Kritik ist, wenn der Chef trotzdem Recht hat. In vielen Unternehmen bewahrheitet sich der kernige Bürospruch leider allzu oft. Nicht selten ähnelt die Bürokommunikation dem Versuch, Öl mit Wasser zu mischen. Dabei schadet ein Mindestmaß an Konflikten keinem Unternehmen. Schließlich sorgen sie für geistige Mobilität und Vitalität. Was uns Deutschen aber fehlt, ist eine echte Streitkultur. Gestiegene Anforderungen und die wachsende Angst um den Arbeitsplatz erhöhen den Druck und die Furcht vor einer Aussprache mit den Vorgesetzten. So lange, bis die eigene Unzufriedenheit zur Wut hochkocht, und sich eine sachbezogene Lösung nicht mehr finden lässt. Das muss nicht sein! Kritikfähigkeit ist für Vorgesetzte ja nicht zur Herausforderung, sondern auch eine Chance – selbst wenn es dabei ans Eingemachte geht. Mitarbeiter zu führen bedeutet eben auch, sie in Entscheidungen mit einzubinden, Verantwortung zu teilen und die Kreativität aller zu nutzen. Allerdings – bei aller Liebe zur Kritik am Boss: Auf die richtige Taktik kommt es trotzdem an. Führung von unten braucht einen Plan und besonnenes Vorgehen. Hier zehn Tipps für besseres Kritisieren:
- Situation erfassen. Jeder Sportler gönnt sich vor dem entscheidenden Match eine kreative Pause; zur Entspannung und zur Orientierung. Wenn Ihnen etwas nicht passt, sollten Sie zunächst versuchen, den Konfliktherd genau zu identifizieren und das Problem klar zu umreißen.
- Blickwinkel ändern. Beim Schach gewinnt derjenige, der vorausdenkt. Ein tödlicher Fehler wäre, Vorurteile nicht zu überprüfen. Auch Chefs wissen meist, was und warum sie etwas tun. Wer sich in die Lage des Vorgesetzten versetzt und Gründe für sein Handeln sucht, baut nicht nur Ärger ab, sondern sammelt zusätzlich Gegenargumente für die spätere Debatte. Hilfreich: Der Dialog mit Kollegen. Zetteln Sie aber niemals eine Rebellion an!
- Emotionen zurückhalten. Wer schreit, hat es nötig. Je größer der Stress, desto stärker der Adrenalin-Ausstoß. Folge: Instinkte gewinnen anstelle des Verstandes die Oberhand und lähmen eine rationale Auseinandersetzung. Konfliktmanagement mit aggressiven Personen lautet deshalb, sich grundsätzlich anders verhalten, als es der Gesprächspartner erwartet. Ein kühler Kopf schon bei der Vorbereitung ist viel wert: Überlegen Sie sich mehrere Optionen, wie Sie ihr Ziel erreichen könnten. Dann bringt Sie so leicht nichts aus der Ruhe.
- Termin machen. Gut Ding will Weile haben. Sie haben ein wichtiges Problem – dann sollte sich Ihr Chef auch die Zeit dafür nehmen können. Zwischen Tür und Angel lässt sich nichts Substanzielles vereinbaren. Deshalb präzise formulieren: „Ich habe ein Anliegen und werde eine halbe Stunde dafür brauchen. Können wir einen Termin vereinbaren?“ Ein Quäntchen Selbstbewusstsein ist nicht falsch: Greift der Chef später ständig zum Telefon, hilft nur der Hinweis: Ich habe mir für den Termin Zeit genommen, aber wenn es Ihnen jetzt nicht passt, lassen Sie uns einen neuen vereinbaren!“
- Atmosphäre schaffen. Der Beginn des Gesprächs ist entscheidend – für Sie! Bemühen Sie sich um eine sachorientierte Ebene: „Sie sehen das so, ich sehe das so. Wie kommen wir da zusammen?“ Auch nonverbale Faktoren – wie Kopfnicken oder Blickkontakt – zählen. Vermeiden Sie trennende, gegenüberliegende Sitzpositionen am Schreibtisch. Verhandlungen am runden Tisch oder über Eck signalisieren mehr Miteinander als Gegeneinander.
