Kompromissbereitschaft. Die Bedeutung des Begriffs löst in der Regel zwei Assoziationen aus: Die einen verbinden mit einem Kompromiss eine Lösung, die alle Beteiligten zufrieden stellt und sich positiv auswirkt. Die anderen denken dabei an einen Verlust, an Abstriche von ihrer Idealvorstellung und an faule Kompromisse, bei denen sie selbst zu kurz kommen oder die eine Art Mogelpackung darstellen. So oder so: Kompromisse einzugehen, ist - im Job wie im Privaten - unvermeidbar. Allerdings können wir diese aktiv gestalten und entscheiden, wie weit wir uns dabei auf Zugeständnisse und einen (Kuh-)Handel einlassen: Was akzeptieren wir eben noch und was schon nicht mehr? Dabei offenbart sich bereits eine wichtige Definition: Selbst wer kompromissbereit ist, setzt Grenzen...

Kompromiss eingehen Deal kompromissbereit

Kompromiss Bedeutung: Was definiert einen Kompromiss?

Kompromiss Bedeutung: Was definiert einen KompromissJeder Kompromiss benötigt zunächst einen Konflikt - einen inneren oder den zwischen zwei oder mehreren Parteien. Dabei gibt es unterschiedliche, meist gegensätzliche Positionen, Meinungen, Forderungen, Ziele. Ziel des Kompromisses ist es dann, diese miteinander zu vereinbaren beziehungsweise eine Einigung unter Streitenden zu erzielen sowie eine Alternative und gemeinsame Lösung zu finden.

Allerdings gelingt das häufig nur, indem alle Beteiligten Abstriche und Zugeständnisse machen, also einen Teil ihrer Forderungen aufgeben. Andernfalls spricht man von einem faulen Kompromiss.

Kompromisse gab es schon im antiken Römischen Reich. Dort galten sie als "dritter Weg" in der Rechtsprechung. Für den römischen Politiker und Philosophen Marcus Tullius Cicero bedeutete das compromissum ein gemeinsames Versprechen der streitenden Parteien, sich dem unabhängigen Schiedsspruch eines Dritten zu unterwerfen. Diese Urteil war unanfechtbar. Widersetzte sich eine Partei, konnte sie dafür mit einem Bußgeld bestraft werden.

Heute zeichnet sich ein guter Kompromiss vor allem dadurch aus, dass sich die Beteiligten...

  • hernach immer noch gut fühlen,
  • gerne bereit sind, dem anderen soweit entgegenzukommen sowie
  • durch eine Lösung, die nicht nur einschränkt, sondern auch Mehrwert schafft.

Kompromisse eingehen: Das führt nicht zwingend zum Optimum

Kompromisse sind die Kehrseite von endlosen Diskussionen und fruchtlosem Kompetenzgerangel, manchmal aber deren Folge.

Gute Kompromisse resultieren meist aus fairen Diskussionen auf Augenhöhe und klaren Absprachen. Alle Beteiligten tauschen sich aus, gleichen ihre Bedürfnisse ab und einigen sich auf einen Mittelweg, mit dem alle (gut) leben können.

Das klingt einfach. Im Alltag entpuppt sich die Kompromissfindung jedoch oft als zähes Ringen, Verhandeln, Paktieren und Taktieren.

Dahinter steckt der - verständliche - Wunsch jeder Seite, zunächst das Maximum für sich herauszuholen. Sturheit in Verhandlungen kann daher einen strategischen Grund haben. Nicht selten offenbart jemand, der sich keinen Millimeter bewegt, aber auch eine große Portion Egoismus sowie ein Nullsummendenken: Jeder eigene Verlust ist automatisch ein Gewinn für den Verhandlungspartner - und vice versa.

Übersehen wird dabei allerdings, dass ebenso allein der Kompromiss das (gemeinsame) Optimum darstellen kann. Kann - nicht muss.

Das muss deswegen nicht zwangsläufig in der Mitte beider Positionen liegen. Denken Sie dazu an das Lehrbuchbeispiel der zwei streitenden Schwestern:

  • Beide wollen eine Orange haben. Am Ende einigen sie sich auf einen Kompromiss: Sie teilen die Orange in zwei Hälften.
  • Doch die erste Schwester schält die Orange, isst das Fruchtfleisch und schmeißt die Schale weg. Die andere schält die Orange ebenfalls, schmeißt aber das Fruchtfleisch weg und benutzt die Schale zum Backen.
  • Dumm gelaufen: Hätten beide Schwestern nicht über ihre Forderungen verhandelt, sondern über ihre Interessen, wären sie zu dem besten Ergebnis gekommen: Eine bekommt das ganze Fruchtfleisch, die andere die Schale der ganzen Orange.

Die Anekdote lehrt zweierlei:

  1. Selbst wer einen Kompromiss eingeht und sich zu Zugeständnissen bereit erklärt, kann am Ende eine Lösung erreichen, mit der zwar alle leben können - und sich dennoch alle als Verlierer fühlen.
  2. Wer nach einem Kompromiss sucht, sollte sich zuerst bewusst machen: Was will ich selber wirklich? Und danach herausfinden: Was ist das Hauptinteresse (Motiv) meines Gegenübers? Manchmal ist das deckungsgleich, oft aber nicht. Aber wer es schafft, die Interessen seines Gegenübers zu erfüllen, verhandelt erfolgreicher.

