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Reden wir über Faulheit. Es gibt Kollegen, die sind so faul, dass sie sich am liebsten noch künstlich beatmen ließen. Geschweige denn einen ganzen Satz zu Ende... Sie sind Meister der Ausrede, kommen stets zu spät, sind schlampig, häufig krank (wegen Lappalien), äußern ab und an Ideen, die sie aber nie umsetzen. Denn was du heute kannst besorgen, geht auch noch übermorgen. Kurzum: Wir haben es hier mit der Berufsgattung des Faulancers zu tun. Ein Profi in Sachen Zeitverschwendung und Erholung. Doch stimmt das so?

Faulheit ist eine schwierige Disziplin

Faulheit ist die Kunst, sich auszuruhen, bevor man müde wirdNein, stimmt nicht. Wahr ist aber: Allgemeine Umtriebigkeit ist heute en vogue. Wo sieht man denn heute noch Menschen, die einfach nur rumstehen oder rumsitzen, den Menschen beim Vorbeigehen und Ihren Gedanken beim Verklären zusehen? Stattdessen wird sofort das Smartphone gezückt, E-Mails gecheckt und anschließend ein Selfie geschossen. Die Timeline könnte verdächtig inaktiv wirken.

Tempi passati. Noch im Mittelalter galt die Faulheit nicht als unnützer Makel, sondern als Privileg. Eines, das vor allem dem Adel vorbehalten war. Doch schämen musste sich keiner dafür. Nicht mal der Bettler oder Minnesänger.

Heute indes sind wir verrückt nach Arbeit. Wir bekämpfen Faulheit und versuchen sie zu besiegen, wo wir nur können. Und Schuld daran sind die Industrialisierung und die Moral. Mit der Reformation und der zunehmenden Produktivität avancierte die Beschäftigung zur Tugend und der Faulenzer zum sündigen Tunichtgut. Schon Martin Luther schimpfte: "Von Arbeit stirbt kein Mensch, aber von Ledig- und Müßiggehen kommen die Leute um Leib und Leben; denn der Mensch ist zum Arbeiten geboren wie der Vogel zum Fliegen." Und als er noch Kanzler war wetterte Gerhard Schröder: "Es gibt kein Recht auf Faulheit." Man könnte auch sagen: Das süße Nichtstun - es ist uns inzwischen höchst verdächtig, fast wirkt es gar parasitär.

Woher die Faulheit kommt

Doktor Allwissend erklärt es uns...

Faule Kollegen? Faulheit bekämpfen unnnötig!

Keine Frage, Faulenzer, Liegenlasser und Aussitzer im Kollegenkreis sind ein personifizierter Betriebsunfall, ein perpetuum scandalum – ein fortwährendes Ärgernis. Sie machen den Job nicht besser und lassen andere für sich buckeln. Natürlich völlig gewissenlos und tiefenentspannt.

Gerade die Teamarbeit ist für viele eine Einladung zur Faulheit: "Toll ein anderer macht's", so die Übersetzung des Akronyms TEAM (siehe Kasten unten: Ringelmann-Effekt). Doch wo Schatten ist, muss es auch Licht geben. Und tatsächlich, man kann der Faulheit dieser Kollegen sogar gute Seiten abgewinnen. Auf Anhieb fallen uns gleich sieben dazu ein...

  1. Sie lassen Sie besser aussehen.

    Alles ist relativ. Das gilt nicht nur für Einstein’sche Theorien, sondern auch für Leistung. Neben einem Faulpelz sieht selbst jemand, der Dienst nach Vorschrift tut, noch fleißig aus. Und unter Blinden ist der Einäugige König. Je mehr Nichtstuer Sie also umgeben, desto mehr werden Sie Ihrem Boss als echtes Arbeitstier auffallen.

  2. Sie beschleunigen Ihren Aufstieg.

    Dummies und Nichtsnutze werden Ihnen zahlreiche Gelegenheiten schenken, deren Fehler auszubügeln, ein Projekt zu retten und dabei erste Führungsaufgaben wahrzunehmen. Sehen Sie das als Trainingsplatz. Ihr Chef wird es genauso sehen.

