Immer wieder mal fragen uns Leser: Wieso habe ich so ein komisches Profilbild, wenn ich bei euch kommentiere – andere aber ein richtiges Foto? Die Antwort ist einfach: Diese Leser haben keinen Gravatar. Dabei handelt es sich um einen global verfügbaren Avatar, der mit der E-Mail-Adresse des Nutzers verknüpft wird. Ob in Blogs oder Foren – wo immer die betreffende Person dann einen Kommentar samt seiner E-Mail-Adresse hinterlässt, erscheint die damit verknüpfte Kunstfigur – also auch hier im Blog.

Seit einiger Zeit experimentiere ich mit diesem Avatar und Gravatar. Der eine Grund ist profan: Mit der Einführung der Profile auf Google+ können diese per HTML-Attribut rel=”author” mit Webseiten und Blogs verknüpft werden. Der Effekt ist erheblich, denn bei der Anzeige der Beiträge in den Suchergebnissen erscheint dann das G+ Profilbild des Autors direkt links neben dem Artikellink. Und natürlich fallen solche Links mehr auf als andere und werden auch öfter geklickt. Kurz: Es geht schlicht um SEO-Effekte.

Der zweite Grund: Ich frage mich, ob und wie dabei Fotos gegenüber Comics, die eigentlich eher Cartoons sind, abschneiden.

Cartoon oder Foto?

Avatare – ob nun auf Google+, Twitter, Facebook, in Foren oder eben in Blogs – repräsentieren. Sie sind ein möglichst reales Abbild unseres Selbst (manchmal vielleicht auch eher Wunschbild und Projektion). Sie stehen also für Authentizität und Glaubwürdigkeit. Das spricht für Fotos und gegen Cartoons, Mangas & co., die letztlich immer eine Stilisierung sind.

Andererseits lässt sich genau das Argument auch für Comic-Avatare verwenden: Gerade diese Stilisierung reduziert das Profilbild auf wenige gewollte Aussagen. Nichts lenkt ab von der Marke, die sich der Urheber damit online schaffen möchte. Das ist ebenfalls authentisch, nur zielgerichteter. Und mal ehrlich: Wird der Text dadurch wirklich unglaubwürdiger? Zig Foren sind voll mit Lilalaunebären, animierten GIFs und Katzenköpfen als Statthalter – und trotzdem tauschen sich alle vertrauensvoll miteinander aus. Am Ende ist die modern gezeichnete Ikone vielleicht doch nur ein Stilmittel – aber eines, das in einer Welt voller verwackelter Handy-Schnappschüsse, Spiegel-Selbstporträts und Instagrams deutlich mehr auffällt.

Und genau das will ich mit dem aktuellen Cartoon-Avatar herausfinden (Ergebnisse folgen).

Falls Sie übrigens auch herausfinden wollen, wie Sie als Comicfigur rüberkommen, können Sie entweder eine Art Mangafigur von sich erschaffen – kostenlos mit Faceyourmanga: Gesichtsform, Augen, Nase, Mund, Ohren, Haare, Kleidung und ein paar Extras sind hierbei frei wählbar.

Oder aber Sie lassen das Cartoonbild – wie ich das gemacht habe – von einem bestehenden Profilbild und von einem Profi abzeichnen. Besonders einfach und günstig geht das bei Fiverr.com für fünf Dollar. Ich persönlich kann diesen Anbieter empfehlen.

Fünf Fakten über Avatare

  • Vertrauenswürdig Avatare wirken umso glaubwürdiger, je deutlicher ihr Geschlecht erkennbar ist, so eine Untersuchung der Universität von Connecticut in Storrs. Damit scheiden Gegenstände und Symbole eher aus. Am vertrauenswürdigsten erschien die Person hinter dem Avatar, wenn dessen Cyberzwilling einen Anzug oder ein Kleid trug sowie Haare hatte, die ihn oder sie deutlich als Mann oder Frau kennzeichneten.
  • Selbstzufrieden Je zufriedener ein Mensch mit sich selbst ist, desto mehr ähnelt ihm sein Avatar, fanden die Medienpsychologen Sabine Trepte und Leonard Reinecke von der Hamburg Media School heraus. Wer dagegen seinem Leben eher unglücklich war, schlüpfte virtuell umso stärker in eine Phantasierolle.
  • Hilfsbereit Das Klischee stimmt: Weiblichen, attraktiven Avataren wird im Netz häufiger geholfen als anderen Kunstfiguren, ermittelte eine Studie der TU Chemnitz. Untersucht hatten die Forscher das Hilfeverhalten unter anderem im Online-Rollenspiel World of Warcraft. Dabei erhielten attraktive Avatare deutlich mehr Unterstützung (46,6 Prozent) als unattraktive (23,3 Prozent). Nur übertreiben sollte frau es damit nicht, denn…
  • Misstrauisch Sieht der digitale Doppelgäner zu sexy aus, wird die Person dahinter für weniger vertrauenswürdig gehalten. Zu diesem Ergebnis kommt indes eine Studie der Indiana Universität. Je leichter bekleidet und je üppiger die Brüste der Kunstfrau waren, desto weniger Mitgefühl zeigten die (männlichen) Versuchsteilnehmer dieser gegenüber.
  • Abhängig Computerspielsüchtige zeigen eine besonders enge Bindung zu ihrem Avatar, fand David Smahel von der Masaryk Universität im tschechischen Brünn heraus. Löst ihre Computerspielfigur zum Beispiel eine Aufgabe nicht oder verliert diese gegen andere Avatare, schämen sich die Betroffenen noch lange im realen Leben dafür.

Was das jetzt über meinen aktuellen Avatar aussagt? Das müssen Sie schon selbst herausfinden…