Kommen solche Gedanken nur ab und an vor, ist das nicht weiter erwähnenswert. Das passiert jedem von uns. Es gibt aber auch die chronische Aufschieberitis, das gewohnheitsmäßige Vertagen von Aufgaben, die erledigt werden müssen. Das ist eine Krankheit: Prokrastination nennt sie die Wissenschaft. Sie wird seit Mitte der Achtziger Jahre erforscht. Bei Untersuchungen von Psychologen aus Deutschland und den USA kam heraus, dass weltweit fast jeder Fünfte von diesem Phänomen betroffen ist. Der US-Psychologe Joe Ferrari von der DePaul University in Chicago ist einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet und sogar der Meinung, dass chronische Aufschieber nur durch eine Verhaltenstherapie geheilt werden. Wobei Wissenschaftler zunächst zwischen zwei Typen unterscheiden:
Das Kernproblem vieler Aufschieber aber ist: Sie haben Schwierigkeiten Prioritäten zu setzen und leiden unter latenten Minderwertigkeitsgefühlen. Fälschlicherweise setzen sie Erfolg mit Selbstwert gleich. Um dieses Gefühl zu erreichen, brauchen sie häufige und kurzfristige Erfolgserlebnisse. Sind die Aufgaben aber scheinbar zu groß, liegen diese subjektiv zu weit entfernt. Also ziehen sie kleinere Aufgaben vor (Aufräumen, Abwaschen, …), weil die eine schnelle Belohnung versprechen. Außerdem: Wer über zu viel Arbeit klagt, erntet meistens Mitgefühl.
Keine Frage, Aufschieben hat auch Vorteile: Manche Aufgaben erledigen sich tatsächlich von alleine. Andere erledigen sich nach einiger Zeit leichter, weil man bis dahin bessere Informationen darüber hat. Und wieder andere Beinahe-Entscheidungen stellen sich im Lauf der Zeit als gefährliche Irrtümer heraus. Gut also, dass man nichts unternommen hat! Langfristig aber sorgt Prokrastination für Frust, weil man nicht mehr schafft, was man sich vornimmt und bald an Leistungsfähigkeit und Selbstwert zweifelt. Dann beginnt ein Teufelskreis aus Aufschieben, Überforderungs- und Minderwertigkeitsgefühlen.
- Beginnen Sie sofort.
Zum Beispiel jetzt! Die 72-Stunden-Regel etwa sagt: Wer sich etwas vornimmt, muss innerhalb von 72 Stunden den ersten Schritt machen, sonst sinkt die Chance, dass er das Projekt jemals beginnt, auf ein Prozent.
- Hinterfragen Sie sich.
Warum schieben Sie bestimmte Aufgaben auf? Prokrastination ist eine Gewohnheit, sie läuft automatisch ab. Ein Schritt in Richtung Besserung ist deshalb, sich sein Verhalten bewusst zu machen und die Gewohnheit zu durchbrechen. Dazu hilft auch, seine Verhaltensweisen über einen Zeitraum schriftlich zu notieren: Was machen Sie ungern? Warum? Was löst Stress aus? Was hätten Sie anders machen können?
- Planen Sie vor.
Wie gesagt: Prokrastination ist in erster Linie eine Gewohnheit. Überlisten Sie sich also und notieren Sie sich schon am Abend, was Sie am nächsten Tag in welcher Reihenfolge tun werden (werden – nicht wollen!). Und dann halten Sie sich daran. Planen Sie aber auch genügend Freizeit (zur Erholung und für Unvorhergesehenes) sowie Aufgaben, die Ihnen Spaß machen, ein.
- Achten Sie auf Ihre Gedanken.
Gedanken haben enorme Macht. Wir reflektieren ständig unser Verhalten, analysieren uns, kritisieren uns, loben uns, schmieden Pläne. Dieser innere Dialog prägt unser Handeln und unsere Gefühle zu 95 Prozent! Schon der Talmud warnt: „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.“ Achten Sie also auf Ihre Gedanken! Und denken Sie positiv: Sie schaffen das!
- Machen Sie weniger Druck.
Sagen Sie sich selbst oft „Du musst“, „Du sollst“, „Mach jetzt, sonst…“? So wird das nichts. Aufschieber flüchten so erst recht. Ändern Sie stattdessen den Mechanismus und machen Sie sich bewusst, ein Wahl zu haben.
- Verdeutlichen Sie sich die Konsequenzen.
