Es war ein simples Experiment, das Robert Emmons und Michael McCullough 2003* entwarfen: Sie teilten eine Gruppe von Probanden, die einen ließen sie ein paar Minuten darüber nachsinnen, wofür sie in ihrem Leben dankbar sind, die anderen sollten einfach an irgendetwas denken. Diese kurzen Reflektionsübungen wiederholten die Forscher jede Woche, zehn Wochen lang. Das Ergebnis des Versuchs überraschte jedoch selbst die Wissenschaftler: Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten die Dankbaren über den gesamten Zeitraum des Experiments mehr Motivation, mehr Optimismus und selbst ihre Gesundheitswerte und die Immunabwehr verbesserten sich. Kurz: Ein paar dankbare Gedanken machten die Probanden glücklicher und gesünder.
Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg, und viel zu selten wird darüber nachgedacht. Heute feiern die USA Thanksgiving, das amerikanische Erntedankfest. Das ist wenigstens ein Anlass. Wobei es keine großen Feste braucht, um sich ab und an in Dankbarkeit zu üben.
Denken Sie etwa an die Geschichte von Rafael J. Hernandez. Eines Tages verlor er seinen Job bei einer Agentur. Das allein wäre nicht erwähnenswert, das kommt vor, in diesen Zeiten sowieso. Doch Hernandez entschied sich, über die Kündigung nicht narzistisch gekränkt zu sein und wutschnaubend davon zu ziehen. Nein, er schrieb seinem Ex-Boss einen Brief – und zwar einen sehr netten. Darin bedankte er sich für die Chance, für diese Agentur eine zeitlang arbeiten zu dürfen, für die gute Zeit und die vielen Dinge, die er dabei gelernt hatte. Der Brief verfehlte nicht seine Wirkung: Über seine ehemaligen Kollegen hörte Hernandez, dass sich sein ehemaliger Chef über so viel menschliche Größe und das nette Lob sehr gefreut hätte. Deswegen bekam er den Job zwar nicht zurück, blieb aber in positiver Erinnerung. Und tatsächlich: Jahre später – Hernandez arbeitete für eine andere Agentur und wurde wieder arbeitslos – meldete sich sein Ex-Chef bei ihm. Sein Brief blieb ihm über all die Jahre im Gedächtnis und nun wollte er ihm einen neuen Job anbieten, sogar zu besseren Konditionen. Simples Dankeschön – große Wirkung.
Umgekehrt gibt es zum Beispiel Menschen, die stöhnen über zu viel Arbeit und zu wenig Gehalt. Und sehr oft behaupten sie, dass sie zufriedener wären, wenn sie mehr Geld hätten. Für sie ist das Gras nebenan immer grüner, der Himmel blauer und das Auto des Nachbarn sowieso viel schöner. Derlei Undank ist gefährlich. Schon Goethe betonte, er habe nie gesehen, „dass tüchtige Menschen undankbar gewesen wären“. Und die Geschichte gibt ihm recht: Nicht diejenigen, die viel hatten, waren die Erfolgreichen, sondern die Dankbaren. Kein Mensch wird für künftige Erfolge dankbar sein, wenn er das nicht schon bei gegenwärtigen sein kann.
Mehr noch: Undank kann sogar zum Karrierekiller werden. Damit ist nicht das fehlende „Dankeschön“ gemeint, falls der Kollege einen Kaffee ausgibt, die Tür aufhält oder erklärt, wie man auf einem Siemens-Telefon eine Rufumleitung programmiert. Bei Undank geht es um mangelnde Erkenntlichkeit – und die unterscheiden Karrieretrainer in zwei Arten: fehlende Dankbarkeit für Unterstützung – und Vergesslichkeit.
Der erste Punkt ist ein Klassiker. Selbst Genies sind bisweilen auf die Hilfe anderer angewiesen. Sei es, dass diese sie mit nützlichen Informationen versorgen, sie rechtzeitig warnen oder aktiv protegieren. Je mehr Mentoren einer hat, desto besser. Ein funktionierendes Beziehungsnetz wirkt wie ein Karriereturbo. Es wird aber auch leicht zum Killer, wenn man es sich mit seinen Kontakten verscherzt. Und das geht ganz leicht: Einfach den Erfolg ans eigene Revers heften und verschweigen, dass daran andere beteiligt waren.
Vergesslichkeit wiederum wiegt noch schwerer. Kein Mensch erwartet eine sofortige Gegenleistung für einen Gefallen. Nur wer diese Schuld vergisst, der betreibt Selbstsabotage erster Güte. Undank ist kein Kavaliersdelikt, sondern der grobe Verstoß gegen ein ehernes Berufsgesetz: Eine Hand wäscht die andere.
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* Emmons, R.A. & McCullough, M.E. (2003): “Counting blessings versus burdens: An experimental investigation of gratitude and subjective well-being in daily life”. Journal of Personality and Social Psychology, 84, 377-389







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