Lange Krankheit: Muss ich das erwähnen?
Krankheiten sind grundsätzlich Privatsache und gehen den Arbeitgeber nichts an. Das gilt für chronischer Erkrankungen genauso wie für psychische Krankheiten oder eine Krebserkrankung. Dazu besteht weder eine Auskunftspflicht im Bewerbungsschreiben, noch darf der Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch danach fragen.
Fragen zur Gesundheit sind in den meisten Fällen unzulässig. Gleichzeitig entsteht durch die lange Krankheit oft eine sogenannte Lücke im Lebenslauf. Alles, was länger als 2 Monate dauert, gilt nicht mehr als „Orientierungsphase“ oder „Jobsuche“, sondern muss erwähnt und erklärt werden.
Eine Auszeit von bis zu 6 Monaten lässt sich noch als „Phase der beruflichen Neuorientierung“ erklären. Längere Berufspausen benötigen jedoch eine plausiblere Begründung.
Ausnahmen: Wann muss ich meine Krankheit angeben?
Keine Regel ohne Ausnahme: Wenn Ihre Erkrankung für die Ausübung der Tätigkeit relevant oder ansteckend ist müssen Sie Angaben dazu machen. Laut § 32 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) besteht sogar eine aktive Offenbarungspflicht zu Ihrem Gesundheitszustand unter folgenden Voraussetzungen:
- Aufgrund der Krankheit sind Sie regelmäßig arbeitsunfähig.
- Die Arbeitsunfähigkeit ist absehbar z.B. geplante Operation, Kur.
- Die Krankheit ist akut ansteckend und kann die Kollegen gefährden.
- Die Erkrankung schränkt Sie bei der Erfüllung der arbeitsvertraglichen Aufgaben ein.
In diesen Fällen müssen Sie eigeninitiativ Angaben zur Erkrankung machen, selbst wenn der Arbeitgeber nicht danach fragt, weil sich die Erkrankung unmittelbar auf die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit auswirkt.
Wann ist die Krankheit ein Problem?
Eine Krankheit im Lebenslauf wirkt zunächst als Alarmsignal. Gerade chronische oder psychische Krankheiten können die Einsatzfähigkeit eines Mitarbeiters stark beeinträchtigen. Auch ist das Risiko eines Rückfalls unter Umständen groß. Kein neuer Arbeitgeber möchte riskieren, dass der Neuzugang häufig fehlt und deshalb hohe Ausfallkosten entstehen.
Entscheidend ist daher die Art der Krankheit. Einen Sportunfall (z.B. Beinbruch) können Sie problemlos im Lebenslauf angeben. Sowas passiert. Anders ist es bei Krankheiten, die Sie auch in Zukunft beeinträchtigen oder behindern. Dazu zählen chronische Erkrankungen, ein schwerer Bandscheibenvorfall, Burnout oder Depressionen. Hierbei ist verschweigen meist keine Option. Das fällt spätestens in der Probezeit auf oder führt schlimmstenfalls zu einem Rückfall.
„Berufliche Auszeit aus privaten Gründen“? Bloß nicht!
Einige Ratgeber und Bewerbungsexperten empfehlen hierfür die schwammige Formulierung: „Berufliche Auszeit aus privaten Gründen.“ Tun Sie das bitte nicht! Erstens, weil es schon in so vielen Ratgebern steht und Personaler längst wissen, dass Sie damit ein lange Krankheit kaschieren wollen. Zweitens, weil Sie damit nur das Kopfkino aktivieren: Je weniger nachvollziehbar die Begründung, desto mehr Spekulationsfläche entsteht. Und bei vielen Mitbewerbern bedeutet das meist eine Absage für jene, die Zweifel hinterlassen.
Lange Krankheit: Warum interessiert Arbeitgeber das?
Auch wenn Arbeitgeber offiziell nicht danach fragen dürfen: Gedanken dazu machen sie sich trotzdem. Hinter der Frage „Warum haben Sie da eine Lücke im Lebenslauf?“ Oder: „Was war das für eine Krankheit?“ stehen letztlich immer dieselben Bedenken:
- Versuchen Sie uns etwas zu verschweigen – und warum?
- Sind Ihr Know-how und die Qualifikationen nach der Auszeit immer noch aktuell?
- Sind Sie schon wieder voll einsatzbereit?
- Beeinträchtigt die Krankheit Ihre Leistungsfähigkeit?
- Können wir die Stelle langfristig besetzen oder fallen Sie bald wieder aus?
