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Fernstudium: Alles, was Sie wissen müssen

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Vor wenigen Jahren wurden Fernstudiengänge noch von vielen Unternehmen als Studium zweiter Klasse abgetan. Sie galten als Notlösung, die es im Blick auf die Qualität nicht mit Präsenzstudiengängen aufnehmen konnten. Heute zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild: Im Fernstudium erworbene Abschlüsse sind in vielen Branchen mit denen eines Präsenzstudiums gleichgestellt.

Kein Wunder, denn auf E-Learning basierende Fernstudiengänge erlauben es Arbeitnehmern, ihren Bachelor oder Master berufsbegleitend zu erwerben. Diese Studienform bietet klare Vorteile – auch für Unternehmen, denen beispielsweise eine Fachkraft erhalten bleibt, die sich auch noch weiterqualifiziert. Für ein Fernstudium gilt es allerdings auch für Vollzeitstudenten einige Punkte zu beachten.


Tipps für Master und Bachelor

Trotz zahlreicher Vorteile ist klar: Ein Fernstudium eignet sich nicht für jeden Arbeitnehmer und potenziellen Studenten gleichermaßen. Mancher dürfte beispielsweise mit einem Abendstudium besser bedient sein und schnellere Fortschritte erzielen. Das ist einfach eine Frage des individuellen Lerntyps.

Dazu kommt: Ein berufsbegleitendes Fernstudium ist sowohl finanziell als auch organisatorisch eine enorme Belastung. Die Kosten summieren sich schnell auf hohe vierstellige oder gar fünfstellige Beträge. Der Zeitumfang entspricht außerdem einem Teilzeitjob – zusätzlich zum Vollzeitjob wohlgemerkt. Diese Punkte sollen definitiv nicht vom Fernstudium abschrecken. Es gilt sie jedoch im Vorfeld zu bedenken.

Darüber hinaus eignet sich ein Fernstudium auch für Erststudenten, die ihr Studium zwar in Vollzeit, jedoch flexibler angehen wollen. Die Vorteile:

  • Sie können Ihr Studium flexible und selbstbestimmt gestalten.
  • Arbeiten und andere Aktivitäten sind neben dem Studium möglich.
  • Sie können ortsunabhängig lernen und daher auch reisen.

Sprechen Sie diese Vorteile an, dürften Sie auch mit den Nachteilen und Herausforderungen klar kommen.

Fernstudium: Wann und für wen es sich lohnt

bikeriderlondon/shutterstock.comVor einem berufsbegleitenden Studium steht die Entscheidung für die passende Studienform und das Studium an sich. Grundsätzlich sollten sich Arbeitnehmer darüber klar werden, dass ein Studium nicht unbedingt die beste Option für die berufliche Weiterbildung sein muss. Sicher, ein berufsbegleitendes Studium bietet den qualifiziertesten und hochwertigsten Abschluss. Gleichzeitig ist es jedoch auch mit dem größten zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden.

Der erste Schritt sollte daher in einer realistischen Prüfung der verfügbaren Optionen bestehen. Hier einige Fragen, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen können:

  • Welches Ziel verfolge ich mit der Weiterbildung?
  • Wie viel Energie, Zeit und Geld kann und will ich investieren?
  • Sind interne Schulungen und Seminare möglicherweise ausreichend?
  • Bevorzugt mein Chef eventuell konkrete Seminare und Kurse statt einem Studium?
  • Bis wann brauche ich das neue Wissen oder den Abschluss?

Entscheiden Sie sich nach der ernsthaften Beantwortung aller Fragen für ein berufsbegleitendes Studium, steht noch eine weitere Entscheidung an: Die Wahl zwischen Abend- und Fernstudium. Bei einem Abendstudium handelt es sich mehr oder weniger um ein Präsenzstudium, das eben abends, nach der Arbeit und zu festgesetzten Zeiten, stattfindet. Der Organisationsaufwand ist bei dieser Studienform relativ hoch und die Flexibilität deutlich eingeschränkt.

