Die (neue) Finanzkolumne von Daniel Schönwitz

o2beat/123rfEin guter Freund von mir hat gerade erlebt, wie schnell Gehaltsverhandlungen aus dem Ruder laufen können. Er arbeitet bereits seit einigen Jahren in der Rechtsabteilung eines großen Mittelständlers, ist mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet und ging mit einer durchaus sportlichen Forderung ins Gespräch mit seinem Chef. Das Problem: Der Chef findet ihn auch gut – aber offenbar nicht so gut. Jedenfalls bot der einen deutlich niedrigeren Aufschlag an. Zwar näherten sich die beiden zunächst vorsichtig an, aber als nach zehn Minuten zunehmend kontroverser Diskussion jeder seine Schmerzgrenze erreicht hatte, lagen sie immer noch weit auseinander...

Einer musste jetzt nachgeben

Nachgeben wollte aber keiner. Und so kam es, wie es kommen musste: Nachdem sie sich gegenseitig der Unverschämtheit und der Undankbarkeit bezichtigt hatten, verließ mein Freund das Büro – und will jetzt seine Kündigung einreichen.

Als er mir vom Verlauf des Gesprächs erzählte, habe ich ihm Respekt gezollt – aber auch gefragt, ob keiner von beiden steuerfreie Extras ins Spiel gebracht habe. Denn das in solchen Situationen die beste Strategie, um eine Eskalation zu verhindern und ohne Gesichtsverlust Kompromisslinien aufzuzeigen.

Steuerfreie Extras: Viel besser als Bargeld

GeldGeschenkBonusPrämieDer unschlagbare Vorteil solcher Extras: Während von einer klassischen Gehaltserhöhung bei einem Gutverdiener meist nur rund die Hälfte hängen bleibt, kommen diese in voller Höhe an. In der Regel sind sie nicht nur steuer-, sondern auch sozialabgabenfrei.

Brutto ist gleich netto!

Wer 5000 Euro mehr im Jahr gefordert hat, könnte sich also genauso mit 2500 Euro in Form steuerfreier Extras zufrieden geben. Auf diese Weise lassen sich auch größere Differenzen überbrücken – zumal der Arbeitgeber ebenfalls Abgaben spart - seinen Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen.

Und es gibt rund zwei Dutzend Extras, die in Frage kommen – von der kostenlosen Privatnutzung eines Smartphones über Mitarbeiterbeteiligungen bis hin zu Umzugskostenerstattungen.

Arbeitnehmer können also gemeinsam mit dem Arbeitgeber ein individuelles Steuersparmodell schnüren, in dem sie die Extras kombinieren, die zu ihrem Lebensstil passen. Einen guten Überblick liefert die Kanzlei Ecovis in der Broschüre „Steuerfreie Arbeitgeberleistungen 2014“ (PDF).

Kleinvieh macht auch Mist

Besonders attraktiv ist ein Kinderbetreuungszuschuss: Eltern können sich sämtliche Kosten, die für Kindergarten oder Kita anfallen, vom Arbeitgeber erstatten lassen – und zwar unbegrenzt.

Aber auch Kinderlose wie mein Freund können durch die geschickte Kombination von Extraleistungen stattliche Summen steuerfrei einstreichen. Beliebt sind etwa monatliche Tankgutscheine, die bis zu einem Wert von 44 Euro begünstigt sind. Oder Gesundheitsleistungen wie Massagen und Yoga-Kurse, für die eine Grenze von 500 Euro pro Jahr gilt.

Weiter steigern lässt sich der steuerfreie Anteil, wenn Arbeitnehmer...

  • das dienstliche Smartphone (und/oder den Laptop) sowie
  • im Job gesammelte Bonusmeilen kostenlos privat nutzen dürfen,
  • Mitarbeiterrabatte erhalten und
  • zum Geburtstag ein Geschenk im Wert von bis zu 40 Euro erhalten.

Im Zuge des Fachkräftemangels sprechen übrigens immer mehr Arbeitgeber dieses Thema von sich aus an. Wenn dies nicht geschieht, sollten Sie es selbst ins Spiel bringen – spätestens, wenn die Gehaltsverhandlung zu eskalieren droht.

Einfach und unbürokratisch

Und lassen Sie sich bitte nicht mit dem Argument abspeisen, dass der Aufwand in der Lohnbuchhaltung zu groß sei. Das ist Blödsinn!

Als ich im Juni zu dem Thema recherchierte, haben mir selbst kleine Mittelständler versichert, dass die Bürokratie keine hohe Hürde sei. Nachlesen können Sie das in der Juli-Ausgabe des Magazins Impulse (den Anfang des Artikels finden Sie hier).

Mein Freund überlegt gerade, ob er noch einen letzten Anlauf starten und bei seinem Chef steuerfreie Extras ins Spiel bringen soll. Schließlich will er sich keinesfalls unter Wert verkaufen. Zu Recht.

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Über den Autor

Daniel-SchönwitzDaniel Schönwitz (37) ist Wirtschaftsjournalist und schreibt über Finanz- und Steuerthemen – vorwiegend für die WirtschaftsWoche, das Manager Magazin und Capital. Zudem arbeitet er als Schreibtrainer für den Seminaranbieter DIALEKTIK for Business wo er High Potentials in Workshops beibringt, verständlich über komplizierte Themen zu schreiben. Auf seiner Homepage danielschoenwitz.de bloggt er über aktuelle Fragen zu Geld, Steuern und Moral.