Ob nun 35-Stunden-Woche, 40-Stunden-Woche oder gar heimliche 60-Stunden-Woche – die bloße Anwesenheit im Büro sagt nicht wirklich etwas darüber aus, wie produktiv man ist. Als der Softwarekonzern Microsoft dazu vor einiger Zeit eine Umfrage gemacht hat, stellte sich heraus: Zusammengenommen kommen die befragten Arbeitnehmer auf gerade einmal drei produktive Arbeitstage in der Woche. Der Rest wird verdaddelt, verquatscht, vertagt.
Im Detail…
- Bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 45 Stunden, kamen die Befragten auf stolze 17 unproduktive Stunden im Job.
- 55 Prozent sagten aber auch, das hänge direkt mit ihrer (veralteten) Software zusammen. Im Durchschnitt verbrachten sie allerdings auch 5,6 Stunden täglich in Meetings, die 69 Prozent für völlig unproduktiv halten.
- Übrigens: Männer und Frauen unterscheiden sich in Ihrer Produktivität kaum. Frauen kamen auf einen durchschnittlichen Produktivitätstageswert von 72 Prozent, Männer auf 71 Prozent.
Das schreit natürlich nach einer eigenen Umfrage. Deswegen sind Sie heute gefragt: Hand aufs Herz – was glauben Sie: Wie viele Stunden am Tag sind Sie wirklich produktiv?
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Nathanael Dalliard
Ich habe jetzt einfach mal 5-6 Stunden ausgefüllt wobei ich die Fragestellung ziemlich schwierig finde. Produktivität ist so eine Sache, wenn ich für dieselbe Aufgabe wie mein Mitarbeiter nur 2h anstatt 6h benötige, bin ich dann weniger produktiv?
LG Nathanael
Jochen Mai
Nein, deine Frage ist falsch gestellt: Wenn du in zwei Stunden schaffst, wofür dein Kollege 6 braucht – was machst du dann in deinen anderen 6 Stunden (Annahme: 8-Stunden-Tag) deines Tages im Büro? Rumsitzen? Dem anderen Kollegen zusehen? Dann bist du nur 2 Stunden produktiv!
Lars Hahn
In zwei Stunden das tun, was andere in sechs Stunden machen? Ergibt halt nur zwei Stunden Produktivität? Das wäre dann Fluch und Chance der Schnelligkeit. Mehr wegschaffen zu dürfen als andere. Mehr Zeit zu haben als andere für die “Kür”.
Also: Am besten aufhören zu vergleichen und sein eigenes Ding machen. Auch im Team. Merke: Die, die im längsten im Büro hocken, definieren sich oft über Anwesenheit und nicht (nur) über Leistung. Blöd nur, wenn die ganze Unternehmenskultur so ist.
S.Bauer
Hier auf den Seiten der Karrierebibel waren schon etliche Artikel, die auf die großen Unterschiede zwischen der alten tayloristischen Industriekultur und der neuen Kultur der Wissensökonomie des 21.ten Jahrhunderts aufmerksam gemacht haben.
Gerade die Frage nach “wieviele Stunden am Tag ist man wirklich produktiv” atmen noch komplett den Geist des alten Taylorismus, wo mit der Stoppuhr gemessen wurde wieviele Schrauben ein Fließbandarbeiter pro Stunde einschraubt, und daraus Produktivitätskennzahlen berechnet wurden. Für einen modernen Wissensarbeiter sind diese Kennzahlen zum guten Teil irrelevant geworden, und eine Konzentration darauf sogar kontraproduktiv.
Als Softwareentwickler z.B. wird man ganz schnell in die Schublade gesteckt, daß man nur in den Stunden produktiv gearbeitet hat, in denen man direkt Programmcode geschrieben hat. Ein großer Irrtum. Die Stunden, in denen man angeblich unproduktiv “verdaddelt und verquatscht” sind für einen Kopfarbeiter essentiell. In diesen Stunden arbeitet das Unterbewusstsein hart an den aktuellen Problemen weiter. Nur so können kreative Ideen entstehen. Produktivität in Stunden zu messen macht nur für einfache Tätigkeiten Sinn, die auch eine Maschine übernehmen kann.
Jochen Mai
@S.Bauer: Ich glaube, du übersiehst bei deinem Plädoyer, dass es für jede bezahlte Arbeit im Angestelltenverhältnis eine vertragliche Grundlage gibt. Und da steht meist drin, dass man am Tag so und so viele Stunden für seinen Arbeitgeber tätig ist und dafür den Betrag X am Monatsende überwiesen bekommt. Somit ergibt sich eine klare Wochenarbeitszeit. Und die Frage ist durchaus berechtigt, wie viele Stunden davon ehrlicherweise produktiv verbracht und wie viele vergeudet werden. Ein Wissensarbeiter, der etwa zwei Stunden über einer neuen Idee brütet ist auch produktiv – selbst wenn die Idee hernach Murks ist. Nur trinkt er in der selben Zeit nur Kaffee und klönt mit Kollegen, ist das eben nicht produktiv. Und genau darauf zielt die Frage ab… Was im Übrigen genauso für selbstständige Arbeit gilt, wo man sein eigener Chef ist. Mit Taylorismus hat das also nichts zu tun.
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Nathanael Dalliard
@Jochen Mai: Danke so verstehe ich es, war ein falscher Gedankengang meinerseits.
@Lars Hahn: Stimmt sich mit anderen zu vergleichen ist nicht hilfreich, nicht immer.
Katharina
Da stimme ich Lars Hahn zu: die Kollegen, die mit längerer Anwesenheit glänzen, eben auch über den Feierabend hinaus, sind unter Umständen nicht wirklich produktiver als andere. Es gibt Kollegen, die eine solche Kultur nutzen, um Eindruck beim Chef zu schinden.
Ansonsten bleibt auch bei mir die Frage: wie definiert man hier Produktivität? Wo sind zieht man Grenzen. Klar, Pausen, Raucherpausen, Gerenne zum Kopierer oder Drucker, Kaffee kochen… Alles Dinge, die rausgerechnet werden müssen. Es bleint schwierig letztendlich einzuschätzen wievviel wirkliche produktive Arbeitszeit übrig bleibt.