Fernstudiengänge bieten dagegen weitgehende Selbstbestimmung und organisatorische Freiheit, lassen jedoch einen Großteil der menschlichen Interaktion vermissen. Damit Sie entscheiden können, ob ein berufsbegleitendes Fernstudium für Sie infrage kommt, haben wir bereits vor einiger Zeit einen Test zu genau dieser Frage erstellt.

Haben Sie das Zeug zum Fernstudium? – Finden Sie es heraus:

    [] Ich kann neben dem Beruf mindestens 15 Stunden pro Woche für das Studium aufbringen.
    [] Ich möchte in Vollzeit studieren und kann etwa 50 Stunde pro Woche investieren.
    [] Ich bin bereit, private Aktivitäten während Prüfungsphasen drastisch einzuschränken.
    [] Ich nehme lange Wegstrecken und frühes Aufstehen für Präsenzprüfungen in Kauf.
    [] Ich habe Familie und Freunde über die Zusatzbelastung informiert und ihre Zustimmung.
    [] Ich kann jederzeit einen Semesterbeitrag von bis zu 300 Euro aufbringen.
    [] Ich verfüge auch in finanziell schwierigen Zeiten über etwa 200 Euro monatlich extra.
    [] Ich verfüge über einen ungestörten Rückzugsort an dem ich konzentriert lernen kann.
    [] Ich würde im Notfall auch Nachhilfe in Anspruch nehmen.
    [] Ich kann gut prüfungsrelevante von -unrelevanten Themen trennen.
    [] Ich kann mich Tag für Tag selbst motivieren und mit der Freiheit umgehen.
    [] Ich kann mir Lernstoff selbständig durch lesen und aufschreiben aneignen.
    [] Ich strebe den Abschluss nicht ausschließlich aus monetären Gründen an.
    [] Ich bin der festen Überzeugung, dass ich es schaffen werde.

Sie haben bei den meisten Punkten einen Haken gemacht? Wunderbar, dann ist ein Fernstudium für Sie vermutlich die geeignete Lernform. Die wichtigsten Voraussetzungen sind auf jeden Fall gegeben.

Gratis-Checkliste zum Herunterladen und Lerntypen-Test

dinozzz/123rfUnseren Karrierebibel-Quickcheck zum Fernstudium (pdf) können Sie auch herunterladen und ausdrucken. Neben den dort genannten Aspekten ist auch Ihr Lerntyp für die Studienwahl interessant. In der Wissenschaft finden sich dazu zahlreiche Theorien. Die aber vielleicht einprägsamste und griffigste ist die der Uni Siegen, eine Art Typisierung anhand für Lernende sichtbarer und wichtiger Merkmale:

  • Visuell: Gerade Sitzhaltung, Distanz zum Vortragenden, Augenbewegungen nach oben in Denkpausen, ergebnisorientiertes Handeln, benötigt Überblick zum Lernen, erinnert sich an Gesehenes, hat eine lebendige Vorstellungskraft, handelt nach langfristigen Plänen.
  • Auditiv: Rhythmische Bewegungen, seitliche Augenbewegungen in Denkpausen, diskutiert gerne alternative Handlungen durch, denkt und speichert in (zeitlichen) Sequenzen, kann Gehörtes leicht wiederholen – oft wörtlich, sozialer Kontakt durch Reden.
  • Kinästhetisch: Viel Gestik und körperliche Nähe, Augenbewegungen nach oben in Denkpausen, lernt durch Ausprobieren und Tun, erinnert sich an Gesamteindrücke und (körperliche) Erinnerungen, vernachlässigt Details, ist intuitiv und kreativ.