Die Skepsis ist verständlich. Und hierin liegt zugleich der Schlüssel für Ihre Bewerbung: Erkrankungen bergen immer die Frage, ob diese in Zukunft noch einmal problematisch werden können. Je konstruktiver Sie damit umgehen und je glaubwürdiger Sie diese Sorge zerschlagen, desto größer die Bewerbungschancen.
Im besten Fall können Sie dem Personaler schon in der Bewerbung signalisieren, dass trotz einem krankheitsbedingten Ausfall in der Vergangenheit keine Probleme in der Zukunft zu erwarten sind. Ihr Wiedereinstieg geschieht nicht aus finanzieller Notwendigkeit, sondern aus voller Kraft und dem Wunsch, beruflich wieder voll durchzustarten.
Selbstreflexion vor dem Wiedereinstieg
Der Weg zurück in den Job führt vor allem vorbei an gründlicher Selbstreflexion, mentaler Verarbeitung und ehrlicher Selbsteinschätzung.
Beispiel Bewerbung nach einem Burnout: Solange Sie diesen nicht vollständig überwunden haben, sollten Sie sich – schon im eigenen Interesse – nur auf Jobs bewerben, die damit vereinbar sind. Der neue Arbeitgeber muss Verständnis dafür haben, dass Sie noch nicht so können wie andere Kollegen. Und das kann er nur, wenn er davon weiß und Sie offen damit umgehen. So ist es auch bei chronischen oder noch nicht vollends auskurierten Krankheiten.
Anders sieht die Sache aus, wenn Sie komplett genesen und wieder vollständig einsatzbereit sind. Mussten Sie sich einer Operation unterziehen und waren Sie über einen langen Zeitraum in der Reha, sind jetzt aber wieder vollkommen gesund? Dann besteht für Personaler kein Grund zur Sorge.
Wie kann ich eine lange Krankheit im Lebenslauf formulieren?
Erwähnen oder verschweigen? Wir empfehlen stets den offenen und konstruktiven Umgang mit einer längeren Krankheit – erst recht, wenn sich diese nicht auf das zukünftige Arbeitsverhältnis auswirkt oder Sie irgendwie einschränkt. Gesund ist gesund. Mehr geht den Arbeitgeber nichts an.
„Offener Umgang“ bedeutet jedoch nicht, dass Sie im Anschreiben oder Lebenslauf Ihren kompletten Leidensweg, samt Krankenhausaufenthalt und Krankengeschichte ausbreiten. Zu viel Offenheit schadet und weckt nur schlafende Hunde. Es geht lediglich darum, eine Lücke im Lebenslauf plausibel zu erklären (nicht rechtfertigen!) und positiv in die Zukunft zu blicken: Sie sind aus der Krise gestärkt hervorgegangen (siehe: Resilienz), kennen jetzt Ihre Grenzen und stecken voller Tatendrang. Punkt.
Tipps und Formulierungen für Anschreiben und Lebenslauf
Den Zeitraum einer längeren Erkrankung auslassen, ist keine Option. Die Lücke fällt jedem geübten Personaler sofort auf. Unbequeme Fragen dazu sind die Folge – falls Sie es so überhaupt ins Vorstellungsgespräch schaffen.
Auch handfeste Lügen vom Typ „Da habe ich ein Sabbatical gemacht“, empfehlen wir nicht. Die lassen sich durch einfache Nachfragen zu Details leicht entlarven. Dann sind Betroffene blamiert und kassieren sofort eine Absage.
Dafür bleiben Kandidaten zwei andere bewährte Alternativen um eine lange Krankheit im Lebenslauf oder Anschreiben zu erwähnen – allerdings bitte immer als Randnotiz und möglichst kurz und knapp. Ihre Qualifikationen und Ihre Motivation spielen in der Bewerbung die Hauptrolle – nicht die Krankheit!
1. Genesung nach Krankheit betonen
Eine lange Krankheit, die vollständig überwunden ist, können Sie im Lebenslauf ruhig selbstbewusst angeben. Kurz – ohne groß ins Detail zu gehen. Hierbei reicht eine knappe Formulierung, um die Lücke im Lebenslauf zu schließen:
Beispielformulierungen im Lebenslauf:
- „MM/JJJJ – MM/JJJJ
Auszeit durch Erkrankung – inzwischen vollständig genesen und einsatzfähig“ - „MM/JJJJ – MM/JJJJ
Krankheitsbedingte Auszeit und vollständige Genesung“ - „MM/JJJJ – MM/JJJJ
Auszeit wegen Operation nach einem Unfall, vollständige Rehabilitation“ - „MM/JJJJ – MM/JJJJ
Berufliche Auszeit nach Burnout, inzwischen vollständige Genesung und Einsatzbereitschaft“
Die Art der Erkrankung müssen Sie weder nennen, noch darf später danach gefragt werden. Die meisten Personaler wissen, dass es sich hierbei um sensible, private Daten handelt, die sie nichts angehen. Wer dem Unternehmen unbedingt signalisieren will, dass die vergangene Krankheit zu keinerlei Leistungseinbußen führt, kann in den Anlagen zur Bewerbung ein ärztliches Attest beifügen, das bescheinigt, dass Sie für die angestrebte Position psychisch wie physisch geeignet sind.
