Rechte-Pflichten-Azubis-Koch
Wer vom Schüler zum Azubi wird, für den beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie verlassen die gewohnte Umgebung der Schule und betreten eine neue Welt - die Berufswelt. "Lehrjahre sind keine Herrenjahre", heißt es oft. Tatsächlich dient die Ausbildung dazu, sich wichtige Grundlagen und Kompetenzen anzueignen. Entsprechend erwarten Unternehmen von ihren Auszubildenden auch das dafür notwendige Engagement. Doch Azubis haben nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Die sollten Sie möglchst schon vorher kennen...

Azubi Rechte: Was Auszubildenden zusteht

Rechte-von-AuszubildendenKeine Frage: In den ersten Wochen ist alles noch fremd und es wird einige Zeit dauern, bis Sie den Betrieb und Ihren neuen Job kennengelernt haben. Die Ausbildung ist eine Zeit, in der Sie neue Erfahrungen machen, einen Beruf erlernen und sich Wissen in einem speziellen Gebiet aneignen. Mit dieser Veränderung gehen aber auch neue Rechte einher.

Damit die Berufsausbildung einheitlich ist und zum Beispiel ein Malerlehrling in Hessen das gleiche lernt, wie ein Malerlehring in Niedersachsen, erlässt die Bundesregierung für jeden staatlich anerkannten Ausbildungsberuf eine Ausbildungsordnung. In dieser ist der Beruf beschrieben, und die hierfür zu erwerbenden Fertigkeiten und Kenntnisse sind dort festgelegt.

Das wichtigste Dokument, das Ihre Rechte, aber auch Ihre Pflichten während der Ausbildung regelt, ist Ihr Ausbildungsvertrag. In § 11 des Berufsbildungsgesetzes ist festgelegt, welche Punkte der Ausbildungsvertrag enthalten muss. Das sind die Folgenden:

  • Die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung: Damit ist der betriebliche Ausbildungsplan gemeint. Darin steht, welche Abteilungen Sie durchlaufen.
  • Den Beginn und Dauer der Ausbildung: Die normale Dauer der Ausbildung ist gesetzlich geregelt. In den meisten Ausbildungen beträgt Sie drei Jahre.
  • Der Ausbildungsort sowie Ausnahmen außerhalb des Ausbildungsbetriebs: Der Ausbildungsort kann bei den Fahrtkosten eine Rolle spielen. Werden Sie woanders eingesetzt, als im Ausbildungsvertrag festgehalten, muss der Ihr Arbeitgeber für die entstandenen Kosten aufkommen.
  • Die Dauer der regelmäßigen täglichen Ausbildungszeit: Damit ist Ihre Arbeitszeit gemeint, wann Sie beginnen, wann Sie Feierabend haben und ob Sie im Schichtdienst arbeiten.
  • Die Dauer der Probezeit: Laut § 20 des Berufsbildungsgesetzes muss die Probezeit mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen.
  • Die Höhe der Ausbildungsvergütung: Im Vertrag muss das Brutto-Gehalt jedes Lehrjahrs aufgeführt sein.
  • Die Dauer des Urlaubs: Auch Ihr Anspruch auf Urlaub muss festgehalten werden.
  • Die Voraussetzungen für eine Kündigung: Im Ausbildungsvertrag muss auch stehen, wann und wie das Ausbildungsverhältnis aufgelöst werden kann.

Was nicht in Ihrem Ausbildungsvertrag stehen darf:

  • Der Ausbilder darf nicht von Ihnen verlangen, dass Sie etwas für Ihre Ausbildung zahlen müssen.
  • Auch darf im Vertrag nicht vorgeschrieben werden, dass Sie nach Beendigung Ihrer Ausbildung im Betrieb bleiben müssen.
  • Ungültig sind Vereinbarungen, die Ihnen nach der Ausbildung die Ausübung Ihres Berufes verbieten oder diese einschränken.
  • Ungültig sind auch alle Angaben zu Vertragsstrafen, die beispielsweise bei vorzeitiger Beendigung der Ausbildung eintreten.

Die Arbeitszeit: Wie lange dürfen Sie als Azubi arbeiten?

