Erinnern Sie sich noch an die Bewerbungen von Christine Heller (alias “Punktefrau”) und Florian Blaschke? Beide hatten mit ihrer hierzulande noch ungewöhnlichen und eindeutig kreativen Art der Bewerbung vor wenigen Wochen für Aufsehen im Netz gesorgt. Heute haben wir eine weitere Bewerbung aus der Kategorie “kreativ und einzigartig” für Sie. Der französische Produktmanager Philippe Dubost bewirbt sich aktuell mit einer eigenen Homepage um einen neuen Job. Das Besondere: Seine Seite ist dem Amazon-Design fast eins zu eins nachempfunden. Im ersten Augenblick fragt sich der Besucher tatsächlich, ob er aus Versehen auf einer Amazon-Seite statt auf einer Bewerbungsseite gelandet ist. Philippe Dubost hat jedoch nicht nur das Design von Amazon kopiert, er nutzt es auch hervorragend für die Darstellung seiner beruflichen Stärken und Qualifikationen. Eine wirklich beeindruckende Arbeit und Strategie – jedoch mit Tücken…

Bevor wir uns den Risiken zuwenden, werfen wir zuerst einen Blick auf die Bewerbung an sich. An Stelle der Nutzerbewertungen finden sich bei Philippe Dubost Kommentare von Kunden und Arbeitgebern sowie seine wichtigsten beruflichen Stationen und Erfahrungen. Die Produktbeschreibung enthält die wichtigsten Daten zu seiner Person und im Bereich “Kunden kauften auch” erfährt der Besucher, dass Philippe Dubost Marathon-Läufer ist und gerne reist. Einen klassischen Lebenslauf gibt es nicht, ein Klick auf den Kaufen-Button öffnet ein Kontaktformular und für detaillierte Angaben hat Philippe Dubost sein Linkedin-Profil verlinkt.

Hohe Spezialisierung – Chance und Risiko

All die Funktionen und Details zeigen, dass Philipe Dubost sein Handwerk versteht und wirklich viel Arbeit in seine Bewerbung investiert hat. Eine beachtenswerte Idee und Umsetzung. Doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich eine grundlegende Schwäche der Strategie: Durch die Wahl des Amazon-Designs schränkt Philippe Dubost den Kreis der potenziellen Arbeitgeber ein.

Sicher kann dieses Design auch einfach nur als kreatives Angebot verstanden werden, doch mit Amazon konkurrierende Firmen werden eine solche Bewerbung vermutlich nicht unbedingt ansprechend finden. Amazon selbst dürfte von dieser Idee begeistert sein, wenn, ja, wenn die Bewerbung sich denn überhaupt an Amazon richtet. Denn hier zeigt sich eine zweite Schwäche der ansonsten wirklich kreativen Bewerbung: Philippe Dubost lässt keinerlei Präferenzen für bestimmte Arbeitgeber erkennen. Mit keinem Wort deutet er an, welche Unternehmen für ihn wirklich interessant sein könnten.

Natürlich wird allein die Art der Bewerbung einiges an Aufmerksamkeit erzeugen und für manches Unternehmen dürften die gezeigten Fähigkeiten interessant genug sein, um sich bei Philippe Dubost zu melden. Dennoch wäre ein Hinweis für potenzielle Arbeitgeber wünschenswert.

So kreativ die Bewerbung auch ist: Ohne eine inhaltlich klare Ausrichtung legt das Design den Schluss nahe, dass Amazon der Arbeitgeber der Wahl sein dürfte. Andere Firmen könnten durch das Design eher abgeschreckt werden, vor allem wenn sie direkt mit Amazon konkurrieren.

Deutsche Bewerber sollten zudem bedenken, dass so manches deutsche Unternehmen über eine in seinem Firmendesign erstellte Bewerbungshomepage nicht unbedingt glücklich sein dürfte. Im Zweifelsfall kann daraus nicht unerheblicher urheberrechtlicher Ärger entstehen.

Unser Fazit: Eine hervorragend umgesetzte und wirklich kreative Bewerbung, die durch die Wahl des Designs und durch fehlende inhaltliche Klarheit jedoch auf das eine oder andere Unternehmen abschreckend wirken könnte. Eine so starke Design-Fokussierung auf ein spezifisches Unternehmen sollten sich Bewerber gut überlegen.

Nachtrag

Philippe Dubost hatte mehrere internationale Jobangebote und hat sich inzwischen für einen Posten in New York entschieden.