Zugegeben, die oben genannten Lerntypen sind etwas abstrakt, schematisch. Dennoch sind sie gerade für den Einstieg hilfreich. Um die Typisierung aber noch zu verfeinern, sollten Sie sich noch ein paar weitere Fragen stellen und – wichtig! – ehrlich beantworten:

  • Kann ich mich selbst über einen langen Zeitraum motivieren, zu lernen, auch wenn andere Interessen „rufen“?
  • Bin ich in der Lage, ohne mündliche Erklärungen und Beispiele aus schriftlichen Unterlagen zu lernen und den Inhalt auch zu verstehen?
  • Welchen Ort bevorzuge ich zum Lernen und wie sollte die Lernsituation geschaffen sein? (z.B. eher mit Schulkameraden in einer Lerngruppe oder allein zu Hause?)
  • Mit welchen Hilfsmitteln und Lernmethoden habe ich bisher am erfolgreichsten gelernt?
  • Bevorzuge ich eine systematische Präsentation der Lehrinhalte und möchte ich mich selbstständig mit den Lernproblemen auseinanderzusetzen?

Berufsbegleitendes Fernstudium: Vorteile auch für Unternehmen

Mit der Entscheidung für ein berufsbegleitendes Fernstudium beginnt die eigentliche Arbeit jedoch erst. Neben der Suche nach dem passenden Studiengang und dem individuell richtigem Anbieter, gilt es auch, den eigenen Arbeitgeber zu überzeugen. Nur wenn Sie Ihren Arbeitgeber im Vorfeld informieren, können Sie…

  • … mit Unterstützung oder zumindest Rücksichtnahme rechnen.
  • … Ihre neu erworbene Kompetenz als Argument für eine spätere Beförderung nutzen.
  • … nach Veränderungen der Arbeitszeiten oder Aufgaben fragen.
  • … eine mögliche Förderung durch den Arbeitgeber ansprechen.

Zwar sind nicht alle Unternehmen bereit, berufsbegleitende Studiengänge zu unterstützen. Doch die Zahl der förderungswilligen Firmen wächst, denn ein berufsbegleitendes Fernstudium bietet auch für den Arbeitgeber zahlreiche Vorteile. Einerseits bleiben Sie dem Unternehmen als Mitarbeiter erhalten. Andererseits bringen Sie bereits während Ihres Studiums neue Kenntnisse und Kompetenzen in Ihre tägliche Arbeit ein. Davon profitieren auch Ihre Kollegen und das gesamte Team.

Für Sie als Arbeitnehmer sind die Vorteile eines berufsbegleitenden Fernstudiums ebenfalls zahlreich. Hier eine Auswahl der wichtigsten Argumente:

  • Sie qualifizieren sich weiter und schaffen die Voraussetzungen für eine Beförderung und den beruflichen Aufstieg.
  • Sie lernen mit Ihren Kommilitonen und Dozenten neue Fachkräfte kennen und können Ihr Netzwerk dadurch erweitern.
  • Ihre neuen Kompetenzen und Fähigkeiten können zur Grundlage für einen Jobwechsel werden.
  • Sie zeigen, dass Sie belastbar und leistungsfähig sind
  • Sie entwickeln Ihr persönliches Zeitmanagement weiter und trainieren Ihre Selbstdisziplin.

Studium im Alter: Ein eBook zum Thema

l i g h t p o e t/shutterstock.comDas Thema Studium wird meist mit jüngeren Arbeitnehmern assoziiert. Doch nicht nur die demografische Entwicklung, sondern auch der Anspruch des lebenslangen Lernens sorgen dafür, dass auch ältere Arbeitnehmer und Lernwillige immer öfter studieren – auch im Rahmen des Fernstudiums. Das Team von fernstudieren.de hat zu diesem Thema ein umfassendes eBook erstellt, das Sie bei uns als PDF herunterladen können.

Darin finden Sie nicht nur Informationen zu Senioren-Studiengängen, sondern auch Lerntipps und eine Übersicht passender Hochschulen für ältere Studierende. Für uns eine klare Leseempfehlung.



Bachelor und Master – auch im Fernstudium

Der Bologna-Prozess hat auch bei berufsbegleitenden Fernstudiengängen seine Spuren hinterlassen. Die meisten Angebote sind inzwischen auf die Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt. Welcher Abschluss für Sie infrage kommt, hängt natürlich entscheidend von Ihrer individuellen Situation ab. Handelt es sich um das Erststudium, steht der Master in der Regel beispielsweise nicht zur Debatte.