Das sorgt zwar zunächst für zusätzlichen Druck, kann aber heilsam sein. Machen Sie sich klar, welche Folgen es haben kann, wenn Sie die Ihnen übertragen Aufgaben immer nur mittelmäßig, zu spät oder gar nicht erledigen. Was wird Ihr Chef über Sie denken? Was die Kollegen? Sie haben schließlich einen Ruf zu verlieren!
- Setzen Sie Prioritäten.
Entscheiden Sie, was wirklich wichtig und dringend ist und was noch Zeit hat oder delegiert werden kann. Die Eisenhower-Methode eignet sich dafür besodners gut. Aber auch die ABC-Technik.
- Zerlegen Sie große Aufgaben in kleine.
Es ist wie mit dem physikalischen Gesetz der Trägheit: Ist ein schwerer Körper erst in Bewegung, wird es leichter ihn in Fahrt zu halten. „Auch die längste Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Also beginnen Sie mit kleinen Schritten.
- Bleiben Sie organisiert.
Aufgaben zu zerlegen, sich einen Überblick zu verschaffen – vielleicht sogar mitilfe von ToDo-Listen oder Mindmaps – ist eine Sache. Konservieren Sie diesen Zustand aber auch. Sonst oszillieren Sie nur zwischen Chaos – Liste/Map – Chaos.
- Hören Sie auf, zu zweifeln.
Jeder kennt die Phrase Wenn ich doch nur …, dann …! Solche Wenn-dann-Phasen tauchen immer wieder auf. Meistens dann, wenn man mit sich und seiner Situation unzufrieden ist. Aber diese Zweifel sind heikel. Ihr Unheil beginnt mit der Überzeugung, vor einem stünde ein unüberwindbarer Berg. Dann sehen wir nur noch den Berg und nicht mehr den Gipfel, verharren oder kehren gar um. Fatal! Ein Gipfelsturm gelingt auch in Etappen. Überlegen Sie sich also, wo Sie stehen und was als nächstes getan werden müsste. Dann gehen sie los, Basiscamp für Basiscamp.
- Nehmen Sie sich nicht zu viel vor.
Behalten Sie lieber das große Ganze im Auge. Aus der Forschung weiß man, dass Menschen Aufgaben motivierter erledigen, wenn Sie die höheren Ziele dahinter erkennen.
- Seien Sie realistisch.
Aufschieber neigen zur Alles-oder-Nichts-Haltung. Dahinter steckt die Angst nicht mehr akzeptiert zu werden, wenn etwas nicht vollkommen ist. Auch 80 Prozent sind aber oft gut genug. Was kann den schlimmstenfalls passieren, wenn Sie Ihr (!) Ideal nicht erreichen? Na und?!
- Übertreiben Sie nicht.
Bei allem Ehrgeiz, seiner Aufschieberitis Herr zu werden – zu viele Punkte auf Ihrer Liste und Sie legen die Liste selbst beiseite oder schieben sie vor sich her. Also schreiben Sie kurze (und dafür lieber mehr) Listen, die in kurzen Zeitintervallen zu schaffen sind.
- Hören Sie auf, perfekt zu sein.
Perfektionismus hält auf. Er führt zu einem Tunnelblick, bei dem sich die Betroffenen auf zahllose Details konzentrieren, die für das große Ganze aber nur geringe Bedeutung haben. Dabei verrennen sie sich dann und kommen schließlich nicht mehr vom Fleck. Mängel dagegen können den Horizont erweitern. Denken Sie nur: Ohne Fehler hätte Christoph Kolumbus nie Amerika entdeckt!
- Setzen Sie sich Limits.
Sie kennen vielleicht das Parkinson’sche Gesetz. Es geht auf den britischen Historiker und Publizist Cyril Northcote Parkinson zurück. Danach dehnt sich Arbeit in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht – und nicht etwa wie viel Zeit man tatsächlich dafür bräuchte. Denken Sie an Meetings: Stundenlang werden die Themen diskutiert, alle können mitreden, auch wenn nicht jeder davon Ahnung hat. Aber fünf Minuten vor Schluss werden trotzdem die entscheidenden Beschlüsse gefasst. Warum nicht gleich so? Ganz einfach: Setzen Sie Limits!
- Belohnen Sie sich für Teilerfolge.
