Wer schreibt, verrät sich. Die Schrift ist Körpersprache, sie ermöglicht einen Blick in seine Psyche und Persönlichkeit. Das jedenfalls sagen Graphologen. Für sie ist die Schrift eine Art Charakterzeugnis, so individuell wie ein Fingerabdruck. Diese Einschätzung ist allerdings umstritten. Schriftanalyse gilt vielen als esoterische Kaffeesatzleserei, als Hokuspokus. Graphologie ist nicht einmal eine anerkannte Wissenschaft, obwohl der aus dem Griechischen stammende Begriff (Lehre von der Bedeutung der Handschrift) das nahe legt. Tatsächlich ist Graphologie eine untergeordnete Disziplin der Psychologie, angesiedelt in der Persönlichkeitsdiagnostik.
In Deutschland wird die Schriftanalyse kritisch gesehen. Bei unseren europäischen Nachbarn in Frankreich und Italien gilt sie hingegen als geschätztes und ergänzendes Instrument bei der Bewerberauswahl. Für die WirtschaftsWoche habe ich 2005 selbst einen größeren Artikel dazu recherchiert. Wir machten sogar einen Praxistest. Ergebnis: Die Gutachten erfahrener Graphologen wurden von den Auftraggebern wie von den Begutachteten durchweg als überraschend zutreffend eingestuft.
Dabei spielt es keine Rolle, ob einer eine Sauklaue hat oder schön schreibt. Entscheidend sind die Größenverhältnisse der so genannten Ober-, Mittel- und Unterlängen innerhalb einzelner Worte sowie ob jemand seine Lettern mit Schnörkeln schmückt. Ein Narzisst beispielsweise zeichnet sich meist durch übergroße Anfangsbuchstaben sowie auffällig linkslastige Schleifen aus; teamunfähige Menschen dagegen schreiben oft unregelmäßig, eigenwillig, häufig in Form spitz auslaufender Bewegungen.
Die Mittelzone ist der Bereich, in dem die Kleinbuchstaben m, oder e liegen, die beiden anderen Zonen bilden die der Buchstaben b, d, h, k, l und t, beziehungsweise g, j, p, q und y . Betonte Oberlängen verraten den Schriftgelehrten intellektuelle Interessen und wie begeisterungsfähig der Autor ist. Sind sie verkümmert, wird das als geistige Faulheit ausgelegt. In der Mittelzone drückt sich auch das Selbstwertgefühl des Schreibers aus. Je ausladender die Schrift, desto größer sein Ego. Ausgeprägte Großschreiber können stolz, großmütig oder aufgeblasen sein, andererseits auch voller Taten- und Freiheitsdrang. Aus den Unterlängen wiederum schließen Graphologen auf die Triebe sowie die materiellen und praktischen Interessen. Sind sie verkürzt, beweist das Durchsetzungsmangel und Antriebsarmut.
Ein weiteres Merkmal sind die Bindungsformen, also wie einzelne Buchstaben verbunden werden. Schriftgutachter unterscheiden dabei zwischen einer Arkade, Girlande, Winkel und Faden. Eine Arkade ist die bogenförmige Wölbung, wie sie etwa im Buchstaben m vorkommt. Weil sie oben geschlossen ist, symbolisiert sie Verschlossenheit und Zurückhaltung. Ein Arkadenschreiber ist schwer aus der Reserve zu locken und gibt nur ungern sein Innenleben preis. Das Gegenstück dazu ist die Girlande, also wenn das n wie ein u aussieht. Girlandenschreiber sind aufgeschlossene, kontaktfreudige, freundliche Menschen. Entscheidend ist allerdings wie weit die Girlande auseinander steht: Weite und kelchförmig Schreibende geben ihr Wissen gerne weiter; sind die Bögen eng und tief, spricht das eher für einen gehemmten Eigenbrötler.
