Schlagfertigkeit: So kontern Sie jeden Spruch
Zum Meeting zu spät gekommen, den Kaffee über den Konferenztisch geschüttet, ein Senffleck auf der Krawatte - im Job geraten Sie schnell in peinliche und unangenehme Situationen. Mit hochrotem Kopf drucksen die meisten in solchen Momenten hilflos herum. Erst Stunden später fällt ihnen dann eine passende Antwort ein. Dumm gelaufen. Muss aber nicht so bleiben: Denn Schlagfertigkeit lässt sich lernen...

Was ist Schlagfertigkeit

Schlagfertigkeit ist die Kunst, in einer unangenehmen Situation spontan und wendig zu kontern. Damit stoppen Sie Verbalattacken und nehmen dem Angreifer den Wind aus den Segeln. Dieser steht in einem schlechten Licht da, während Sie souverän und selbstsicher daher kommen. Drei Dinge sind wichtig, um schlagfertig zu sein:

  1. Die Fähigkeit zur Gegenwehr. Haben Sie den Mut auch mal frech zu sein und brechen Sie mit dem Wunsch, es allen recht machen zu wollen. Es ist gar nicht so wichtig, was Sie sagen, entscheidend ist, dass Sie etwas sagen.
  2. Argumentationsfähigkeit. Wenn Sie es schaffen, auch in Stresssituationen Ihre Meinung zu vertreten und Argumente zu finden, wird Ihnen eine hohe persönliche Integrität zugesprochen.
  3. Humor. Statt den Angriff persönlich zu nehmen, machen Sie sich darüber lustig. Sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, lässt Sie gelassen wirken.

Was Ihnen Schlagfertigkeit bringt

wavebreakmedia/shutterstock.comEs lohnt sich an der eigenen Schlagfertigkeit zu arbeiten. Was sich dadurch für Sie verbessert:

  • Sie verschaffen sich Respekt unter den Kollegen.
  • Sie machen einen souveränen Eindruck.
  • Sie steigern Ihr Selbstwertgefühl.

Körpersprache

Neben den richtigen Worten, braucht es für eine schlagfertige Reaktion auch die richtige Körpersprache. Machen Sie sich nicht klein und schauen verschämt zu Boden. Stehen Sie auf und schauen Ihrem Gegenüber direkt in die Augen. Eine aufrechte Körperhaltung und direkter Blickkontakt signalisieren Ihrem Gegenüber, dass Sie keine Angst empfinden und sich nicht einschüchtern lassen.

Weitere wissenswerte Informationen zur Körpersprache finden Sie hier.

Lernen, schlagfertiger zu werden

Jeder kann lernen, schlagfertiger zu werden. Ein großer, aktiver Sprachschatz ist dazu allerdings Voraussetzung. Denn natürlich lebt jeder Konter auch vom cleveren Sprachspiel, vom scharfen Wortwitz - von der Spitze eben. Ohne dieses Sprachgefühl gelingt allenfalls der Aufstieg zum stumpfen Dampfplauderer. Lesen Sie also viel, reden Sie viel und üben, üben, üben Sie mit Worten zu spielen. Vor allem aber üben Sie, offensiver zu werden.

Wer Angst hat, etwas Falsches zu sagen, wird nie schlagfertig. Der Journalist John Wilkes ist ein gutes Vorbild dafür. Als Lord Sandwich, Namenspatron des gleichnamigen Klappbrots, zu ihm sagte: "Sie werden eines Tages entweder an der Syphilis sterben oder am Galgen", meinte Wilkes nur: "Das kommt darauf an, ob ich die Mätresse oder die Lebensprinzipien Eurer Lordschaft übernehme." Rrrrumms.