Verfügen Sie allerdings bereits über einen Bachelor, ist ein berufsbegleitender Master-Studiengang die logische Wahl. Wo und in welchem Bereich Sie diesen fast zwingend benötigen und wann ein Bachelor reicht, erläutert Sebastian Horndasch – Autor der Bücher “Bachelor nach Plan” und “Master nach Plan” – im folgenden Video.

So finanzieren Sie das Fernstudium

Eine oft vernachlässigte jedoch ganz und gar nicht unwichtige Frage ist bei berufsbegleitenden Fernstudiengängen die Finanzierung. All die Chancen und Möglichkeiten können Sie logischerweise nur nutzen, wenn Sie sich das Studium auch leisten können. Für gut verdienende Singles mag das kein großes Problem darstellen. Doch sobald Sie eine Familie zu versorgen haben oder noch nicht allzu gut verdienen – eine besser bezahlte Position ist schließlich oft ein Teil der Motivation für das Studium – kann die Finanzierung schwierig werden.

Mehrere hundert Euro pro Monat – und damit müssen Sie für ein berufsbegleitendes Fernstudium auf jeden Fall rechnen – stellen eine spürbare finanzielle Belastung dar. Neben der Finanzierung aus eigenen Mitteln gibt es jedoch mindestens vier weitere Möglichkeiten, das Geld für ein berufsbegleitendes Fernstudium aufzubringen:

  1. Unterstützung durch Ihren Arbeitgeber
    Diese Möglichkeit wird von vielen Arbeitnehmern gewählt. Wie bereits erwähnt sind immer mehr Unternehmen bereit, Ihre Mitarbeiter bei der berufsbegleitenden Weiterbildung zu unterstützen. Überlegen Sie sich jedoch gut, ob diese Option für Sie wirklich infrage kommt. Im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung müssen Sie sich oft verpflichten, im Anschluss an das Studium einige Jahre beim Unternehmen zu bleiben. Kündigen Sie früher, zahlen Sie einen Teil oder die gesamte Unterstützung zurück. Ein Jobwechsel ist dadurch fast ausgeschlossen.
  2. Das Deutschland-Stipendium
    Die Bezeichnung “Stipendium” lässt es bereits erahnen: Diese Förderung richtet sich an Studenten, die herausragende Leistungen erbracht haben oder bei denen diese zu erwarten sind. Primär ist das Stipendium zwar auf Vollzeitstudenten ausgerichtet, ein berufsbegleitendes Studium kann jedoch – die entsprechenden Leistungen vorausgesetzt – ebenfalls gefördert werden. Der Stipendiat erhält monatlich 300 Euro, die von privaten Förderern und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung jeweils zur Hälfte finanziert werden. Das folgende Video veranschaulicht das Prinzip.

  3. Das Aufstiegsstipendium
    Diese Förderung richtet sich ausdrücklich an berufserfahrene Studenten, die sich neben ihrem Beruf weiterbilden. Das Stipendium ist Teil der Qualifizierungsinitiative “Aufstieg durch Bildung” der Bundesregierung. Details zum Bewerbungsverfahren finden Sie daher auf der offiziellen Homepage der Qualifizierungsinitiative
  4. Unterstützung durch Familie oder Freunde
    Ein Darlehen im familiären Umfeld oder im Freundeskreis hat natürlich den Vorteil, dass es unkompliziert und ohne viel Bürokratie abzuwickeln ist. Dennoch sollten Sie – auch bei Ihren besten Freunden oder nahen Verwandten – dieses Darlehen schriftlich fixieren und die Rückzahlungsformalitäten genau festlegen. So haben beide Seiten die Garantie, dass es später nicht zum Streit kommt, weil sich niemand an die genaue Vereinbarung erinnert. Von der Sicherheit im Blick auf Nachfragen durch das Finanzamt ganz zu schweigen. Dass Sie sich im Vorfeld überlegen, ob Sie das Thema Geld überhaupt in Ihren Freundes- oder Familienkreis einbringen wollen, versteht sich von selbst.
  5. Ein Studienkredit
    Spezielle Studienkredite gehören inzwischen zum Leistungskatalog vieler großer Banken. Da diese Kredite in der Regel an Vorgaben gebunden sind, sollten Sie die verschiedenen Angebote natürlich detailliert unter die Lupe nehmen und miteinander vergleichen. Da Banken für Studienkredite meist Sicherheiten verlangen, ist es bei Studiengängen im sozialen Bereich beispielsweise – aufgrund der eher bescheidenen Verdienstaussichten – schwerer einen Studienkredit zu bekommen, als bei Studiengängen im Wirtschafts- oder Technikbereich. Einen Überblick über die verschiedenen Kreditangebote bietet die Seite www.studienkredit.de. Praktisch: Dort finden Sie auch Hinweise und Rechner, mit denen Sie Ihre Studienkosten realistisch einschätzen können.

