Macht der Gene: Erfolg im Blut

Manche Menschen werden erfolgreich – andere nicht. Ihnen steckt der Erfolg im Blut. So ist das nun mal. Das Leben ist kein Ponyhof, gerecht ist es schon gar nicht. Denken wir – und leben damit. Aber stimmt das? Zugegeben, die Diskussion dazu ist uralt: Welche Macht haben unsere Gene? Es ist die Frage, was den größeren Einfluss hat – Anlage oder Umwelt…

Macht der Gene: Erfolg im Blut

Die Macht der Gene

Anlage oder Umwelt – die Frage beschäftigt die Wissenschaft schon Jahrzehnte und in regelmäßigen Abständen werden Studien veröffentlicht, die mal die eine, mal die andere Position stärken. Dabei zeigt sich eins: Sicher ist bei dieser Frage nichts. Ob nun die Gene oder die Sozialisation ausschlaggebend für den beruflichen Erfolg sind, kann man abschließend nicht beantworten. Jedoch ist ein gewisses Talent für eine Sache mit Sicherheit von Vorteil.

Hans Lehrach, Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik, umschreibt es so:

Selbst durch hartes Training kann nicht jeder Weltmeister im Hundertmeterlauf werden. Beim einen sind dafür Muskulatur und Kreislauf bestens geeignet, beim anderen eben nicht.

Wie es aussieht, sind Vorlieben, Charakterzüge, körperliche und geistige Stärken wie Schwächen in unserem Erbgut verankert, lassen sich aber gleichzeitig durch Erziehung und Training formen – über den Umfang ist sich die Wissenschaft allerdings noch nicht ganz einig.

Zwar bescheinigen die Wissenschaftler der Umwelt einen beträchtlichen Einfluss, aber gleichzeitig deuten immer mehr Ergebnisse darauf hin, dass viele Eigenschaften weitgehend angeboren sind, ebenso die Art und Weise, wie wir mit der eigenen Gesundheit und unseren Mitmenschen umgehen.

Zwillingsforschung: Erfolg im Blut?

Unterfüttert wird dies durch die Studien von Frank Spinath. Der Psychologe an der Universität Saarbrücken ist einer der führenden Zwillingsforscher in Deutschland.

In einer zwei Jahre dauernden Studie mit 300 Zwillingspaaren stellte er zum Beispiel seinen Probanden immer wieder dieselbe Aufgabe: Sie sollten aus Papierschnipseln einen stabilen, möglichst hohen Turm bauen.

Ergebnis: Die Türme der eineiigen Zwillinge wiesen jedes Mal verblüffende Ähnlichkeiten auf – sowohl in der Bauart als auch in der Höhe. Noch eindrucksvoller fand Spinath aber, wie die Zwillinge an die Aufgabe herangegangen waren. Also ob sie sich vorher einen Plan machten oder einfach drauflos probierten, ob sie sich später ihres Erfolgs vergewisserten und den Turm nachmaßen oder ob sie anschließend ihren Tisch aufräumten. Auch hier zeigte sich bei den genetisch identischen Zwillingen ein auffällig gleiches Verhaltensmuster.

Eine Studie von Forschern des britischen St. Thomas’ Hospital in London scheint sogar zu belegen, dass selbst Unternehmergeist genetisch bedingt sein könnte.

Auch sie verglichen den Werdegang von eineiigen und zweieiigen Zwillingen. Fazit: Bei den genetisch identischen Paaren kam es signifikant öfter vor, dass beide Unternehmer wurden. Es gebe gar Hinweise, so der Londoner Genetiker Tim Spector, dass die Erbanlagen zahlreiche Faktoren beeinflussen – von der Arbeitszufriedenheit bis hin zu beruflichen Interessen. Und zwar nicht nur bei Zwillingen, sondern überhaupt bei Geschwistern.

Versöhnliche Stimmen gibt es allerdings auch: So sagt etwa Jens Asendorpf, Professor an der Berliner Humboldt-Universität mit dem Fachgebiet Persönlichkeitspsychologie:

Die Psychologie unterscheidet fünf Ebenen, auf denen Persönlichkeiten variieren. Etwa 50 Prozent der Variabilität sind den Erbanlagen geschuldet, die anderen 50 Prozent Umwelteinflüssen. Belegt durch Langzeitstudien, wissen wir: Bis zum Alter von 50 Jahren nimmt die Stabilität der genannten Dimensionen zu. Freud hatte also Unrecht: In früher Kindheit wird gar nichts festgelegt! Und selbst im jungen Erwachsenenalter ist die Persönlichkeitsbildung nicht abgeschlossen.

Immerhin.

Gene, Schulbildung, beruflicher Erfolg

Häufig hängt der berufliche Erfolg aber auch mit unserer Schulbildung zusammen. Klar, wer Abitur macht, kann Arzt werden. Mit einem niedrigeren Bildungsabschluss geht das (in der Regel) nicht.

