Entscheidungstypen: Sind Sie Maximierer oder Genügsamer?

Unentschlossenheit ist eines der größten Hemmnisse für beruflichen Erfolg und unsere Entwicklung. Wer häufig zögert und zaudert, verpasst viele Chancen. Wie leicht Ihnen das Entscheiden fällt, hängt jedoch auch davon ab, zu welchem Entscheidungstyp Sie gehören. Die Psychologie unterscheidet hierbei vor allem zwei Typen: den Maximierer und den Genügsamen. Wir stellen Ihnen die beiden Entscheidungstypen vor – inklusive Selbsttest, mit dem Sie Ihren Typ bestimmen können…

Entscheidungstypen Maximierer Genuegsamer Psychologie Vor Und Nachteile

Definition: Was versteht man unter Entscheidungstypen?

Entscheidungstypen erklären psychologisch, wie Menschen ihre Entscheidungen treffen. Sie beschreiben typische Muster im Entscheidungsverhalten – zum Beispiel, ob jemand eher rational und analytisch vorgeht – oder intuitiv auf sein Bauchgefühl hört. Ob jemand schnell entscheidet oder lange zwischen Alternativen abwägt. Welcher Entscheidungstyp Sie sind, hängt maßgeblich von Ihrer Persönlichkeit, Ihren Erfahrungen, der jeweiligen Situation und natürlich von der Tragweite der Entscheidung ab.

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Welche Entscheidungstypen gibt es?

Zum Thema Entscheidungen habe ich bereits einen umfassenden Bestseller geschrieben: „Warum ich losging, um Milch zu kaufen, und mit einem Fahrrad nach Hause kam: Was wirklich hinter unseren Entscheidungen steckt“ (Link zu den Büchern). Bei den Recherchen stieß ich auf die Studien des US-Psychologen Barry Schwartz. Er unterscheidet zwischen zwei grundlegenden Entscheidungstypen – Maximierer und Genügsamer:

1. Maximierer

Maximierer wollen nicht irgendeine gute Entscheidung treffen – sie suchen die bestmögliche. Bevor sie sich festlegen, vergleichen sie zahlreiche Optionen, studieren Tests und Erfahrungsberichte und nutzen jede verfügbare Entscheidungshilfe. Dahinter steckt ein hoher Anspruch an die eigene Wahl, der leicht in Perfektionismus umschlagen kann. Eine Entscheidung fühlt sich für diesen Typ erst dann richtig an, wenn scheinbar alle Alternativen geprüft sind.

Genau dieser Anspruch hat jedoch eine Kehrseite: Je mehr Möglichkeiten Maximierer vergleichen, desto schwieriger wird die Entscheidungsfindung. Selbst nach einer Wahl bleiben häufig Zweifel: War das wirklich die beste Option? Hätte es noch eine bessere gegeben? Begünstigt wird dieses ständige Optimieren durch einen Hang zum Grübeln oder eine Entscheidungsblockade. Statt sich mit einer sehr guten Lösung zufriedenzugeben, suchen Maximierer immer weiter, schieben Entscheidungen hinaus oder vermeiden eine endgültige Wahl.

2. Genügsamer

Genügsame wiederum suchen nicht nach der perfekten, sondern nach einer ausreichend guten Entscheidung. Sie wissen, welche Kriterien ihnen wichtig sind, und vergleichen verschiedene Möglichkeiten nur so lange, bis sie eine Option finden, die ihren Ansprüchen genügt. Statt jedes denkbare Angebot zu prüfen, setzen sie sich bewusst eine Grenze: Gut genug ist gut genug!

Dabei erkennen Genügsame, dass zusätzliche Informationen ab einem gewissen Punkt kaum noch einen Mehrwert bieten und die Entscheidung sogar erschweren. Haben sie eine passende Wahl getroffen, beschäftigen sie sich deshalb seltener mit möglichen Alternativen oder nachträglichen Zweifeln. Das macht sie keineswegs weniger ehrgeizig als Maximierer. Sie setzen lediglich andere Prioritäten: Entscheidend ist nicht das theoretisch beste Ergebnis, sondern eine Lösung, die ihre wesentlichen Anforderungen erfüllt und mit der sie zufrieden sind.

Welche Entscheidungstypen gibt es noch?

