Zwei Männer sitzen in einem Flugzeug. Nach einer Stunde Flugzeit meldet sich der Kapitän: Eine Turbine hat den Geist aufgegeben, es bestünde aber kein Grund zur Panik. Auch mit drei verbleibenden Triebwerken käme man sicher an, nur würde sich die Flugzeit auf sieben Stunden verlängern. Nach einiger Zeit meldet sich der Pilot erneut: Noch eine Düse ausgefallen, keine Panik, allerdings dauere der Flug nun zehn Stunden. Noch später: Auch die dritte Düse streikt. Das Flugzeug kann jedoch mit einer Turbine in New York landen – in 18 Stunden. „Verdammt“, sagt da der eine Passagier zum anderen, „ich hoffe, die letzte Düse fällt nicht auch noch aus, sonst bleiben wir ewig hier oben.“

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Erst recht in solchen Situationen. Galgenhumor erhält nachweislich gesund. Denn er bremst die destruktive Kraft der Angst.

Humor kann aber weitaus mehr. Er deeskaliert, entkrampft, kann Kritik abschwächen, Denkblockaden lösen und steigert sogar das Erinnerungsvermögen. Schon 1977 fanden die Psychologen Robert Kaplan und Gregory Pascoe heraus, dass Personen sich eher an die Inhalte einer Rede erinnern, wenn diese mit Humor gewürzt war. Forscher der Universität Michigan wiederum untersuchten 1986 über 1000 Anzeigen und kamen zum Ergebnis: Humorige Werbung wird in 17 Prozent der Fälle öfter erinnert als normale. Und in einer Studie zum Thema Kündigung stellten die Wissenschaftler 1985 fest, dass nur 15 Prozent der Mitarbeiter wegen Inkompetenz gefeuert worden waren. Die anderen hatten den Job verloren, weil sie mit den Kollegen nicht zurechtkamen und kommunikative Schwächen aufwiesen. Vor allem: Die befragten Personaler hielten Humor für den wesentlichen Kitt des Zusammenspiels.

Leider hat Heiterkeit im Büro ein Imageproblem. Ein großes sogar. Gut gelaunte Mitarbeiter stehen stets unter dem Generalverdacht, dass es ihnen, nun, zu gut geht. Nicht wenige Manager glauben, dass Hurrastimmung im Büro ablenkt, fahrlässig und faul macht. Wer satt ist, geht eben nicht mehr auf die Jagd; wer zufrieden ist, mit sich und der Welt, strengt sich weniger an. Entsprechend ernst geht es in vielen Unternehmen zu: Es wird geschwiegen und gelangweilt, drangsaliert und geschurigelt. Und umso seltener wird gelobt, gescherzt, gelacht.

Fatal. Denn gute Laune nicht nur das Ergebnis positiver Umstände – sie ist auch deren Ursache. So tautologisch es klingt: Die Entscheidung, die Dinge optimistischer und entspannter zu sehen, kann nicht nur die eigene Stimmung heben. Danach entwickeln sich viele Dinge tatsächlich positiver.

Gutgelaunte Kollegen bringen im Schnitt 17,5 Verbesserungsvorschläge und gute Ideen in ihre Unternehmen ein, ermittelte einst das IFAK-Barometer, Miesepeter dagegen nur 8,4. Ebenso kommen motivierte Mitarbeiter im Schnitt auf höchstens 4,3 Fehltage, ihre frustrierten Kollegen dagegen auf zehn. Die Untersuchungen von Alice Isen, Psychologieprofessorin an der Cornell-Universität in New York zeigen wiederum: Gutgelaunte sind nicht nur belastbarer und zufriedener. Sie sind auch beliebter und populärer und werden von ihren Vorgesetzten meist besser bewertet und öfter befördert. Das Gros erzielt sogar höhere Einkommen.

Ein heiteres Arbeitsklima wirkt vielleicht nicht immer unmittelbar. Aber es führt immer zu einer Art Viraleffekt: Gute Laune steckt an – sogar stärker als schlechte.

Das hat zum Beispiel auch Colleen Barrett verinnerlicht. Die Grande Dame im Personalmanagement von Southwest beschreibt in dem folgenden Video wie die Airline Humor sogar zielgerichtet im Recruitingprozess nutzt, um beispielsweise herauszufinden, ob ein Kandidat zur Unternehmenskultur passt. Ich finde, ein witziges Beispiel – und ein Vorbild.