Syda Productions/shutterstock.comE-Learning ist auch in den Universitäten angekommen. Experimente in virtuellen Laboren, Vorlesungen als Podcast oder Video – neue Lernformen sind entstanden. Sogenannte “Massive open online courses” (Moocs), riesige offene Online-Seminare, erfreuen sich großer Beliebtheit. Diese sind von Anfang an als Online-Angebot konzipiert, mit Aufgaben, die die Studenten lösen, sowie einem Abschlusstest. Diese neuen Lernformen versprechen mehr Flexibilität. Lerninhalte können dauerhaft abgerufen werden und ermöglichen dem Studenten, selbst über seine Zeit zu bestimmen. Doch bedeutet das nun, dass Studenten sich morgens nicht mehr aus dem Bett quälen, um die Vorlesung zu besuchen und die Bibliotheken menschenleer geworden sind? Zwar erleichtern die virtuellen Lehrformen das Lernen in vielen Punkten, doch das Studium hat sich dadurch nicht komplett ins Netz verlagert. Vielmehr baut man auf die Ergänzung von Präsenzveranstaltungen durch Online-Lernangebote. Man spricht dann nicht mehr von E-Learning, sondern von “Blended learning”. Wir erläutern das Konzept dieser Mischform und zeigen die Vorteile auf.

Was ist Blended Learning

Der Ausdruck “Belended Learning” lässt sich mit “vermischtem” oder “kombiniertem” Lernen übersetzen. Damit ist gemeint, dass es kein entweder oder zwischen Online-Kurs und Präsenzveranstaltung gibt. Beide Formen sind Bestandteil des Lehrangebots einer Hochschule. Die Wissensvermittlung läuft weiter in Seminaren und Vorlesungen ab, und in den begleitend eingerichteten Online-Plattformen wird das Gelernte vertieft. Praktische jede Hochschule verfügt über eine Internetplattform, die das möglich macht.

Wie funktioniert dieses Konzept in der Praxis?

Im Großteil der Seminare und Vorlesungen gehören die Handapparate, die man früher in der Bibliothek oder im Copy Shop gefunden hat, der Vergangenheit an. Die meisten Professoren und Dozenten stellen die Literatur zu ihren Veranstaltungen bereits zu Beginn des Semesters ins Netz. Im Anschluss an die Sitzung werden die Inhalte, beispielsweise die Power-Point-Präsentation, ins Internet gestellt. In Einführungsveranstaltungen oder Methodenseminaren arbeiten Hochschulen auch gerne mit sogenanten “web based trainings” (WBTs). In diesen werden die Inhalte der Veranstaltungen zusammengefasst und durch Aufgaben zur Thematik ergänzt. Sie bieten den Studenten die Möglichkeit, ihr Wissen direkt zu überprüfen.

Bei den meisten Lernplattformen besteht auch die Möglichkeit, Aufgaben beim Dozenten einzureichen. Die Leistungen werden dann bewertet und die Benotung erscheint im System. Dies bietet sich beispielsweise bei Exzerpten und Thesenpapieren an, die beispielsweise begleitend zu einer Veranstaltung als Leistungsnachweis erbracht werden sollen.

Einige Dozenten nutzen die Möglichkeiten der Lernplattform auch, um Inhalte für Seminare zu generieren. Beispielsweise bieten sich Foren an, um die Studenten bereits im Vorfeld zu einer Sitzung zum Thema diskutieren zu lassen. Diese Diskussion kann der Lehrende einsehen und sieht, was die Studenten besonders beschäftigt und wo noch Unklarheiten bestehen.

Wie ist die Resonanz?

Andresr/shutterstock.comEinmal auf den Geschmack gekommen, erwarten die meisten Studierenden von Ihren Lehrenden, dass diese auch online Lernmaterial anbieten. Dass Vorlesungen auch als Video oder Podcast zur Verfügung stehen, wird nicht verlangt, aber dass Begleitmaterial und die Vorlesungsfolien online abgerufen werden können, ist für die Mehrheit ein Muss. In Zeiten, in denen viele Studenten Tablets und Smartphones fürs Studium nutzen, ist es fast undenkbar geworden, dass Lehrende völlig auf die mediale Unterstützung ihrer Veranstaltungen verzichten.

Wie groß das begleitende Online-Angebot ist, variiert von Fachbereich zu Fachbereich und von Dozent zu Dozent. Wirtschafts- und naturwissenschaftliche Fachbereiche haben den Nutzen der neuen Lernformen schnell erkannt und bieten ihren Studierenden mittlerweile eine ganze Bandbreite an. Zögerlich läuft der Prozess in geisteswissenschaftlichen Fachbereichen an.