Um Prokrastination in den Griff zu bekommen, ist Selbstdisziplin nötig, manchmal auch Druck. Deshalb ist Belohnung am Ende wichtig, um sich bei Laune zu halten. Was alle Erfolgreichen letztlich eint: Sie halten die Lücke zwischen Absicht und Ausführung sehr klein. Und den Spaßfaktor groß.
- Loben Sie sich.
Fehlen positive Rückmeldungen, tendieren Menschen dazu, aufzugeben. Umgekehrt wirkt Wertschätzung enorm positiv, wie etwa Albert Bandura, Psychologie-Professor an der Stanford-Universität, nachwies: Gelobte sind motivierter, stecken sich höhere Ziele, fühlen sich diesen stärker verpflichtet, teilweise unterstellen sie sich sogar bessere Fähigkeiten, was wiederum ihre Leistungskraft verbessert.
- Vergessen Sie Work-Life-Balance.
Treffen sich die Leute abends zum Essen, dann ist häufig die Rede davon, wie lange einer noch arbeiten muss und wie er danach leben will. So mutieren Arbeit und Leben zu Konkurrenten, die es – Work-Life-Balance sei dank – gegeneinander abzuwiegen gilt. Unfug! Ausgeglichenheit ist eher im Längs- als im Querschnitt eines Lebens zu finden. Mal wiegt der Beruf schwerer, mal Familie. Machen Sie sich deswegen bloß keinen Stress. Solange die Waagschalen in Bewegung bleiben, leben Sie!
- Arbeiten Sie in Ihren Hochphasen.
Bei jedem Menschen gibt es innerhalb eines Tages unterschiedliche Leistungsphasen. Entscheidend dafür ist die sogenannte Chronobiologie. Der Organismus, also Stoffwechsel, Organtätigkeit, Konzentrationsfähigkeit – alles schwankt innerhalb eines Tages erheblich. Dabei unterscheiden sich vor allem die Frühaufsteher (auch Lerchen genannt. Sie stehen schon früh morgens auf und sind sofort topfit). Und die Langschläfer (auch Eulen genannt), die auch abends noch hell wach sind und sich gut konzentrieren können. Diese Typen sind unabhängig von der Schlafmenge, die der Einzelne braucht. Ihre individuellen Leistungsphasen liegen stark zeitversetzt. Wer seinen eigenen Typ kennt und dies im Alltag berücksichtigt, kann seine Leistung, Kreativität und Produktivität deutlich verbessern. Schwierige Aufgaben legt möglichst in die Hochphasen, den lästigen Kleinkram in die Durchhängerphasen.
- Beginnen Sie mit dem Unangenehmsten.
Packen Sie den Stier bei den Hörnern: In der Regel wird es die unangenehmste Aufgabe sein, die Sie die ganze Zeit vor sich herschieben. Warum nicht sofort morgens hinter sich bringen, wenn man noch frisch ist? Der Rest des Tages wird Ihnen umso leichter von den Hand gehen.
- Bemühen Sie sich um Routinen.
Wer sich um einen geregelten Tagesablauf bemüht oder bestimmte Aufgaben immer wieder zur selben Zeit erledigt, sorgt zwar für Eintönigkeit und Langeweile, er verringert aber auch die Nischen, in denen er etwas aufschieben könnte.
- Vermeiden Sie Unterbrechungen.
E-Mails kündigen sich im Posteingang an, mal klingelt das Telefon, mal das Handy, mal der Blackberry, mal platzen Kollegen ins Büro. Das ist schädlich für die Produktivität. Wissenschaftler der Universität Kalifornien fanden heraus, dass ein Büromensch sich gerade elf Minuten einer Aufgabe widmen kann, bevor er unterbrochen wird. Was noch schlimmer ist: Nach der unfreiwilligen Pause dauert es teils bis zu 25 Minuten, bis man den Faden wieder aufgenommen hat. So werden Sie nie fertig.
- Lesen Sie Ihre Mails nicht sofort.
Es gibt bereits eine so genannte Slow-E-Mail-Bewegung. Anhänger öffnen ihre Post nur noch zweimal am Tag. Dasselbe gilt für Anrufbeantworter oder Anrufe.
- Vergessen Sie Multitasking.
Einige Studien beweisen, Menschen sind nicht produktiver, wenn sie mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Im Gegenteil: Oft hindert es sie, konzentriert auf ein Ziel hinzuarbeiten. Außerdem verursacht Multitasking Stress. Versuchen Sie lieber Schritt für Schritt vorzugehen.
- Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie gerade tun.
Unterbrechungsforscher (die gibt es wirklich) haben festgestellt, dass sich Büroarbeiter genauso oft selbst ablenken, wie sie unterbrochen werden. Zwingen Sie sich also dazu, sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren, statt in Gedanken schon bei der nächsten zu sein.
- Hören Sie Musik.
Lieblingslieder können ein großartiger Motivator sein. Wenn Sie sich durch Musik bei der Arbeit nicht abgelenkt fühlen, hören Sie ein paar Melodien zum Aufmuntern.
- Seien Sie weniger online.
Der Tipp ausgerechnet in dieser Liste? Oh ja! Das Internet ist ein unglaublicher Zeiträuber und zugleich eine verführerische Ablenkung. Blogs lesen, rumsurfen, E-Mails schreiben, zack, schon haben Sie drei Stunden verballert, die Sie auch produktiv hätten nutzen können. Limitieren Sie also Ihre Online-Zeiten.
- Räumen Sie auf.
Versiffte Kaffeetassen, meterhohe Papierstapel und vertrauliche Dokumente, die offen herumliegen, sind nicht nur Chefs ein Graus. Sie verleiten auch zu gedanklichem Schlendrian. Zumindest bei einigen Menschen. Darum: Misten Sie Ihr Büro regelmäßig aus, sortieren Sie Ihre E-Mails und hinterlassen Sie Ihren Schreibtisch jeden Abend akkurat. Ordnen Sie das Chaos, und bewahren Sie den Zustand. Das kann jeder, es erfordert nur Disziplin.
- Sagen Sie öfter NEIN.
Menschen, die an akutem Helfer-Syndrom leiden, streben nach dem Gefühl, gebraucht zu werden. Die Vorstellung, ersetzbar zu sein, macht ihnen Angst. Ein Kurzschluss: Jeder Mensch ist ersetzbar! Das Helfer-Syndrom führt nur zu massivem Stress. Haben Sie also den Mut, Bitten auch mal mit einem Nein zu quittieren. Wenn Sie Prioritäten setzen, liegt der Erfolg darin, sich auch daran zu halten. Wer niemandem eine Bitte abschlagen kann, kommt zwangsläufig aus dem Trott.
- Schalten Sie Zeitfresser aus.
Was raubt Ihnen am Tag die meiste Zeit? Womit halten Sie sich besonders gerne und lange auf? Muss das sein? Ist das sinnvoll und produktiv? Andernfalls: Setzen Sie sich bewusst Grenzen. Übrigens: Nicht nur in Zeitfragen!
- Denken Sie um.
Die richtige Frage ist nicht: „Wie werde ich damit bloß fertig?“, sondern „Wie fange ich damit an?“. Die größte Hürde beim Aufschieben ist, überhaupt erst loszulegen.
- Betrügen Sie sich selbst.
Wenn Sie Donnerstag fertig sein müssen, notieren Sie sich den Mittwoch als Deadline. Aus der Hirnforschung weiß man: Je öfter Sie einen Gedanken denken, desto stärker schleift er sich ein, und Sie akzeptieren ihn irgendwann als wahr. Irgendwann werden Sie also denken: Ich muss Mittwoch fertig werden! Und dann passiert das Wunder: Sie werden am Mittwoch fertig – überpünktlich – und können einen ganzen Tag lang das Ergebnis verbessern.
- Machen Sie Pausen.
Immer nur Vollgas geben – das verträgt selbst der stärkste Motor nicht. Das Burnout-Syndrom – der rapide Verlust von Freude und Antriebskraft – kann sonst die Folge sein. Ab und an ausklinken, zur Ruhe kommen, aufstehen, strecken, ein paar Schritte an der frischen Luft gehen, Wasser trinken, Kraft tanken macht motivierter. Nutzen Sie die Pausen aber wirklich sinnvoll und nicht zum Trödeln!
- Machen Sie Ihre Ziele bekannt.
Seine Entscheidung öffentlich zu machen, bewirkt zweierlei: Andere Menschen setzen Erwartungen in einen und man selbst ebenfalls. Es hilft, sich mental und emotional auf sein Ziel zu konzentrieren und alles daran zu setzen, um es zu erreichen. Seine Ziele anderen mitzuteilen, ist zwar kein Erfolgsgarant. Aber es ist ein gutes Indiz, wie sehr man sich seiner Sache verschrieben hat. Außerdem hilft es, die Ziele durch andere zu prüfen.