Azubi-RechteWie viele Stunden täglich ein Auszubildender arbeiten darf, hängt von seinem Alter ab. Sind Sie bereits volljährig gilt laut Arbeitsgesetz:

Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Mit werktäglich sind die Wochentage von Montag bis Samstag gemeint. Das bedeutet, dass ein Vollzeit Beschäftigter maximal 48 Stunden in der Woche arbeiten darf. Die Arbeitszeit darf kurzfristig, beispielsweise saison- oder auftragsbedingt, auf zehn Stunden verlängert werden.

Anders sieht es aus, wenn Sie noch nicht volljährig sind. Dann gelten folgende Ausnahmen:

  • Arbeitszeit und Schichtdienst: Minderjährige Azubis dürfen höchstens 40 Stunden pro Woche arbeiten und nur montags bis freitags. Eine Ausnahme stellen Branchen, in denen im Schichtdienst gearbeitet wird, dar. Dort ist die Arbeit am Wochenende auch zulässig. Nachtschichten sind jedoch nicht erlaubt.
  • Pausen und Ruhezeiten: Für Arbeitnehmer unter 18 Jahren gelten längere Pausen. Ihnen steht bereits ab einer Arbeitszeit von 4,5 Stunden eine Pause von 30 Minuten zu. Auch beträgt die Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen 12 Stunden. Werden sie sonntags eingesetzt, stehen ihnen mindestens zwei freie Sonntage im Monat als Ausgleich zu.

Urlaub: Wie viele freie Tage stehen Ihnen zu?

Auch Ihr Urlaubsanspruch ist gesetzlich genau geregelt. Als volljähriger Auszubildender haben Sie haben Anspruch auf mindestens 24 Werktage pro Jahr. Diese Zeit soll der Erholung dienen. Daher ist eine anderweitige Erwerbstätigkeit nicht gestattet.

Sind Sie noch keine 18 Jahre, haben Sie Anspruch auf:

  • 25 Urlaubstage, wenn Sie 17 Jahre alt sind.
  • 27 Urlaubstage, wenn Sie 16 Jahre alt sind.
  • 30 Urlaubstage, wenn Sie jünger als 16 Jahre alt sind.

Kündigung: Wann darf Ihr Arbeitgeber Sie kündigen?

In der vereinbarten Probezeiten dürfen sowohl Sie als auch Ihr Ausbildungsbetrieb das Arbeitsverhältnis jederzeit beenden. Nach Ablauf der Probezeit ist nur noch eine Kündigung aus einem wichtigen Grund möglich. Was ist ein wichtiger Grund? Ein wichtiger Grund ist immer dann gegeben, wenn dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit nicht zuzumuten ist. Eine Kündigung ist auch möglich, wenn Sie festgestellt haben, dass der angestrebte Beruf nicht der richtige ist und Sie diesen aufgeben wollen. Eine Kündigung ist nur dann wirksam, wenn diese schriftlich und unter Angabe der Gründe Ihrem Ausbildungsbetrieb vorgelegt wird.

Doch Vorsicht! Möchten Sie zwar die Ausbildung in dem von Ihnen gewählten Beruf fortsetzten und nur den Ausbildungsbetrieb wechseln, sollten Sie statt einer Kündigung einen Aufhebungsvertrag mit Ihrem derzeitigen Ausbildungsbetrieb aushandeln. Haben Sie Ihre Ausbildung einfach nur gekündigt und setzen diese in einem anderen Betrieb fort, kann Ihr ehemaliger Ausbildungsbetrieb Schadensersatz fordern.

Checkliste der Azubi-Rechte und -Pflichten

Checkliste-Rechte-Pflichten-AzubisWelche Aufgaben und Arbeiten zur Ausbildung gehören, ist je nach Fachrichtung und Betrieb verschieden. Klar ist aber, dass zum Beispiel Krankheitsvertretungen von Mitarbeitern nicht dazu gehören. Das gilt auch für Arbeiten, die körperlich zu schwer sind und ein Gesundheitsrisiko für Azubis darstellen.