Winkelschreiber wiederum malen ihre Konsonanten als Zickzacklinien. Wer so schreibt, gilt als willensstark, entschlossen und durchsetzungsstark – manchmal aber auch als verbohrt und unduldsam. Von Fadenschriften spricht man, wenn die Buchstaben m und n als einfache, waagerechte Striche (Faden) erscheinen. Fadenschreiber sind oft Opportunisten: Sie drücken sich gern vor schweren Entscheidungen, bleiben vage und versuchen, ohne größere Anstrengung ans Ziel zu kommen. Im Extrem sind sie intrigant und verschlagen.
Ein weiteres Kriterium ist die Schräglage. Eine überwiegend nach links geneigte Schrift wird als Selbstbezogenheit und Selbstbeherrschung interpretiert. Rechtsschrägschreiber dagegen gelten als warmherzig, ungezwungen und kontaktfreudig. Sie können sich aber auch durch Unbeständigkeit und mangelnde Disziplin auszeichnen. Schreiber, deren Handschrift senkrecht im Lot steht, gelten wiederum als besonnene nüchterne Menschen mit wenig Temperament – bis hin zur Teilnahmslosigkeit.
Der Wortabstand zeigt dagegen viel über die Haltung des Autors. Klaffen große Lücken zwischen den Worten, spricht das für dessen geistige Klarheit, eine große Übersicht und genügenden Abstand zu Dingen und Menschen. Im Extremfall aber auch für Kontaktprobleme, vielleicht sogar Vereinsamung. Enge Wortzwischenräume dagegen finden sich oft bei Menschen, die sehr emotional bis chaotisch sind. Ihnen fehlt die sprichwörtliche Distanz.
Mit den Anfangs- und Endbetonungen schließlich drückt der Schreiber sein Geltungsbedürfnis aus. Wer seine Wörter mit ausladenden Schnörkeln oder übergroßen Buchstaben beginnt – etwa bei seiner Unterschrift –, dokumentiert Stolz, Elan und Einsatzfreude, aber auch den Wunsch nach Größe, Anerkennung und Überlegenheit. Sind die Wortanfänge verkümmert, offenbart sich Bescheidenheit, Zurückhaltung, eventuell auch Unsicherheit. Die Endbetonung wiederum spricht für einen willensstarken Menschen mit Hang zur Opposition. Er besitzt in der Regel wenig Taktgefühl – ganz im Gegensatz zu Schreibern, deren Wortenden ruhig und klein auslaufen. Sie sind meist gute Diplomaten, aber auch leicht beeinflussbar. Es hat eben alles zwei Seiten. Auch ein beschriebenes Blatt Papier.
Wenn Ihnen das alles viel zu theoretisch war, dann machen Sie doch einfach einen kleinen Selbsttest. Auf dieser Seite gibt es eine schöne – und freilich völlig unwissenschaftliche – Anleitung dazu mit anschließender Auswertung. Zunächst schreiben Sie dafür eine Textvorlage ab und werten diese anschließend anhand von 20 Fragen (die man möglichst genau und ehrlich beantworten sollte!) aus. Kurz darauf bekommen Sie ein kleines Psychogramm von sich selbst.
Meines lautet übrigens so:
Der Schreiber ist selbstbewusst und bereit, seine Stärken auch anderen zu zeigen. Er ist locker und großzügig. Der Schreiber ist ein impulsiver, vielseitiger und unkonventioneller Typ. Es fällt ihm nicht leicht, sich anzupassen. Er ist von sich überzeugt und hat eine eigene Meinung. Er lässt sich von anderen nicht so leicht beeinflussen, auch nicht von einem „Das gehört sich aber so.“ Er ist sinnlich, warmherzig, gemütlich und phantasievoll. Im Großen und Ganzen wirkt er gelassen bis uninteressiert, wenn er aber von einer Sache überzeugt ist, überrascht er seine Umwelt durch sein überschwängliches und begeisterungsfähiges Auftreten. Er ist lebhaft und kontaktfreudig. Mit viel Verständnis für die Belange anderer. Der Schreiber ist anderen Menschen gegenüber immer offen und aufgeschlossen. Der Umgang mit Menschen macht ihm Spaß, der ideale Arbeitsplatz ist da, wo er mit anderen Menschen zu tun hat. Er arbeitet sehr genau und zeichnet sich durch rationales, analytisches Denken aus. Der Schreiber ist sehr stark um Gerechtigkeit bemüht. Er versucht stets, sich für andere einzusetzen. Er ist ein sehr humorvoller Mensch, bemüht sich, mit diesem Humor niemanden zu verletzen. Der Schreiber ist ein impulsiver und phantasievoller Idealist.