Neben Maximierern und Genügsamen lassen sich weitere Entscheidungstypen unterscheiden. Die Kategorien sind keine starren Persönlichkeitstypen: Je nach Situation können Sie unterschiedliche Entscheidungsstile zeigen:

Entscheidungstyp

Kurz erklärt

Maximierer Sie vergleichen möglichst viele Optionen und wollen die objektiv beste Entscheidung treffen.
Genügsame Sie entscheiden sich, sobald eine Option ihre wichtigsten Anforderungen ausreichend gut erfüllt.
Analytiker Sie sammeln Fakten, wägen Vor- und Nachteile ab und entscheiden möglichst rational und systematisch.
Intuitive Sie verlassen sich primär auf Erfahrung, spontane Einschätzungen und ihr Bauchgefühl.
Schnellentscheider Sie legen sich zügig fest und akzeptieren dabei bewusst eine gewisse Unsicherheit.
Abwäger Sie betrachten eine Entscheidung aus verschiedenen Perspektiven und benötigen deshalb mehr Zeit.
Sicherheitsorientierte Sie bevorzugen bewährte Optionen und versuchen, Risiken und mögliche Verluste möglichst gering zu halten.
Risikofreudige Sie akzeptieren größere Unsicherheit, wenn damit attraktive Chancen oder Gewinne verbunden sind.
Spontane Sie entscheiden unmittelbar aus der Situation heraus und beschäftigen sich wenig mit langfristigen Folgen.
Entscheidungsvermeider Sie schieben schwierige Entscheidungen auf, delegieren sie oder hoffen, dass sich das Problem von selbst löst.

All diese Typen treten jedoch selten in Reinform auf. Die meisten Menschen sind Mischtypen und wechseln – je nach Situation und Wahl – ihren Entscheidungstyp.

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Selbsttest: Welcher Entscheidungstyp bin ich?

Wie treffen Sie Entscheidungen? Suchen Sie möglichst lange nach der besten Option – oder reicht Ihnen eine gute Lösung? Die Selbsteinschätzung fällt nicht immer leicht. Unser kurzer Selbsttest hilft Ihnen jedoch, herauszufinden, ob Sie eher zum Entscheidungstyp Maximierer oder Genügsamer gehören.

So funktioniert der Test: Welche der folgenden Aussagen treffen auf Sie zu? Kreuzen Sie diese gleich online an:

  • Ich suche immer nach der möglichst besten Option.
  • Ich vergleiche viele Angebote miteinander.
  • Ich prüfe vor Entscheidungen zahlreiche Alternativen.
  • Ich recherchiere länger als eigentlich nötig.
  • Ich möchte keine bessere Option verpassen.
  • Ich setze hohe Maßstäbe an meine Entscheidungen.
  • Ich tue mich mit einer schnellen Auswahl schwer.
  • Ich zweifle nach Entscheidungen häufig an meiner Wahl.
  • Ich frage mich oft, ob es noch etwas Besseres gibt.
  • Ich ärgere mich über verpasste Alternativen.
  • Ich hole vor wichtigen Entscheidungen viele Meinungen ein.
  • Ich benötige für größere Anschaffungen viel Zeit.
  • Ich vergleiche meine Wahl mit der anderer Menschen.
  • Ich möchte möglichst alle Optionen kennen.
  • Ich ändere meine Meinung, wenn ich etwas Besseres entdecke.
  • Ich schiebe Entscheidungen aus Angst vor Fehlern auf.
  • Ich suche auch nach einer guten Lösung noch weiter.
  • Ich bin mit meiner Wahl selten vollkommen zufrieden.
  • Ich finde es schwer, eine Suche endgültig zu beenden.
  • Ich will bei wichtigen Entscheidungen nichts bereuen.

Auswertung: Welcher Entscheidungstyp bin ich?

Zählen Sie nun alle Aussagen, die Sie angekreuzt haben, zusammen. Je mehr Aussagen Sie abgehakt haben, desto ausgeprägter ist Ihre Tendenz zum Maximieren. Bei bis zu sieben Häkchen sind Sie eher noch ein Genügsamer: Sie suchen nach einer guten Lösung, wägen ab, vergleichen – bis die Ihre wichtigsten Kriterien erfüllt sind. Danach können Sie eine Entscheidung abschließen. Ab acht Häkchen sind Sie immer mehr ein typischer Maximierer. Das kann zu besseren Ergebnissen führen, kostet aber häufig auch mehr Zeit und begünstigt Zweifel.

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Was sind die Vor- und Nachteile der Entscheidungstypen?

