Studieren ist teuer: Durchschnittlich 700 Euro pro Monat gehen für Miete, Lebenshaltung, Bücher und Freizeitgestaltung drauf. Wer dieses Geld selbst verdienen muss, stößt schnell an Grenzen – denn so viel Geld ist kaum nebenbei zu verdienen.

Möglichkeit eins ist: In den Semesterferien richtig ranklotzen und ein finanzielles Polster schaffen. Geht das nicht, weil besipielsweise Hausarbeiten warten, keine lukrativen Jobs verfügbar sind oder gar die Betreuung eines Kindes Vorrang hat, bleibt nur die andere Option: Parallel zum Studium in Teilzeit oder gar Vollzeit arbeiten. Das hat aber seine Tücken.

Gleichzeitig studieren und arbeiten – geht das überhaupt?

Denn je mehr Sie nebenher arbeiten, desto größer ist der zeitliche Tribut, den Sie zahlen. Studenten, die 20 Stunden und mehr arbeiten müssen, leiden oft unter der Doppelbelastung. Ihnen bleibt nicht genug Zeit, Seminare vor- und nachzubereiten oder für Klausuren zu lernen. Schlechte Voraussetzungen für gute Noten und zügiges Vorwärtskommen. Deswegen sollten Sie sich von der Idee verabschieden, in der Regelstudienzeit abzuschließen. Besser Sie machen weniger Scheine pro Semester, diese aber mit passablen Noten.

Formalitäten

Wenn Sie parallel zum Studium arbeiten wollen, müssen Sei diese Dinge unbedingt beachten:

Prüfungsordnung

Erlaubt sind in der Vorlesungszeit nur 20 Stunden Arbeit pro Woche. Wer mehr arbeiten muss, sollte unbedingt mit dem Prüfungsamt über Ausnahmeregelungen sprechen. Ansonsten droht die Exmatrikulation.

Sozialversicherung

Wer mehr als 15 Stunden pro Woche arbeitet und mehr als 400 Euro verdient, ist sozialversicherungspflichtig. Allerdings sind die Versicherungsbeiträge bis 800 Euro Einkommen reduziert.

Steuern

Wer weniger als 700 Euro pro Monat verdient, muss keine Einkommenssteuer zahlen.

Denn die Zeit zwischen Vorlesungstag und Kneipenjob ist ohnehin meist gut mit alltäglichen Dingen gefüllt: Wohnung putzen, einkaufen, waschen, bügeln, Freunde treffen. So fehlt am Ende oft die Energie, sich noch mal über die Bücher zu setzen und zu büffeln. Hin- und hergerissen zwischen den Anforderungen des Studiums und den Erwartungen des Arbeitgebers entsteht leicht das Gefühl, keiner der beiden Anforderungen richtig gewachsen zu sein.

Da hilft nur gute Organisation, um Arbeit, Studium und Freizeit unter einen Hut zu bringen. Wenn Ihnen das gelingt, erwerben Sie außerdem quasi nebenbei Qualifikationen, die später im Berufsleben verdammt nützlich sind: Flexibilität, Belastbarkeit, die Fähigkeit zu Selbstorgansiation und Stressresistenz. Diese Qualitäten brauchen Sie spätestens dann, wenn Sie neben dem Job auch noch das Familienleben organisiert müssen.

Idealerweise suchen Sie sich natürlich eine Stelle, die einen Bezug zu Ihrem Studium hat. Wenn Sie mögliche Einsatzfelder kennenlernen oder schon Mal in den künftigen Beruf reinschnuppern können, hilft das enorm beim Start ins Berufsleben. Netter Nebeneffekt: Die Kontakte, die Sie zu möglichen Arbeitgebern knüpfen, steigern Ihre Chancen für einen direkten Übergang vom Studium in den Beruf. Idealerweise springt auch eine Abschlussarbeit im Unternehmen dabei raus.

Das Wichtigste: gutes Selbstmanagement

Damit Ihnen die Kombination aus Arbeit und Studium gelingt, muss Ihr Zeit- und Selbstmanagement stimmen. Ihre Tage müssen Sie so planen, dass für beide Dinge genug Raum bleibt. Und die Zeiten dann tatsächlich wie vorgesehen nutzen. Dafür sind eine gehörige Portion Selbstdisziplin, viel Fähigkeit zur Selbstmotivation und ein Höchstmaß an Resilienz notwendig, um der enormen Belastung Stand zu halten und trotzdem genug Power fürs Lernen zu haben.