- Dulden Sie keine Entschuldigungen.
Aufschieber sind Meister der Ausrede – für sich, andere und die Umstände. Betuppen Sie sich nicht selbst! Jedes Mal, wenn Sie wieder einen Grund (er)finden, warum Sie etwas jetzt nicht erledigen können, fragen Sie sich: Ist das wirklich wahr?
- Bemühen Sie sich um einen Mentor.
Man könnte auch sagen, um einen Antreiber, aber das klingt weniger freundlich. Ist aber der Job: Derjenige sollte Sie immer wieder dazu ermuntern, ihre Ziele weiter zu verfolgen – zur Not auch mit einem Tritt in den Hintern. Achten Sie aber darauf, dass sie seine Rolle als Mentor nicht mit seiner Freundschaft verwechseln.
- Arbeiten Sie im Team.
Wenn Sie es alleine nicht schaffen, suchen Sie sich Mitstreiter. Das ist beim Sport genauso wie bei einer Diät: Partner ermuntern einander, ziehen einen auf Durststrecken mit und ermahnen, wenn es sein muss. Nicht jeder ist so ein starker Selbstmotivator wie Boris Becker.
- Behalten Sie das große Ganze im Auge.
Oft sind es nur 20 Prozent Jobmüll – lästige Routinen, unproduktive Meetings, chaotische Chefs oder Primadonna-Kollegen –, die 80 Prozent des Spaßes an der Arbeit rauben. Aber es sind eben nur 20 Prozent! Fokussieren Sie das große Bild, dann reiben Sie sich an dem Kleinkram nicht so auf.
- Bleiben Sie fit.
Klingt banal, ist es aber nicht: Stress, Ängste, sogar Depressionen können eine ebenso häufige Ursache für Prokrastination sein. Und körperliche Aktivität ist ein wirksamer Schutzmechanismus, der Stress abbaut, Ärger minimiert und obendrein den Geist durchlüftet. Sport schafft wertvolle Oasen zum Nachdenken. 20 Minuten leichter Sport am Tag reichen schon.
- Investieren Sie Geld.
Auch das kann helfen. Wenn das Bummeln Sie erst wirklich etwas kostet, gibt es der Sache eine neue Dimension. Jedes Mal, wenn Sie eine Sache verschoben haben, stecken Sie zum Beispiel Geld in eine Spardose. So viel, dass es etwas wehtut. Und natürlich dürfen Sie an das Geld erst nach mindestens einem halben Jahr. Für viele ist das ein guter Grund, Gas zu geben, wenn sie es im Geldbeutel spüren.
- Halten Sie Erfolge fest.
Aufschieberitis zu stoppen, ist wie eine Sucht zu bekämpfen: Sie müssen umlernen und Ihr Gehirn mit anderen Dingen belohnen. Erste Erfolge, etwas nicht auf die lange Bank geschoben zu haben, aktivieren Ihr Belohnungssystem.
- Fokussieren Sie Ihre Stärken.
Viele Leute wenden enorme Energien auf, um ihre Schwächen zu bekämpfen, sie doktern an ihren Mängeln herum und betreiben doch nur Schadensbegrenzung. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand nach oben kommt, weil er seine Stärken stärkt, um 50 Prozent höher, als wenn er seine Schwächen repariert.
- Einfach ist nicht immer besser.
Das widerspricht zwar jeder Motivation von Aufschiebern. Es führt aber manchmal zur besseren Lösung, wenn Sie nicht immer den leichtesten Weg gehen und stattdessen etwas mehr (Zeit, Mühe) investieren. Und manchmal spart es sogar Zeit – wenn Sie hinterher weniger ausbessern müssen.
- Seien Sie dankbar.
Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie verbessert sowohl die Beziehungen zu anderen Menschen, wie auch deren Einstellung und Motivation. Dankbarkeit verbannt negative Gedanken und reduziert Stress. Lernen Sie also, dankbarer zu werden – etwa für die Dinge, die Sie schon erreicht haben, für Freunde, für Ihre Gesundheit.
- Geben Sie nicht auf.
Wie sagte schon Friedrich Nietzsche: „Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel.“
1. Kommentar
Nicola
14.01.08 um 09:47 Uhr
Wow! Das sind tolle Tipps! Und gleich so viele. Danke. Gelegentlich leide ich ja auch an Aufschieberitis. Aber ich habe auf Anhieb 5 Tipps gesehen, die zu mir passen und die mal ausprobieren werde.
