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Fühlen Sie sich in Ihrem Job anerkannt und wertgeschätzt? Wie Sie diese Frage beantworten, sagt viel darüber aus, wie wohl Sie sich in Ihrem Job fühlen. Gerade Anerkennung ist entscheidend für die Identifikation mit Ihrem Arbeitgeber und damit verbunden mit Ihrer Einsatzbereitschaft für diesen. Ein simples Danke oder gelegentliches Lob reichen dazu eben nicht aus.

Wertschätzung als Antrieb

Jeder Arbeitnehmer wünscht sich, dass seine guten Seiten und seine Stärken im Vordergrund stehen und nicht seine Schwächen. Ob jung oder alt, Chef oder Trainee - allen ist es wichtig, dass ihre Leistungen honoriert werden.

Es motiviert ungemein, Zuspruch von Kollegen und Vorgesetzten zu erhalten. Man fühlt sich als wertvolles Mitglied des Teams. Das steigert das eigene Selbstbewusstsein und lässt einen mehr Spaß an der Arbeit empfinden.

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Umfrage zur Anerkennungskultur

AnekennungEs ist schon eine Weile her, aber immer noch aktuell: Die Plattform "Kraftwerk Anerkennung" befragte im Zeitraum von Oktober 2013 bis Januar 2014 Arbeitnehmer in Deutschland und Österreich, wie wertgeschätzt diese sich in ihrem Unternehmen fühlen. Folgendes kam dabei heraus:

  • 60 Prozent der Befragten erhalten Lob nur einmal im Monat oder seltener.
  • Im Schnitt liegen 75 Tage zwischen zwei positiven Rückmeldungen.
  • 81 Prozent der Vorgesetzten sind der Meinung, häufig Lob und Anerkennung auszusprechen.
  • 67 Prozent der Arbeitnehmer ohne Führungsposition sind der Meinung, selten oder nie Anerkennung zu erhalten.
  • 60 Prozent der Befragten bewerten die Anerkennungsfähigkeit ihres Vorgesetzten mit der Schulnote 3 (befriedigend).
  • 9 von 10 Befragten wünschen sich mehr Anerkennung.

Die gesamte Umfrage finden Sie hier als PDF zum Download.

Doch Selbst- und Fremdwahrnehmung klaffen im Bezug auf Wertschätzung bei der Arbeit oft weit auseinander.

Das Ergebnis der obigen Umfrage ist ein Warnschuss: Bei fehlender Wertschätzung sinkt nicht nur die Motivation des Arbeitnehmers. Es kann weit tiefere Spuren hinterlassen:

  • Sinkende Identifikation mit dem Unternehmen
  • Höhere Wechselbereitschaft
  • Innere Kündigung

Der Unterschied zwischen Lob und Anerkennung

Nicht gerade wenige setzen in dem Zusammenhang Lob mit Anerkennung gleich, häufig werden beide Begriffe gar synonym verwendet. Doch das ist so nicht richtig. Es gibt einen entscheidenden Unterschied:

  • Lob

    ...ist eine Form spontaner Wertschätzung. Es muss möglichst konkret sein, damit es wirkt und der Gelobte weiß, warum er oder sie es erhält. Loben können der Chef ebenso wie die Kollegen oder Kunden. Vergleichbar ist diese Form der Wertschätzung mit einem gelegentlichen Schulterklopfen.

  • Anerkennung

    ...ist hingegen mehr Haltung als spontane Wertschätzung: Jemand erkennt die regelmäßige Qualität oder Leistung einer Person an - und respektiert und schätzt die Person dafür. Anerkennung muss nicht konkret sein, im Gegenteil: Sie beurteilt das Gesamtbild. Und sie muss sich auch nicht unbedingt verbal äußern, aber wenn sie es tut, dann meist durch ein qualifiziertes Feedback, ausführlicher als ein spontanes Schulterklopfen. Ansonsten spüren die meisten, ob sie anerkannt werden oder nicht.

Regelmäßiges Lob im Job ist daher ein wichtiger Motivator, keine Frage. Aber damit Mitarbeiter dauerhaft motiviert bleiben, müssen sie die Anerkennung dahinter spüren.

