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5 von Jochen Mai am 2. Dezember 2009 → Artikel in Knigge
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Oh weh, du Fröhliche – Tipps für die Weihnachtsfeier

engel1Der Dezember ist turbulent. Spätestens mit dem ersten Advent erleben Glühwein, Girlanden und Geschäftsführeransprachen ihre alljährliche Renaissance – vor allem auf der obligaten Weihnachtsfeier. Vom Chef bis zum Pförtner ziehen sich dann alle bunte Pappnasen, lustige Nikolaus-Mützen und Rentiergeweihe an und spielen ungezwungenes Beisammensein. Feste soll man zwar feste feiern, derart erzwungene Lieblichkeiten sind aber anscheinend nur durch exzessive Enthemmung zu ertragen. Schließlich muss man Peter, Dirk und Dörthe nicht mehr kennenlernen, weil sie uns längst auch unter der Woche zum Essen oder Kaffeetrinken begleiten.

Tatsächlich sind Weihnachtsfeiern wie Schaulaufen: Wer benimmt sich – wer daneben? Überall lauern Fettnäpfchen und Fallstricke. Für Vorgesetzte ist so eine Feier gerne auch ein gesellschaftlicher Benimmtest, der Mitarbeiter für höhere Aufgaben empfiehlt oder auch nicht. Der Maßstab variiert zwar von Unternehmen zu Unternehmen, dennoch gibt es bestimmte Regeln, die Sie auch bei steigendem Alkoholpegel nicht vergessen und unbedingt einhalten sollten. Dazu gehört etwa:

    Daumen

  • Sagen Sie dem Chef nie die Meinung! Erst recht, wenn diese kritisch ist. Ebenso tabu ist, zu fortgeschrittener Stunde um eine Gehaltserhöhung oder Beförderung zu bitten. Selbst im Suff ist das tödlich!
  • Bringen Sie auch nicht unangemeldet zusätzliche Gäste mit – etwa den Partner oder einen Freund oder Freundin.
  • Ebenso fällt durch, wer geschmacklose Witze erzählt, niemanden grüßt, wie ein Rüpel durchs Büffet pflügt oder bereits stark angeschickert zur Party erscheint.
  • Seien Sie auch vorsichtig beim Smalltalk: Auf Weihnachtsfeiern wird zwar viel geredet, wer aber zu tief schürft oder das Gespräch auf das Leiden der Welt lenkt, sorgt mindestens für atmosphärische Störungen. Klatsch und Tratsch über Kollegen sollten Sie sich zudem verkneifen.
  • Überhaupt Alkohol: Wenn der Pegel steigt, wird die Zunge lockerer und der Mut zur Wahrheit steigt. Halten Sie sich damit unbedingt zurück. Kollegen zu beleidigen, ist schon ein schwerer Fauxpas. Aber lautstark über die unsägliche Weihnachtsansprache des Chefs herzuziehen, kann Sie den Job kosten.
  • Auch der Ruf eines Draufgängers, der jeden Matrosen unter den Tisch trinken könnte, ist ein Pyrrhussieg. Die Kollegen sollen einem schließlich auch nach der Party mit Respekt begegnen und sich nicht ausschließlich an den Moment erinnern, als man über die Kurven der Praktikantin dozierte – oder schlimmer: sie examinierte.
  • Intimitäten sind erst recht tabu! Auch wenn der Rahmen eine privatere Atmosphäre suggeriert: Es handelt sich bei der Weihnachtsfeier um eine betriebliche Veranstaltung. Damit gelten auch alle arbeitsrechtlichen Konsequenzen: sexuelle Belästigung, tätliche Angriffe, Verbalinjurien – all das ist abmahnfähig.
  • Achtung beim DU: Wenn der Chef nach dem sechsten Schnaps plötzlich „Du“ sagt, zählt das nur, wenn er sich am nächsten Tag noch daran erinnern mag. Ansonsten sagt man besser wieder „Sie“ zu ihm. Bitte niemals an das „Du“ erinnern!
  • Dasselbe gilt für Zeugen einer zunehmend ausgelassenen Führungskraft: Wenn Sie beobachten wie der Chef auf den Tisch klettert, sich das Hemd aufreißt, um ausgelassen zu tanzen, sollten Sie sich zügig aus der Affäre stehlen. Manche Chefs neigen dazu, die Scham und das schlechte Gewissen am nächsten Tag jenen anzulasten, die das bezeugen könnten.
  • Neben den Partylöwen gibt es allerdings auch die Gruppe der Spaßbremsen. Riesenfehler! Kollegen, die schweigend in der Ecke kauern, demonstrativ auf die Uhr schauen oder über Restaurant und Essen mäkeln, mag keiner. Solche augenfälligen Miesepeter sind womöglich nicht einmal teamfähig.
  • Schlimmer ist nur noch: gar nicht hingehen. So jemand entlarvt sich als eigenbrötlerisch. Gleiches gilt für einzelne Gruppen, die sich während der Party absondern und tuscheln – sei es als Abteilung oder als Horde von Alpha-Männchen. Chefs, die lieber unter sich bleiben, demonstrieren, dass sie den Kontakt zur Basis weder haben noch suchen und schaden so dem Betriebsklima.
  • Eine juristische Finesse noch zum Schluss: Als Gradmesser ab wann die betriebliche Feier wieder privat ist, gilt in der Regel die Anwesenheit des Chefs: Gehen die Vorgesetzten nach Hause und mit ihnen das Gros der Mitarbeiter, endet der betriebliche Charakter der Weihnachtsfeier und damit auch der Unfallschutz. Dasselbe gilt für den Heimweg: Der ist immer privat! Also aufpassen.


