Managertipps: Lernen von Lincoln
2016 ist Wahljahr in den USA. Während Noch-Präsident Barack Obama hauptsächlich durch sein hohles „Yes, we can“-Getöse in Erinnerung bleiben wird, hat einer seiner Vorgänger wahrliches Großes vollbracht. Abraham Lincoln gilt gemeinhin, neben Franklin D. Roosevelt, als bedeutendster Präsident der US-Geschichte, als Macher, Könner, Gewinner. Und deshalb als jemand, von dem sich auch Führungskräfte von heute die eine oder andere Lektion abgucken können. Darum: Von Lincoln lernen heißt führen lernen. Wir sagen Ihnen, was man vom "ehrlichen Abe" lernen kann ...

Lincoln = Winner

Am 1. Februar wird es ernst. Das Datum markiert den Auftakt zum großen Vorwahlmarathon der US-Präsidentschaftskandidaten, von denen einer schlussendlich am 8. November zum neuen Staatsoberhaupt gewählt wird. Hillary Clinton etwa? Oder tatsächlich Donald Trump?

Abraham Lincoln hingegen ist ein Mythos, filmreif. Der Präsident, der die Sklaverei abgeschafft, die Nation geeint und das Land auf Kurs gebracht hat. Und ohne dessen Führungsqualitäten es die Vereinigten Staaten von heute, die Weltmacht, nicht geben würde. Was kann man heute noch von Lincoln lernen? Eine Menge, zum Beispiel diese sieben Lektionen ...

Manager von heute: Lerne von Lincoln!

  1. Er war innovativ

    Lincoln ging nur sporadisch zur Schule, insgesamt wohl nicht länger als ein Jahr. "Als ich erwachsen wurde, wusste ich nicht viel. Immerhin konnte ich lesen, schreiben und den Dreisatz rechnen", sagte er später. Lesen und Rechnen hatte er sich weitgehend selbst beigebracht; Lincoln verschlang Bücher wie Defoes Robinson Crusoe, las die Bibel. Um als Jurist arbeiten zu können, studierte er auf eigene Faust Jura-Bücher, bestand die Anwaltsprüfung 1836. Und: Lincoln ist bis heute der einzige Präsident, der jemals ein Patent angemeldet hat: 1849, für eine Konstruktion, mit der Boote leichter Sandbänke und ähnliches überwinden konnten.

    Lektion 1: Bleib wissbegierig, sei innovativ.

  2. Er überwand Rückschläge

    Ein Selbstläufer war der Aufstieg Lincolns nicht, goldene Löffel waren ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Im Gegenteil: Lincoln wurde in einer kargen Blockhütte in Kentucky geboren, beide Eltern waren einfache Farmer, ungebildet. Der Autodidakt musste in der Folge berufliche Rück- und private Schicksalsschläge überwinden. 1858 verlor er das Rennen um den Senatorposten gegen seinen Kontrahenten Stephen A. Douglas, einen Demokraten. Nur zwei Jahre später war Lincoln Präsident. Von seinen vier Söhnen starben drei früh, Willies Tod fiel in die Zeit seiner Präsidentschaft.

    Lektion 2: Lerne, aus Niederlagen Stärke zu ziehen.

  3. Er hatte immer ein offenes Ohr

    Lincoln gilt als einer der zugänglichsten Präsidenten der Geschichte. Sein Privatsekretär John Nicolay schätzte, dass er 75 Prozent seiner Zeit in Meetings verbrachte. Und er beobachtete, das sich Lincoln stets Zeit nahm, auch für spontane Besprechungen. In Don Philips Werk "Lincoln On Leadership: Executive Strategies for Tough Times" heißt es: "So erstaunlich es erscheinen mag, aber 1861 verbrachte Lincoln mehr Zeit außerhalb des Weißen Hauses als innerhalb. Und die Chancen waren gut, dass ein Unionssoldat, der sich früh für den Bürgerkrieg gemeldet hatte, den Präsidenten persönlich zu Gesicht bekam. Lincoln legte Wert darauf, jedes Staatsregiment, das auf dem Weg zur Front durch Washington D.C. zog, persönlich zu inspizieren; und früh im Krieg zogen sie alle durch Washington."