Beispielformulierungen im Anschreiben
Überdies können Sie dazu noch im Bewerbungsanschreiben einen kurzen Satz formulieren. Der darf aber nie wie eine Rechtfertigung klingen – eher wie eine Begründung zur Motivation. Beispiel:
- „Nach überwundener Krankheit und vollständiger Genesung möchte ich nun wieder meine volle Energie nutzen, um beruflich durchzustarten und mich bei Ihnen einzubringen. Durch die Erkrankung habe ich viel über meine Stärken und Schwächen gelernt. Das hat meine Arbeitsweise enorm verbessert.“
2. Berufliche Pause privat begründen
Vage Formulierungen wie „aus privaten Gründen“ überzeugen keinen Personaler und nähren erst recht Zweifel an der Lücke und Ihrer Ehrlichkeit. Bewerber können aber andere private Gründe nennen, die nichts mit der eigenen Erkrankung zu tun haben – etwa die „Pflege eines Angehörigen“. Oder ein persönliches, selbstständiges Projekt, das Sie schon immer realisieren wollten.
Aufmerksame Personaler werden hierzu aber nachfragen und sich nach den Angehörigen oder dem Projekt erkundigen. Achtung: Wer jetzt ins Schlingern und Stottern kommt, verspielt die Jobchancen. Deshalb ist diese Strategie eher mit Vorsicht zu genießen und wird von uns nicht empfohlen.
Beispielformulierungen im Anschreiben
Bei nicht allzu langen Auszeiten (4-8 Monate) können Sie im Anschreiben formulieren:
- „In den vergangenen 6 Monaten habe ich mir aus privaten Gründen eine Auszeit genommen. Sie diente vor allem der beruflichen Neuorientierung und dazu, wichtige Stärken zu stärken. Das hat mir neue Energie und Motivation gegeben, die ich nun mit vollem Elan bei Ihnen einsetzen will.“
100 kostenlose Bewerbungsvorlagen in Word
Profitieren Sie von unseren modernen Bewerbungsdesigns und kostenlosen Bewerbungsmustern in Word. Mehr als 100 komplette Muster im Set, inklusive Anschreiben, Deckblatt und Lebenslauf. Hier gratis herunterladen:
Wie gehe ich mit langer Krankheit im Vorstellungsgespräch um?
Erhalten Sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, obwohl Sie die lange Krankheit im Lebenslauf erwähnt haben, ist das ein gutes Zeichen: Ihre Begründung hat überzeugt und Sie konnten Zweifel zerstreuen. Solange keine Offenbarungspflicht besteht, darf man Sie darauf auch nicht weiter ansprechen oder dazu befragen – Privatsphäre!
Geschickte Personaler umgehen diese Klippe jedoch, indem Sie danach fragen, wie Sie die Jobpause und Auszeit genutzt haben. Das ist legal. Jetzt kommt es darauf an, dass Sie nicht nervös werden und sachlich antworten ohne in die Rechtfertigungsfalle zu tappen. Nennen Sie kurz, schlüssig und selbstbewusst 1-2 Sätze, wie Sie sich zum Beispiel weitergebildet haben oder warum Sie Ihre Neuorientierung zu diesem Unternehmen und dieser Stelle führt. Danach lenken Sie den Fokus des Gesprächs zurück auf Ihre Stärken.
Einige Experten empfehlen sogar, das Thema „Lücke“ proaktiv anzusprechen, weil Sie so erst recht selbstsicher und selbstreflektiert wirken. Motto: Offensive ist besser als Defensive. Die Strategie ist gut, wenn Sie wirklich gute Gründe für die Auszeit haben. Tendenziell sollten Sie im Bewerbungsgespräch die Zeit aber lieber für die Argumente nutzen, die Sie besonders machen und dem Unternehmen einen Mehrwert bieten.
Was andere dazu gelesen haben
- Bewerbungstrends: Aktuelle Trends zur Bewerbung
- Professioneller Lebenslauf: Vorlagen, Anleitung + Tipps
- Lebenslauf optimieren: 21 geniale Tricks für KI und ATS
- Lebenslauf Checkliste: Darauf müssen Sie achten!