Und für alle, die Ihre Weihnachtsfeier schon hinter sich haben, hier noch die ultimative Checkliste der schlimmsten Entgleisungen:

Du weißt, dass Du auf der Weihnachtsfeier verloren hast, wenn…

    Daumenrunter

  • …Du Kleidung wählst, die mehr preisgibt als sie verhüllt.
  • …Du über das Essen, die Getränke oder Kollegen lästerst.
  • …Du Deine Eheprobleme, Krankheiten oder Motivation zum Thema machst.
  • …Du über die Kurven der Praktikantin hörbar dozierst.
  • …Du die Kurven der Praktikantin examinierst.
  • …Du dem Chef unverblümt die Meinung geigst.
  • …Du den Chef um eine Gehaltserhöhung bittest.
  • …Du beweist, dass Du jeden Matrosen unter den Tisch trinken kannst.
  • …Du beweist, dass Matrosen doch mehr vertragen als Du.
  • …Du auf Deinem Büffet-Teller den Turm zu Babel nachbaust.
  • …Du Zeuge wirst, wie Dein Chef entgleist – und ihn daran erinnerst.
  • …Du über den Chef lästerst – und er das merkt.
  • …Du anzügliche oder diskriminierende Witze erzählst.
  • …Du Dich sichtbar langweilst.
  • …Du zur Spaßbremse mutierst.
  • …Du Dich (mit Deiner Clique) absonderst – erst recht, wenn Du der Chef bist.
  • …Du erst gar nicht hingehst.

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1. Kommentar

Britta Stahl
02.12.09 um 13:15 Uhr

Eine gute Zusammenfassung der Benimmregeln für die anstehenden Feierlichkeiten! Dann ja langsam der Weihnachtsfeier-Wahnsinn losgehen…

2. Kommentar

Felix Herzbach
02.12.09 um 15:34 Uhr

Super Post. Aber sagen die beiden Listen nicht das Selbe? Will sagen: Hätte es nicht auch eine positiv oder negativ Liste getan?

3. Kommentar

Jochen Mai
02.12.09 um 15:35 Uhr

@Felix: Letztlich ja – aber der eine mags lieber so, der andere so…

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