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selfbranding„Heute ist jedes Individuum eine Art Ich-AG“, sagt Reid Hoffman, Mitgründer von LinkedIn. „Mit jedem Arbeitgeber und Kunden, für den man arbeitet, baut man sein Geschäft, seine Kontakte und Fähigkeiten aus. Selbst wenn man drei oder vier Jahre für einen Arbeitgeber tätig ist, identifiziert man sich nicht mehr so stark. Es ist wichtiger, die eigene Marke aufzubauen und zu pflegen.“ Recht hat er.

Personal Branding heißt dieser neue große Trend im Internet, den auch die Suchmaschine Google längst erkannt hat. So erlebt etwa seit einigen Wochen der Dienst „Google Profile“ eine Renaissance: Dort lassen sich zum eigenen Namen ein Foto, eine Kurzbeschreibung, Beruf und Wohnort sowie selbst gewählte Links – etwa zu Profilen in Sozialen Netzwerken oder Blogs – verknüpfen und so eine Art Web-Visitenkarte formen. „So können andere mehr über Sie erfahren“, heißt es lakonisch im Begleittext.

Hilft sicher, reicht aber nicht. Denn ob man sich nun für Personal Branding interessiert oder nicht: An einer eigenen Webseite werden Berufstätige künftig wohl kaum noch vorbei kommen. Sie wird schon bald zum professionellen Auftritt gehören wie eine seriöse E-Mail-Adresse (also nicht “Lilalaunebär69@gmx.de”) oder eine Visitenkarte.


Nun hat allerdings nicht jeder Zeit und Lust, sich eigens zu diesem Zweck mit Webdesign zu beschäftigen oder gar einen entsprechenden Dienstleister zu beauftragen. Muss er oder sie aber auch nicht. Denn hierzu gibt es inzwischen eine wachsende Zahl von Anbietern, die dabei helfen, eine persönliche Webseite ohne entsprechendes Fachwissen zu erstellen und online zu schalten – meist sogar kostenlos.

Einer dieser Anbieter ist das deutsche Startup MyOnID, das laut Eigenaussage Personal Branding für jedermann anbieten will. Ein hehres Versprechen. Ob und wie das funktioniert, habe ich deshalb inzwischen selbst ausprobiert – und bin weitgehend überzeugt. Um auch Ihnen einen besseren Einblick in die Funktionsweise solcher Online-Angebote zu geben, habe ich meine Eindrücke und Erfahrungen zu einem Tutorial zusammengefasst. Weil es natürlich noch weitere Anbieter dieser Art gibt (zum Beispiel Jimdo, Oyla, Moogo oder Web-Gear), verstehen Sie diesen Artikel bitte als exemplarisches Muster. Nicht selten sind die Angebote und Funktionalitäten untereinander vergleichbar. Und los geht’s…

Das eigene Profil erstellen

Zunächst müssen Sie sich – wie immer – erst einmal registrieren, mit E-Mail und selbstgewähltem Passwort. Danach ergänzen Sie Ihre persönlichen Daten – ein Profilbild, private und geschäftliche Kontaktdaten – im Profil. Wer bereits Mitglied in virtuellen Netzwerken wie Xing, Facebook, Flickr, Youtube oder Twitter ist, kann dieses Seiten sofort verlinken und mit einem Button in seine spätere Seite integrieren. Gut! Denn das bringt wichtige Pluspunkte für den späteren Google-Rang.

Anschließend ist das Seitenlayout dran. Hierbei können die Nutzer bereits aus mehreren Vorlagen wählen – oder ein eigenes Hintergundbild hochladen (Wer noch nicht soweit ist, kann das auch noch später nachholen). Die vier Vorlagen indes unterscheiden sich vor allem in den etwaigen Nutzungszielen der neuen Seite: also ob Sie diese geschäftlich, privat, als Blogger oder als Online-Visitenkarte nutzen wollen. Schön: Auch dies lässt sich jederzeit erneut anpassen und verändern.

