Highheels-Absätze-hoch
Die Mode schert sich leider allzu wenig um Tragekomfort oder Sicherheit. Das gilt besonders für die von Frauen so geliebten Schuhe, insbesondere High Heels. Die Höhe, auf der es sich am bequemsten und ungefährlichsten laufen lässt, ist bei vielen Anlässen leider auch die langweiligste Variante, wenn nicht sogar gänzlich unangemessen. In vielen Branchen liegt die klassische Absatzhöhe zwischen zweieinhalb und vier Zentimetern, bei festlichen Anlässen sind wiederum eher sechs bis neun Zentimeter hohe High Heels angebracht. Die haben jedoch erstaunliche Nebenwirkungen - auch psychologische, wie Studien zeigen...

Die Psychologie der High Heels

Highheels-Office-BüroEs braucht in der Tat nicht viel, um allein männliche Aufmerksamkeit zu erregen. Ein Klack-klack reicht oft schon. Sobald Frauen mit ihren High Heels über die Straße klappern, haben Männer ein Absatzproblem: hohe Schuhe ziehen ihren Blick magisch an.

Nur warum ist das so? Liegt es an erotischen Klischees oder steckt womöglich mehr dahinter?

Das fragte sich auch der Psychologe Paul Morris von der britischen Universität von Portsmouth und analysierte das Ganze wissenschaftlich. Als Basis seiner Experimente dienten Morris verschiedene Videoaufnahmen von zwölf Frauen, die mal auf Stöckelschuhen, mal auf flachen Ballerinas auf einem Laufband stolzierten.

Der Trick war, dass an diversen Stellen der Frauenkörper - etwa an Knöcheln, Knien und Hüfte - grüne Farbpunkte befestigt waren, die eine Spezialkamera erfasste und filmte. Eine Tricktechnik, wie sie auch bei Computeranimationen in Hollywood eingesetzt wird.

Die fertigen Videoclips wurden anschließend einigen Probanden - 15 Männer und 15 Frauen - gezeigt - jedoch nur die Bewegung der Punkte, sodass die sich allein auf den Gang fokussierten und nicht etwa durch die Attraktivität der Frauen oder ihrer Schuhe abgelenkt waren.

Der Effekt: Je höher die Schuhe waren, in denen die Frauen in den Videos liefen, desto attraktiver und erotischer wurden sie von den Probanden eingestuft - von beiden Geschlechtern. Die Frauen vergaben sogar deutlich mehr Pluspunkte als die Männer.

Zweiter Versuch, ähnlicher Aufbau: Diesmal sollten die Versuchsteilnehmer erraten, ob hinter den gehenden Punkten ein Mann oder eine Frau steckt. Obwohl es in allen Fällen Frauen waren, wurden sie von 28 Prozent ihrer Geschlechtsgenossinnen für einen Mann gehalten - aber nur, wenn sie flache Schuhe trugen. Liefen die Frauen im Video auf High Heels, wurden sie nur noch in 17 Prozent der Fälle verwechselt.

Woran das liegt?

Paul Morris begründet das schlicht mit dem anderen Gang: In High Heels würden Frauen mehrere und kleinere Schritte machen. Außerdem würden die Knie weniger durchgestreckt und die Hüften mehr wippen und wackeln - kurz: Der Gang wird in High Heels tatsächlich weiblicher.

Wenn SIE wollen, dass Männer helfen, tragen Sie High Heels

Kurios: Eine Studie von Nicholas Guéguen von der Universität von Süd-Brittany konnte zeigen: Männer helfen Frauen deutlich mehr, wenn diese High Heels trugen - und je höher die Absätze, desto größer die Hilfsbereitschaft: Schon bei einer Absatzhöhe von fünf Zentimetern stieg diese von 36 auf 60 Prozent. Zum Vergleich: Mit Ballerinas wurde den Probandinnen nur noch in 25 Prozent der Fälle geholfen. Scheinbar gibt es aber trotzdem eine Absatzgrenze: Trugen die Frauen Absätze von zehn Zentimetern und mehr, lag die Bereitschaft der Männer zu helfen "nur" bei 49 Prozent.

Gehören High Heels ins Büro?

Wenn aber hohe Absätze vornehmlich eine besonders weibliche, wenn nicht gar sexuelle Botschaft transportieren, warum tragen Frauen dann High Heels im Job?

Zwar, dürften die meisten Männer ihre Kolleginnen in High Heels attraktiver finden, sexy eben. Doch gerade im Beruf gelten sexuelle Botschaften eher als karrierehinderlich.

Ein zu tiefer Ausschnitt, ein zu üppiges Dekolleté, transparente Kleidung, Unterwäsche, die sich abzeichnet, ein zu kurzer Rock - all das gilt im Job-Dresscode als tabu. Zum Einen, weil es den Betriebsfrieden stören könnte (wobei mann sich über solche Unterstellungen immer etwas ärgern darf, weil sie Männer auf das triebgesteuerte Wesen eines Troglodyten reduzieren). Zum Anderen wegen des sogenannten Halo-Effekts: Der beschreibt einen Wahrnehmungsfehler, bei dem einzelne Eigenschaften einer Person (in dem Fall Sexyness) so dominant auf uns wirken, dass sie einen überstrahlenden Gesamteindruck erzeugen.