Unter den Lehrenden gibt es glühende Verfechter der multimedialen Lehre. Diese sind es auch, die sich die Mühe machen, WBTs zu entwerfen, ihre Veranstaltungen zu streamen und Diskussionen online zu moderieren. Aber es gibt auch viele Skeptiker, die der Meinung sind, eine Universität sei nicht dafür da, um mit dem Strom zu schwimmen, sondern um unzeitgemäß zu sein. Sie wollen an alt bewährten Lehrmethoden festhalten und argumentieren, es habe ja auch die letzten 2000 Jahre gut gekappt.

10 Lerntipps fürs E-Learning:

  • Machen Sie sich unbedingt im Vorfeld mit Ihren Tools und Programmen vertraut.
  • Setzen Sie sich klare Lernziele für die jeweilige Einheit.
  • Arbeiten Sie die verschiedenen Module oder deren Abschnitte möglichst zusammenhängend durch.
  • Machen Sie sich während eines Moduls Notizen und überarbeiten Sie diese später.
  • Etablieren Sie virtuelle Lerngruppen.
  • Google+-Hangouts können als Videokonferenz für Lerngruppen zum Einsatz kommen.
  • Bei größeren Projekten sollten Sie kollaborativ – beispielsweise mit Google Drive – an Dokumenten arbeiten.
  • Nutzen Sie auch die Chat- und Kommentarfunktion des E-Learning-Systems für Diskussionen und Fragen.
  • Klären Sie mit den Dozenten, wann und wie diese virtuell erreichbar sind.
  • Wenn Sie nur wenig Zeit haben, sollten Sie mit Zeitblöcken arbeiten. Die Pomodoro-Technik kann dabei hilfreich sein.

Weitere Lernstrategien und Tipps zur richtigen Umgebung finden Sie hier.

Vorteile von Blended Learning

Verschließt man sich komplett vor den Möglichkeiten, die Lernplattformen bieten, lässt man eine Menge Potenzial ungenutzt. Wie das Blended Learning die Lehre an Hochschulen bereichert:

  • Die Arbeit des Lehrenden wird erleichtert. Material und Aufgaben können online eingestellt werden. Die Leistungen der Studierenden werden dort gesammelt und können dort bewertet werden. Das spart eine Menge Arbeit.
  • Der Kontakt zwischen Dozent und Student wird vereinfacht. Besonders an Massenuniversitäten ist es schwierig, persönlichen Kontakt zu den Studenten aufzubauen. Die Plattformen erleichtern die Kommunikation. Wenn vor einigen Jahren eine Veranstaltung ausgefallen ist, fanden das die Studierenden in der Regel erst raus, wenn sie vor der verschlossenen Tür des Seminarraums standen. Daran klebte dann ein Zettel mit der Info. Heute können solche Nachrichten online angekündigt werden und verbreiten sich schneller unter den Studenten. Auch Fragen an den Dozenten lassen sich leichter stellen. Oft lässt sich auch einsehen, ob die eigene Frage nicht bereits von einem Kommilitonen gestellt wurde und eine Antwort verfügbar ist.
  • Die Vorbereitung für Klausuren wird erleichtert. Aus Studentensicht ist das einer der größten Vorteile. Durch begleitendes Online-Material zu den Veranstaltungen lassen sich Inhalte im Vorfeld einer Klausur besser wiederholen. Die Vorlesungsfolien können noch einmal durchgegangen, Altklausuren gelöst und Musterlösungen eingesehen werden. In vielen Veranstaltungen wird kurz vor der Klausur auch die Möglichkeit angeboten, Fragen im Forum zu stellen, die dann vom Dozenten oder seinen Tutoren beantwortet werden.
  • Der Austausch zwischen den Studenten wird gefördert. Besonders in großen Vorlesungen, in denen sich die Teilnehmer kaum kennen, ist es schwierig, mit seinen Kommilitonen in Kontakt zu treten. Die Lernplattform ermöglicht es im Forum Fragen an die Kommilitonen zu stellen, Notizen gegenseitig auszutauschen und über Sachverhalte zu diskutieren. Die Fähigkeit zur virtuellen Gruppenarbeit wird damit ausgebaut.
  • Das eigenverantwortliche Arbeiten wird gefördert. Durch das Online-Angebot sind Studenten in ihrem Zeitmanagement flexibler geworden. Verpasste Sitzungen können jederzeit nachgearbeitet werden. Das bedeutet allerdings auch, dass ein Student sich selbst disziplinieren muss dieses Angebot auch wahrzunehmen. Die Fähigkeit sich selbst zu motivieren und eigenständig zu arbeiten wird damit geschult.
  • Die digitalen Kenntnisse von Studenten werden ausgebaut. Studenten lernen ganz selbstverständlich Wikis, Podcast, Videos, Slideshares und andere Tools zu verwenden. Wie viel ein Student in dieser Beziehung lernt, hängt zum einen von der Expertise des Lehrenden im diesem Bereich ab, aber auch vom eigenen Engagement, die Möglichkeiten zu entdecken und für sich selbst zu nutzen.
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