Ängste im Vorstellungsgespräch überwinden
Die gute Nachricht ist: Sie haben eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Die schlechte: Je näher der Termin rückt, desto größer wird die Angst davor. Nicht wenige Kandidaten plagen Ängste vor und im Vorstellungsgespräch. Gewiss, etwas Lampenfieber ist völlig normal. Bei einigen Bewerbern aber gehen diese Ängste so weit, dass sie Bauch- und Kopfschmerzen oder gar veritable Panikattacken plagen - und blockieren. Damit es gar nicht erst dazu kommt, haben wir ein paar Tipps, wie sich typische Ängste im Vorstellungsgespräch überwinden lassen...

Ängste im Vorstellungsgespräch: Woher kommen sie?

Ängste im Vorstellungsgespräch haben vor allem zwei Ursachen:

  • Versagensangst

    Zunächst steht natürlich eine Menge auf dem Spiel: Womöglich sind dem Jobinterview zahllose Bewerbungen vorausgegangen. Es ist DER Traumjob und eine einmalige Chance. Das setzt enorm unter Druck und schürt klassische Versagensängste: Was wenn ich den Job nicht bekomme? Wie geht es dann weiter? Wie stehe ich dann da?

  • Ohnmacht

    Hinzu kommt, dass ein Vorstellungsgespräch für die meisten Bewerber eine ungewohnte und unbekannte Situation darstellt. Selbst, wer schon mehrere Bewerbungsgespräche geführt hat, ist bei jedem neuen Gespräch wieder nervös. Denn jedes Interview ist anders, individuell und unkontrollierbar. So bleibt stets die Angst vor dem Ungewissen.

Im Cocktail zusammen mit womöglich nicht allzu gründlicher Vorbereitung und Schreckensszenarien können sich die diffusen Ängste schnell aufschaukeln - bis aus der anfänglichen Prüfungsangst ein regelrechter Blackout wird.

Prüfungsangst

Kann so kommen - muss es aber nicht. Tatsächlich lassen sich viele dieser Ängste überwinden. Schon allein durch bessere Vorbereitung sowie durch Selbstreflexion: Hinterfragen Sie die eigene Nervosität und Aufregung gezielt, um das eigene Verhalten und auch die eigene Reaktion auf die Situation im Vorstellungsgespräch besser zu verstehen.

Dieses Wissen lässt sich anschließend einsetzen, um etwas gegen die Aufregung zu unternehmen und im nächsten Gespräch mit einem Personaler ruhiger und entspannter aufzutreten.

So lassen sich Ängste im Vorstellungsgespräch überwinden

Lassen Sie uns an der Stelle ruhig noch etwas weiter ins Detail gehen und einige typische Ängste im Vorstellungsgespräch unter die Lupe nehmen. Wir haben sieben klassische und häufige Sorgen und Befürchtungen von Bewerbern aufgelistet und zeigen, was Sie tun können, um diese Ängste zu überwinden:

  1. Die Angst vor dem Zuspätkommen

    Mit dieser Angst schlagen sich viele schon herum, noch bevor das eigentliche Vorstellungsgespräch überhaupt begonnen hat: Was ist, wenn ich zu spät komme? Niemand möchte den Personaler warten lassen und gleich beim ersten Eindruck unprofessionell und schlecht vorbereitet erscheinen. Selbst wenn man am Ende gar nicht die Schuld dafür trägt: Unpünktlichkeit lässt jeden Bewerber erst einmal schlecht aussehen.

    So überwinden Sie die Angst:

    Quält Sie die Angst, zum Vorstellungsgespräch zu spät zu kommen, etwa weil Sie eine längere Anfahrt haben und fürchten, im Berufsverkehr und Stau zu landen, hilft vor allem eine genaue Planung und mehr eingeplante Puffer-Zeit. Fahren Sie die Strecke schon im Vorfeld ab - zur selben Zeit am gleichen Wochentag -, um zu testen, wie lange Sie brauchen, wo Sie hin müssen, wo Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln ankommen oder wo Sie parken können. Am Interviewtag selbst, können Sie sich zusätzliche 10 bis 15 Minuten Pufferzeit einplanen und früher losfahren. Sollten Sie zu früh da sein, können Sie in einem Café in der Nähe warten (das Sie von der Testfahrt ebenfalls kennen).