2. Kommentar
Gerhard Zirkel
14.01.08 um 11:11 Uhr
Ich glaub ich les das morgen … :)
Manchmal leide ich auch unter der Aufschieberitis, allerdings gibt es dann wieder Phasen in denen ich meine Aufgaben gar nicht schnell genug erledigen kann.
Sozusagen eine manische Aufschieberitis?
Gerhard Zirkel
3. Kommentar
Ivan
14.01.08 um 16:02 Uhr
Tolle Zusammenstellung! Danke schön!
Zum Punkt 4 (“Achten Sie auf Ihre Gedanken”) hat Steve Pavlina einen schönen Artikel geschrieben (auf Englisch). Finde ich lesenswert!
Was für mich auch noch funktioniert (hab’s auf der Liste nicht gesehen): Ich sage mir: “Du musst nur 15 Minuten arbeiten, dann kannst Du im Internet surfen.” Manchmal (nicht immer!) reichen diese 15 Minuten aus, dass ich schon so in der Aufgabe drin bin und die Pause gar nicht in Anspruch nehme. Dieses Wissen, nämlich dass ich nach der kurzen Zeit schon wieder aufhören könnte, motiviert mich oft, überhaupt zu beginnen.
4. Kommentar
derherold
14.01.08 um 16:24 Uhr
Ich leide manchmal auch an “Aufschieberitis”. Liefert meine Püscho-Einschätzung als INTP (“der Architekt”) nicht die gelungene Ausrede, da ich mich ja rein begabungs-technisch so gar nicht für Details und die Ausführung interessiere ?
Wenn ich nicht eine rasche Auffassungsgabe hätte und veles, wofür andere zwei Stunden brauchen, in einer erledigen könnte, hätte mich das manches Mal den Kopf kosten können. *hüstel*
Es gibt auch noch eine andere Möglichkeit:
Delegieren ! Ich habe die Erfahrung gemacht, daß “Abgeben” und das (Kreativ-)Potential Anderer zu nutzen, meine Stärken stärkt und meine Schwächen … nicht bzw. weniger wirksam werden läßt. :-)
Mal ganz darwinistisch/machiav… formuliert: man sollte überlegen, inwieweit man andere einspannen kann !
5. Kommentar
Jochen Mai
14.01.08 um 16:30 Uhr
@Herold: Delegieren ist sicher eine Lösung, aber auch eine Form der Aufschieberitis. Und: Nicht jeder hat die Chance (und Macht), Unangenehmes zu delegieren.
@Ivan: Der Tipp steckt im Prinzip schon in der Liste – unter Punkt 16: Belohnen Sie sich für Teilerfolge. Denn das Surfen im Internet ist ja so eine Belohnung für den Etappenerfolg 15 Minuten gearbeitet zu haben.
6. Kommentar
derherold
15.01.08 um 12:22 Uhr
Ich muß hinzufügen, daß ich früher, als ich noch jung und idealistisch, die fatale Eigenschaft hatte, herbeizuspringen, um Mitarbeiter zur besseren (Arbeits-)Lösung zu führen.
… was das an Aufwand bei mir und an nicht ausgeschöpfter (sozusagen: umsonst bezahlter) Arbeitskraft bei den Mitarbeitern erbrachte, will ich lieber dezent verschweigen.
Minima non curat praetor. ;)
7. Kommentar
Ivan
15.01.08 um 14:59 Uhr
@Jochen: Mist, hab’s ja gewusst, dass ich die Liste zu wenig genau gelesen haben. :-)
8. Kommentar
Jochen Mai
15.01.08 um 20:14 Uhr
@Herold: Beatus ille, qui procul negotiis. :))
@Ivan: Nicht schlimm. Im Gegenteil: Das Wesen solcher Listen ist, dass sie verschiedene Ausprägungen auf wenige Zeilen kondensieren. So können in einem Tipp diverse Ratschläge und Interpretationen enthalten sein. Und ich fand gut, dass du eine davon (deine) mal beschrieben hast. Das ist schön konkret. Ich mag solche Kommentare!
@Gerhard: Und?! Heute schon gelesen? :)
9. Kommentar
Jean Stubenzweig
17.01.08 um 06:56 Uhr
Gibt es eigentlich nur noch jung-dynamische Verdränger? Der Akzent liegt auf jung.