- Richtig verpacken. Manager denken zielorientiert. Wer bei seinen Argumenten durchblicken lässt, dass er das Wohl des Unternehmens vor Augen behält, hat beste Chancen für sein Anliegen. Auch das Aufzeigen von Alternativen führt zum Erfolg. Vorgesetzte können sich dann das geringste Übel aussuchen und fühlen sich weniger unter Druck gesetzt. Achtung: Vorwürfe oder persönliche Attacken sind immer tabu. Sie verkürzen nicht nur das Gespräch, sondern nicht selten auch den Arbeitsvertrag. Besser: Formulieren Sie Ihr Anliegen als Wunsch oder Frage.
- Aktiv zuhören. Wer nach Gegenargumenten sucht, noch während der andere redet, provoziert Missverständnisse. Hören Sie also zu. Für Bedenkzeit muss sich keiner schämen. Behalten Sie immer das eigene Ziel im Blick und lassen Sie sich nicht auf fruchtlose Nebenaspekte abdrängen.
- Rückfragen stellen. Wer fragt, der führt. Fehlinterpretationen sollten sofort richtiggestellt werden. Wiederholen Sie was angekommen ist, wenige plausible Sätze genügen. Ziehen Sie auch in Betracht, die eigene Meinung verändern zu lassen: Wer Rückfragen ausweicht oder den Blickkontakt zum Gesprächspartner vermeidet, verliert an Überzeugungskraft.
- Insistieren erlaubt. Wenn eine Reaktion beim Boss ausbleibt – ruhig nachhaken und deutlich machen, wie wichtig Ihnen das Thema ist. Blickt Ihr Chef gelangweilt aus dem Fenster oder spielt er stoisch mit seinem Füller, sollte Sie das nicht zur Weißglut treiben. Machen Sie Ihn vielmehr höflich auf sein unhöfliches Verhalten aufmerksam. Unschlagbar: Die Situation so schildern, wie sie bei Ihnen angekommen ist. „Sie weichen mir ständig aus. Ich habe das Gefühl, zwischen uns steht irgendetwas.“ Gefühle lassen sich nicht wegdiskutieren.
- Richtig verabschieden. Vergessen Sie nicht, in jedem Fall für das Gespräch zu danken. Aber auch Unzufriedenheit über das Ergebnis darf geäußert werden – jedoch nur ruhig und sachlich. Im Streit sollte man nicht auseinandergehen. Und: Wenn es nicht gleich geklappt hat, geben Sie nicht auf. Überlegen Sie sich eine neue Strategie oder schaffen Sie sich Bündnispartner. Das kann auch der Betriebsrat sein.







SaschDaily
Diesen Beitrag werde ich mir wohl in Büro an meine neue Magnettafel hängen müssen. Die Situation ist in meinem Fall nicht wirklich einfach. Ein “Haß”-Schreiben hatte ich auch schon in Angriff genommen:
http://www.saschdaily.de/?p=238
In meinem Fall denke ich, dass es mir mit meinen 29 Jahren im mittleren Management noch ein wenig an Selbstbewusstsein fehlt. Zum anderen komme ich aus dem Dienstleistungsbereich, mein Chef ist ein gelackter Vollblutverkäufer, mit einem sehr aufbrausenden Charakter. Damit kommt ein verhältnismäßig introvertierter Ex-Elektroniker nicht wirklich zurecht.
Ich hatte es mal in einem Gepräch mit der Personalabteilung mit der Metapher einer “Maus vor der Schlage” verglichen. Da richtig zu reagieren und nicht gleich die Hosen voll zu haben, ist nicht einfach. Aber Ihre Tipps sind hier sicherlich eine sehr gute Hilfe.
Vielen Dank und es freut mich, Sie kurzfristig inspiriert zu haben ;-) Was Sie spontan so aus dem Hut zaubern, ist schon hochkarätig!
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