Silke
Die eigene Handschrift zu deuten finde ich äußerst fasznierend.
Ich hielt die Tage eine Notiz von mir aus längst vergangenen Zeiten in den Händen. Interessant fände ich jetzt einen Vergleich zwischen beiden Handschriften und ob sich meine Persönlichkeit tatsächlich entsprechend ihrer Schriftdeutung verändert hat.
Norbert Glaab
Ergänzend zu Ihrem Bericht:
Es gibt heute wieder Firmen, die nicht nur das Gutachten des neu einzustellenden Mitarbeiters prüfen, sonder dazu auch den Lebenspartner.
Selber erlebt:
Der Neueingestellte wurde um eine Schriftprobe gebeten. Für die Firma gab es einige Zweifel. Darauf hin wurde von seiner Partnerin ebenfalls eine Schriftprobe gefordert. Danach bekam er die Auflage, dass er diese Position nur innehaben kann, solange er mit seiner Partnerin (in diesem Falle Frau) zusammenlebe. Es gibt wohl noch mehr, was aus der Graphologie zu entnehmen ist.
Jochen Mai
@Silke: Du kannst das ja mit dem angegebenen Link mal ausprobieren. Das Ergebnis ist zwar nur grob, aber dafür an manchen Stellen verblüffend nah an der Realität.
@Norbert Glaab: Ganz ehrlich – das halte ich für Kokolores. Nicht Ihre Geschichte, die mag sich tatsächlich so zugetragen haben. Aber nach einer solchen Aufforderung sollte man sich sofort auf dem Absatz umdrehen und schleunigst das Weite suchen. Die stellen doch nicht die Partnerin ein, sondern den Bewerber! Und jemand aufgrund seiner privaten Partnerschaft zu diskriminieren, verstößt schon gegen das AGG. Hier hatten Sie es offenbar mit einem Quacksalber zu tun und einem Chef, der dem glaubt. Für beides gilt: Alarmstufe Rot!
Stephan
Kann mir irgendjemand eine Studie nennen, die auch nur ansatzweise glaubwürdige Hinweise für die Validität graphologischer Gutachten liefert?
Jochen Mai
Eine deutsche Studie ist mir nicht bekannt – aber vielleicht wissen die Franzosen oder Italiener mehr. Dort gelten graphologische Gutachten als anerkanntes Rekrutierungswerkzeug. Ich selbst war am Anfang ebenfalls mehr als skeptisch, was daran liegt, dass die Qualität von Schriftanalysen wesentlich von der Erfahrung und der Güte des Schrftgutachters abhängen (und man sehr viele Jahre braucht, um gut zu werden). Andererseits haben wir damals in der Redaktion eine Stichprobe gemacht: 3 Probanden aus der Redaktion, 3 renommierte Schriftpsychologen. Die Ergebnisse waren frappierend: Sowohl Probanden wie auch Kollegen bescheinigten den Gutachten eine sehr treffsichere Beschreibung. Die Gutachter hatten indes keinerlei Anhaltspunkte, um wen es sich dabei handelt. Lediglich Alter, Geschlecht sowie ob es sich dabei um Rechts- oder Linkshänder handelt, gaben wir an.
Zugegeben, das ist lediglich eine Stichprobe mit n=3. Aber auch eine Trefferquote von 90 Prozent. Quacksalber schaffen in der Regel deutlich weniger.
alex
@Jochen Mai: Dass die Gutachten treffend waren, glaube ich, denn ein erfahrener Graphologe formuliert wie ein erfahrener Astrologe – da ist für jeden was dabei.