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Für den Test habe ich mich für die Variante Web-Visitenkarte entschieden. Sie entspricht in meinen Augen der sinnvollsten Alternative für Jedermann: Wer ohnehin schon bloggt, Xing geschäftlich oder Facebook privat nutzt, findet hier die beste Ergänzung für seine künftige Online-Marke. Denn angeblich st die MyOnID-Seite bereits suchmaschinenoptimiert und reiht sich deshalb schnell in den Top-Treffern der Suchdienste ein (dazu am Ende mehr). Dennoch können auch Sie noch einiges unternehmen, um das zu verbessern. Solange aber sieht das vorläufige Ergebnis erst einmal so aus:

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Nicht so schön in dem Zusammenhang: In der kostenlosen Basisversion gibt es leider Werbung (gut zu sehen rechts in der Mitte des Screenshots). Gewiss, irgendwie muss ein Startup ja sein Geld verdienen. Aber mit meinen Daten, auf meiner Seite, noch dazu mit Werbung, die ich nicht selber aussuchen kann…? Das ist eher ein Minuspunkt.

Weiter jetzt mit dem Adressbuch: Auf der Seite befindet sich ein zentrales Adressbuch mit dem Nutzer Ihre Kontakte netzübergreifend verwalten können, heißt: Auch der Upload von Kontakten über ein OAuth-Protokoll (derzeit von Gmail, Yahoo und Twitter) ist möglich. Vorteil: Die MyOnID-Nutzer müssen keine vertraulichen Zugangscodes dauerhaft eintragen. Die Kontakte werden kurz ausgelesen, und das wars. Zudem kann man netzwerkintern, über den sogenannten Freundefinder, nach Bekannten suchen, die bei MyOnID sind.

Über den Menüpunkt Connect und eine sogenannte OpenID (die MyOnID-URL entspricht dieser) können sich Nutzer dann noch direkt bei über 30.000 anderen Webseiten einloggen ohne sich erneut registrieren zu müssen. Im Account gibt es dazu eine Übersicht der Seiten, bei denen man sich mit dem MyOnID-Profil eingeloggt hat, eine Statistik wann das genau war, und man kann diesen Zugriff jederzeit wieder entziehen. Auch gut: Das Ganze ist keine Einbahnstraße. Wer schon über eine OpenID verfügt (Gmail, Yahoo, AOL, Facebook, etc.), kann sich damit auch bei MyOnID ohne Registrierung einloggen.

Module integrieren

Nun geht es an das Verfeinern der eigenen Seite. Wie sich das heute gehört, lassen sich dort zahlreiche Widgets aus einer Modul-Galerie nach belieben auf der eigenen Seite einbinden. So lässt sich nicht nur das Aussehen der Seite individualisieren, sondern auch deren Inhalt persönlich anpassen. Bei den Modulen können Sie wählen zwischen dem RSS-Feed aus Ihrem eigenen Blog, Ihrem Twitter-Stream, Flickr, Slideshare, Webtreffern, Freitext, einer Karte, und und und. Das Ganze ist wirklich kinderleicht durch ein Menü mit klickbaren Buttons gelöst. Einzig: Man sollte seine Seite mit solchen Spielereien nie überladen.

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Als weitere Besonderheit bietet MyOnID an, die eigene Seite in Unterbereiche wie Über mich, Meine Projekte, Meine Hobbies, etc. zu teilen, um so spezielle Aspekte von sich hervorzuheben. Klasse gemacht: Diese Unterseiten haben ein eigenes Rechtemanagement, so dass Sie selbst jederzeit bestimmen können, wer diese Inhalte später lesen darf (alle, nur Freunde, Familie, Geschäftskontakte) und wer nicht.