Tempo entscheidet bei der Schlagfertigkeit freilich ebenfalls. Der Konter lebt von der Überraschung. Davon, dass er den anderen trifft, wo es weh tut. Wer unter Beschuss gerät, den treibt jedoch oft die Schrecksekunde in die Defensive. Diese Starre zu überwinden - das ist die schwerste Lektion. Sie gelingt allein durch eine Art Immunsystem: Sehen Sie verbale Balgereien als Kommunikations-Pingpong. Oder als Kompliment: Immerhin widmet Ihnen da einer so viel Aufmerksamkeit, dass er Sie als Zielscheibe ausgewählt hat. Und wer steckt sich schon kleine Ziele? Eben.


Taktiken für mehr Schlagfertigkeit

g-stockstudio/shutterstock.comBevor wir auf einige Taktiken, wie Sie eine schlagfertige Antwort finden, eingehen, schildern wir das Problem.

Das Problem

In der Regel werden Sie von fiesen Sprüchen unerwartet getroffen. Im ersten Moment sind Sie verletzt und fühlen sich gedemütigt. Sie befinden sich in einer Stresssituation. Ihr erster Reflex ist die Flucht. Genau dieser Reflex hindert Sie daran spontan zu regieren. Setzen Sie sich nicht unter Druck und die Antwort kommt von selbst.

Die Rückfrage-Taktik

Diese Taktik lässt sich eigentlich immer anwenden. Sie spielen den Ball direkt zurück an Ihr Gegenüber.

Beispiel

Kollege: "Im Urlaub haben Sie aber zugelegt."
Sie: Ja, das kann sein. Wie war Ihr Urlaub denn so? Scheinbar war das Essen ja nicht so gut.

Die Umkehr-Taktik

Mithilfe dieser Taktik drehen Sie den Spieß um und stellen Ihr Gegenüber bloß. In der Regel hat diese Reaktion einen großen Unterhaltungswert für alle anderen. Doch Vorsicht: Damit machen Sie sich schnell Feinde und sollten mit eine Retourkutsche rechnen.

Beispiel

Winston Churchill war für seine Schlagfertigkeit berühmt. Bei einer Abendgesellschaft soll eine gewisse Lady Astor zu ihm gesagt haben: Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift in den Kaffee mischen. Darauf entgegnete Churchill: Und wenn ich Ihr Mann wäre, dann würde ich ihn trinken.

Die Zustimmungs-Taktik

Statt sich zu verteidigen, geben Sie Ihrem Angreifer einfach recht. Vorwürfe und Provokationen laufen auf diese Weise ins Leere.

Beispiel

Der SPD Vorsitzende Sigmar Gabriel wurde bei der Bundespressekonferenz nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags darauf angesprochen, wie er es finde, dass er und Alexander Dobrindt nun Teil eines Kabinetts seien. Dobrindt habe Gabriel als "übergewichtig und unfähig" bezeichnet. Gabriel antwortete gelassen: "Zumindest zu der einen Hälfte hat er ja recht". Zu welcher, hänge von der Gewichtsklasse des Betrachters ab.

Die Übersetzungs-Taktik

Mit dieser Taktik „übersetzen“ Sie die Worte Ihres Gegenübers. Damit drehen Sie die Aussage zu Ihrem Vorteil.

Beispiel

Ihr Kollege unterstellt Ihnen. "Sie sind doch nur eine Marionette des Chefs!"
Darauf antworten Sie: "Sie meinen damit, dass es viel Fingerspitzengefühl braucht, um mich zu führen?"

Die Ausweich-Taktik

Bei dieser Taktik gehen Sie überhaupt nicht auf den Inhalt des Vorwurfs ein, sondern machen es zum Thema, wie aktuell miteinander geredet wird. Bringen Sie die unsachliche Art der Kommunikation zur Sprache. Isolieren Sie Ihr Gegenüber mit seiner Aussage.

Beispiel

Sie werden in einem Meeting von Ihrem Kollegen dafür kritisiert, nur schwachsinnige Ideen zu haben.
Ihre Antwort darauf: "Unsachliche Bemerkungen wie diese bringen uns nicht weiter. Wir alle sind daran interessiert, möglichst schnell zu einem Ergebnis zu kommen. Ich bitte Sie, sich auf die richtigen Umgangsformen zu besinnen."