Ich habe kürzlich eine wissenschaftliche Studie zu dem Thema gesehen – ich glaube es war die Uni Bern, bin mir aber nicht mehr sicher. Das Ergebnis war erstaunlich: Anerkannte Graphologen hatten bei der Handschriftanalyse eine niedrigere Trefferquote bezüglich der Charaktereigenschaften als totale Laien. Sie lag unterhalb des zufälligen Ratens, bei 0.46 oder so. Laien lagen knapp besser als die geworfene Münze.
Da graphologische Gutachten idR vage formuliert sind, holen sich entscheidungsschwache Chefs einfach das raus, was sie lesen wollen.
Jochen Mai
@alex: ich hab die gutachten unseres experiments damals ja gesehen (und die geschichte dazu ja auch geschrieben). glaub mir: das waren keine astrologischen kaffeesatzlesereien vom typ “heute ist in der liebe alles drin!”. das waren schon sehr konkrete charakterbeschreibungen, darunter auch negative.
derherold
Ich kann zumindest bestätigen, daß die Auswertung des Selbsttests hart am Rande der Realität war. ;)
Mir ist die “Cold Reading”-Technik durchaus bekannt…
alex
@Jochen Mai: Ich habe geschrieben “erfahrener Astrologe”. Mit Gutachten auf dem Niveau des Zeitungshoroskops liesse sich natürlich kein Geld machen.
Wenn ein Personalchef einem Graphologen mehr vertraut als seinem persönlichen Urteil, hat er total den Beruf verfehlt. Wenn eine Methode nach wissenschaftlichen Kriterien gemessen nachweislich wertlos ist, sagt das eig. schon alles – aber wir schwimmen ja wieder auf der Esoterikwelle.
Allein auf Basis der puren Fakten des Lebenslaufs lässt sich eine Person bereits zuverlässiger einschätzen.
Jochen Mai
nur, dass wir den graphologen den lebenslauf vorenthalten haben. die wussten nur: mann/frau, linkshänder/rechtshänder, alter – und die schriftprobe.
alex
;-) Haupsache man hat ein gesundes Selbstvertrauen!
Ist schon interessant wie sich Absurditäten wie die Graphologie hartnäckig halten können, obwohl es genug wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die beweisen, dass das alles Humbug ist.
Aber Wünschelrutengänger gibt es ja auch noch immer.
Schon Wasseradern im Büro gefunden?
Jochen Mai
@Alex: Ich mag Zynismus, der ist so erfrischend. Er täuscht aber zuweilen auch über mangelnde Belege hinweg. Oder anders formuliert: Die wissenschaftlichen Studien, die Graphologie als Humbug abtun, würde ich gerne sehen. Also bitte zitieren oder verlinken! Es gibt für und gegen alles Studien. Der Frage, wie wissenschaftlich und glaubwürdig die Anti-Studien sind, müssen sie sich aber auch stellen.
alex
Nun, wie wäre es z.B. damit:
http://www.uni-hohenheim.de/studieneignung/publikationen/sicht_der_bewerber_empirirsche_paedagogik.pdf
Also ich persönlich denke eine solche universitäre Studie ist seriöser als der Selbstversuch in der Redaktion. Aber ich bin ja auch nur Naturwissenschaftler und kein Journalist – um beim Zynismus zu bleiben.
Es finden sich auch noch andere Studien – z.B. eine praxisorientierte aus Israel, allerdings muss man in all dem Müll den die Graphologenlobby postet ein wenig suchen.
Gemeinsam ist aber allen, dass man besser würfelt als einem Graphologen zu vertrauen.
