Kaum etwas ist schlimmer, als unerbetener Rat. Ja, sicher: Der andere meint es vielleicht nur gut, will helfen. Aber von Fremden oder Freunden will man das nicht hören, nicht jetzt und schon gar nicht so. Und dann gibt es noch die Scheinheiligen. Das sind die Ratgeber, die sich nur selbst erhöhen wollen, indem sie anderen die Gunst des eigenen Wissensvorsprungs zukommen lassen. Man erkennt sie leicht daran, dass sie sich nicht darüber freuen, wenn Fehler verschwinden oder es bei einem besser läuft, sondern dass das Umfeld bitteschön mitbekommen möge, wer der geniale Urheber war und dass vor allem immer andere Fehler machen. Im schlimmsten Fall ist der Rat sogar vergiftet. Diese Menschen sind wie Vampire. Sie laben sich am Leid der anderen und sorgen dafür, dass dies auch noch lange möglich bleibt.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Zwar sagt der Volksmund Ratschläge sind auch Schläge, doch das gilt nur für falsches Feedback und destruktive Kritik. Wirklich guter Rat ist extrem wertvoll – selten zwar, aber auch selten teuer. Ein guter Ratgeber indes, der ihnen wohlgesonnen ist und für Sie wirklich nur das Beste will (und nicht nur so tut als ob), wird sich mindestens an die drei Grundregeln des richtigen Feedbacks halten:
- Verstehen. Von außen sehen die Dinge oft viel einfacher aus. Bevor man allerdings der Versuchung erliegt, andere mit seiner Klarsicht beeindrucken zu wollen, gilt es die Sache auch wirklich kompetent beurteilen zu können: Sind wirklich alle Variablen bekannt – auch was die Lage des Betroffenen anbelangt? Oder anders formuliert: Man sollte nur dann anderen einen guten Rat geben, wenn man es kann.
- Abwarten. Wie eingangs schon erwähnt, sollte man nie jemanden ungebeten beraten. Sonst bekommt das Feedback schnell den Charakter einer Anweisung. Ein guter Rat ist allenfalls ein Angebot, das derjenige ebenso gut ausschlagen kann, ohne dass man ihm das übel nimmt. Bestenfalls ist Feedback die Antwort auf eine Frage.
- Beobachten. Aber nicht eingreifen! Ein guter Ratgeber baut niemals Druck auf, das schürt nur Misstrauen. Ebenso tabu: den anderen dazu nötigen, sich zu rechtfertigen. Selbst wenn man manche zum Glück zwingen muss – hier ist es verboten!

Vier typische Fehler falschen Feedbacks
Darüber hinaus gibt es noch ein paar weitere Feedbackregeln, die helfen, ein besserer, positiver und vor allem wirksamerer Ratgeber zu werden. Denn natürlich kann es auch etwas sehr Kostbares und Befriedigendes sein, Menschen zu helfen. Dahinter stecke im Kern vier typische Fehler falschen Feedbacks. Weil man aber seine eigenen Tipps beherzigen sollte, sind diese tendenziell positiv formuliert:
- Verhältnis. Fragen Sie sich selbstkritisch: Geben Sie mehr positive Rückmeldungen oder negative? Oder anders gefragt: Kritisieren Sie andere lieber oder loben Sie diese öfter? Die vielleicht unbequeme Antwort auf diese Frage verrät Ihnen nicht nur einiges über Ihr Wesen – sie ist auch ein wesentlicher Erfolgsschlüssel für gute Ratschläge: Sie bauen andere auf, ermuntern und ermutigen sie und machen sie nicht nieder. Und sie sind immer selbstlos. Ziel ist, dem anderen Chancen zu eröffnen – nicht dem eigenen Ego.
- Zeitpunkt. Rückkopplungen geben, an einem Bad Hair Day? Riesenfehler! Geben Sie niemals einen Rat, wenn Sie selber gerade schlecht drauf oder frustriert sind. Das färbt immer ab und übertragt sich auf Ihren Schützling. Und schon gar nicht sollten Sie es zu einer persönlichen Mission machen. Neutralität ist oberste Pflicht für jeden Ratgeber.
- Taktgefühl. Gutes Feedback ist stets ehrlich und spezifisch und konkret. Wer vage bleibt, kann sich den Rat genauso gut schenken. Doch darin liegt zugleich auch eine Gefahr: Ehrlichkeit und Direktheit können verletzen. Dann mutiert der Ratgeber schnell zum Unhold. Deshalb ist es wichtig, bei aller aufrichtiger Intention auch genug Empathie und Taktgefühl zu zeigen und sein Feedback wohl zu dosieren. Oder anders ausgedrückt: Seien Sie gnädig und barmherzig, wenn Sie Rückmeldungen geben.
- Konsequenzen. Sie kennen den Klassiker eines guten Rats: love it, leave it or change it. Das stimmt praktisch immer, hat aber eben auch seine Folgen. Vor allem der Punkt “leave it”. Wer andere berät, ohne zugleich die Konsequenzen seiner Empfehlungen detailliert zu schildern, handelt fahrlässig bis verantwortungslos. Ratschläge sind kein Spiel, denn Sie spielen sonst mit dem Leben eines Menschen, der sich selbst in diesem Punkt nicht zu helfen weiß. Anderen Menschen in einer Notlage zu helfen, mag ein schönes Gefühl sein, es beinhaltet aber auch eine Verantwortung.
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