Nirgendwo ein Hinweis auf die Zeit, als die Verschiebemechanismen zwar noch nicht erforscht, man ihnen also noch keinen (und damit sich) wichtigmachenden Terminus technicus zugeteilt hatte, aber immerfort kommentiert worden waren, und zwar witziger als heute, beispielsweise durch: Claire Bretécher, Marie Marcks und andere.
Aber ach — in den sechziger und siebziger Jahren hatte man ja auch nichts anderes zu tun, als intelligent herumzublödeln.
10. Kommentar
Olli
17.01.08 um 09:31 Uhr
Sehr interessante Tips – ich denke, da kann man einiges umsetzen.
11. Kommentar
Matthias
28.01.08 um 14:02 Uhr
Ja gut, bei mir ist es eben auch oft Punkt 29.. Wenn man nicht ab und an NEIN sagt, ist irgendwann der Schreibtisch so voll, daß man gar nicht mehr weiß wo man anfangen soll, und dann eben mit dem Schieben anfängt..
12. Kommentar
Norbert Grün
11.06.08 um 15:05 Uhr
Hm, den “Weltmeister im Bleibenlassen” habe ich immer als andressiert empfunden. Die Hauptstadt der Prokrastinateure ist offenbar meine Geburtsstadt Trier/Mosel. Denn dort wird immer abgewartet, bis sich etwas auf echt trierische Weise von selbst erledigt hat.
13. Kommentar
John
09.07.08 um 09:20 Uhr
Das wäre mal einen toller Titel für einen Opa Schwarzenegger-Film: “Der Prokrastinator III – Die Totalentspannung”! ;-))))))))))))))))))))
14. Kommentar
Micha
21.07.08 um 23:04 Uhr
Wieso eigentlich nur 45 Tipps???
15. Kommentar
Jochen Mai
22.07.08 um 09:34 Uhr
@Micha: Die anderen habe ich aufgeschoben…
16. Kommentar
Franz Severin
24.10.08 um 09:15 Uhr
Ich habe gestern Polylux gesehen. Da ist mir zu Gehör gekommen, daß die Schieberitits eine Krankheit sei. Blödsinn!
Ich bin selbst ein hartnäckiger Aufschieber, ganz nach der Devise: werschiebe nichts auf morgen, was auch auf übermorgen verschoben werden kann.
Als Kind schon habe ich meine Schulaufgaben stets in der halben Stunde vor Begin des Unterrichts erledigt äh abgeschrieben. Gelernt habe ich nie, und ein besonderes Gräuel waren Halbjahresarbeiten.
Und ich schiebe noch heute einen Berg von Gerümpel vor mir her, Hausarbeiten, Berichte, Telefonate usw. Das Angenehme erleidge ich sofort, das Unangenehmer dauert etwas länger.
Um dem Gerümpelberg Herr zu werden, habe ich besondere Techniken entwickelt. Z.B. habe ich mein Geschirr auf ein Minimum reduzuiert. So kann mir kein Abwaschberg über den Kopf wachsen usw. Wenn ich einen Teller brauche, wasche ich ihn ab. Praktisch. Weniger ist mehr.
Aufschieben ist der Normalzustand, Pünktlichkeit, Disziplin, Ehrgeiz sind das Unnormale. Machen wir uns nichts vor, der Mensch ist ein domestizierter Primat und keine Maschine. Warum sollte sich der Mensch dem Maschinendenken unterwerfen? Weil andere auf Biegen ud Brechen Karriere machen wollenm reich werden und deshalb anderen mit ihren Ehrgeiz auf die Nerven gehen?
Aufschieben, faul sein, abwarten – wir verweigern uns dem Druck der hysterischen Zeiten. Wenn etwas geändert werden muß, dann die Gesellschaft, die sich selber so wichtig nimmt, ihre Mitmenschen mit ihrem Anspruchsdenken tyrannisiert und die Annehmlichkeiten des geselligen Lebens nicht kennt.
Wer geht gerne jemanden besuchen, der ständig dabei ist, in seinem Haus herumzuräumen, alles überordentlich und geputzt hält, so daß man nichts anfassen mag, der ständig auf die Uhr starrt, weil er noch etwas erledigen muß?
Kannten die Menschen in den alten Kulturen wichtige Termine? Nein. Wer den Ehrgeiz besaß, alles sofort erledigen zu müssen, der wurde zum König gewählt. So waren sich alles sicher, was ich verschieben würde, das erledigt der Chef.