Der Premium-Account

Damit sind die Wesentlichen Leistungen des kostenlosen Basisaccounts allerdings auch schon nahezu erschöpft. Wer mehr will, muss zahlen. Die sogenannte Premium-Mitgliedschaft kostet 5,99 Euro im Monat. Das ist ein stolzer Preis, man bekommt aber auch etwas dafür:

Zunächst einmal verschwindet die Werbung vom Profil, ebenso lässt sich das MyOnID-Logo ausblenden und durch ein eigenes ersetzen. Nützlich auch: Hinzu kommt ein Monitoring-Service. Mit ihm lässt sich der eigene Ruf im Netz regelmäßig überwachen – und zwar anhand von fünf persönlichen Suchbegriffen, die Premium-Mitglieder individuell festlegen können. Solide: Im Gegensatz zum Gratisaccount werden die Suchergebnisse dazu alle 24 Stunden statt alle sieben Tage aktualisiert.

Den wirklichen Mehrwert bieten aber zwei weitere Zusatzdienste, die ich dringend empfehle: Premium-Mitglieder können sich für ihre Seite eine (noch freie) Wunsch-Domain (Endungen derzeit nur: .de oder .com) aussuchen und registrieren lassen. Ein eingebautes Tool hilft beim Test, welche URL noch frei ist. Klug bei all dem ist natürlich, den eigenen Namen zu wählen – zur Not auch mit einem generischen Zusatz, etwa zu Beruf oder Spezialisierung. Der Preis für all das ist im Premium-Account inklusive. Schön: Die eigene URL lässt sich später auch als E-Mail-Adresse nutzen.

Ich selbst habe mir für den Test die Domain jochenmai.de registrieren lassen (war tatsächlich noch frei). Ein paar Stunden später war sie auch schon freigeschaltet:

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Werbeanzeige schalten

Der zweite Service ist genauso nützlich: Mit einem simplen Mausklick können Sie sich sofort eine Google-Werbeanzeige für Ihr Profil einrichten:

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Dieser Dienst ist vor allem für jene Nutzer interessant, die es nicht sofort mit Ihrem Profil unter die Top5-Treffer bei Google schaffen, aber dennoch auf der ersten Suchseite vertreten sein wollen. Wirklich überzeugend daran ist: Die Anzeige fand sich bereits wenige Sekunden nach meinem Test auf der rechten Googleseite auf Platz 1:

googlead

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Natürlich fallen beim Anklicken der Werbung Kosten an, die üblicherweise der Werbetreibende zahlen muss. Das sind zwar nur Cent-Beträge, kann sich aber schnell läppern – je nachdem, wie gesucht Sie sind. MyOnID trägt diese Kosten daher nur bis zu einem bestimmten Betrag im Monat und schaltet die Werbung danach automatisch ab. Am Ersten des Folgemonats ist sie aber schon wieder online. Auch die Kosten hierfür sind in der Premium-Mitgliedschaft enthalten, Sie müssen also dafür nichts extra zahlen.

Alles in allem also ein wirklich gutes Startangebot für Personal-Branding-Beginner, die sich nicht erst lange mit HTML und CSS herumplagen wollen. Enttäuscht war ich allerdings über den tatsächlich erzielten Google-Rang meines neuen Profils. Es gibt zwar inzwischen rund drei Millionen Treffer zu “Jochen Mai”, aber die MyOnID-Seite schaffte es bis zum Redaktionsschluss nur auf Platz 31, beziehungsweise Seite 4 der Trefferliste. Ich will nicht ungerecht sein: Als jemand mit starker Online-Präsenz und zahlreichen Verlinkungen ist es natürlich schwer, diese zu verdrängen. Wenigstens aber Seite drei, besser Seite zwei hätte ich von einem solchen Dienstleister erwartet.

Kann aber noch kommen: Denn natürlich kann und sollte jeder Nutzer solcher Seiten diese mit bisherigen vernetzen und so mit dem sprichwörtlichen Google-Juice versorgen. Mit dem Verlinkungsgrad steigt dann auch der Suchrang. Allein durch diesen Beitrag, der freilich auch auf meine neue MyOnID-Seite verweist, sollte sich dessen Trefferstatus bereits verbessern. Sie können das ja gerne live mitverfolgen