    Lektion 3: Sammele so viele Informationen wie möglich, zapfe möglichst viele Quellen an, um zu einer guten Entscheidung zu kommen.

  4. Er hatte ein klares Ziel vor Augen

    Schon früh bezog Lincoln Stellung, gegen die Position seines demokratischen Rivalen Douglas, der einer möglichen Ausbreitung der Sklaverei innerhalb der USA scheinbar gleichgültig gegenüberstand. "Ich hasse es, der Monstrosität der Sklaverei selbst wegen", sagte er 1854. Für Lincoln gab es Prinzipien, an denen nicht zu rütteln war, zuvorderst die Einheit der Union, dann die Abschaffung der Sklaverei. Gleichzeitig war er sich bewusst, seine Ziele nicht durch wohlfeiles Wortgeklingel zu erreichen. Als sich South Carolina Ende 1860 von der Union abspaltete und andere Bundesstaaten folgten, erkannte er die strategische Gefahr für den Rest des Landes, führte den Norden bravourös durch den unabwendbaren Krieg, agierte umsichtig, planvoll, erfolgreich.

    Lektion 4: Verteidige deine Vision, aber agiere niemals ohne Konzept.

  5. Er wählte seine Worte weise

    Lincolns berühmte Gettysburg Address, die er inmitten des Krieges 1863 bei der Einweihung des Soldatenfriedhofs hielt, gilt bis heute als eine der bedeutendsten Reden der US-Geschichte, als rhetorisches Juwel. Lincoln beschwor dabei die Geburt der Freiheit und eine Regierung "of the people, by the people and for the people". Lincoln war ein brillanter Redner, aber: Hinter der rhetorisch funkelnden Fassade steckte harte Vorarbeit. Akribisch schob er Wörter hin und her, verwarf Sätze immer und immer wieder, dachte ewig lange über Passagen und die richtige Ausdrucksweise nach.

    Lektion 5: Finde die richtige Ansprache an deine Leute.

  6. Er gestand Fehler ein

    Die Schlacht um Vicksburg endete 1863 mit dem Triumph der Yankees unter General Ulysses S. Grant. Sie war eine der großen, eine der entscheidenden Schlachten des Bürgerkriegs. Neun Tage nach der Kapitulation der konföderierten Mississippi-Armee schrieb Lincoln einen Brief an seinen siegreichen General, indem er ihm für den "unschätzbaren Dienst" dankte, den er seinem Land erwiesen hatte. Gleichzeitig schrieb Lincoln: "Ich hatte die Befürchtung, dass es ein Fehler war." Und weiter: "Jetzt würde ich Ihnen gerne die Anerkennung zuteil werden lassen, dass Sie recht hatten und ich falsch lag." Denn Lincoln hatte erwartet, dass Grant Vicksburg umgehen und direkt zum Mississippi vorrücken würde. Ein Irrtum, den Lincoln einsah, für den er sich gar entschuldigte und damit Größe zeigte.

    Lektion 6: Verabschiede dich von der Gewissheit, immer alles besser zu wissen.

  7. Er befahl nicht, er überzeugte

    Lincoln versuchte durch Überzeugungsarbeit zu punkten, auch durch Schmeicheleien, nicht durch plumpen Befehl von oben. In einem Brief an General McClellan heißt es: "Dieser Brief ist in keiner Weise als Befehl zu verstehen." In einem anderen an General Halleck: "Ich hoffe, Sie werden es in Erwägung ziehen." Und General Burnside schrieb er: "Es wurde Ihnen vorgeschlagen, nicht befohlen." Freunden gegenüber erklärte Lincoln seine Denkweise so: "Wenn Sie einen Menschen beeinflussen wollen, dann ist Überzeugung, freundliche, nicht anmaßende Überzeugung, der beste Weg. Es ist eine alte und wahre Maxime, dass ein Tropfen Honig mehr Fliegen fängt als eine Gallone voll Galle."

    Lektion 7: Sei fair zu deinen Leuten, beziehe sie in deine Entscheidungen mit ein, um ihre Unterstützung zu gewinnen.

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