Grundsätzlich sollten Sie daran denken, Ihr berufsbegleitendes Studium von der Steuer entweder als Werbungs- oder Sonderkosten abzusetzen. Wie das funktioniert und was Sie dabei beachten müssen, wird in diesem Artikel beschrieben.

Weiterbildung im Gesundheitswesen

goodluz/123rfEs ist kein Geheimnis, dass im Gesundheitsmarkt zahlreiche neue Jobs entstehen und Fachkräfte gesucht werden. Selbst Kaufleute finden im Gesundheitswesen derzeit eine erhöhte Nachfrage: Kaufleute im Gesundheitswesen sind zwar vorwiegend in der medizinischen Verwaltung tätig. Sie arbeiten häufig aber auch bei Krankenkassen, in Kur- und Pflegeheimen, in Kliniken oder Rehabilitationseinrichtungen. Die Hauptaufgaben liegen dabei meist in der Verwaltung, im Rechnungswesen und Management der jeweiligen Einrichtung. Jobs gibt es jedoch auch in anderen Bereichen:

  • im Pflegemanagement
  • in der Gesundheitsökonomie
  • im Präventionsmanagment
  • als Gesundheitsberater
  • als Pflegefachkraft
  • als Ernährungsberater

Charmant daran ist, dass die Aus- und Weiterbildungen dafür (meist handelt es sich dabei um einen Bachelor) inzwischen oft nebenberuflich über ein Fernstudium absolviert werden können (zum Beispiel an der darauf spezialisierten Apollon Hochschule für Gesundheitswirtschaft).

Diese Bachelor-Studiengänge habe eine Regelstudienzeit von drei bis vier Jahren und vermitteln wissenschaftliche Grundlagen ebenso wie Methodenkompetenz und berufsbezogene Qualifikationen.

Der Weg zum Gesundheitsmanager führt aber auch über ein Studium des Gesundheitsmanagements oder der Gesundheitsökonomie an einer klassischen Fachhochschule oder Universität. Der Quereinstieg ist für examinierte Pflegekräfte oder andere Gesundheitsberufe – wie beispielsweise Ergo- oder Physiotherapeuten – relativ einfach. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in einem der genannten Bereich und mehrjähriger Berufserfahrung im Gesundheitsbereich können sich auch Fachkräfte über IHK-Seminare zum Gesundheitsmanager weiterbilden.

E-Learning: Lern-Tipps fürs Fernstudium

Syda Productions/shutterstock.comDa ein Fernstudium in erster Linie auf E-Learning und virtuellen Unterrichtseinheiten basiert, sind etwas andere Lern-Strategien notwendig, als bei einem Präsenzstudium. Arbeitnehmer, die regelmäßig im Home Office arbeiten, haben hier einen entscheidenden Vorteil. Dieser besteht nicht nur in der freien und flexiblen Zeiteinteilung, sondern vor allem im bereits vorhandenen Workflow für das selbstbestimmte Arbeiten und Lernen.