In jüngster Vergangenheit gab es dazu wieder eine neue Studie  – mit beachtlichem Umfang. Ein Team aus internationalen Forschern hat dazu 1,1 Millionen Menschen untersucht. Dabei wurden gleich 1271 genetische Variationen identifiziert, die einen Einfluss darauf haben, welchen Bildungsstand wir erreichen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift nature.

Zwei Jahre lang untersuchte das Team aus Genetikern, Wirtschaftswissenschaftlern und Statistikern die Ergebnisse. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass bestimmte Gene mit elf Prozent daran beteiligt sind, wie lange wir zur Schule gehen und damit welchen Bildungsabschluss wir erwerben.

Allerdings steuert die Macht der Gene nicht alles. So lassen sich die Ergebnisse nur auf Menschen europäischer Herkunft übertragen. In anderen Gruppen scheinen noch weitere Faktoren eine bestimmende Rolle zu spielen. Und selbst bei den Europäern können die Gene nur bedingt vorhersagen, wie erfolgreich eine Person in der Schule sein wird.

Auch

  • der sozioökonomische Status
  • die Bildungsabschlüsse der Eltern
  • die generelle Situation in der Familie
  • der individuelle Ehrgeiz

sind bestimmende Faktoren für den Schulerfolg. Und letztlich sagt ein gutes Abitur noch nichts darüber aus, ob jemand in seinem beruflichen Leben ebenfalls erfolgreich werden wird. Das zeigen die zahlreichen Biographien erfolgreicher Menschen, die ihr Studium oder gar die Schule abgebrochen haben.

Erfolg ist mehr als gute Gene

Wir sehen also: Verschiedene Wissenschaftler kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen und gewichten den Einfluss der Gene ganz unterschiedlich. Das muss nicht schlecht sein. Ist das doch unsere Chance, durch Disziplin, Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und harte Arbeit ebenfalls erfolgreich zu werden.

Das sieht auch die Professorin für Management, Personal und Information der Universität Passau, Marina Fiedler so. Zwar spielten die erblichen Anlagen eine Rolle dabei, wie schnell und ob überhaupt jemand Karriere macht. Wichtig sind aber ebenso Rollenvorbilder im Elternhaus und in der Schule und ob Kinder und Jugendliche schon frühzeitig Verantwortung übernehmen dürfen.

Anders ausgedrückt: Erfolg lässt sich trainieren. Und zwar so:

  • Seien Sie diszipliniert



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    „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ An diesem Sprichwort ist viel Wahres dran. Die meisten von uns benötigen eine ganze Menge Disziplin, wenn Sie ein bestimmtes Ziel erreichen wollen.

    Dazu gehört übrigens auch, dass Sie Aufgaben übernehmen, die Ihnen keinen Spaß machen und anstrengend sind. Das gilt nicht nur für Hochleistungssportler. Wer in diesen anstrengenden und fordernden Situationen nicht aufgibt, sondern am Ball bleibt, hat gute Chancen, erfolgreich zu sein und zu bleiben.

  • Glauben Sie an sich

    „Nur überzeugte Menschen können überzeugen.“ Das hört man häufig in Kursen für Führungskräfte, gilt aber nicht nur für diese. Die Rechnung ist nämlich ganz einfach: Wie wollen Sie Ihren Vorgesetzten oder Kunden von sich und Ihrer Idee überzeugen, wenn Sie selbst nicht daran glauben? Genau. Das wird Ihnen nicht gelingen.

    Daher ist einer der ersten Schritte auf dem Weg hin zu beruflichem Erfolg immer der, dass Sie lernen an sich selbst zu glauben und sich etwas zutrauen.

    Halten Sie sich von Kollegen fern, die Ihnen lediglich die Gründe aufzählen, warum etwas nicht funktionieren kann. Fokussieren Sie sich auf das Positive und umgeben Sie sich mit diesen Personen. Die richtige Einstellung kann Berge versetzen.

  • Fokussieren Sie sich auf Ihre Stärken

    Wenn Sie ein Talent für eine bestimmte Sache haben, werden Sie darin vermutlich besser sein als Andere. Oder zumindest weniger Aufwand betreiben müssen, um genauso gut zu sein.

    Dazu müssen Sie jedoch erst einmal Ihre Stärken erkennen. Fragen Sie doch Freunde und Bekannte nach deren Einschätzung, was Sie besonders gut können, für welche Dinge Sie ein Talent haben und wo Ihre Stärken liegen. Wenn Sie diese erkannt haben, müssen Sie sie nur noch gewinnbringend einsetzen.

  • Legen Sie sich ins Zeug



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    Von nichts kommt nichts! Diese Redewendungen hat – wie viele andere übrigens auch – mindestens ein Körnchen Wahrheit in sich. Kurz gesagt bedeutet sie, dass Erfolg meist harte Arbeit ist und bedeuten kann, dass Sie auf andere Dinge verzichten müssen.

    Der Druck und der Stress zahlen sich allerdings aus: Wenn Sie mit harter Arbeit Ihr Ziel verfolgen, können Sie irgendwann die Früchte Ihres Erfolges genießen.

[Bildnachweis: Thomas Andreas by Shutterstock.com]
6. April 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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