Facebook hat es also getan. Nach monatelangen Gerüchten hat das Soziale Netzwerk vor kurzem die Social Jobs Partnership Applikation online gestellt. Hinter diesem Namen verbirgt sich die erste Iteration einer direkt in Facebook integrierten Meta-Stellenbörse. Facebook ist für die Stellenangebote zwar nicht selbst verantwortlich – diese stellen Partner- unternehmen bereit – doch die Ausgangssituation ist denkbar günstig: Mit weltweit mehr als einer Milliarde aktiver Facebook-Nutzer hat die Stellenbörse das Potenzial, die Landschaft des Online Recruitings nachhaltig zu verändern.

Dieses Potenzial hat auch Work4Labs erkannt, das als eines von aktuell fünf Partner- unternehmen Stellenangebote für die Applikation bereitstellt. CEO und Gründer Stephane Le Viet bezeichnet den Start der Stellen- börse wie folgt:
“This is a very big disruption in a very large space.”

Facebook selbst kommuniziert den Launch seiner Stellenbörse jedoch widersprüchlich: Einerseits beharrt das Unternehmen darauf, mit dem neuen Angebot explizit nicht in das Online Recruiting einzusteigen. Andererseits nennt das in Kalifornien beheimatete Unternehmen jedoch Zahlen, die seine Bedeutung im Rekrutin Prozess unterstreichen.

Große Akzeptanz bei Unternehmen


Im offiziellen Blog-Artikel zum Start der Stellenbörse spricht Facebook beispielsweise davon, dass 54 Prozent der amerikanischen Unternehmen Facebook bereits aktiv für die Mitarbeitersuche nutzen. 90 Prozent dieser Unternehmen sind wiederum der Überzeugung, dass sich durch dieses Engagement die Schaltung von Anzeigen in Printmedien deutlich reduzieren lässt.

Dazu kommt: Mit Jobvite, Work4Labs, Monster, BranchOut und US.jobs sind fünf der größten Online Recruiter bereits Launch-Partner der Stellenbörse. Aktuell werden Bewerber beim Klick auf ein konkretes Stellenangebot zwar noch zu den Applikation der Partner umgeleitet, doch in späteren Versionen der Stellenbörse könnte Facebook auch diesen Part selbst übernehmen.

Konkurrenz zu LinkedIn?


Einer der – potentiellen – Konkurrenten ist natürlich das international größte Business-Netzwerk LinkedIn. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren einen hervorragenden Ruf erarbeitet und spielt bei den meisten US-Unternehmen im Recruiting-Prozess eine wichtige Rolle. Allerdings wird LinkedIn in vielen Fällen vor allem für die Suche nach gut und hoch qualifizierten Mitarbeitern genutzt, die das 40. Lebensjahr meist bereits überschritten haben.

Facebook verfügt hingegen über eine deutlich jüngere Nutzerbasis. In den USA könnte die neue Stellenbörse daher vor allem für Berufseinsteiger und gering qualifizierte Arbeitnehmer attraktiv sein. Auf den ersten Blick tritt die Social Jobs Partnership Applikation daher nicht in direkte Konkurrenz mit LinkedIn. Zu bedenken ist jedoch, dass eine große Reichweite und Akzeptanz im Bereich der Berufseinsteiger die Basis für einen deutlichen Ausbau der Meta-Stellenbörse sein könnte. Diese würde Facebook zwangsläufig zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für LinekdIn werden lassen.

Chancen in Deutschland?

Aktuell beschränkt sich das Angebot der Social Jobs Partnership Applikation noch auf Stellenangebote in den USA. Sollte sich das Konzept dort jedoch bewähren, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis das Angebot auch in Europa und Deutschland verfügbar wird. Ob die Stellenbörse hierzulande erfolgreich sein kann, wird aus meiner Sicht primär von zwei Faktoren abhängen.

Erstens müssen deutsche Unternehmen die immer noch weit verbreitete Zurückhaltung und Skepsis gegenüber Facebook aufgeben. Hier spielen vor allem Datenschutzüberlegungen und ein tief verwurzeltes Misstrauen gegenüber dem Sozialen Netzwerk eine Rolle. Das wird – meiner Meinung nach – die größte Hürde für das neue Angebot sein.

Zweitens muss die Stellenbörse für deutsche oder in Deutschland operierende Unternehmen und Bewerber einen deutlichen Mehrwert gegenüber etablierten Plattformen bieten. In diesem Bereich sehe ich persönlich kein großes Problem, da Facebook bereits mit der schieren Masse an Nutzern und der enormen Reichweite deutlich gegenüber bestehenden Jobbörsen punkten kann. Interessant wird jedoch, ob es dem Unternehmen gelingt, Recruiter und Bewerber gezielt zusammenzubringen.

Fazit: Zaghafter Beginn mit großem Potenzial

Die erste Iteration der Facebook-Meta-Stellenbörse ist ein zaghafter und vorsichtiger Schritt in einen neuen Geschäftsbereich. Noch will das Soziale Netzwerk sich nicht mit LinkedIn und anderen Spezialisten im Bereich des Online Recruitings anlegen, das zeigt sich schon am geringen Funktionsumfang der Applikation.

Doch Facebook hat mit seiner gewaltigen Nutzerbasis, der großen Reichweite und zahlreichen erfahrenen Partnern das Potenzial, den Online Recruiting Markt nachhaltig zu verändern und zu einem der größten Anbieter zu werden. Da das Unternehmen in den letzten Monaten verstärkt nach Monetarisierungsoptionen für seinen riesigen Datenbestand sucht, halte ich es für unwahrscheinlich, dass sich Facebook diesen Markt entgehen lässt. Meines Erachtens nach ist daher nicht die Frage ob, sondern nur wann Facebook den nächsten Schritt gehen und sich aktiv im Online Recruiting engagieren wird. Eine Möglichkeit wäre hier beispielsweise die Verknüpfung der Aktivitäten und Interessen der Nutzer mit Stellenangeboten.

Für Bewerber und Recruiter könnte das neue Chancen und bieten und sowohl Jobsuche als auch Personal Recruiting deutlich vereinfachen und beschleunigen. Der Preis wäre jedoch nicht zu unterschätzen: Facebook würde seinen ohnehin riesigen Datenberg noch weiter vergrößern und wäre beispielsweise auch über die Bereitschaft eines Nutzers für einen Jobwechsel informiert. Ob diese Informationskonzentration wirklich wünschenswert ist, muss jeder für sich entscheiden.

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