann bekam die zweite Gruppe Musik zu hören (und das war jetzt kein Speed Metal). Prompt sank ihre Leistung dramatisch ab.

Das deckt sich auch mit weiteren Studien, die zeigen konnten, dass häufig wechselnde und aggressive Rhythmen für die Konzentration eher schädlich sind.

Anstandsregeln: Musik hören im Büro

Letztlich müssen Sie selbst entscheiden, ob Sie Musik bei der Arbeit stört oder produktiver macht. Die folgenden drei Empfehlungen sollten jedoch alle Musikliebhaber beherzigen:

  1. Keine Allgemeinbeschallung

    Wenn Sie in einem Großraumbüro arbeiten und Musik zur Arbeit hören wollen, nutzen Sie Kopfhörer. Spätestens wenn zwei verschiedene Songs gleichzeitig gespielt werden, ist es mit der Konzentration der Kollegen vorbei.

  2. Keine Clublautstärke

    Drehen Sie die Musik nicht zu laut auf. Sie sollten immer noch hören, wenn Sie ein Kollege anspricht oder das Telefon klingelt. Und wenn Sie mit jemandem sprechen, nehmen Sie die Ohrstöpsel natürlich raus.

  3. Kein Mitsingen

    Selbst wenn Sie die Singstimme eines Elton John besitzen, ist Mitsingen im Büro ist gänzlich tabu. Der Ablenkungs- und Nervfaktor für die Kollegen ist einfach zu hoch.

Was Sie über Musik noch nicht wussten

"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist", sagte der französische Autor Victor-Marie Hugo. Sieben Dinge, die Sie über Musik noch nicht wussten:

  1. Musik macht intelligenter.

    Ganz speziell die Musik von Mozart. Die Rede ist vom Mozart Effekt. 1993 sorgte die Neurologin Frances Rauscher von der Universität von Kalifornien für Aufsehen. In einer Studie fand Sie heraus, dass zehn Minuten lang Mozarts Sonate für zwei Klaviere in D-Dur ein besseres Abschneiden in IQ-Tests zur Folge habe und damit die Intelligenz steigere. Seitdem haben zahlreiche Studien diesen Effekt wieder relativiert. Unter anderem Samuel Mehr von der Harvard Graduate School of Education. Er hält den Effekt nicht für statistisch relevant. Einen positiven Effekt fand Neurobiologe John Hughes vom Medical Centre der Universität Illinois. Er analysierte Werke verschiedener Musiker daraufhin, wie oft die Lautstärke anstieg und abfiel. Dabei fand er heraus, dass Mozarts Musik häufig ein Laut-Leise-Zyklus von 30 Sekunden aufweist und damit dem Muster unserer Gehirnwellen am nächsten kommt.

  2. Musik wirkt schmerzlindernd.

    Als synthetisches Mittel wird beispielsweise Morphium gegen Schmerzen eingesetzt. Doch auch der Körper erzeugt schmerzlindernde Botenstoffe wie beispielsweise Endorphin. Musik kann die Produktion dieser Stoffe anregen. Hinzu kommt, dass Musik auch von den Schmerzen ablenken kann. Dabei funktioniert instrumentale Musik besser als Gesang, wiederkehrende Muster sind wichtig.

  3. Musik reduziert Stress.

    In einer Studie konnte Claudius Conrad vom Massachusetts General Hospital zeigen, dass Musik Stress reduziert. Musik führt dazu, dass die Hirnanhangdrüse das Wachstumshormon HGH ausschüttet. Das führt dazu, dass weniger von den Stresshormonen Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet wird. Damit sinken der Blutdruck und die Herzfrequenz, Angst lässt nach und der Körper entspannt sich.

    Dieser Song senkt den Stress um 65 Prozent

    Als britische Neurowissenschaftler um David Lewis-Hodgson Songs suchten, die Menschen am meisten entspannen, fanden Sie ein Stück, das in der Lage ist, den Stresslevel um ganze 65 Prozent zu senken: "Weightless" von dem Manchester-Trio Marconi Union. Hier ist es:

    Der 8-minütige Entspannungssong wurde laut Angaben der Gruppe auf Youtube genau zu diesem Zweck zusammen mit Musiktherapeuten entwickelt. Er soll in der Lage sein, Puls und Atmung zu beruhigen sowie Hirnaktivitäten zu reduzieren - sprich: runterzukommen und zu chillen. Mehr noch: Die Musiker warnen davor, das Stück im Auto zu hören, weil es so effektiv sei, als Einschlafhilfe zu dienen.

  4. Musik steigert die Ausdauer.

    Bestimmt haben Sie das auch schon erlebt: Mit dem Lieblingslied im Ohr läuft es sich einfach besser. Das konnte der Sportwissenschaftler Costas Karageorghis von der Londoner Brunel-Universität zeigen. Für sein Experiment ließ er 30 Probanden zu unterschiedlicher Musik trainieren. Er fand heraus, dass die optimale Laufgeschwindigkeit bei 120 bis 140 Pulsschlägen pro Minute liegt. Liefen die Probanden zu Musik mit einem solchen Rhythmus, stieg ihre Leistung um 15 Prozent und Sie spürten die Anstrengung weniger.

  5. Musik wirkt heilend.

    Ein finnisches Forscherteam um Teppo Sarkamo von der Universität von Helsinki fand heraus, dass Musik sogar Herzinfarktpatienten helfen kann. 60 Probanden wurden in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe wurde angewiesen, zwei Monate lang eine Stunde täglich ihre Lieblingsmusik zu hören, eine weitere hörte Hörbücher und die dritte Gruppe hörte weder noch. Die größten Fortschritte machte die Gruppe, die Musik hörte.

  6. Musik berührt emotional.

    "Musik ist ein Vehikel für Traurigkeit - aber auch für Freude. Und wenn es gelingt, beide Extreme zusammenzubringen, entsteht Magie", hat Paul McCartney mal gesagt. Der Genfer Psychologe Marcel Zentner hat in Studien mit mehr als 1000 Probanden herausgefunden, dass Musik unsere Stimmung beeinflusst. Hört man eine fröhliche Melodie, beginnt man automatisch zu lächeln. Die Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauss löste beispielsweise Freude bei den Probanden aus. Chopins Klavierkonzert Nummer 1 löste Gefühle der Zärtlichkeit und Sehnsucht aus.

  7. Jeder Mensch ist musikalisch.

    Der Neurowissenschaftler und Musiker Daniel Levitin von der McGill Universität hat nachgewiesen, dass auch Laien ein musikalisches Verständnis haben. In einem Experiment bat er Nichtmusiker ihr Lieblingslied zu singen. Alle 40 Probanden behaupteten von sich selbst, nicht musikalisch zu sein und keinen Ton halten zu können. Doch die Auswertung ergab, dass die Stücke überraschend nah am Original waren. Oft stimmten Tempo und Tonhöhe, ohne dass es den Probanden bewusst war.

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