Blog-StrategieUm es gleich ganz deutlich zu sagen: Die Idee, ein Corporate Blog zu starten, sollten Sie sofort wieder vergessen, wenn Sie vorhaben daraus ein reines PR-Sprachrohr zu machen. Nur weil man seine langweiligen Pressemitteilungen oder Marketing-Newsletter in ein modernes Blog kopiert, werden sie nicht lesbarer oder interessanter. Ein erfolgreiches Blog braucht nicht nur Hirn, sondern auch Herz und authentische Autoren, die persönlich ansprechbar sind. Vergessen sollten Sie das Bloggen ebenfalls, wenn Social Media für Sie nur ein billiger Vertriebskanal ist. Bloggen heißt kommunizieren, informieren, diskutieren, inspirieren, …

10 Gründe, warum Ihr Corporate Blog keinen Erfolg hat

Versuchen Sie auf einem Blog nicht zu verkaufen, sondern mit Ihren Kunden und Lesern ins Gespräch zu kommen. Für den Vertrieb haben Sie Ihre E-Commerce-Seite. Natürlich können und sollten Sie immer wieder von beiden Seiten querverweisen und verlinken. Aber der Vertrieb ist schlicht nicht die Hauptaufgabe eines Blogs. Es würde auch dessen eigentliche Leistungsfähigkeit enorm reduzieren.

Falls Sie schon ein Blog haben und sich wundern, warum es von den Lesern einfach nicht angenommen wird: Das kann unterschiedliche Gründe haben und müsste man im Einzelfall genau prüfen. Die häufigsten Stolpersteine sind aber diese:

Sie hören Ihren Kunden und Lesern nicht zu. Blogs sind keine Websites, auf der Sie einfach weitersenden wie bisher. Sie sind ein Element im Bereich der Social Media. Bevor Sie nur so lossprudeln, hören Sie also auch eine Weile lang zu, stellen Sie Fragen und verlinken Sie gute Beispiele von anderen!
Sie beantworten nicht die Fragen, die Ihre Leser haben. Wohlgemerkt: Es geht hierbei nicht um die Fragen, die Ihnen die Leser direkt in den Kommentaren stellen. Die sollten Sie sowieso binnen 24 Stunden beantworten. Hierbei geht es vielmehr um die Fragen, die die Leser ganz allgemein zu Ihnen, Ihrem Geschäft, Ihrer Firma haben – und in ihrem superduperschicken Blog dazu eigentlich Antworten und Artikel erwartet hätten.
Sie reden nur über Ihr Produkt. Hand aufs Herz: Wie spannend finden Sie Werbeprospekte? Eben. Schreiben Sie also nicht (nur) über Ihre Produkte – schreiben Sie lieber über Erfahrungen mit Ihren Produkten! Das ist viel ehrlicher und emotionaler. Und wenn die Produkte wirklich so gut sind, wie Sie behaupten, überzeugen praktische Beispiele mehr als irgendwelche Marketingphrasen.
Sie schreiben langweiliges Zeug. Viele Unternehmen, die ein Corporate Blog betreiben, neigen dazu, daraus das Pressorgan der Hochschule für angewandtes Kauderwelsch und Sprachkrebsforschung zu machen. Hoher Gähnfaktor! Reden Sie Tacheles, Mann! Und schreiben Sie so, als würden Sie einem Freund abends an der Bar eine ehrliche Geschichte aus Ihrem Leben erzählen. Es muss ja nicht ausgerechnet die Geschichte nach dem vierten Glas Wein sein.
Sie schreiben zu viel. Richtig gelesen: Ein Blog besteht nicht nur aus Text – es sei denn, Sie rezensieren eine Reise in die Bleiwüste. In Blogs gehören ebenso Bilder (von Menschen), Videos, Podcasts, Links, Fundstellen und Webschnipsel, Listen. Treiben Sie es bunt – sprichwörtlich. Seien Sie abwechslungsreich und sorgen Sie für Überraschungen. Das macht sogar Lust, wiederzukommen.
Keiner kennt die Autoren. Wer steckt hinter Ihrem Blog? Das ist – hoffentlich – ein Mensch oder ein Team, nicht nur ein anonymes Foto und eine Funktion. Stellen Sie die Autoren und das Bloggerteam unbedingt vor – besser: Lassen Sie die Kollegen sich selbst vorstellen. Und zwar als Menschen mit liebenswerten Macken, Marotten, Vorlieben und echter Leidenschaft für das, was sie da tun. Und das bitte unter jedem einzelnen Blogpost. PS: Es wäre schön, dort nicht nur junge Praktikanten, sondern auch mal ältere Arbeitnehmer zu sehen.
Dem Blog fehlt die Prominenz. Wenn Sie Ihr Unternehmen oder Ihr Produkt per Blog vorstellen und transparenter machen wollen, darf der Chef nicht fehlen. Und der sollte natürlich selbst Feuer und Flamme für den Laden sein. Aber bitte nicht in steifem C-Level-Blabla, sondern frei Schnauze. Gerade beim Chef darf es ungezwungener sein, das macht das Ganze nur sympathischer. Ansonsten: Fragen Sie doch auch mal Gastautoren und prominente Blogger für Sie in die Tasten zu hauen.
Sie verlinken nicht(s). Bloggen heißt netzwerken. Nicht jeder schlaue Gedanke muss von Ihnen selbst kommen, im Gegenteil: Gehen Sie auf Artikel von themenverwandten Bloggern ein, zitieren Sie diese – auch die Kritiker. Das signalisiert Umsicht und Dialogbereitschaft. Außerdem: Wer verlinkt, wird gerne auch zurückverlinkt. Verlangen Sie das aber nie!
Sie trommeln nicht für Ihr Blog. Aufmerksamkeit und Ruhm kommen im Netz nicht von alleine. Werben Sie also für Ihr Blog – auf der Firmenwebsite genauso wie in gedruckten Broschüren, in Newslettern, in der E-Mail-Signatur aller Mitarbeiter. Und wenn Sie sich als Guerilliero sicher fühlen, dann gerne auch, indem Sie in anderen Blog gehaltvolle (!) Kommentare hinterlassen. Aber bitte keine Blogwerbung vom Typ “Ich hab auch schon darüber geschrieben… Bitte hier klicken!” Das ist peinliches Betteln um Aufmerksamkeit.
Sie bieten keinen Mehrwert. Die vielleicht alles entscheidende Frage lautet: Warum soll das überhaupt jemand lesen? Gute Frage! Nicht das, was Sie gerne publizieren wollen, zählt. Sondern allein der Nutzen für Ihre Zielgruppe. Wenn Sie hier etwas bieten, was kein anderer hat, kommt der Erfolg fast von allein.

Selbsttest: Wie gut ist Ihr Blog schon?

Mit dem folgenden Selbsttest können Sie prüfen, ob Ihr Blog gewissenhaft geführt wird – oder ob es eine bald ausbleichende Randerscheinung wird. Jedes fehlende imaginäre Kreuzchen weist auf einen Missstand im Blog hin, den es zu beheben gilt.

Wird Ihr Corporate Blog richtig geführt?

    [ ] Ihr Blog ist aktuell, es erscheinen regelmäßig neue Beiträge.
    [ ] Die Qualität stimmt: Sprache, Bilder Themen ergeben ein stimmiges Bild.
    [ ] Die Organisation steht: Es gibt eine Redaktion wie auch einen Chefredakteur.
    [ ] Das Blog hat Charakter. Die Autoren sind authentisch, die Geschichten persönlich.
    [ ] Das Blog hat Rückendeckung. Die Geschäftsführung spart nicht an Lob und fördert die Entwicklung.
    [ ] Das Blog wird beworben. Newsletter, Homepage und Banner verweisen auf die Blogadresse.