ollyy/ShutterstockAuch bei Bewerbungen sind Social Media nicht mehr wegzudenken. Fast jeder ist heute auf wenigstens einem Portal wie Xing, Linkedin oder Facebook präsent. Bewerber nutzen diese allerdings nicht nur zur professionellen Präsentation, sondern eben auch privat. Eine verlockende Informationsfülle, die auch Chefs, Headhunter und Recruiter zunehmend zu nutzen wissen. Umfragen zufolge machen sich bereits 60 Prozent der Personaler hier über potentielle Kandidaten schlau. Das ist nicht jedem Recht und auch nicht immer erlaubt. Eine rechtliche Grauzone eben. Deshalb haben wir unseren Kolumnisten Peter Groll, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Frankfurt, dazu befragt...

Wie dürfen Personaler Social Media bei Bewerbern nutzen?

Fünf typische Fragen und Antworten aus dem Arbeitsrecht...

Dürfen Personaler Bewerberdaten googeln?

Grundsätzlich ja, Unternehmen dürfen sich darüber informieren, was über Bewerber im Internet zu finden ist. Dabei unterliegen sie aber einigen Einschränkungen: Was bei beruflichen Portalen wie Xing oder Linkedin zu finden ist, darf im Bewerbungsprozess verwendet werden. Informationen aus eher privat geprägten Netzwerken wie Facebook dürfen allenfalls selektiv und nur in Ausnahmefällen ausgewertet werden, weil die Facebook-Nutzung oft im privaten Rahmen erfolgt und damit auf das Bewerbungsverfahren keinen Einfluss haben sollte.

Dürfen Headhunter und Personaler alle Informationen nutzen, die öffentlich sind?

Nicht alles was öffentlich ist, darf auch genutzt werden. Bei sozialen Netzwerken muss man - wie oben schon erwähnt - zwischen privaten (Facebook) und beruflicher Netzwerken (Xing, Linkedin) trennen. Grundsätzlich gilt: Was für jedermann sichtbar ist, darf auch vom Arbeitgeber eingesehen werden, gerade bei beruflichen Portalen ist das rechtlich unproblematisch. Der Gesetzgeber hatte das in einem, dann nicht verabschiedeten, Gesetzesentwurf zur Neuregelung des Beschäftigtendatenschutzes auch ausdrücklich anerkannt. Sind die Informationen erkennbar privat oder bei Dritten hinterlegt (zum Beispiel Pinnwandeinträge bei Freunden), gehen sie den Arbeitgeber nichts an.

Dürfen Personaler denn mein Facebook-Profil auswerten - wenn ich mit ihnen befreundet bin?

Bei vielen Netzwerken, gerade bei Xing kann man durch die Privacy-Einstellungen selbst festlegen, wer auf sein Profil und damit auf die dort hinterlegten Informationen zugreifen darf. Bei solchen Berufsportalen wird eine Recherche unproblematisch sein. Bei Facebook sieht das natürlich anders aus, hier steht eindeutig die private Nutzung im Vordergrund, selbst wenn der Personaler dort zufällig mit mir befreundet ist, darf er seine Informationen nicht gegen mich verwenden. Hinterherschnüffeln geht also nicht. Generell sind privaten Angaben auf Facebook, die keinen Rückschluss auf die Qualifikation des Bewerbers für die zu besetzende Stelle zulassen tabu.

Welche persönlichen Informationen dürfen Recruiter im Vorstellungsgespräch ansprechen?

Wie gesagt nur solche, die auch für jedermann zugänglich waren und einen beruflichen Bezug haben. Allerdings darf sich auch niemand wundern, wenn er Partybilder von sich ins Netz stellt und damit einen schlechten Eindruck hinterlässt. Das Netz vergisst nicht und mancher Personaler auch nicht. Im Zweifel erfährt man gar nicht, was der Personaler alles über einen in Erfahrung gebracht hat.

Wie kann ich mich wehren, falls sich Personaler illegal Informationen besorgen?

Das ist schwierig, meist erfahre ich ja nicht, dass der Personaler mich wegen seines negativen Eindrucks in sozialen Netzwerken aussortiert hat. In solchen Fällen ist grundsätzlich an Schadensersatz zu denken, dafür muss ich dem Unternehmen vor Gericht aber nachweisen, dass es mich ausgerechnet wegen der rechtswidrig aus dem Netz verschafften Informationen nicht genommen hat und nicht etwa, weil ich fachlich für den Job nicht geeignet war. Das dürfte in der Praxis kaum gelingen. Anders sieht es bei Ablehnungen aus, die aus diskriminierenden Gründen erfolgen und gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen. Wenn sich hier zum Beispiel ein Personaler verplappert, steigen auch die Chancen vor Gericht. Den Job bekomme ich damit aber nicht, höchstens eine Entschädigung.