Wer bisher jedoch nicht im Home Office arbeitet, kann sich mit einigen bewährten Strategien das Studium deutlich erleichtern. Dazu gehören beispielsweise die Einrichtung eines festen Home Office Arbeitsplatzes, der idealerweise störungsfrei gestaltet ist und nur dem Studium oder der Arbeit vorbehalten bleibt. Ist das nicht möglich, sollten Sie Rituale und Routinen etablieren, mit denen Sie Ihren Arbeitsplatz vor jeder Lerneinheit aufräumen und sich so auch mental auf das Lernen einstellen.

Feste Lernzeiten können zwar funktionieren, sind für viele Menschen – vor allem mit Familie und Kindern – jedoch nicht praktikabel. Alternativ sollten Sie Ihre Lernzeiten an Ihre Energiekurve anpassen und idealerweise Ihre Hochzeiten für die Lerneinheiten nutzen. Und bei aller Begeisterung für Technik und Gadgets: Manchmal lassen sich ausgedruckte Texte einfach besser lesen und handschriftliche Notizen können die Kreativität enorm anregen.

Da Sie im Fernstudium hauptsächlich alleine lernen, sollten Sie unbedingt virtuelle Lerngruppen für Ihr Studium nutzen. Für optimale Ergebnisse, sollten Sie einige Punkte beherzigen:

  • Wellenlänge – Die Lerngruppe sollte aus Studenten bestehen, die sich menschlich sympathisch sind und gerne miteinander arbeiten.
  • Plattform – Entscheiden Sie bitte frühzeitig, ob Sie für die virtuelle Lerngruppe die E-Learning-Plattform der Hochschule oder ein anderes Netzwerk verwenden wollen.
  • Kommunikation – Legen Sie zu Beginn der Lerngruppe fest, über welche Kanäle was kommuniziert wird.
  • Einweisung – Alle Mitglieder der Lerngruppe müssen sich vor Beginn mit den verwendeten Programmen und Systemen auskennen.
  • Rollenverteilung – Wichtig: Innerhalb der Gruppe müssen die Rollen und Aufgaben klar verteilt sein, um Missverständnisse auszuschließen. Es muss beispielsweise für alle Studenten klar sein, wer eine bestimmte Lerneinheit koordiniert.
  • Planung – Unabhängig von den verwendeten Netzwerken und Programmen muss es einen zentralen Kalender geben, in dem die Gruppentermine für alle Mitglieder einsehbar und stets aktuell sind. Auf diesen sollten alle Studenten der Gruppe zugreifen können.
  • Video – Wenn möglich sollten virtuelle Lerngruppen zumindest bei einigen Sitzungen Video-Calls – sei es via Skype oder Google+-Hangout – nutzen. Den jeweiligen Gesprächspartner sehen zu können, verändert das Verhältnis untereinander spürbar.
  • Prozesse – Gut, das mag für Studenten etwas sehr bürokratisch klingen, doch die Etablierung einiger grundlegender Prozesse ist für virtuelle Lerngruppen enorm wichtig. Es sollte beispielsweise klar sein, wo Dokumente abgelegt werden und wie die anderen Gruppenmitglieder erreicht werden können.
  • Geduld – Auch bei einem Präsenzstudium dauert es eine Weile, bis sich die Studenten untereinander wirklich kennen. Bei einem Fernstudium gilt das – auf Grund der räumlichen Trennung und eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten – natürlich noch mehr. Lassen Sie sich daher Zeit, um Ihre Kommilitonen in der Lerngruppe kennenzulernen. Missverständnisse werden zwar auftreten, sollten Sie jedoch nicht abschrecken. Nehmen Sie diese einfach als Lernerfahrung.

Fernstudium als Karrierechance: Aktive Netzwerkarbeit

Netzwerken im FernstudiumFür viele Arbeitnehmer stellt ein berufsbegleitendes Fernstudium das Sprungbrett für die Karriere im Unternehmen oder einen Jobwechsel dar. Vor allem Letzterer lässt sich nur erreichen, wenn der- oder diejenige über ein gut ausgebautes Netzwerk verfügt. Glücklicherweise bietet ein Fernstudium hervorragende Möglichkeiten für den Ausbau des eigenen Netzwerks. In den Präsenzphasen sollten Sie beispielsweise die Gelegenheit nutzen, um Ihre Kommilitonen näher kennenzulernen und ein Gefühl für Ihre Dozenten zu entwickeln.