  2. Die Angst vor dem falschen Outfit

    Auch so ein Klassiker: Was soll ich bloß
    zum Vorstellungsgespräch anziehen?
    Der Kleiderschrank ist zwar voller Optionen, doch scheint keine richtig passend. Das Outfit im Vorstellungsgespräch soll schließlich modern, professionell und seriös wirken, aber auch nicht langweilig, oder over- beziehungsweise underdressed. Kein Wunder, dass die Kleiderwahl vielen Bewerbern Angst macht.

    So überwinden Sie die Angst:

    Es stimmt: Kleider machen Leute. Das gilt auch im Vorstellungsgespräch. Aber es ist auch nur ein Baustein in der Bewerbung - und nicht der wichtigste. Um die Angst zu überwinden, sollten Sie zunächst rechtzeitig mit Kleiderauswahl beginnen. Am Tag des Jobinterviews festzustellen, dass die Strumpfhose eine Laufmasche hat oder der Anzug eigentlich erst noch in die Reinigung muss, sorgt - zu Recht - für Panikattacken. Mit einer klassischen Kombination aus dunklem Anzug beziehungsweise Hosenanzug oder Kostüm machen Sie aber nie etwas verkehrt. Halten Sie sich an die Tipps in unserem Dossier zum Dresscode im Vorstellungsgespräch - und Sie sind auf der sicheren Seite.

  3. Die Angst vor der Selbstpräsentation

    Sie gehört zu jedem Bewerbungsgespräch dazu: die Selbstpräsentation. Also ein flammendes Plädoyer für die eigenen Qualifikationen und die Eignung für den Job. Der Satz vom Personaler Erzählen Sie doch mal ein bisschen über sich... treibt allerdings so manchem Kandidaten Angstschweiß auf die Stirn. Eigenwerbung für sich zu machen, liegt nicht jedem. Einerseits will man sich nicht aufspielen, gleichzeitig sollte man seine Fähigkeiten und Motivation aber auch nicht klein reden. Was also tun?

    So überwinden Sie die Angst:

    Gute Vorbereitung und Übung helfen zwar, sollten jedoch nicht dazu führen, dass ein einstudierter Text abgespult wird. Das merkt der Zuhörer sofort, und es wirkt wenig authentisch. Überlegen Sie sich im Vorfeld daher die wichtigsten Höhepunkte und Erfolge der bisherigen Laufbahn, die für den Job relevant sind und die Sie hervorheben wollen. Drei bis fünf reichen schon. Diese erzählen Sie dann möglichst anschaulich. Sinnvoll ist zudem, sich an die Gliederung Ich bin... - ich kann... - ich will... zu halten.

  4. Die Angst zu versagen

    Die oben schon angesprochene Versagensangst ist eine der größten Ängste im Vorstellungsgespräch. Sollte es mit dem erhofften Job nicht klappen, haben viele das Gefühl, vollkommen gescheitert zu sein. Schon die Aussicht darauf, verursacht bei manchen schlaflose Nächte und schweißnasse Hände.

    So überwinden Sie die Angst:

    Der häufigste Ratschlag lautet: Selbst wenn es nicht klappen sollte, mach dir nichts draus. Es gibt noch andere Jobs! Das stimmt zwar, hilft aber nur zum Teil dabei, die Angst vor dem eigenen Versagen zu überwinden. Schließlich wollte man ja keine anderen Jobs, sondern den. Versuchen Sie sich eher bewusst zu machen, dass es kein persönliches Versagen von Ihnen ist, wenn Sie keine Jobzusage erhalten. Es hat eben nicht gepasst oder ein anderer Kandidat war besser. Das ist Wettbewerb, aber kein Versagen oder Scheitern. Wer weiß, manchmal bewahrt Sie das Schicksal so vor einem Fehler und manchmal hat es etwas Besseres in petto.