Kompromissbereitschaft braucht klare Grenzen

kompromissbereitschaft-grenzen-ziehenKeine Frage, jede stabile Beziehung braucht Kompromisse. Manchmal sogar solche bei denen man bewusst in den sauren Apfel beißt und Opferbereitschaft signalisiert, Motto: Okay, diesmal gebe ICH nach...

Wer immerzu und rigoros seinen Willen oder den eigenen Standpunkt ohne Verluste durchsetzen will, ist auf dem besten Wege zu Einsamkeit und Isolation. Das ist in der Liebe nicht anders als im Beruf.

Gute Kompromisse setzen aber voraus, das beide Seiten willens sind, eine stabile Beziehung zu bauen. Das ist in der Realität jedoch nicht immer der Fall. Häufig handelt es sich dabei um sogenannte asymmetrische Beziehungen bei denen Macht und Wissen ungleich verteilt sind.

Dieses Herrschaftswissen verleitet leider die meisten dazu, den größten Vorteil für sich herausholen. Wer sich hierbei zu früh kompromissbereit zeigt, wird gnadenlos über den Tisch gezogen. Schade, aber wahr.

Kompromissbereitschaft braucht daher immer klare Grenzen.

Das klingt zunächst widersprüchlich, schützt aber vor faulen oder falschen Kompromissen. Und nicht zuletzt lässt sich der Kompromiss hinterher nur aus dem Bewusstsein heraus beurteilen, ob die Zugeständnisse und gemachten Abstriche für einen selbst noch akzeptabel sind oder nicht. Das gelingt aber nur dem, der seine Grenzen kennt und auch Nein sagen kann.

Schon der Philosoph Immanuel Kant erkannte:

In allen Grenzen ist auch etwas Positives.

Manche Grenzen ergeben sich dabei ganz von alleine - etwa durch Sachzwänge, Vorgaben, Budgetrahmen, Entscheidungsfreiheiten und -kompetenzen.

Andere Limits leiten sich aus Ihren persönlichen Prioritäten und Prinzipien ab. Tragfähige Kompromisse sind dann nur möglich, wenn sie sowohl die sachlichen Grenzen einhalten sowie nicht gegen Ihre Prinzipien verstoßen.

Kompromissbereit im Job: 3 Tipps für die Kommunikation

Natürlich reicht es nicht nur, die eigenen Grenzen zu kennen. Man muss diese auch klar kommunizieren. Allerdings ist dabei eine konstruktive Grundhaltung entscheidend, sonst können Grenzen auch schnell als Verweigerungshaltung, Egoismus oder Kompromisslosigkeit missverstanden werden.

Damit Sie mit Ihren Kollegen, Chefs und Geschäftspartnern gute Kompromisse eingehen und zugleich klare Grenzen setzen können, haben wir drei bewährte Empfehlungen:

  1. Gründe erklären ohne sich zu rechtfertigen

    Zeigen Sie deutlich, bis wohin Sie NICHT mehr gehen können. Freundlich im Ton, aber ohne Zweifel im Unterton (das signalisiert sonst wieder Verhandlungsbereitschaft). Zum besseren Verständnis können Sie - vorwurfsfrei - auch die Gründe für Ihre Grenze und Entscheidung erklären. Achten Sie aber darauf, sich nicht zu rechtfertigen. Es geht lediglich darum, das Warum Ihrer Grenzen zu verdeutlichen. Ob diese legitim sind, steht nicht zur Debatte. Das entscheiden Sie allein.

  2. Nichts geben ohne Zugeständnisse

    Verhandeln bedeutet, sich anzunähern. Es wäre nicht klug, wenn Sie gleich zu Beginn Ihre Maximal- beziehungsweise Minimal-Forderung offenbaren. Deshalb macht es Ihre Grenzen nur glaubwürdiger, wenn Sie sich nur zusammen aufeinander zu bewegen. Heißt: Wer von Ihnen verlangt, dass Sie sich bewegen, von dem dürfen Sie dasselbe verlangen. Bei simplen Preisverhandlungen läuft das in der Regel auf die Mitte hinaus. Bei komplexeren Verhandlungen kann es aber auch bedeuten, dass Sie beispielsweise mit dem Preis runtergehen, Ihr Gegenüber dafür aber Abstriche bei Ihren Serviceleistungen machen muss. Zugleich machen Sie damit deutlich, bei welchen Themen Sie noch mitgehen und wo Sie die Reißleine ziehen.

  3. Verständnis zeigen und empathisch kommunizieren

    Grenzen zu setzen und durchzusetzen, bedeutet nicht, die Bedürfnisse und Interessen der anderen zu ignorieren. Statt völlig egozentrisch zu argumentieren, sollten Sie vielmehr empathisch auf die Argumente Ihres Gegenübers reagieren und auch zeigen, dass Sie versuchen diese zu berücksichtigen. Soweit es eben geht. Ihre Grenzen werden Sie zwar nicht aufweichen, doch im Rahmen der Möglichkeiten sollten Sie auf Ihre Gesprächspartner zugehen.

Zum Übervorteilen gehören nun mal immer zwei: Derjenige, der versucht, einen anderen über den Tisch zu ziehen - und derjenige, der das mit sich machen lässt. Kompromisse sind zwar unverzichtbar, tragfähig werden sie aber eben erst durch solche Grenzen.

Und falls Sie absolut keine Einigung erzielen, können Sie es immer noch mit einem Provisorium probieren. Das ist zwar auch ein Kompromiss - heißt aber nicht so, weshalb sich manche(r) eher darauf einlässt...

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, erzählen Sie es weiter...