Prüfen Sie ganz nüchtern, welche potentiellen Kontaktpartner für Ihren Jobwechsel und Ihr Netzwerk hilfreich sein können. Mit diesen Studenten oder Dozenten sollten Sie dann logischerweise aktiv Kontakt aufnehmen und die Beziehung entsprechend festigen. Dafür bieten sich beispielsweise die kollaborative Arbeit in Lerngruppen und die Mitwirkung in speziellen Projektgruppen an.

Auch hier gelten natürlich die Regeln guter Netzwerkarbeit:

  • Bauen Sie Beziehungen langsam und nachhaltig auf.
  • Erwähnen Sie Ihre Jobwechsel-Ambitionen erst nach einiger Zeit.
  • Bieten Sie Ihrem Kontaktpartner Mehrwert.
  • Unterstützen Sie ihn oder sie nach Kräften.
  • Notieren Sie sich alle wichtigen Informationen und Themen.
  • Nehmen Sie immer wieder Kontakt auf.

Abendstudium vs. Fernstudium: Finden Sie den passenden Weg

wavebreakmedia / shutterstock.comWollen Sie sich als Arbeitnehmer berufsbegleitende weiterbilden, steht Ihnen neben einem Fernstudium auch das Abendstudium als Option offen. Welcher der beiden Wege für Sie optimal ist, können Sie nur selbst – auch auf Grundlage Ihres Lerntyps und Ihrer Lebens- und Arbeitssituation – entscheiden. Um Ihnen die Wahl zu erleichtern, stellen wir im Folgenden die Vor- und Nachteile der beiden Studienformen vor.

Fernstudium: Flexibel und selbstbestimmt

Studenten, die ein berufsbegleitendes Fernstudium absolvieren, schätzen an dieser Studienform vor allem die Flexibilität. E-Learning-Plattformen ermöglichen ein selbstbestimmtes Lernen im eigenen Rhythmus. Die Fähigkeit zur Selbstorganisation – die bei Fernstudenten stark ausgeprägt sein muss – wissen auch Arbeitgeber zu schätzen. Die mit der Flexibilität einhergehende Freiheit ist für viele Studenten wichtig, erfordert jedoch auch eine strukturierte Arbeitsweise und klare Grenzen. Nur wer die klare Trennung zwischen Beruf, berufsbegleitendem Studium und Freizeit schafft, kann ein Fernstudium erfolgreich abschließen. Gelingt diese Abgrenzung nicht, wird das Studium schnell zur Be- und Überlastung.

Abendstudium: Diszipliniert und strukturiert

Die Bezeichnung “Abendstudium” ist bei vielen Seminaren etwas irreführend. Tatsächlich finden zahlreiche Vorlesungen und Lerneinheiten im Rahmen eines Abendstudiums auch an den Wochenenden – dann jedoch tagsüber – statt. Der entscheidende Unterschied zu einem Fernstudium liegt darin, dass es sich grundsätzlich um Präsenz-Einheiten handelt und E-Learning nur ergänzend eingesetzt wird. Ein Abendstudium ist zudem meist deutlich straffer organisiert als ein vergleichbares Fernstudium. Die Vorlesungszeiten sind vorgegeben, Umfang und Menge des Lernstoffes – und vor allem die dafür zur Verfügung stehende Zeit – oft ebenfalls.

Daher eignet sich das Abendstudium vor allem für Studenten, die sich mit rein selbstbestimmten Lernen und der selbstständigen Organisation eines Studiums schwer tun. Im Gegenzug ist jedoch ein hohes Maß an Disziplin, Arbeitseinsatz und Stresstoleranz gefragt, da das Abendstudium zu großen Teilen nach der täglichen Arbeit stattfindet. Belastbarkeit und Disziplin sind dann auch die Eigenschaften, die Arbeitgeber bei Abendstudenten zu schätzen wissen.

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