Schlagfertigkeit im Job kann auch gefährlich sein

ABER... Und das ist ein großes ABER: Im Job und im Büro gelten andere Regeln als bei einer hitzigen Debatte. Bei Letzterer muss die kernige Replik schnell, präzise und schmerzhaft sein, damit sie ihre Wirkung voll entfaltet. Im Job ist das risikoreich: Frechheit bringt hier häufig nur einen Pyrrhussieg. Wer versucht, andere mundtot zu machen, provoziert eher Rachegelüste.

Oder schlimmer: Der ursprüngliche Vorwurf setzt sich dank der Pointe erst recht in den Köpfen der Anwesenden fest. Büro-Rhetorik ist deshalb niemals Kampfrhetorik, vielmehr soll sie die eigene Souveränität demonstrieren und ein unangenehmes Thema beenden.

Die Alternativ-Techniken zur Schlagfertigkeit:

  1. Nehmen Sie solche Angriffe nicht persönlich

    Versuchen Sie die Situation wie einen sportlichen Wettkampf vorzustellen. Okay, der andere spielt unfair. Aber es ist nur ein Fight. Wenn Sie die ganze Zeit daran denken, wie Sie dabei auf andere wirken oder welche Konsequenzen das für Ihr Image in der Firma haben könnte, gewinnen Sie nicht genug inneren Abstand, um sachlich zu antworten. Sie lassen sich provozieren.

  2. Machen Sie eine kurze Pause

    Es ist ein Trick solcher Aggressoren, dass diese Sie zu einer schneller Reaktion verleiten wollen – die sie insgeheim vielleicht schon erwarten und darauf auch sofort wieder kontern können. Das endet dann wie beim Hase und Igel: Der andere ist immer schon da. Steigen Sie aus dieser Spirale aus. Übernehmen Sie die Kontrolle. Stellen Sie beispielsweise eine Rückfrage oder bedanken Sie sich dafür, dass der andere seinen Standpunkt so leidenschaftlich klar gemacht hat. Und schon führen Sie die Diskussion und geben jetzt das Tempo vor.

  3. Ein gelungener Konter braucht Humor

    Der lockert auf und sorgt dafür, dass Ihre Retourkutsche taktvoll bleibt. Gewürzt mit einer Prise Charme und Selbstironie entkräftet man so nahezu jeden giftigen Spruch. Als der französische Staatspräsident François Mitterrand einst bei einer Rede von einem Kritiker immer wieder mit "Aufhören!" unterbrochen wurde, erwiderte er lakonisch: "Ich würde uns beiden den Gefallen ja gerne tun, aber wir sollten in dieser Situation nicht nur an uns denken."

  4. Übertreiben Sie maßlos

    Stellen Sie dem Vorwurf ein noch schlimmeres Szenario gegenüber: "Klar bin ich noch nicht fertig. Oder soll ich etwa einen Schnellschuss abliefern?"

  5. Weisen Sie die Verbalattacke kategorisch zurück

    Zum Beispiel mit den Worten: "Das ist Ihre Version. Tatsache aber ist, dass..." Die Masche ist zwar nicht besonders originell, dafür zwingt sie das Gespräch zurück auf die Sachebene.

  6. Schweigen Sie

    "In Ihrem Alter war ich aber nicht so naiv." "Sie haben ja überhaupt keine Ahnung!" "Wissen Sie, gutes Aussehen allein reicht in diesem Job nicht…" Frechheit! Stimmt. Aber wie reagieren Sie im Meeting auf solche unverschämten Angriffe? Womöglich stammt die verbale Attacke aber auch vom Chef. Den anschließend in seine Schranken zu weisen, ist zwar richtig, ihn zu düpieren jedoch unklug. Es gibt jedoch noch eine weitere, viel elegantere Form der Zurechtweisung: Schweigen. Sie sagen nichts, schauen dem Aggressor nur intensiv in die Augen und legen eine Schweigeminute ein. Die nun eintretende erwartungsvolle Stille wirkt zu Ihren Gunsten: Denn während die Unverschämtheit noch durch den Raum hallt, mutiert sie zur peinlichen Niedertracht. Sie aber bleiben souverän, zeigen Größe darüber zu stehen und sich völlig unter Kontrolle zu halten. Danach machen Sie weiter als sei nichts gewesen. Auch diese Geste signalisiert: Es perlt an Ihnen ab. Und auf so ein Niveau begeben Sie sich auf keinen Fall. Der Sprecher hingegen hat sich mit seinem Schuss unter die Gürtellinie selbst disqualifiziert.