  3. Sie dienen als warnendes Beispiel.

    Vielleicht war der Kollege nicht immer so faul. Erst Routine, Langeweile und Phlegma formten aus ihm den tumben Taugenichts, der er heute ist. Wollen Sie auch so werden? Falls nicht, dann nehmen Sie seine Attitüde als heilsame Abschreckung. Und bekämpfen Sie den Alltagstrott.

  4. Sie sind keine Konkurrenz.

    Eine derartige Drohne würde eine Chance nicht einmal erkennen, wenn sie ihm die Hand schütteln würde. Geschweige denn ergreifen – zu viel Arbeit. Umso besser für Sie! So warten alle Gelegenheiten auf Sie allein.

  5. Sie reduzieren den Druck.

    In besonders arbeitsscheuen Teams heißt es irgendwann: "Langsam, junger Kollege! Du bringst die ganze Schicht aus dem Trott." Sie müssen sich von solchen Leerlaufrhythmikern zwar nicht gleich ausbremsen lassen, aber Sie brauchen sich auch nicht gerade verausgaben, um positiv aufzufallen – etwa in Nebenprojekten.

  6. Sie sind gute Informanten.

    Wenn es eine Sache gibt, die der Tunichtgut beherrscht, dann ist es Auskundschaften. Etwa Wege, wie man noch mehr Arbeit vermeidet. Oder welche Rechte Arbeitnehmer haben. Oder was gerade so im Betrieb passiert. Alles hilfreiche Informationen, die faule Kollegen bereitwillig teilen: zu irgendwas wollen schließlich auch sie nützlich sein – und womöglich schaffen sie sich so einen Verbündeten.

  7. Sie sind gute Multiplikatoren.

    Umgekehrt: Wenn es eines gibt, was Faulpelze hassen, dann Aufsteiger. Sie lassen sie noch träger und leistungsschwächer aussehen. Sollten Sie also in den Genuss einer Beförderung kommen, erzählen Sie das beiläufig Ihrem faulen Kollegen. Der mag Sie dann zwar nicht mehr, sorgt aber dafür, dass Ihr Aufstieg schnell die Runde macht.

Von dem Microsoft-Gründer und Multimilliardär Bill Gates wird sogar überliefert, er würde immer eine faule Person einstellen, um einen schwierigen Job zu machen. Der simple Grund: Faule Menschen suchen stets den einfachsten und kürzesten Weg, ein Problem zu lösen. Das spart Zeit und erspart dem Unternehmen langwierige, umständliche Methoden.

Und es stimmt natürlich auch: Neben den oben schon beschriebenen Vorteilen neigen chronisch Faule durchaus dazu Abkürzungen zu finden, unterfordernde Arbeiten elegant zu delegieren und Projekte effizienter zu erledigen als andere. Darin taugen Sie durchaus als Vorbild.

Der Ringelmann-Effekt: Das Phänomen des Social Loafings

Teamarbeit gilt in vielen Unternehmen als Allheilmittel: Ob Betriebsklima oder Arbeitsqualität - kaum etwas, dass durch Teamarbeit nicht noch verbessert werden könnte. Ein Hauptargument der Teamarbeit ist dabei immer die Steigerung der Produktivität. Aber stimmt das wirklich?

Bereits in den 1880er Jahren entdeckte der französische Agraringenieur Maximilian Ringelmann einen erstaunlichen Zusammenhang, als er die Effizienz der Arbeit von landwirtschaftlichen Maschinen und Menschen testen wollte. Dafür zogen Studenten erst alleine und dann in immer größeren Gruppen eine Last und Ringelmann untersuchte, mit welcher Kraft die einzelnen Probanden zogen.

Die gemessenen Zahlen verblüfften damals genauso wie heute:

  • Alleine zog jeder Student mit durchschnittlich 63 Kilogramm.
  • Zu zweit sank die Kraft des Einzelnen auf 59 Kilogramm.
  • In einer Siebenergruppe betrug die durchschnittliche Kraft eines Einzelnen gerade mal 31 Kilogramm.

Was Ringelmann damit zeigen konnte: Die individuelle Leistung nimmt mit zunehmender Zahl der Gruppenmitglieder ab - voilà, der Ringelmann-Effekt war geboren.

