Wir leben im Zeitalter der Inszenierung und der medialen Selbstdarstellung. Unsere öffentliche Reputation wird damit zum entscheidenden Teil unserer Persönlichkeit. Oder anders formuliert: Wir sind, wer wir in den Augen der anderen sind. Und das kann zum Problem werden, vor allem, wenn die Leute darüber reden, schreiben, bloggen. Was man sich über uns erzählt, prägt entscheidend unseren Ruf: Kann man dem vertrauen? Ist er kompetent, sympathisch, ehrlich? Welche Freunde hat er? Hat er Einfluss und Macht? Im Englischen heißt solches Gerede kurz Buzz. Und das Internet ist ein gigantischer Buzz-Verstärker:
Schon heute lassen sich aus den virtuell gewonnenen Informationen umfangreiche Lebensläufe zimmern – per Knopfdruck und spezieller Suchmaschinen. Und je mehr im Netz über jemanden zu lesen ist, desto mehr entsteht daraus ein glaubhaftes Bild, das mit der Realität wenig gemein haben muss. Womöglich ist es nur ein Ausschnitt seiner Persönlichkeit, vielleicht sogar nur Fiktion. So vermischt sich zunehmend der Ruf in der digitalen und der realen Welt – und haftet den Betroffenen ein Leben lang an. Das Internet vergisst nie.
Deshalb: Pflegen Sie Ihr Image im Netz, bevor es andere ruinieren! Wer sich im modernen Mitmachweb richtig präsentiert, die richtigen Leute kennt und mit seinem Namen eine durchgängige wie glaubhafte Geschichte verbindet, kann sein Image deutlich verbessern und Karriere machen. Wie das geht? In fünf Schritten:
1. Eigenrecherche
Wer seinen Ruf verbessern will, muss ihn erst einmal kennen. Zum Standardrepertoire gehört, den eigenen Namen bei den üblichen Suchdiensten (Google, Yahoo, MSN, Ask) einzugeben (Vor- und Nachname in Anführungszeichen). Wessen Name Umlaute enthält, sollte nach beiden Schreibweisen suchen – also: „Peter Müller“ und „Peter Mueller“. Vergessen Sie auch nicht die Variante „Müller, Peter“.
Die meisten Namen ergeben jedoch Hunderte Treffer. Eingrenzen lässt sich die Suche, indem Stichwörter wie Wohnort, Beruf, aktueller Arbeitgeber oder E-Mail-Adresse ergänzt werden. Eben alles, was ein neugieriger Personalchef oder ein entfernter Bekannter über einen wissen könnte. Das gilt auch für verwendete Spitznamen. Gefährlich werden diese „Nicknames“ dann, wenn sie an einer Stelle mit dem Klarnamen in Verbindung gebracht werden – etwa durch einen unachtsamen Freund. Dann ist die Tarnung futsch.
Anschließend sollte der Suchradius auf Bilder oder Videos erweitert werden. Bei Google geht das komfortabel, indem man über dem Suchfeld die Rubrik „Bilder“ anklickt und danach sämtliche Namen-Kombinationen durchspielt. Blinkx wiederum wertet bereits Videos und Podcasts nach Stichwörtern aus – und zwar nach Gesprochenen. Die Software ist in der Lage, erwähnte Begriffe zu indexieren. Es reicht also schon ein Party-Video mit dem Satz: „Guck mal, der Frank Meier (fiktiver Name!) ist schon wieder besoffen…“, damit der Clip mit dem Partylöwen nachhaltig in Verbindung gebracht wird. Ein echter Imagekiller!
Für Leute, die schon länger im Netz aktiv sind, empfiehlt sich auch eine Art Vergangenheitsbewältigung: Archive wie Wayback finden sogar noch Daten, die vor Jahren auf längst vergessenen Servern landeten. Also prüfen!
2. Web-Präsenz
Der virtuelle Ruf hängt entscheidend davon ab, was Suchmaschinen zuerst beim eigenen Namen auflisten. Das sollte entsprechend positiv sein. In der Regel werden Web-Seiten, die mit anderen Einträgen stark verlinkt sind sowie viele und häufig wechselnde Inhalte anbieten weiter oben gelistet. Deswegen werden zum Beispiel Blogs, aber auch Profile in Online-Clubs bevorzugt.