Eristik als Selbstverteidigung

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Das allerdings gehört nun wirklich nicht ins Büro und dient allenfalls als letzter Schritt zur Selbstverteidigung. Deren Techniken zu kennen, ist dennoch ratsam - und sei es nur, um richtig gemeine Attacken zu parieren.

  • Den Gegner wütend machen. Wer vor Wut schäumt, kann keinen klaren Gedanken mehr formulieren. Bewährtes Mittel: Schikane, Unterstellung, Unverschämtheiten und dem Gegner wiederholt Unrecht tun. Übrigens: Gerät der Gegner bei einem Streitpunkt unerwartet in Rage, ist das ein gutes Indiz für einen wunden Punkt. Erfahrungsgemäß sind seine Argumente hier besonders schwach und emotional. Sofort nachbohren!
  • Unverschämt, aber nicht minder wirkungsvoll ist, mehrere Antworten, die nicht der gewünschten Meinung entsprechen, mit einer falschen Schlussfolgerung (der eigenen These) zusammen zu fassen: "Sie sagen also, dass..." Sagt er natürlich nicht, bringt ihn aber in Rage.
  • Was auch geht: Die These des Gegners überhöhen und möglichst allgemein darstellen, die eigene dagegen sehr konkret und in knappen Worten. So wird die gegnerische These wesentlich angreifbarer, sie bietet mehr Fläche.
  • Kreuzverhör. Identifizieren Sie Argumente, die mit etwas in Widerspruch stehen, was der Gegner angeblich früher schon einmal gesagt hat. Genauso wirken Argumente, die mit etwas in Widerspruch stehen, das der Gegner früher gelobt hat. Das Ziel hierbei: Die Glaubwürdigkeit des Zeugen wird untergraben.
  • Dieselbe Technik funktioniert auch mit Fragen: Der Gegner wird mit einem Trommelfeuer aus Fragen belegt, bei denen er den Überblick und das Motiv dahinter aus den Augen verliert. Am Ende werden alle bestätigten Punkte rasch zusammengefasst.
  • Beliebt auch: Das eigentliche Ziel, etwa die Bestätigung für einen heiklen Punkt, zu verschleiern und in einzelne Prämissen zu zerlegen. Diese lässt man sich dann im Laufe der Debatte und in wilder Reihenfolge einzeln bestätigen. Am Ende ist es leicht, den Sack zuzumachen: "Sie haben ja schon zugegeben, dass ... und dass ... und dass ..., daraus kann nur eines folgen: Es ist so wie ich sage!"
  • Noch gemeiner: Dem Gegner zum Schein zustimmen. Anschließend seine Thesen und Argumente überhöhen und übertreiben, dabei seine Zustimmung suggestiv provozieren (Kopfnicken reicht) und anschließend die Übertreibung genüsslich widerlegen: "Aber das ist natürlich Quatsch!" Das schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Der Gegner steht da wie ein Depp und sein Pulver ist verschossen.
  • Genauso wirkt, die These zu bestätigen, aber bezweifeln, dass sie praxistauglich ist: "Auf dem Papier sieht das ja hübsch aus. Aber wie soll das jemals funktionieren?"
  • Ein plötzlicher und heftiger Wortschwall verblüfft manche Gegner so sehr, dass sie aus dem Konzept kommen. Die antiken Sophisten empfahlen sogar, statt zu antworten, plötzlich loszulachen, um den Gegner zu verunsichern. Langes, süffisantes Schweigen funktioniert genauso. Hauptsache danach kommt ein Knaller.
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