Fachlich bin ich der Beste im Team, aber keiner merkt’s! Sind das Ihre Gedanken? Trifft diese Selbsteinschätzung zu, ist die Diagnose eindeutig: Sie sind professioneller Tiefstapler. Für Betroffene und Naturbescheidene im Job gibt es aber eine gute Nachricht: Übermäßiges Understatement kann kuriert werden...

Tiefstapler Bescheidenheit klein machen Karrierekiller

Tiefstapelei: Betroffen sind vor allem Frauen

Tiefstaplerin tiefstapeln Selbstvorstellung BegruessungTiefstapeln ist eine verbreitete Berufskrankheit. Tendenziell sind eher Frauen betroffen, da sie oft zu einer devoteren Haltung gegenüber Autoritäten erzogen werden. Letztlich ist es aber keine Frage des Geschlechts, ob man die eigenen Fähigkeiten permanent untergräbt. Vielmehr eine des Charakters.

Starten wir mit einem kleinen Test zur Selbsteinschätzung:

Stellen Sie sich vor, Ihr Chef kommt auf Sie zu, klopft Ihnen auf die Schulter. Ihre Ausarbeitungen haben überzeugt: Die Geschäftspartner waren begeistert von der Präsentation und haben angebissen. Der Deal steht.

Wie reagieren Sie?

Schneller als die denken können, huscht Ihnen ein "War doch nicht so schwer" über die Lippen. Vielleicht noch schlimmer: "Ach, das hätten andere noch besser geschafft." Oder entgegnen Sie selbstbewusst: "Ja, die Präsentation basiert auf einer fundierten Analyse."

Wenn Sie Letztes für sich ausschließen können, ist klar: Sie gehören zu der Gruppe der Naturbescheidenheiten.

Understatement: Tiefstapeln muss nicht chronisch werden

Damit sind Sie keineswegs allein. Aber das dürfte wenig tröstlich sein. Passiert Ihnen das andauernd, bugsieren Sie sich langfristig selbst aufs berufliche Abstellgleis. Im Job gilt nun mal: Eigenmarketing is king. Nur wer offensiv für seine Leistungen und Fähigkeiten wirbt, kommt weiter.

Tiefstapleritis muss jedoch nicht zu einem chronischen Zustand werden. Mit ein bisschen Übung und Ausdauer lässt sie sich heilen. Dazu sollten Sie sich folgendes bewusst machen:

  • Wo stehe ich? Ein erster Schritt "höher zu stapeln", ist, sich seine Stärken bewusst zu machen.
  • Wo will ich hin? Legen Sie sich selbst ein konkretes, realistisches und messbares Ziel fest. Etwa: pro Teammeeting einen Redebeitrag, in dem Sie Ergebnisse realistisch darstellen, ohne Ihren Anteil daran klein zu reden.
  • Wie trete ich auf? Eigeninitiative, Interesse am Gesprächspartner, Gegenfragen – das sind die besten Visitenkarten gegenüber Chef und Kollegen. Sie signalisieren Selbstbewusstsein, Interesse, und dass Sie klare Ziele vor Augen haben.

Zu guter Letzt: Wie werde ich sichtbar? Ein erster zaghafter Schritt könnte sein, es beim nächsten Lob des Vorgesetzten bei einem "Danke" zu belassen und sich jedes weitere "ja, aber..." zu verkneifen. Das lässt sich trainieren.

Besser noch: Gehen Sie auf das Lob ein, spiegeln Sie es: "Ja, die Inhalte haben offensichtlich überzeugt." Auch die Körperhaltung spielt eine Rolle: Halten Sie dem Blick Ihres Gegenübers stand, lächeln Sie und – ganz wichtig – lassen Sie die Schultern nicht hängen. So präsentieren Sie sich als aufgeweckter, aufgeschlossener und selbstbewusster Gesprächspartner.

Tiefstapelei: Was hilft beim akuten Schub?

Akute Schübe der Tiefstapleritis treten vor allem in Meetings mit ranghöheren Personen auf. In dem Fall trauen sich die Betroffenen nichts zu sagen oder nur wenig oder das Herz pocht während des Redebeitrags bis zum Anschlag.

Vorsicht: Andere merken das und interpretieren das leicht als mangelnde Kompetenz. Hier gelten folgende Regeln, um Unsicherheiten zu bekämpfen:

  • Gute Vorbereitung ist das A und O - sie schafft Sicherheit
  • Sie haben Angst, wichtige Punkte zu vergessen? Machen Sie sich Notizen.
  • Schreiben Sie nur Stichworte auf: Sonst laufen Sie Gefahr abzulesen und nicht frei zu reden. Das wirkt unsicher.

Statt Tiefstapeln: Das richtige Timing beachten

Tiefstapler Das richtige Timing beachtenVerschießen Sie Ihr Pulver bei wichtigen Meetings nicht vorschnell. Der erste Teil gehört dem Ankommen und dem Smalltalk. Beteiligen Sie sich an diesem Vorgeplänkel, das legt die soziale Basis für das, was nun folgt. Legen Sie dann nicht zu schnell los und geben Ihre Ideen zu früh preis.

Das ist aus folgenden Gründen wichtig:

  • Zunächst müssen sich alle Teilnehmer geistig auf das Meeting einstellen und ankommen. Nur dann haben Sie die volle Aufmerksamkeit auf Ihrer Seite.
  • Nutzen Sie natürlich auch selbst die Chance, anzukommen, Ruhe und Sicherheit zu gewinnen.
  • Falls Sie Ihre Idee vorschnell äußern, ohne dass das jemand mitbekommt, könnte ein anderer Teilnehmer diese nochmals aufgreifen, ergänzen und für sich die Lorbeeren einheimsen.

Dann ist die Chance vertan. Anstatt sich zu profilieren droht der Profilverlust. Sie selbst sind nicht in der aktiven Rolle, sondern höchstens in der kommentierenden.

So vermeiden Tiefstapler den Profilverlust

Durchbrechen Sie diesen Teufelskreis und kommunizieren Sie Ihre Kompetenzen nach außen - authentisch und selbstsicher. Dabei kann auch das Üben mit Coaches helfen, Freunden und dem Partner.

Mit Ihnen können Sie bevorstehende Situationen als Sparring-Partner üben. Das hilft, Gedanken zu ordnen, Verhaltensmuster zu durchbrechen und neue auszuprobieren. Außerdem bekommen Sie ein Feedback, wie Sie wahrgenommen werden.

Hilfreich kann auch das Üben vor einem Spiegelsein. So können Sie sich folgende Fragen leicht selbst beantworten:

  • Wie wirke ich auf andere?
  • Wie präsentiere ich mich?
  • Was könnte ich verbessern?

Der Aufstieg von der grauen Maus zum versierten Teamplayer braucht allerdings etwas Zeit. Nicht allein, weil Sie eingeschliffene Verhaltensmuster erkennen und durch andere ersetzen müssen: Auch die Kollegen und Ihr Umfeld muss sich an Ihr neues "Ich" gewöhnen. Seien Sie also geduldig mit sich selbst, Veränderungsprozesse gegen das notorische Tiefstapeln können ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen.

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