  5. Die Angst vor einem Blackout

    Die Horrorvorstellung vieler Bewerber ist absolute Stille im Vorstellungsgespräch. Der Personaler stellt eine Frage, schaut voller Erwartung über den Tisch und im eigenen Kopf herrscht plötzlich absolute Leere. Niemand möchte einen Blackout ausgerechnet im Vorstellungsgespräch erleben, wo man am liebsten eloquent seine Fähigkeiten und Persönlichkeit präsentieren soll. Das Problem dabei: Je mehr Angst Sie vor einem Blackout haben, desto wahrscheinlicher wird er.

    So überwinden Sie die Angst:

    Das Risiko für einen Blackout lässt sich leider nicht vollkommen eliminieren. Die Chance, dass Sie plötzlich auf dem Schlauch stehen, besteht immer. Doch es gibt zwei gute Nachrichten: Durch gründliche Vorbereitung können Sie das Risiko reduzieren. Je sicherer Sie sich fühlen, desto selbstbewusster treten Sie auf. Zweitens: Selbst wenn Sie einen Blackout haben, ist es nicht so schlimm, wie Sie befürchten. Personaler wissen um die Aufregung und erwarten keine Antworten, die immer wie aus der Pistole geschossen kommen. Wichtig ist dann, dass Sie nicht den Coolen mimen, sondern den Aussetzer verbalisieren ("Es tut mir leid, ich habe gerade einen Blackout."), die Nervosität kurz wegatmen und dann langsam den roten Faden wieder aufnehmen. Ein guter Personaler hilft Ihnen sogar dabei - der spätere Job besteht schließlich auch nicht aus Interviews.

  6. Die Angst vor falschen Antworten

    Neben dem Blackout haben viele Bewerber Angst davor, im Vorstellungsgespräch eine falsche Antwort zu geben und sich damit die Chancen auf den Job zu verderben. Sie wollen mit den Antworten glänzen - und nicht das Gefühl haben, sich anschließend dafür entschuldigen zu müssen.

    So überwinden Sie die Angst:

    Viele Fragen in Vorstellungsgesprächen wiederholen sich. Die wenigsten sind aber so angelegt, dass es darauf nur EINE richtige Antwort gäbe. Vielmehr interessiert die Personalentscheider dabei Ihre Denk- und Arbeitsweise, die Lösungskompetenz oder wie Sie hier und da mit Ihren Stärken und Schwächen umgehen. Wirklich falsche Antworten sind daher die absolute Ausnahme. Natürlichkeit, Ehrlichkeit und (geistige) Flexibilität schlagen fast immer die (scheinbar) perfekte Präsentation. Und sollte der Personaler doch nicht von Ihren Ausführungen überzeugt sein, kann dies ein Zeichen sein, dass Sie nicht zu diesem Unternehmen passen. Gut, wenn man das schon im Bewerbungsgespräch herausfindet.

  7. Die Angst vor konkreten Aufgaben

    Sie haben sich über das Unternehmen informiert, kennen Standorte, Produkte, sogar die Geschäftsführer mit Namen. Auch klassische Stressfragen und Fangfragen können Sie souverän beantworten. Doch dann entscheidet der Personaler, dass Sie Ihre angepriesenen Fähigkeiten unter Beweis stellen sollen und gibt Ihnen eine kleine Aufgabe... Plötzlich müssen Sie zeigen, was Sie wissen und können, stehen unter besonderem Druck - und natürlich geht dabei alles schief.

    So überwinden Sie die Angst:

    Zunächst einmal: Es ist wirklich die Ausnahme, wenn einem im Vorstellungsgespräch praktische Aufgaben gestellt werden, üblicher (aber auch selten) sind sogenannte Brainteaser. Die Bewerbungsunterlagen haben ja bereits überzeugend Ihre Fähigkeiten dargelegt, nun geht es darum, Ihre Persönlichkeit besser kennenzulernen und den ersten Eindruck zu bestätigen. Sollte doch eine unerwartete Aufgabe auf Sie zukommen, gilt: Nie aus der Ruhe bringen lassen, systematisch an die Aufgabe herangehen und die einzelnen Schritte erklären. Das Verbalisieren nimmt Nervosität und macht das Vorgehen nachvollziehbar. Um mehr geht es dabei gar nicht. Außerdem: Sie sind gut in Ihrem Bereich, sonst wären Sie nicht eingeladen worden. Vielleicht will der Personaler gerade auch nur sehen, wie Sie auf die Stresssituation reagieren.

[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com]



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