Jochen Mai
Die zitierte “Studie” ist ja wohl eine Einschätzung von Studenten über die Aussagefähigkeit von Graphologischen Gutachten. Da stellt sich doch sofort die Frage: Können die das überhaupt beurteilen? Und vor allem: Welche Graphologen nahmen an dem Versuch teil, bzw. gaben ihre Gutachten ab? Denn wie ich schon schrieb, hängt die Güte solcher Gutachten natürlich entscheidend von der Erfahrung und Kompetenz des Gutachters ab. Ich würde erwarten, dass vor allem Personaler, also die potenziellen Auftraggeber, die Voraussage-Güte von solchen Gutachten beurteilen sollten. Und ich zitiere aus dieser angeblich beweiskräftigen Studie: “Die Einschätzung von Verfahren zur Studierendenauswahl durch Bewerber wird in drei Teilstudien analysiert. Als Versuchpersonen werden Studierende herangezogen. Dies schränkt die Generalisierbarkeit der Ergebnisse ein.” Also mich überzeugt das nicht. Aber ich bin ja auch nur kritischer Journalist und kein
NaturwissenschaftlerVerfasser von wissenschaftlichen Studien…alex
Fluckwinger A, Tripp, Clarence A & Weinberg, george H (1961). “A Review of Experimental Research in Graphology: 1933 – 1960″. Perceptual And Motor Skills ?? (12): 67–90.
Lockowandte, Oskar Present status of the investigation of handwriting psychology as a diagnostic method. Catalog of Selected Documents in Psychology, 1976, 6, 4-5.
Nevo, B Scientific Aspects Of Graphology: A Handbook Springfield, IL: Thomas: 1986
Ben-Shakar, G., Bar-Hillel, M., Blum, Y., Ben-Abba, E., & Flug, A. (1986). “missingtitle”. Journal of Applied Psychology 71: 645–653.
Jochen Mai
@alex: Jaja, aus dem Literaturverzeichnis kopieren kann ich die auch. Aber haben Sie die Sudien auch gelesen? Was sagen die denn? Mit welcher Methodik haben die Autoren das untersucht? Ich meine, Sie treten hier an als Naturwissenschaftler und Graphologiekritiker, liefern aber nur Literaturlinks und Zynismus. Ich meine, es wäre jetzt an der Zeit auch ein paar handfeste Argumente einfließen zu lassen.
alex
Nein, ich habe die nicht gelesen – wäre das meine Aufgabe gewesen? Ich bin weder hauptamtlicher Graphologiekritiker, noch ist mir klar, was handfeste Argumente zu diesem Thema sein sollen.
Ich denke auch nicht, dass man als Laie universitäre Studien hinterfragen muss, wenn sie allesamt zum gleichen Ergebnis kommen. Ich meine ist es wichtig, welche Methodik Galileo angewandt hat, als er postulierte die Erde sei eine Kugel?
Kennen Sie eine seriöse Studie die belegt, dass graphologische Gutachten mit karriererelevanten Eigenschaften korrelieren? Vermutlich nicht – hat Sie das vom Schreiben des Artikels abgehalten? Warum auch – sie haben Ihre Meinung, ich meine. Ich lege es gar nicht darauf an Sie zu überzeugen.
Übrigens sehr interessant ist auch folgendes Dokument:
http://amor.rz.hu-berlin.de/~h04440am/public/Skript%20P%20III%20B.Meyer.pdf
Jochen Mai
Studien habe ich keine gefunden – jedenfalls nicht im deutschsprachigen Raum. Für die Story haben wir damals aber auch mit unseren Korrespondenten in Frankreich und Italien gesprochen, bzw. die haben vor Ort recherchiert – und dort gilt Graphologie keinesfalls als Humbug, sondern wird sehr ernst genommen. Ich zitiere aus Ihrem jüngsten Link: “Anders in Frankreich und den französischsprachigen Benelux-Ländern: Hier werden Nutzungsquoten [der Graphologie] zwischen 24 und 93% (!) verzeichnet. Der Grund dafür ist unklar.”
Ein “unklarer” Grund – soviel zu seriöser Forschung in Deutschland! Mir will nicht recht in den Sinn, dass die Psychologie der Franzosen und Italiener eine andere sei als die der Deutschen oder gar rückständiger. Warum wird das hierzulande nicht untersucht? Ich gehe doch davon aus, dass es hüben wir drüben seriöse Wissenschaftler gibt.
Und wie gesagt: Unser kleiner Test fiel ebenfalls sehr positiv aus. Der ist zwar alles andere als wissenschaftlich, das räume ich gerne ein, aber immer noch besser als schwammige Antipropaganda.