Man kann den Suchmaschinen aber auch Relevanz vortäuschen und damit gewünschte Einträge weiter nach oben puschen. Der erste Schritt dazu: Ein Eintrag in einem sozialen Netzwerk. Gefunden werden diese Einträge jedoch erst, wenn man sein Profil öffentlich macht. Der zweite Schritt ist dann, sich (mindestens) eine eigene Domain zuzulegen – zum Beispiel „petermueller.de“. Wer dort (noch) keine eigenen Inhalte hinterlegen will, kann die Seite vorläufig auf sein Profil in einem Online-Club umleiten lassen. So steigt dann wenigstens dessen Verlinkungsgrad.
Was aber macht jemand mit einem Allerweltsnamen? Zwei Alternativen (die auch kombiniert werden können): Registrieren Sie sich bei möglichst vielen sozialen Netzwerken (wie Flickr, del.icio.us, Mister Wong, Facebook, Myspace, …) und verlinken Sie diese Profile untereinander – vor allem aber verlinken Sie möglichst prominent Ihre Hauptseite. Auch das erhöht den Rang in den Suchlisten. Zudem werden zu Ihrem Namen weit vorne Ihre eigenen Einträge gefunden. Noch besser gelingt dies in modernen Personensuchmaschinen, wie Spock oder Zoominfo. Diese werten nicht nur Netzfundstücke aus, sondern erlauben angemeldeten Nutzern auch Einträge über sich selbst zu verfassen. Folge: Gefunden wird als erstes, was Sie selbst geschrieben haben.
Der Haken: Die Strategie funktioniert nur bei den Ersten. Die Domain petermueller.de kann ja auch nur einer besitzen. Die Alternative ist deshalb die Positionierung über ein Thema. Überlegen Sie sich ein oder mehrere Stichworte, die mit Ihrem Namen in Verbindung stehen sollten. Aber bitte nicht „Management“, das ist zu allgemein! Diese Suchbegriffe sollten dann in allen Profilen von Ihnen prominent auftauchen. Besser noch, Sie publizieren darüber einige Fachartikel im Netz oder gar ein eigenes Blog. Denn das sorgt für mehr…
3. Prominenz
Eine Suchmaschinen optimierte Online-Präsenz wirkt wie ein Schutzschild, dass unliebsame Einträge auf Distanz hält. Vermeiden lassen sie sich allerdings nie. Deshalb ist umso wichtiger, eine wachsende Zahl positiver Einträge dagagen zu setzen – und diese zu einer möglichst omnipräsenten und glaubwürdigen Geschichte über Sie zu verbinden. Wer nach Ihrem Thema sucht, sollte Ihren Namen in einschlägigen Foren, Fachblogs und Online-Magazinen finden. Deshalb überlegen Sie sich, wofür Sie stehen wollen: Was können oder wissen Sie besser als andere? Welche Kompetenzen bringen Sie mit? Dann engagieren Sie sich.
Achten Sie aber auch auf den Ort Ihres Engagements. Wie heißt das Forum? Wer ist noch dort? Ist es die erste Adresse für Ihr Thema? Nicht möglichst viele, sondern die richtigen Freunde um sich zu scharen, steigert die Reputation. Zum anderen erhöhen sie die Glaubwürdigkeit des eigenen Profils: Wer Kollegen und Branchenkenner in seinem Netzwerk vereint, wird bei seinen Kompetenzen wohl kaum mogeln. Und: Auch die Häufigkeit der Kommentare sowie die Art der Äußerung sprechen Bände. Wer ständig und zu allem seinen Senf dazu gibt, hat vielleicht sonst nichts zu tun!
Zudem ist es wichtig, im Netz überwiegend positive Aussagen zu machen und mit Kritik sparsam zu sein. Denn Negatives fällt immer auf einen zurück und wirkt, je öfter es solche Äußerungen später gefunden werden, enorm rufschädigend. Merke: Kaum einer liest sich alle Forenbeiträge durch – wohl aber die Aussagen der gesuchten Person.