Etablierung einer Anerkennungskultur

Gerade in Zeiten flacher werdender Hierarchien ist es wichtig, dass die Anerkennung guter Leistungen nicht alleine am Chef hängenbleibt. Auch Kollegen können sich untereinander gegenseitige Wertschätzung zeigen. Das stärkt sogar den Zusammenhalt im Team.

Den ersten Schritt sollte allerdings trotzdem der Vorgesetzte tun. Schon als Vorbild. So konnte die Umfrage auch zeigen: Wer häufig Anerkennung erfährt, gibt diese doppelt so häufig weiter. Wessen Leistung selten anerkannt wird, dem fällt es indes schwer, selbst Anerkennung weiterzugeben.

Wie äußert sich Anerkennung?

Anerkennung ist ein Geschenk, das Sie dem anderen machen. Im Grunde geht es darum, einem anderen Menschen zu zeigen, was und wie viel er Ihnen bedeutet.

  • Seien Sie ehrlich.

    Anerkennung muss vor allem ehrlich sein, Ihre Körpersprache wird Sie verraten, wenn Sie es nicht sind. Ihre Mimik und Gestik wird Ihrem Gegenüber zeigen, was Sie wirklich denken. Nur wenn Sie echte Wertschätzung empfinden, werden Sie diese auch glaubhaft ausdrücken können.

  • Werden Sie konkret.

    Auch wenn es das bei Anerkennung nicht zwingend braucht - es hilft: Sagen Sie explizit, warum und wofür Sie den Kollegen schätzen. Verzichten Sie auf ein allgemeines "gut gemacht", sondern heben sie die gelungen Aspekte einer Aufgabe hervor.

  • Honorieren Sie besondere Anstrengung.

    Erkennen Sie, im wahrsten Sinne des Wortes, die Leistung des anderen an. Musste derjenige vielleicht Überstunden machen? Hat er sich in ein komplexes Konzept eingearbeitet, ohne besondere Vorkenntnisse? Ihr Gegenüber wird es gerne hören, dass Ihnen bewusst ist, mit welcher Anstrengung die erbrachte Leistung verbunden ist. Es gehört dann aber auch zur Anerkennung, das zu belohnen. Tipp: Es muss nicht unbedingt Geld sein.

  • Zeigen Sie Ihre Wertschätzung auch ohne Worte.

    Anerkennung lässt sich nicht nur in Worten ausdrücken. Auch eine Einladung zum Mittagessen oder ein freier Tag, zeigen, was der andere Ihnen wert ist.

  • Lassen Sie den anderen seinen Stellenwert spüren.

    Jeder Mensch möchte einzigartig sein. Gehen Sie auf dieses Bedürfnis ein und zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass er ein wertvoller und vor allem unverzichtbarer Teil des Teams ist, nicht nur ein Rad im Getriebe.

  • Drücken Sie Dankbarkeit aus.

    Fragen Sie sich: Wofür bin ich dankbar? Hat Ihnen der Kollege beispielsweise eine Aufgabe abgenommen, für die Sie keine Zeit hatten? Hat er Ihnen einen entscheidenden Hinweis gegeben, der Ihnen die Arbeit erleichtert hat? Zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass es nicht selbstverständlich ist, was er geleistet hat.

  • Lassen Sie Ihr Gegenüber die 1. Geige spielen.

    Die Wertschätzung für eine andere Person bedroht gleichzeitig das eigene Ego. Sie fragen sich vielleicht: Ist der andere besser als ich? Wer sein eigenes Ego nicht ab und zu zurücknehmen kann, wird auch keine echte Anerkennung zeigen können. Überlassen Sie daher die Leitung eines Projekts auch mal dem Kollegen. Damit zeigen Sie diesem, dass Sie ihm zutrauen, wichtige Aufgaben zu übernehmen.

Geizen Sie nicht mit Anerkennung bei Kollegen und Mitarbeitern! Wer Top-Leute in seinem Team versammelt, sollte ihnen dies auch spiegeln. Sonst entlarvt er die aufbauenden Worte als manipulative Phrasen.

Die Folge: Man hört das (hohle) Lob - und ist verstimmt.

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