Wer seinen Entscheidungstyp kennt, versteht besser, warum manche Entscheidungen leichtfallen und andere unnötig viel Zeit und Energie kosten. Studien kamen etwa zu dem Ergebnis, dass Maximierer bei der Jobsuche oft die besseren Jobs fanden – hinterher aber weniger zufrieden waren als die Genügsamen. Das zeigt zugleich den entscheidenden Unterschied: Maximierer versuchen, die bestmögliche Option zu finden; Genügsame suchen dagegen eine Lösung, die ihre wichtigsten Anforderungen erfüllt. Beide Strategien haben Vor- und Nachteile – keine ist grundsätzlich überlegen:

Entscheidungstyp Maximierer

  • Vorteile

    Maximierer investieren viel Zeit in Recherche, vergleichen Alternativen und prüfen ihre Möglichkeiten gründlich. Gerade bei wichtigen Entscheidungen kann sich dieser Aufwand auszahlen. In der Untersuchung von Schwartz erzielten Maximierer etwa ein deutlich höheres Einstiegsgehalt als Genügsame. Für sie spricht außerdem ihr hohes Durchhaltevermögen: Sie geben sich nicht mit der erstbesten Option zufrieden und entdecken dadurch mitunter attraktivere Alternativen.

  • Nachteile

    Die intensive Suche hat ihren Preis: Je mehr Möglichkeiten Maximierer berücksichtigen, desto schwieriger wird es, sich festzulegen. Gleichzeitig steigt die Gefahr, eine getroffene Entscheidung immer wieder infragezustellen: Vielleicht hätte es doch eine bessere Alternative gegeben? Spontanität fällt ihnen deshalb häufig schwer. Ihr Verhalten kann zusätzlich Stress und Bedauern von Entscheidungen fördern. Auch das zeigen Studien: Die Suche nach dem Optimum führt objektiv häufig zu dem besten Ergebnis, subjektiv aber macht sie nicht zwingend zufriedener.

Entscheidungstyp Genügsamer

  • Vorteile

    Genügsame wissen, welche Kriterien ihnen wichtig sind, und beenden die Suche, sobald eine passende Option diese erfüllt. Dadurch entscheiden sie in der Regel schneller und mit geringerem mentalen Aufwand. Statt nachträglich sämtliche Alternativen durchzugehen, können sie eine getroffene Wahl eher akzeptieren und abschließen. Das reduziert Grübelschleifen, Zweifel und Entscheidungsstress. Ein weiterer Vorteil: Genügsame bleiben trotz einer größeren Auswahl handlungsfähig, weil sie nicht jede theoretisch mögliche Alternative prüfen müssen.

  • Nachteile

    Wer sich mit einer ausreichend guten Lösung zufriedengibt, kann die bessere Option übersehen. Genügsame vergleichen weniger und beenden ihre Suche früher. Dadurch besteht immer die Gefahr, dass sie sich vorschnell festlegen – etwa bei einer wichtigen Anschaffung, einem Jobangebot oder einer finanziellen Entscheidung. Besonders bei Entscheidungen mit langfristigen Folgen kann es deshalb sinnvoll sein, die eigenen Mindestanforderungen bewusst hoch anzusetzen und mehrere Alternativen zu vergleichen. „Gut genug“ sollte schließlich nicht bedeuten, sich unter Wert zu entscheiden.

Beide Entscheidungstypen gezielt nutzen

Weder der eine noch der andere Entscheidungstyp ist „richtig“ oder „falsch“. Entscheidend ist die Fähigkeit, beide Strategien situationsgerecht einzusetzen. Bei wichtigen Entscheidungen mit langfristigen Folgen lohnt es sich, genauer zu vergleichen und zu maximieren. Bei alltäglichen Entscheidungen kostet die Suche nach der perfekten Option dagegen oft mehr Zeit und Energie, als sie tatsächlich bringt. Hier ist „gut genug“ häufig die bessere Strategie.

Auch müssen Sie nicht Ihre Persönlichkeit verändern: Schon das Wissen um den eigenen Entscheidungstyp hilft, typische Gewohnheiten und Entscheidungsmuster zu erkennen und bewusst gegenzusteuern. Maximierer sollten sich zum Beispiel fragen: Bringt mir die weitere Suche wirklich einen Vorteil – oder verursacht sie nur noch Stress und Zweifel? Genügsame hingegen sollten prüfen: Reicht diese Lösung tatsächlich aus – oder lohnt es sich bei dieser Entscheidung, noch weitere Alternativen zu vergleichen? Die beste Entscheidungsstrategie lautet deshalb: Maximieren Sie, wenn viel auf dem Spiel steht – und akzeptieren Sie „gut genug“, wenn die Unterschiede kaum ins Gewicht fallen.


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