Natürlich müssen wir uns nicht überzeugen. Wir diskutieren. Und das finde ich gut. Aber wenn Sie hier schon ordentlich auf die Sahne hauen und das Thema – zynisch gewürzt – mit Wünschelrutengängern auf eine Stufe heben, hätte ich von einem Wissenschaftler zumindest erwartet, dass er nicht nur aus dem Hörensagen rezitiert, sondern zumindest die Argumente kennt.
alex
Nun das ist ja gerade die Krux – es ist eben gar nicht so einfach pseuwissenschaftliche Behauptungen und urbane Legenden zu widerlegen. All der esoterische Unsinn wie Bachblüten, Homäopatie, etc. etc. kann sich halten obwohl es reichlich Beweise gibt, dass diese Dinge nachweislich Plazebos sind. Nur um ein Beispiel zu nennen.
Dass Graphologie in Frankreich stark verbreitet ist, heisst noch lange nicht, dass es dort wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die deren Wirksamkeit beweisen. Diese Folgerung ist unzulässig.
Meiner Ansicht nach ist es ein rein gesellschafliches Phänomen. Es ist z.B. auch so dass nahezu 100% der europäischen Marien- und Jesuserscheinungen im romanischen Sprachraum passieren (ebenfalls ohne Quellenangabe). Kann man daraus schliessen, dass die Deutschen weiter weg von Gott sind? Wer kann sagen woran das liegt? Ist es wichtig?
Hörensagen – ja ok. Ich bin aber der letzte der sich sträubt durch Hörensagen erworbenes Wissen zu hinterfragen. Schliesslich und endlich ist es aber gar nicht möglich alles Wissen das man gewonnen hat zu belegen. Wie Gödel bewiesen hat, ist dies letztlich tatsächlich unmöglich.
Jochen Mai
Das war keine Folgerung. Es gibt diese Studien im Ausland, wie ich von den Korrespondenten weiß. Ich bin beider Sprachen nur nicht mächtig, um sie hier zu zitieren. Davon abgesehen finde ich aber bemerkenswert, wie sehr Sie gegen das Thema wettern, ohne zugleich diesselben Anstrengungen zu unternehmen, Ihre Meinung diesbezüglich zu fundieren oder vielleicht sogar verändern zu lassen.
Roland
Ich will da mal dazischenfunken :)
Hallo!
Der Unterschied zwischen Astrologie und Graphologie ist ja wohl der, das ein Astrologe in Dingen liest, die keine direkte Verbindung zum Probanten zulassen. Der Graphologe dagegen etwas in der hand hält, das wie Sprache direkt vom Probenten kommt. Und genauso wie sich die Sprache eines zurückhaltenden, schüchternen Menschen von der eines emotionalen, begeisternden Menschen unterscheidet, kann ich mir gut vorstellen, dass sich dies auch in der Schrift bemerkbar macht. Genau aus diesem Punkt denke ich, dass die Graphologie durchaus in der Lage ist, die Persönlichkeit einer Person in grundzügen zu Charakterisieren.
Weiter diskutieren. :-)
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Sylke
Hallo Leute,
Ich bin gerade auf die hochspannende Homepage gekommen weil mein Sohn (7) sehr linkslastig schreibt. Er schreibt so seit der ersten Klasse. Hat das eine Bedeutung? Er ist ein unsicherer, denoch eigenwilliges Kind. Ich wäre für einen Tipp dankbar weil mein Sohn sich immer
zu den falschen Freunden hingezogen fühlt.
Vielen Dank Sylke
Will mich nicht outen
Das sich menschliche Verhaltenseigenschaften in Schrift ausdrücken klingt plausibel, ob sich dass in validen Kategorien erfassen lässt bleibt zu Beweisen. Bsp. Körpersprache die mit der Black Box bzw. Variablen Alter, Geschlecht, individuelle Befindlichkeit, Sozialisation und kulturelle Einflüsse u.a. leben muss.
Also entweder Fakten auf den Tisch oder deutlich als “Glaubensfrage” kenntlich machen.