Weitere Untersuchungen und zahlreiche Experimente beschäftigten sich seitdem mit diesem Phänomen, das 1979 auch den Namen "Social Loafing" erhielt - soziales Faulenzen. Inzwischen wurden einige Faktoren ermittelt, die diese Gruppen-Faulheit fördern:

  • Die Gruppengröße. Die Arbeit eines Einzelnen fällt automatisch auf diesen zurück und führt zu einer Beurteilung. Je größer aber die Gruppe ist, desto leichter ist es für den Einzelnen, sich zu verstecken. Wenn das Gefühl entsteht, dass die eigene Leistung nicht direkt messbar ist, fehlt der Anreiz diese in vollem Umfang zu erbringen.
  • Die Teamzusammensetzung. Ist das Leistungsgefälle in einem Team zu groß, hat dies negative Auswirkungen auf das Gesamtergebnis. Die weniger leistungsstarken Mitarbeiter ruhen sich dann auf den Leistungen der Stärkeren aus und vertrauen darauf, von diesen mitgetragen zu werden.
  • Keine Leistungs- und Fortschrittskontrollen. Für die Teamarbeit ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Mitarbeiter den Sinn ihrer einzelnen Aufgaben kennen. Wer nicht nachvollziehen kann, wie seine Arbeit zum Gesamtergebnis des Teams beiträgt, ist häufig nicht bereit, sein Bestes zu geben.

PS: Wissen Sie, wie produktiv Ihr Team ist? Dann machen Sie doch HIER einen kleinen Test dazu.

Typologie der Faulenzer: Faulheit besiegen im Büro

Doch Faulheit ist nicht gleich Faulheit. Es gibt viele unterschiedliche Arten von Faulenzern, die Ihnen im Büro über den Weg laufen und die Sie besiegen können - bei anderen. Wir haben die gängigsten Typen für Sie zusammengefasst und erklären Ihnen, wie Sie mit diesen umgehen.

Der Zuspätkommer

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Beschreibung der Faulheit

Ob morgens zum Arbeitsbeginn oder zum 14 Uhr Meeting - dieser Typ kommt einfach immer zu spät. Während alle anderen schon arbeiten, schlendert er ins Büro, macht sich noch in Ruhe einen Kaffee und begibt sich dann gemütlich in Richtung Schreibtisch. Eine Ausrede für sein Zuspätkommen hat er immer parat, doch nachvollziehen, warum seine Unpünktlichkeit die anderen stört, kann er überhaupt nicht. Besonders unangenehm für die Kollegen, denn der Zuspätkommer ist in einigen schwierigen Fällen auch gleichzeitig ein Zufrühgeher.

Sein Lieblingssatz

Ich bin doch schon da.

So gehen Sie mit ihm um

Appellieren Sie an sein Verantwortungsbewusstsein. Da er seinen Fehler bisher nicht einsieht, liegt hier Ihr Anknüpfungspunkt. Zeigen Sie ihm, welche Erwartungen andere an ihn haben und wie sein Verhalten dazu führt, dass er die Erwartungen nicht erfüllen kann. Ebenfalls kann es helfen, ihm die möglichen Konsequenzen seiner Unpünktlichkeit und der damit einhergehenden Unzuverlässigkeit aufzuzeigen.

Der Schnorrer

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Beschreibung der Faulheit

Ihm gefällt es am besten, wenn andere die Aufgaben für ihn erledigen. Die Vorbereitung der Präsentation, die Abrechnung des letzten Projekts oder die Hotelreservierung für den Betriebsausflug - ein wahrer Schnorrer findet in jeder Situation einen Kollegen, der ihm den Arbeitstag erleichtert und eine Aufgabe für ihn erledigt. Seine beliebtesten Mittel hierfür sind Schmeichelei oder die Mitleidsmasche.

Sein Lieblingssatz

Ich bräuchte da mal deine Hilfe...

