Recruiting-Videos sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann ein gut gemachtes Video hochqualifizierte Bewerber und Talente anziehen, andererseits kann ein handwerklich oder inhaltlich schlechter Film die Reputation des Unternehmens nachhaltig schädigen. Mögliche Fehlerquellen gibt es viele: Ein eingesprochener Text kann zu hölzern, die Musik zu laut oder zu hip und die interviewten Mitarbeiter unsicher wirken. Die Fehler – und Erfolge – anderer Unternehmen können dabei hervorragende Lehrbeispiele sein. Wir haben uns daher zehn Recruiting-Videos angeschaut und diese nach Inhalt, Ansatz und Umsetzung beurteilt.
Unser Beurteilung ist bis zu einem gewissen Grad natürlich von unseren subjektiven Ansichten geprägt. Dennoch haben wir uns um größtmögliche Objektivität bemüht und die Videos nach entsprechenden Kriterien bewertet. Unter jedem der folgenden Recruiting-Videos finden Sie positive und negative Elemente und Hinweise, wie Sie die entsprechenden Fehler vermeiden können. Die Reihenfolge der Videos ist dabei keine Wertung, sondern alphabetisch festgelegt. Wenn Sie noch andere Beispiele für besonders gute oder schlechte Recruiting-Videos kennen, lassen Sie uns in den Kommentaren davon wissen.
1. Bäckereihandwerk
Positiv
Das Recruiting-Video des Bäckerei-Handwerks kann mit zwei überzeugenden Hauptdarstellern aufwarten. Viele der gezeigten Szenen bieten einen realistischen Einblick in den Berufsalltag und vermitteln die Aufgaben und Anforderungen der Branche. Auch die gewählte Musik ist klar auf potenzielle Auszubildende ausgerichtet und wirkt in weiten Teilen ansprechend.
Negativ
Einige Elemente des Videos – wie beispielsweise die Breakdance-Szene in der Backstube – wirken unfreiwillig komisch und schmälern die ansonsten überzeugende Wirkung des Videos. Einige Sequenzen sind, in Kombination mit der Hintergrund-Musik, übertrieben episch, etwas weniger Pathos wäre hier besser gewesen. Insgesamt überzeugt das Video und schafft es, die gewünscht Zielgruppe jüngerer Menschen zu erreichen. Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl wäre das Video noch besser geworden.
2. BMW
Positiv
BMW hat mit seinem Recruiting-Video klar die Zielgruppe der Trainees und Absolventen im Blick. Die Hauptdarsteller sind vom Alter her passend gewählt und decken eine große Bandbreite der bei BMW vorhandenen Abteilungen und Aufgabenfelder ab. Handwerklich ist das Video – wie zu erwarten war – hervorragend umgesetzt.
Negativ
Sowohl der Text als auch die gewählte Musik und Gestik der Protagonisten wirkt übertrieben und teilweise – leider – lächerlich. Vor allem der Text zu Beginn des Videos bedient zahlreiche Klischees und betont – fast schon übertrieben – die Offenheit des Unternehmens für alle Bewerbergruppen. Die dafür notwendigen Voraussetzungen und die Anforderungen für ein Praktikum im Unternehmen werden im Video leider nicht thematisiert.
3. Daimler
Positiv
Das oben stehende Video von Daimler gehört zu einer ganzen Reihe von Recruiting-Videos, von denen jedes eine eigene Abteilung in den Fokus nimmt. Sowohl handwerklich als auch inhaltlich ist das Video gut gemacht und stellt die Anforderungen des Unternehmens an seine Mitarbeiter gut dar. Bewusst kommen auch Mitarbeiterinnen zu Wort, die in technischen Berufen leider nach wie vor die Minderheit darstellen. Die gewählten Szenen bieten einerseits Einblicke in den Arbeitsalltag der Abteilung, sprechen andererseits aber auch technikbegeisterte Menschen an.
Negativ
Der zu Beginn eingeblendete Text ist in Englisch verfasst, während das folgende Video – und auch der Text am Ende – in deutscher Sprache gehalten ist. Vor allem für internationale Bewerber kann das verwirrend und enttäuschend sein. Mit über vier Minuten gehört das Video außerdem zu den längeren Recruiting-Videos, die Länge ist auf Grund der vermittelten Informationen jedoch sinnvoll.
4. Edeka
Positiv
Der inzwischen zu zweifelhafter Bekanntheit gelangte EDEKA-Song mag für einige übertrieben erscheinen, für die vermutlich anvisierte Zielgruppe ist jedoch sowohl die Wahl der Musik als auch der Hauptdarsteller durchaus ansprechend. Technisch ist das Video gut gemacht und choreografiert, die Botschaft wird in jedem Fall deutlich vermittelt.
Negativ
Die Kritik am EDEKA-Recruiting Video lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Übertrieben und dadurch ungewollt lächerlich. Sicherlich trifft der EDEKA-Rap nicht jedermanns Geschmack und einige der gewählten Szenen sind deutlich übertrieben, das größte Manko ist jedoch ein anderes: Im Video werden keinerlei Voraussetzungen für das Praktikum bei EDEKA und auch keine Einblicke in den Arbeitsalltag geboten.
5. s.Oliver
Positiv
Das Modelabel s.Oliver geht mit seinen zahlreichen Recruiting-Videos einen etwas anderen Weg als die Unternehmen anderer Branchen. Die Videos des Unternehmens sind – wie auch das oben stehende Beispiel – als Interview mit einem Auszubildenden aufgebaut. Die meisten Interviews wirken dabei authentisch und überzeugend und vermitteln einen glaubwürdigen Eindruck der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen bei s.Oliver.