Einfache Aufgaben wie Kaffee kochen, das Aufräumen von Werkstatt oder Büro und Botengänge für Kollegen können zur Ausbildung gehören - wenn sie nicht zur Regel werden und nicht zu viel Zeit der Ausbildung in Anspruch nehmen. Setzt sich jedoch der größte Teil der Ausbildung aus wenig qualifizierten Aufgaben zusammen und ändern Gespräche mit Ausbilder oder Vorgesetztem wenig bis nichts, sollte Sie über einen Abbruch der Ausbildung oder einen Unternehmenswechsel nachdenken.

Eine übersichtliche Checkliste der Rechte und Pflichten können Sie sich hier als PDF kostenlos herunterladen.

Azubi Pflichten: Wozu sich Auszubildende verpflichten

Azubi-Pflichten-AusbilderMit der Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags erklären sich Azubis aber auch dazu bereit, folgenden Verpflichtungen nachzukommen:

  • Ausbildungsziel: Sie verpflichten sich aktiv an der Erreichung der Ausbildungsziele mitzuwirken. Hierfür kann auch verlangt werden, dass Sie in einem Berichtsheft festhalten, was Sie in der Ausbildung lernen.
  • Berufsschule: Machen Sie eine duale Ausbildung, in der die Berufsschule Teil der Ausbildung ist, sind Sie verpflichtet am Unterricht teilzunehmen.
  • Anweisungen und Arbeitsschutz: Im Berufsalltag müssen Sie sich an die Vorschriften in Ihrem Betrieb halten. Das können beispielsweise bestimmte Sicherheitsmaßnahmen sein, aber auch ein Rauchverbot zählt dazu. Kommen Sie den Anweisungen Ihres Ausbilders nicht nach oder verstoßen gegen Schutzmaßnahmen, müssen Sie für den entstandenen Schaden aufkommen.
  • Sorgfalt: Erhalten Sie vom Ausbildungsbetrieb Arbeitskleidung, Werkzeuge und anderes Material, verpflichten Sie sich damit sorgsam umzugehen.
  • Betriebsgeheimnis: Sie erklären sich bereit, keine vertrauliche Informationen Ihres Betriebs an Dritte weiterzugeben. Sind Sie sich nicht sicher, welche Informationen vertraulich sind und welche nicht, sprechen Sie mit Ihrem Ausbilder darüber.
  • Krankheit: Sind Sie krank, müssen Sie das Ihrem Arbeitgeber umgehend mitteilen und ab dem dritten Krankheitstag eine Bescheinigung des Arztes einreichen. Das gilt übrigens auch für die Berufsschule.

Pflichten: Wozu verpflichtet sich der Ausbildungsbetrieb?

Doch nicht nur Sie als Azubi haben Pflichten, auch Ihr Ausbildungsbetrieb muss bestimmten Verpflichtungen nachkommen.

  • Ihr Ausbilder ist dazu verpflichtet, Sie so auszubilden, dass Sie Ihr Ausbildungsziel erreichen und alles lernen, was Sie für die Ausübung des Berufs brauchen.
  • Ihr Ausbilder ist dazu verpflichtet, Sie für den Unterricht an der Berufsschule freizustellen. Dies gilt auch für Sonderveranstaltungen im Rahmen des Berufsschulunterrichts.
  • Ihr Ausbilder muss Ihnen erlauben, das Berichtsheft während der Arbeitszeit zu führen. Auch darf er Sie nicht zwingen, darin falsche Angaben zu machen.
  • Ihr Ausbilder hat dafür Sorge zu tragen, dass Ihnen nur Tätigkeiten übertragen werden, die dem Ausbildungszweck dienen und Ihren körperlichen Kräften angemessen sind.
  • Ihr Ausbilder ist dazu verpflichtet, Ihnen Ausbildungsmittel, wie Werkzeuge und Werkstoffe, kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Gleich in unserer Jobbörse aktuelle Ausbildungsangebote finden oder Lebenslauf schreiben...

Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Lebenslauf-gestalten-Karrieresprung-de


[Bildnachweis: Kzenon, Wavebreakmedia, Goodluz by Shutterstock.com]