Im Übrigen bin ich besonders kreativ, wenn ich unter Streß arbeite. Ich könnte ein Doktorarbeit schreiben, aber nur wenn sie am nächsten Tag abgegeben werden muß. Je mehr Zeit ich dafür bekäme, desto mehr verlöre sich das Interesse.
Auf den Gedanken, daß ich krank sei, würde ich nie kommen. Und erst Recht würde ich mir keine Stufenplan aufstellen zur Disziplinierung. Das macht ja noch mehr Arbeit.
Und wer weiß, ob man nicht morgen stirbt? Dann hätte sich die eigene Philosophie sogar als überlegen gezeigt. Der Mist ist liegen geblieben und ich habe mir viel Arbeit erspart. Im Jenseits fragt mich niemand, ob ich Karriere gemacht und alles mit Pünktlichkeit erledigt habe.
Es gibt Wichtigeres als wichtige Termine. Laßt euch nichts einreden. Die Ehrgeizlinge sind krank. Wir verweigern uns lediglich ihrem Anspruch, genauso zu werden wie sie.
17. Kommentar
Franz Severin
24.10.08 um 09:19 Uhr
Um Gottes willen! Wird hier etwa zensiert zum Beweis der eigenen Wichtigkeit?
18. Kommentar
Jochen Mai
26.10.08 um 12:59 Uhr
@Franz Severin: Meinung wird hier nicht unterdrückt, Unfug schon. Ich blogge zu lange, um nicht zu erkennen, dass Sie an einer inhaltlichen Auseinandersetzung gar nicht interessiert sind. Und für infantile Rhetorikspielchen fehlen mir Zeit und Muße.
Vielleicht darf ich Ihre Wahrnehmung dahin korrigieren, dass Sie keiner zwingt, hier einen Kommentar zu hinterlassen. Da dies aber meine private Seite ist, bestimme ich auch die Regeln hier. Und die beinhalten etwa niemanden zu beleidigen, Unterstellungen zu unterlassen und Argumentation der Polemik vorzuziehen. Da Sie offenbar zu allen drei Punkten nicht fähig sind, bitte ich Sie, uns allen einen Gefallen zu tun und von künftigen Kommentaren abzusehen.
19. Kommentar
DoMonRai
22.01.09 um 18:11 Uhr
Die Liste lese ich morgen. Ich habe einfach noch viel zu viel zu tun im Moment – schließlich muss ich heute das erledigen, was ich gestern schon verschoeben habe, so dass das, was ich heute erledigen sollte, notgedrungenerweise auf morgen verschieben muss. Es ist gar nicht so einfach, der inneren Logik des ewigen Verschiebens zu entrinnen.
20. Kommentar
Procrastinacoach
16.02.09 um 14:09 Uhr
Da ich einen psychologisch-psychotherapeutischen Blick auf das Thema habe – und nicht die endgültige wunderbare Lösung – merke ich an: meist ist ein übermächtiges Über-Ich und ein schwach ausgeprägtes Ich der Grund, dass ganz bestimmte Aufgaben nicht angegangen werden, und zwar solche, die man tun muß oder sollte – nicht alle, denn der Prokrastinateur schiebt ja nicht alles auf, im Gegenteil, etwas tut man doch immer!
Mit Mentor oder Coach zu arbeiten, kleinschrittig, scheint mir neben der Erkenntnis der individuellen Ursachen noch am meisten Erfolg zu versprechen. Fördern und fordern, im eigentlichen, respektvollen Sinn. Das hilft.
21. Kommentar
Ina Marie
30.06.09 um 16:46 Uhr
Mir hat es schon geholfen, dass ich überhaupt erfahren habe, dass Prokrastination eine erworbene Verhaltensstörung ist und das man aus dem Teufelskreis wieder rauskommen kann. Deshalb finde ich die 45 Ratschläge sehr gelungen. Auch der Link zu “Remember The Milk” ist super. Habe das gleich ausprobiert und bin begeistert, das man das mit seinem iCal synchronisieren kann. Super! Ich sah für mein Studium schon recht schwarz. Konnte nicht verstehen, wo die fleißige Studentin hin verschwunden ist. Jetzt weis ich Antworten und bin wieder optimistisch und immer wenn ich einen Hänger habe, dann lese ich mir die Tips durch und schon habe ich Elan die Sachen einfach anzupacken =)
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