Negativ
Durch das Interview-Format werden zwar viele Informationen vermittelt, dafür wirkt das Video visuell langweilig und wenig ansprechend. Optisch Eindrücke des Arbeitsalltages und Hinweise auf die Voraussetzungen für die Ausbildung bei s.Oliver fehlen vollständig. Etwas mehr Abwechslung wäre hier sinnvoll.
6. Sparda Bank
Positiv
Die Idee der Sparda-Bank, potenzielle Auszubildende über eine Art Rap-Song zu gewinnen, ist löblich. Auch die Altersstruktur der gewählten Darsteller passt zur Zielgruppe, damit sind die positiven Aspekte des Videos jedoch leider schon erschöpft.
Negativ
Die negativen Punkte überwiegen bei weitem. Der Text passt nicht immer zur Musik, die Sänger oder Sprecher wirken hölzern und die Darsteller lassen an vielen Stellen Unsicherheit erkennen. Auch inhaltlich ist der Text eher schwach und fokussiert sich zu stark auf Klischees. Es werden kaum Informationen zur Ausbildung oder zur Tätigkeit vermittelt. Mit überzeugenden Darstellern, einer gut abgestimmten Musik und sinnvollen Inhalten wäre das Video gut geworden, so leider nicht.
7. Twitter
Positiv
Das legendäre Recruiting-Video von Twitter greift in hervorragender Art und Weise die klassischen Fehler anderer Recruiting-Videos auf. Das Video versteht sich sichtbar als Persiflage und hat durch die völlig übertriebene Machart einen ganz eigenen Charme.
Negativ
Auch wenn es bei dieser eindeutigen Persiflage fast unmöglich scheint, gibt es dennoch Menschen, denen die offensichtliche Selbstironie des Videos nicht auffällt. Das größte Manko ist jedoch: Ein solches Recruiting-Video funktioniert genau einmal. Die Idee ist daher für die nächsten Jahre verbrannt. Videos in diesem Stil würden als billiger Abklatsch des Twitter-Videos wahrgenommen werden.
8. Vattenfall
Positiv
Das etwas ältere Recruiting-Video von Vattenfall ist ein klassisches Beispiel für eine gute Idee mit schlechter Umsetzung. Das Konzept, zahlreiche Mitarbeiter sowie die Arbeitsbedingungen des Unternehmens zu zeigen, ist grundsätzlich gut. Auch der englischsprachige Song kann – im Hinblick auf internationale Bewerber – ansprechend wirken.
Negativ
Durch die zahlreichen schnellen Bildwechsel und Schnitte wirkt das ganz Video hektisch und unruhig. Die Mitarbeiter machen oft einen hölzernen Eindruck und bewegen sich – wenn überhaupt – in vielen Fällen nicht synchron zur Musik. Auch inhaltlich ist der Text wenig aussagekräftig und bietet einem potenziellen Bewerber keine überzeugenden Gründe, um sich für das Unternehmen zu entscheiden.
9. Volkswagen
Positiv
Auch Volkswagen hat mehrere Recruiting-Videos für verschiedene Ausbildungsberuf im Angebot. Diese vermitteln potenziellen Bewerbern zahlreiche Informationen über das Unternehmen und den jeweiligen Ausbildungsberuf. Die gewählten Mitarbeiter wirken authentisch und überzeugend, während die verschiedenen Sequenzen und Einstellungen auch den Arbeitsalltag und die Aufgaben der Auszubildenden darstellen. Durch den Bezug zur Freizeit der Mitarbeiter wirken diese menschlicher und das Unternehmen sympathischer.
Negativ
Intro und Outro des Videos sind in einem comichaften Stil gehalten. Dieser passt nicht zum restlichen Video und einige Aussagen in den Videos klingen dann doch zu positiv. Diese wenigen Punkte trüben den insgesamt guten Eindruck jedoch nur unwesentlich. Die Länge von etwas mehr als vier Minuten ist der Informationsvielfalt geschuldet und daher kein Problem.
10. Würth
Positiv
Würth setzt bei seinem Recruiting-Video auf einen ähnliches Konzept wie s.Oliver. Grundsätzlich handelt es sich um ein Interview, bei dem eine junge Auszubildende von ihren Erfahrungen berichtet. Im Gegensatz zum Modelabel gibt es hier jedoch wechselnde Schauplätze, an denen die Mitarbeiterin jeweils die verschiedenen Aufgaben der Ausbildung vorstellt. Ein gutes Konzept.
Negativ
Die Umsetzung ist leider nicht ganz so überzeugend. Die Auszubildende wirkt an manchen Stellen nervös – was einen authentischen Eindruck vermitteln kann – und setzt oft übertriebene Gesten ein. Ihre Aussagen klingen nur teilweise überzeugend, an manchen Stellen wirkt der Text fast abgelesen. Das gesamte Video macht einen leicht amateurhaften Eindruck und hinterlässt einen seltsamen Gesamteindruck, der nicht unbedingt zur Bewerbung motiviert. Etwas mehr Planung und Struktur wäre hier sinnvoll.
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Fabian
Schöne Zusammenstellung, danke! :-)
Phillip
Ich würde mal sagen Daimler hat inzwischen ordentlich nachgelegt… hier ein wie ich finde extrem gelungenes Video zum Thema Mädchen und Technik…
http://www.youtube.com/watch?v=AOWheT4vy-g