Jobkrise-Jobfrust
Es gibt einen angeblich einfachen Trick, nach einem Jobverlust schnell wieder eine neue Stelle zu finden: Schreiben Sie darüber! Kein Witz: Gemeint ist damit allerdings gar nicht mal öffentliches Schreiben, wie Bloggen, Twittern oder Plussen - ein Tagebuch oder eine Art Brief an sich selbst reichen dazu völlig. Dahinter steckt der sogenannte Katharsis-Effekt: Sie schreiben sich den Frust und den Ärger so buchstäblich von der Seele und fühlen sich danach besser, blicken aber auch befreiter in die Zukunft. Und das spiegelt sich dann auch prompt in den Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen wider...

Der Katharsis-Effekt: Frust von der Seele schreiben

In einer schon etwas älteren Studie schafften es ganze 53 Prozent der beobachteten Arbeitslosen mithilfe dieses Frustschreibens binnen sechs Monaten einen neuen Job zu finden.

Zum Vergleich: Von jenen, die lediglich Bewerbungen schrieben, fanden in derselben Zeit nur 18 Prozent eine neue Stelle.

In der Psychologie ist der Katharsis-Effekt nur zu gut bekannt - etwa wenn Ärzte raten, sich bei Kummer, Ärger, Sorgen oder Frust so richtig auszuheulen. Denn das tut uns psychisch wie physisch gut.

Schon der griechische Urarzt Hippokrates glaubte, dass vor allem vier Körperflüssigkeiten– Blut, Schleim sowie schwarze und gelbe Galle – über die Gesundheit des Menschen entscheiden. Wenn diese ins Ungleichgewicht geraten, so der antike Mediziner, werden wir krank und benötigen eine Reinigung – oder wie Hippokrates es nannte: eine Katharsis. Daher auch der Name des Effekts.

Warum weinen wir?

Ollyy/shutterstock.comSchon lange versuchen Wissenschaftler herauszufinden, warum Menschen weinen. Eine Theorie findet derzeit den größten Konsens: Ihr zufolge weinen wir, um unsere Seele sprichwörtlich von Ballast zu befreien. Oder von diversen Gefühlswallungen.

Insbesondere Frauen konnten dem niederländischen Psychologen Ad Vingerhoets von der Universität Brabant gleich vier oder mehr Emotionen nennen, die sie während eines Weinkrampfs empfanden. Als wiederum dessen Kollegen von der niederländischen Universität Tilburg vor rund vier Jahren 3000 Tränenflüsse untersuchten, zeigte sich bei nahezu allen Betroffenen hernach eine deutliche Besserung des Gemütszustands, lediglich jeder Zehnte fühlte sich hinterher schlechter als davor.

Die Grenzen des Katharsis-Effekts

Die positive Wirkung des Katharsis-Effekts nimmt allerdings ab, sobald mehrere Personen unserem Gefühlsausbruch beiwohnen. Davon ist wiederum Jonathan Rottenberg von der Universität von South Florida überzeugt.

In seiner Studie befragte er gemeinsam mit zwei Kollegen über 5000 Menschen in 35 Ländern nach ihren Erinnerungen an den letzten Weinkrampf. Etwa 30 Prozent erinnerten sich, dass ihre Umgebung nicht durchweg positiv darauf reagierte.

Deshalb, daher und darum: Wenn Sie sich die Jobkrise und den Jobfrust von der Leber schreiben, tun Sie das bitte für sich allein und im stillen Kämmerlein.

Wie Sie Frust generell kanalisieren können

  1. Reden. Selbstgespräche helfen, Stress abzubauen, reduzieren Aggressionen und sorgen für mehr Klarheit, hat etwa der US-Psychologe Thomas Brinthaupt nachgewiesen. Auch Gespräche mit Freunden senken den Frust.
  2. Schreiben. Seine Gedanken und Gefühle zu notierten und zu sortieren, hilft nachweislich, sich den Frust von der Seele zu schreiben. Gleichzeitig dokumentieren die Notizen, wie man solche Phasen überwunden hat.
  3. Schreien. In Maßen ist das durchaus erlaubt: Hauen Sie mit der Faust auf den Tisch, schreien Sie Ihren Bildschirm an, stampfen Sie laut auf den Boden – nur zerstören Sie dabei bitte nichts im Büro und machen Sie es so, dass es keiner mitbekommt.
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