Um sicher zu sein, mit der Doppelbelastung klarzukommen, solltest Sie die folgenden Fragen mehrheitlich mit „Ja“ beantworten können:

  • Sind Sie tief genug ins Studium eingestiegen, um die Anforderungen wirklich zu kennen?
  • Können Sie den Zeit- und den Arbeitsaufwand für Studium und Arbeiten realistisch einschätzen?
  • Läuft es gut genug, um nebenher etwas Anderes tun zu können?
  • Wann bleibt wie viel Zeit fürs Jobben?
  • Bleibt Ihnen ausreichend Zeit zum Relaxen, für Interessen, persönliche Entwicklung, Freundschaften und Beziehungen?
  • Sind Ihre Fähigkeiten zur Selbstorganisation ausreichend?
  • Können Sie Prioritäten setzen, gegenüber Anderen vertreten – und sich selbst daran halten?
  • Haben Sie klare Ziele für Job und Studium? Sind sie in Ihre Lebensplanung eingebunden?

Gerade die Zielklarheit ist enorm wichtig, um trotz Doppelbelastung durchzuhalten. Dennoch sollten Sie die einmal eingeschlagene Richtung nicht blindlings verfolgen: Vielleicht ergeben sich bei der Arbeit ja neue Perspektiven, die einen Ab- oder Unterbruch des Studiums nahe legen. Wenn Sie die Ziele regelmäßig prüfen, stellen Sie fest, ob Sie wirklich noch dem richtigen Weg folgen.

Gibt es auch Alternativen?

Falls Sie die Doppelbelastung scheuen, können Sie selbstverständlich auch gleich ins Arbeitsleben eintreten, um erst Mal gutes Geld zu verdienen. Das muss keine endgültige Entscheidung gegen das Studieren sein, Sie können es auch bewusst als Zäsur setzen: Etwa um zwischen Bachelor und Master Praxisluft zu schnuppern und die Kasse klingeln zu lassen, oder um vor der Examensphase Geld ran zu schaffen, damit Sie sich in der heißen Phase aufs Schreiben und Lernen konzentrieren können.

Und auch andersrum wird ein Schuh daraus: Wenn Sie erst Mal im Beruf sind, können Sie nämlich ein Studium aufnehmen, ohne auf Ihren Arbeitsplatz verzichten zu müssen! Sobald Sie mehr als sechs Monate in einem Unternehmen tätig sind, haben Sie automatisch Anspruch auf Teilzeitarbeit. Diesen Freiraum können Sie dann nutzen, um nebenbei zu studieren oder den Abschluss zu machen.

Auch Fern- oder Abendstudium sind Alternativen, wenn Sie nicht regelmäßig eine Uni besuchen können Die Kursunterlagen erhalten Sie dafür nach Hause geschickt und lernen, wenn Sie Zeit dafür haben. Die Hochschule sehen Sie nur bei Prüfungen von innen. Interessanterweise werden die meisten Fernstudiengänge parallel zu Vollzeitstellen absolviert. Die Belastungen dabei sind unterm Strich gleich wie beim Arbeiten während des Studiums – nur ist diese Kombination in der Regel finanziell besser abgesichert: Man hat ja schon einen Job dazu. Perspektivisch winkt obendrein höherwertige Arbeit, die (noch) besser bezahlt wird. Das ist für Viele ein zusätzlicher Anreiz.

Wenn Sie gleich fürs Studieren bezahlt werden möchten, sollten Sie ein duales Studium absolvieren. Hier werden Sie von einem Unternehme eingestellt, wo Sie zwischen den Semestern regulär arbeiten. In der Vorlesungszeit studieren Sie an einer kooperierenden Berufsakademie. Da Betriebspraxis und Studieninhalte bei dieser Ausbildungsform eng verzahnt sind, ist der Praxisbezug enorm hoch. Das ist im späteren Berufsleben auf jeden Fall hilfreich. Einfach ist dieses Studium allerdings nicht, denn die Erwartungen der Unternehmen an Ihre Studenten sind in der Regel hoch. Da bleibt kein Freiraum für eigene Interessen oder Auszeiten. Dafür ist der Übergang vom Bachelor-Studenten zum Angestellten bei diesen Unternehmen in der Regel nur noch reine Formsache.