4. Erwartungen
Reputation hat immer etwas mit Erwartungen zu tun. Diese sind jedoch abhängig vom Alter, dem Geschlecht, der jeweiligen Position oder der Branche, in der einer arbeitet. Oft sind das Schablonen. Für ein gutes Image ist aber dennoch wichtig, diesen mehrheitlich zu entsprechen. Aus der Sympathieforschung ist heute bekannt, dass wir Menschen mehr mögen und positiver beurteilen, je ähnlicher sie uns und unseren Erwartungen sind. „Allenfalls kleinere Irritationen und Rollenabweichungen, wie eine persönliche Marotte, sind zulässig“, sagt die Reputationsforscherin Wieseneder. Das hebt von der Masse ab und macht ebenfalls sympathisch – aber nur, solange es im Rahmen bleibt. Eine individuelle Note ist okay, übertreiben Sie es aber bitte nicht!
5. Eigenrecherche – immer wieder
Wer an seiner Reputation arbeiten will, muss das ständig tun. Weder der Ruf noch das Internet sind statische Gebilde. Das kann bedeuten, alle hier aufgeführten Schritte zu wiederholen und sein Profil immer wieder zu überarbeiten oder seinen Auftritt neuen Erwartungen – etwa bedingt durch einen Jobwechsel – anzupassen.
Natürlich reicht es zuweilen, passiv zu bleiben, und erst an seinem Image zu feilen, wenn Kritiker laut werden. Aber das dauert und man bleibt bis dahin blass und angreifbar. Besser fährt, wer sich eine selbstgewählte Identität frühzeitig zulegt und diese regelmäßig pflegt. Es ist wie immer im Leben: Reagieren reicht. Wer aber weiterkommen will, muss aktiv werden.
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SaschDaily
Das sind alles sehr gute Schritte, die ich nur unterschtreichen kann. Dennoch ist es extrem schwer, Einträge, die in der Vergangenheit entstanden sind, aus den Suchmaschinen zu entfernen. Wer früher im Web sehr aktiv war und plötzlich eine Beförderung erfährt, der muss erst einmal heftig anfangen, seine Vergangenheit, die vielleicht Informationen enthält, die nicht unedingt förderlich sind und einen angreifbar machen könnten, aufzuräumen. Das ist ein schier endloses Unterfangen… Leider habe ich bisher noch nichts gefunden, was einen da unterstützen könnte.
Jochen Mai
Vielleicht hilft dir das HIER weiter…
echte-abzocke
“Registrieren Sie sich bei möglichst vielen sozialen Netzwerken”
Damit bin ich nicht ganz einverstanden. Denn dieser Schritt kann sehr schnell in die falsche Richtung losgehen, denn 1. haben “Gegner” viel mehr Angriffsfläche und 2. werden diese Informationen sehr schnell für Werbezwecke missbraucht.
Dazu lässt sich, was ja eigentlich auch teilweise der Sinn ist, sehr schnell ein größeres Profil zusammen stellen mit Informationen die man eigentlich nicht verbreitet haben möchte.
Jochen Mai
@abzocke: Falsch. Angriffsfläche haben Gegner dort nicht, denn dort können i.d.R. nur Freunde kommentieren und je mehr Seiten sich untereinander verlinken, desto besser der Rang in den Trefferlisten. Will heißen: Angriffe auf anderen Seiten werden weiter unten gelistet. Zudem veröffentlichen Sie dort ja nur “nützliche” Informationen. Sollen die Leute doch ein Profil von Ihnen daraus ableiten – das ist ja sogar das Ziel. Nur ist es ein Profil, dass Sie selbst steuern!!! Und mal ehrlich: Den Werbemist bekommen Sie auch so – ob Sie nun Mitglied bei den Netzwerken sind oder nicht. Ich bin bei ziemlich vielen SN registriert und bekomme unmerklich mehr Mails, mehr aber auch nicht.
Michael Koch
Bleibt die Frage:
“Wer hat den besten Ruf der Welt?”
“Mal was liebes – Grüße Michael”
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