So gehen Sie mit ihm um

Bei einem Schnorrer hilft am besten: Sagen Sie Nein. Solange er keinen Gegenwind spürt, wird ein Schnorrer immer weiter machen, da sein Verhalten für ihn nur positive Auswirkungen zu haben scheint. Die zweite Möglichkeit: Fordern Sie konsequent Gegenleistungen für Ihre Unterstützung. Fragen Sie selbst nach Hilfe bei einem Ihrer Projekte, wenn Sie im Gegenzug dem Schnorrer helfen. Dann geht seine Rechnung nicht mehr auf.

Das Alphatier

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Beschreibung der Faulheit

Ein typisches Alphatier ist charismatisch, selbstbewusst und eine Führungspersönlichkeit. Doch diese scheinbar positiven Eigenschaften können dazu führen, dass ein Alphatier lieber Aufgaben delegiert und andere für sich arbeiten lässt, anstatt selbst etwas zu erledigen. Oft schätzt dieser Typ sich als zu gut ein, um in einer ausführenden Rolle tätig zu werden. Er sieht sich eher als Leiter und Strippenzieher im Hintergrund.

Sein Lieblingssatz

Ich habe schon mal geplant, wer von euch welche Aufgaben übernimmt.

So gehen Sie mit ihm um

Ein Alphatier zu ändern, ist keine leichte Aufgabe, da es sich typischerweise überlegen und im Recht fühlt. Gerade im Team sollten Sie sich zusammenschließen und gemeinsam das Gespräch mit der betroffenen Person suchen. Versuchen Sie denjenigen dabei nicht in eine Verteidigungsposition zu zwängen, da dies oft zu einer Trotzreaktion führt. Auch sollte in jedem Fall darauf geachtet werden, dass sich nicht mehrere Alphatiere im selben Team befinden. Dies führt zwangsläufig zu Streit und Unmut.

Der Abstauber

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Beschreibung der Faulheit

Ein besonders unangenehmer Zeitgenosse, da er nicht nur durch Faulheit auffällt, sondern sich auch noch mit fremden Federn schmückt. Um dies zu erreichen, nutzt er beispielsweise seine höhere Position, wie ein Abteilungsleiter, der dem Management eine Präsentation vorstellt, die einer seiner Angestellten für ihn angefertigt hat. Dabei ist der Abstauber ein Experte darin, die Ergebnisse anderer als seine eigenen zu verkaufen.

Sein Lieblingssatz

Schön, dass Ihnen meine Arbeit gefällt.

So gehen Sie mit ihm um

Eine Konfrontation ist heikel. Wollen Sie es sich doch nicht mit dem höher gestellten Kollegen oder Vorgesetzten verscherzen. Äußern Sie stattdessen Ihre besten Ideen unter Zeugen, zum Beispiel in Sitzungen. Dann ist der Ideenklau zu riskant für den Abstauber.

Der Bremser

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Beschreibung der Faulheit

Ihm fehlt es an jeglicher Motivation, seine Aufgaben zu erledigen. Vor allem in seinem Arbeitstempo schlägt sich diese Einstellung nieder. Jede noch so kleine Aufgabe wird erstmal aufgeschoben. Rafft der Bremser sich dann doch auf, wenn er mehrmals daran erinnert wurde, dass die Deadline bald ansteht, macht er sich gemütlich ans Werk und aus einer kleinen Aufgabe wird schnell ein ganztägiges Programm. Gerade Teamleiter haben es nicht leicht, da der Bremser gerne versucht, seine Kollegen auf sein Arbeitstempo runter zu ziehen. Achtung: Diese Faulheit steckt an.

Sein Lieblingssatz

Alles zu seiner Zeit.

So gehen Sie mit ihm um

Zuerst ist es wichtig, sich nicht von seinem Arbeitstempo oder seiner Motivationslosigkeit anstecken zu lassen. Dies würde den Bremser nur in seinem Verhalten bestätigen. Versuchen Sie stattdessen, seine Motivation wieder aufzubauen. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten und dem Bremser, um die Gründe der Antriebslosigkeit zu beseitigen. Sobald die Motivation zurückkehrt, werden auch der Arbeitswille und die Leistungsbereitschaft wieder steigen.

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[Bildnachweis: Ollyy, racorn, Ryan Jorgensen - Jorgo, Helder Almeida, alphaspirit,
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