AbhakenEs mag seltener vorkommen, aber wenn es vorkommt, dann steht man ganz schön blöd und hilflos vor verschlossener Tür und weiß weder Rat noch Argument. Die Rede ist von Überqualifizierung. Oder anders gesagt: Was tun Sie, wenn Sie sich auf Ihren Traumjob beworben haben und der Personaler Sie ablehnt, weil Sie überqualifiziert sind?

Eine wirklich bescheidene Situation. Da bringen Sie schon Bestnoten, Motivation und alle erforderlichen Talente mit – und dann ist es den Leuten auch nicht recht, weil zu viel des Guten. Doof stellen hat keinen Sinn, das lässt Sie ja eher noch wie einen Aufschneider aussehen. Und betteln wäre peinlich.


Schauen wir uns die Sache genauer an: Was heißt das denn, wenn man Ihnen Überqualifizierung vorwirft? Der Personaler sagt damit verblümt eigentlich nur das:

  • Das Gehalt wird nicht Ihrem bisherigen oder Ihren Vorstellungen entsprechen.
  • Sie werden sich in dem neuen Job langweilen.
  • Oder Sie werden kündigen, sobald Sie etwas besseres gefunden haben.
  • Sie werden sich wohl kaum von jemand führen lassen, der weniger Erfahrung hat.
  • Sie haben sich auf den falschen Job beworben.

Gehen wir mal davon aus, dass das alles bis auf den letzten Punkt zutreffen könnte, Ihnen das bewusst ist, und Sie den Job dennoch haben möchten (andernfalls sollten Sie sich wirklich woanders bewerben). Dann haben Sie nur eine Chance: Sie müssen aktiv gegen diese Vorurteile angehen – und zwar am besten schon in Ihrem Bewerbungsschreiben.

In der 1993 erschienenen Hollywood-Romanze “Ein unmoralisches Angebot” gibt es eine ähnliche Szene, ein Vorstellungsgespräch, in dem Hauptdarsteller Woody Harrelson mit demselben Vorwurf, überqualifiziert zu sein, konfrontiert wird. Seine Antwort lautet simpel: “Fein, dann beuten Sie mich eben aus.” Das ist Kino! In der Realität wird das wohl kaum funktionieren. Hier müssen Sie gezielt Vorurteile, und seien sie auch noch so haltlos, rechtzeitig ausräumen.

Zum Beispiel das Thema Gehalt. Schreiben oder sagen Sie ruhig: “Ich habe lange Zeit viel Geld verdient. Inzwischen aber habe ich für mich herausgefunden, dass mir ein Job, der mich wirklich begeistert und mir Spaß macht, wichtiger ist. Und dieser Job begeistert mich wirklich. Es macht mir nichts aus, wenn Sie weniger bezahlen können.”

Oder das Thema Hierarchie und Erfahrung. Sie könnten dabei auch so argumentieren: “Ich suche aktuell nach einer Position mit weniger Verantwortung, weil ich mich in den nächsten Jahren mehr um meine Familie kümmern möchte.”

Oder das Thema Langeweile: “Ich möchte meiner Laufbahn eine neue Entwicklung geben. Und ich weiß, dass ich dazu nicht gleich an der Spitze einsteigen kann. Ich bin sicher auch hier neue spannende Herausforderungen zu entdecken…”

Das sind freilich alles nur Anregungen. Sie sollten diese auf keinen Fall schablonenartig auswendig lernen, im Vorstellungsgespräch herunterbeten oder gar wörtlich Ihr Bewerbungsschreiben einbauen. Das überzeugt keinen. Ihre ganz persönlichen Argumente müssen Sie schon selbst finden und formulieren. Entscheidend ist aber, dass Sie diese rechtzeitig anbringen, sonst werden Sie womöglich erst gar nicht zum Jobinterview eingeladen. Und selbst wenn ein Hauch Restzweifel beim Personaler bleibt: Hey, Sie bieten letztlich mehr als er hoffte zu bekommen…