Dem würde der amerikanische Antropologe Euclid O. Smith von der Emory Universität in Atlanta, Georgia, jedoch zum Teil widersprechen. Er hat eine andere These aufgestellt, warum Frauen im Büro High Heels tragen. Sie geht über sexuelle Anziehungskraft hinaus:

High Heels verändern die weibliche Silhouette. Sie kreieren ein optische Illusion von kürzeren Füßen, schlankeren Fußknöcheln, längeren Beinen. Vor allem aber erhöhen sie die Frau und verleihen ihr selbst und anderen den Sinneseindruck von höherem Status und Macht.

So gesehen ist auch das ein Spiel mit dem Halo-Effekt. Aber dabei, glaubt man Smiths These, geht es eben weniger um sexuelle Reize, dafür umso mehr um Status, Macht und Größe im doppelten Wortsinn.

Die britische Absatzformel

Man mag es kaum glauben, aber britische Forscher des Institutes of Physics haben eine Formel für die optimale Absatzhöhe entwickelt: Absatzhöhe = Q(12+3s/8)
Wobei s für die Schuhgröße in britischen Maßen steht und Q den soziologischen Faktor beschreibt. Der wiederum berechnet sich so:

Q = v(j+9)P / 1,5(m+1) (A+1) (j+10) (20+P/1,5)

Dabei steht v für die Vorliebe der Frau für hohe Schuhe (0 oder 1), j für die Jahre an Erfahrung mit hohen Absätzen, P für den Preis der Schuhe in Euro, m für die Monate, in denen das Modell angesagt war und A für die Einheiten Alkohol, nach denen die Trägerin noch sicher in den schicken Dingern laufen kann. Ab einer Absatzhöhe von acht Zentimetern erübrigt sich aber jede Rechnerei. Und wenn Ihnen das zu kompliziert ist: Auf dieser Seite können Sie die Werte einfach eingeben und sich die optimale Absatzhöhe ausrechnen lassen.

Was Schuhe über Frauen erzählen

Es gibt allerdings noch eine weitere Theorie: Schuhe reden. Oder anders gesagt: Man kann eine Kollegin direkt fragen, wie sie sich fühlt. Oder auf ihre Schuhe hören.

Sie denken vielleicht, das ist jetzt so eine typische Quatschthese. Stimmt. Aber sie kann Leben retten.

Denn wer den ersten Weg wählt und eine Frau direkt nach ihren Gefühlen fragt, der sei gewarnt: Das ist vermintes Gelände. Genauso gut könnte man versuchen, in Harlem Weißbrot zu verkaufen oder Multivitaminsaft am Ballermann. Frauen verstehen diese Frage grundsätzlich falsch. Sobald sie jemand nach ihren Gefühlen fragt, fährt ihre hoch entwickelte Intrigensensorik hoch und sucht nach dem gemeinen Subtext. Weil Männer aber Zwischenzeilen-Legastheniker sind, muss diese Konversation unvermeidlich im Konflikt münden.

Während also direkte Fragen direkt ins Verderben führen, ist das Schuhe-Belauschen ein geradezu fortschrittlicher Akt der Geschlechterverständigung. Es ist nämlich so: Fußbekleidung, insbesondere die mit erhöhtem Absatz, bildet mittels Trittschall eine Art Morsecode, an dem man(n) bis zu sieben Gefühlslagen akustisch erkennen kann. Glauben Sie nicht? Testen Sie es selbst:

Der Absatz-Code

  • Klack-Klack „Ich liebe diesen Tag, ich liebe diese Schuhe, ich liebe mich...“
  • Klackklack-Klackklack „Blöde Kuh! Was bildet die sich ein!”
  • Klack-Klack-Klack „Und dann muss ich noch zu Zara... Mist, wo finde ich den passenden Rock? Achja, Brot wollte ich auch noch kaufen...”
  • Klaaaack-Klaaaack - „Die Nacht war viel zu kurz – ich brauch jetzt ’nen Kaffee.”
  • Glag-Glag - „Wieder zu spät. Hoffentlich hört mich keiner!”
  • Kalacker-Kalacker „Ich weiß, dass Du mir gerade auf den Hintern glotzt, aber mach ruhig weiter...“
  • Klick-Klack „Scheiße, Schuh kaputt!“

Diese nonverbalen Signale sind vielleicht die einzigen Fixpunkte in der sonst vagen und komplizierten Kommunikation zwischen Mann und Frau. Es sind rhythmische Dolmetscher, die Männern die multidimensionale Gedankenwelt der Frauen auf einen für sie verständlichen eindimensionalen Kommunikationscode transformieren.

Kurz: Es sind akustische Türöffner, Seelenschlüssel, Verständnisbrücken, Zeugs.

Es sei denn, Sie haben auf der Arbeit Teppichboden...

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